Erster Weltkrieg

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Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verändert auch das Leben der Menschen in Kassel. Die anfängliche Euphorie und die Hoffnung auf einen schnellen Sieg schlagen schnell in Ernüchterung um. Der Krieg begann nur nur ein Jahr nach dem großen Stadtjubiläum mit den ausgiebigen Feiern zum 1000-jährigen Bestehen Kassels. [1]

1914 - Auch an der Fulda wird mobil gemacht

August 1914 Ausmarsch der 83er in Cassel, Hohenzollernstraße. Sie marschierten unter den Klängen der Militärkapellen zu den Eisenbahnverladestellen.

Am späten Nachmittag des 1. August donnert vom Generalkommando des XI. Armeekorps kommend ein Militärkraftwagen die Königsstraße hinunter. An der alten Hauptpost am Königsplatz hält das Gefährt. Ein Offizier springt heraus und stürmt die Treppe zum Portal hinauf. Auf einem Plakat, das er eilig an einer der Säulen befestigt, können die Kasseler wenig später lesen, was sie bereits seit Tagen erwartet haben: Deutschland macht mobil. Um sieben Uhr abends verbreitet ein Extra-Blatt des "Casseler Stadtanzeiger" die Nachricht, die sich wie ein Lauffeuer in der Stadt verbreitet: "Seine Majestät der Kaiser hat die Mobilisierung angeordnet. Der erste Mobilmachungstag ist Sonntag, der 2. August". In Gaststätten und auf Plätzen kommt es zu spontanen Kundgebungen, patriotische Lieder werden angestimmt.

Die Entwicklung hatte sich abgezeichnet: Nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz-Ferdinand in Sarajevo ist das mit Deutschland verbündete Habsburgerreich zum energischen Vorgehen gegen Serbien entschlossen.

Kaiser Wilhelm II. sichert Österreich-Ungarn seine volle Unterstützung zu. Am 28. Juli erklärt die k.u.k-Monarchie Serbien den Krieg. Den Konflikt zu begrenzen gelingt nicht mehr. Am 31. Juli ordnet Russland die Generalmobilmachung an. Tags darauf erklärt Deutschland dem Zarenreich den Krieg, zwei Tage später den Franzosen. Auch in Kassel glaubt die Mehrheit der Bevölkerung zunächst an einen gerechten Krieg, der schnell vorbei sein wird. Noch vor Weihnachten, davon sind die meisten Mütter, Väter, Ehefrauen und Verlobten überzeugt, werden die Männer längst als Sieger zurückgekehrt sein. Es sollte anders kommen.

Am 2. August und an den folgenden Tagen herrscht in der Stadt hektische Betriebsamkeit. Im Laufe des Sonntags eilen die Reservisten mit Pappkartons in der Hand zu ihren Einheiten. Mit Hurra-Rufen und bunten Blumen werden die Soldaten verabschiedet. Vom Hauptbahnhof aus, der in jenen Tagen einem Heerlager gleicht, geht es mit dem Zug nach Westen.

Viele der Männer, die nicht euphorisch, sondern ob des ungewissen Schicksals verunsichert und angespannt dreinblicken, sollten ihre Heimatstadt nicht wiedersehen.

Am 3. August reagieren die politischen Gremien der Stadt auf die neue Lage. Am Morgen tagt der Magistrat, nachmittags kommen die Stadtverordneten zu einer Sitzung zusammen. Einziger Tagesordnungspunkt: Maßnahmen wegen des Kriegsausbruchs. Die Lage in der Stadt ist angespannt, die Menschen sind nervös. Es kommt zu ersten Hamsterkäufen.

Dass der Krieg, der vier Jahre dauern sollte, kein Spaziergang ist, erfahren die Kasseler bereits in den ersten Augusttagen. Beim Sturm auf Lüttich erleiden die 83er, eines der in der Fuldastadt beheimateten Regimenter, hohe Verluste. Die Spalten der Tageszeitungen füllen sich mit Todesanzeigen. Die Euphorie schwindet.

Brot aus Kartoffeln, Braten ohne Fett

Knappe Lebensmittel, Kriegsverletzte, Hamsterfahrten: 1915 ging der Krieg in das zweite Jahr.

Sie hatten sich so viel vorgenommen. Ein schnelles Kriegsende, gemeinsam Weihnachten feiern. Sich wieder sattessen... Stattdessen kam es hart:"Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande und macht sich strafbar", mahnte bereits im Januar die "Hessische Post". Eine Kasselerin schilderte den Jahresbeginn so: "Unbedingte Vorsorge, pflegliche und sparsame Behandlung der vorhandenen Nahrungsmittel wird zur dringenden Forderung."

