Erste Vertriebene kamen

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Foto aus der HNA vom 05.03.2011

Adam Ritze (75) aus Hertingshausen, eigentlich ein waschechter Altenbaunaer, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Bauna-Tals und mit Geschichten aus alten Zeiten. In unserer Serie erzählt Ritze aus seinen Erinnerungen und ergänzt sie mit Fakten, die er zusammengetragen hat. Heute geht es um Vertriebe, die nach Baunatal kamen.


Serienteil: "Erste Vertriebene kamen"

HNA Bericht vom 05.03.2011

Baunatal. Der Krieg lag nun schon eine Zeit zurück. Inzwischen fand auch wieder regelmäßiger Schulunterricht statt. Der Schwarzhandel hatte Hochkonjunktur. Hauptsächlich wurde getauscht, denn für Geld gab es nichts. Im Frühjahr 1946 bekamen wir dann auch die Vertreibung der Sudetendeutschen aus Tschechien zu spüren. Im Vorfeld ist eine Kommission von Haus zu Haus gegangen und hat freie Räume für die Zwangseinweisung der Vertriebenen gesucht. Begeisterung wurde durch diese Aktion in der Bevölkerung nicht gerade ausgelöst. In unserem Haus – wie bei vielen anderen auch – wurde kein zusätzlicher Platz gefunden. Deshalb brauchten wir auch niemanden aufzunehmen.

Am 16. Mai 1946 wurden dann zwei geschlossene Viehwaggons auf das Abstellgleis vom Bahnhof-Altenbauna geschoben. Diese zwei Waggons waren ein Teil des fünften Transportes aus dem Sammellager Hohenelbe vom 7. Mai 1946.

Die 60 Personen wurden auf Altenbauna und Kirchbauna verteilt. Die Personen für Altenbauna wurden von einem Landwirt mit seinem Traktorgespann zum Saal des Gasthauses Freitag gebracht. Hier wurden sie – nach einem bereits fertigen Plan – auf die „Gastfamilien“ verteilt. Dabei hatten einige Vertriebene mehr Glück als andere. Je nach Einstellung der Gastfamilien.

Weil sich in diesem Transport auch ein zehnjähriges Schulmädchen befand, welches später meine Frau wurde, habe ich diesen Bericht etwas ausführlicher gefasst. Nachträglich kann ich sagen, dass das Mädchen mit seiner Mutter und den Großeltern mit der Gastfamilie Glück hatte. Für uns Kinder gab es aber ganz andere Probleme. Räuber und Gendarm spielen im ganzen Dorf, das war eine tolle Sache. Oder Unterdorf gegen Oberdorf – mit sehr vielen Möglichkeiten. Zum Beispiel: Das Dorfsuchen. Dabei waren Gartenzäune oder Scheunentore kein Hindernis. Dass wir uns dabei den Unmut der Erwachsenen zuzogen, kümmerte uns wenig. Es gab aber noch eine Sache, bei der wir gern mitgemacht haben. Das war die Suche nach Kartoffelkäfern. Schon während des Krieges mussten die Schulkinder diese Aktion mitmachen. Nur: Wir haben nie welche gefunden. Jetzt war es interessanter, denn wir haben tatsächlich ab und zu auch welche entdeckt. Wenn einer geschrien hat: „Hier sind welche“, dann ist jedes Mal die ganze Suchkolonne zusammengelaufen und hat die Larven oder auch die schönen Käferchen bestaunt.

Dieser Artikel ist am 5.3.2011 erschienen unter dem Titel "Erste Vertriebene kamen - Kommission suchte nach Platz für Flüchtlinge – Vom Glück einer freundlichen Gastfamilie".

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