"Hausfrauenpflichten in schwerer Zeit" - Vorträge darüber waren bestens besucht. Wie verwerte ich Küchenabfälle, backe Brot aus Kartoffeln, brate ohne Fett? Kochkisten sollten Energie sparen helfen, man unternahm erste Hamsterfahrten aufs Land und übte sich zwangsläufig im Gartenbau. Eine Beratungsstelle für Hausfrauen entstand, die den wacker die Familie ernährenden Frauen zur Seite stand. 1915 verteilte man erstmals Fettkarten in Kassel, und am 26. Oktober wurde schließlich der Kasseler Hausfrauenverein gegründet: Von ihm erhofften sich die Frauen, die ihre Familien vor dem Verhungern retten wollten, die Lösung ihrer Probleme. Stundenlanges Anstehen um Lebensmittel, Kleider, Schuhe, Seife, das war der Alltag.

Henschel als Rüstungsschmiede

Der Lokomotivenbauer in Kassel, die Firma Henschel und Sohn AG, wird mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs auch zur Rüstungsschmiede. Die Arbeiter produzieren Geschosse, Zünder und Munitionswagen. 1915 bereits hatte Firmenchef Carl Henschel dem Kriegsministerium den Bau von Geschützen angeboten. Die Politiker aber lehnten ab, da zu jenem Zeitpunkt das Heer an allen Fronten siegte und die Regierung daher einen baldigen Friedensschluß erwartete. Dazu kommt es nicht, das Heer benötigt Waffen, die Henschel bauen soll. Da der Platz in den Fabrikhallen in Rothenditmold nicht ausreicht, baut Henschel eine neue Anlage für den Geschützbau, das Werk Mittelfeld. Im Mai 1918 wird es seiner Bestimmung übergeben.

Die Rüstungsproduktion läuft auf Hochtouren, die Arbeiter müssen Nachtschichten einlegen, um die Aufträge zu schaffen. Sie fertigen neue Geschütze an, arbeiten aber auch erbeutete Geschütze sowie Maschinenkanonen der Marine für die Fliegerabwehr um.

Der Lokbau wird parallel dazu vorangetrieben. Henschel liefert der Reichsregierung 798 Feldbahn-Lokomotiven, 1917 fährt erstmals die Kriegs-Einheits-Lokomotive aus den Fabrikhallen. 433 Exemplare dieser Baureihe werden ausgeliefert.

Der Dank des Kaisers für diese Anstrengung ist der Firma gewiß. Am 31. August 1918 kommt Wilhelm II. nach Kassel und zeichnet Carl Anton Oscar Henschel und einige seiner Angestellten und Arbeiter mit dem Verdienstkreuz für Kriegshilfe aus.

Das Ende des Kriegs im Jahr 1918 zwingt Henschel dann zur Umstellung: Die Maschinen für die Rüstungsproduktion müssen auf Druck der Siegermächte verschrottet werden.

Kriegsende

Im November 1918 geht der Erste Weltkrieg zu Ende. Auch in Kassel übernehmen Arbeiter-und Soldatenräte die Macht. Vor dem Kasseler Hauptbahnhof wehen rote Fahnen als Gruß für die heimkehrenden Frontsoldaten. Doch nicht allen gefällt dieses klare politische Symbol. Eines Tages reißen Offiziere eine Fahne von dem Triumphbogen, der am Bahnhof für heimkehrende Frontsoldaten aufgestellt worden ist, die Wache schießt, ein Soldat, der Leutnant Krüger bricht tot zusammen.

Eine Randnotiz der Geschichte und gleichzeitig ein Ereignis, das charakteristisch für die Situation in einer deutschen Großstadt wie Kassel am Ende des Jahres 1918 ist. Seit dem Sommer ist klar, daß das Deutsche Reich ganz massiv auf eine Niederlage im Ersten Weltkrieg zusteuert. Und je konfuser die Situation an der Westfront wird, desto deutlicher verliert Kaiser Wilhelm II. an Macht – Frieden mit den Alliierten, vor allem mit dem amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson, ist nur zu bekommen, wenn Deutschland sich von der Monarchie verabschiedet und der Demokratie zuwendet. Das vollzieht sich nicht als glatter Übergang – das Land droht zeitweise im Chaos zu versinken.

Anfang November überschlagen sich die Ereignisse, und ein Kasseler ist mittendrin: Philipp Scheidemann, der spätere Oberbürgermeister. Am 9. November tritt der Sozialdemokrat Scheidemann um 14 Uhr in eines der hohen Fenster der Berliner Reichskanzlei und ruft die Republik aus.

Kriegsberichterstatter und Schlachtenmaler

Wie der Kriegsberichterstatter und „Schlachtenmaler“ Theodor Rocholl mit der Realität des Ersten Weltkriegs umging, beleuchtete im Jahr 2014 eine Ausstellung im Stadtmuseum Hofgeismar. Im Laufe des Krieges wandelten sich Rocholls Bilder, seine Soldatenporträts zeigten kein Lächeln und blutüberströmte Menschen werden zwischen der Kriegstechnik aufgerieben. Als sein schwerverwundeter Sohn Karl zum Ende des Kriegs stirbt, „flieht“ Rocholl regelrecht in den Reinhardswald, wo zahlreiche Naturbilder entstehen.

Bilder zur Ausstellung im Stadtmuseum Hofgeismar …

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. HNA-online vom 6.1.2014: 1. Weltkrieg vor 100 Jahren - Vom Kasseler Hauptbahnhof ging es an die Front

Weblinks



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