Ernst Paul

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Kirche Adorf - Innenansicht mit Lutherstandbild von Ernst Paul

Der Bildhauer Ernst Paul stammt aus Adorf, heute ein Ortsteil der Gemeinde Diemelsee.

Der Adorfer Lehrersohn besuchte nach Schul- und Lehrzeit in Arolsen die Dresdener Kunstakademie und war dort Schüler von Prof. Schilling, einem Rauch-Schüler, bevor er in Dresden sein eigenes Atelier eröffnete.

Kirchliche Kunst

Ernst Paul widmete sich zunächst vorwiegend der kirchlichen Kunst, wobei er Reliefs und Skulpturen für die Dresdener Kirchen schuf, dann aber auch Denkmäler für bekannte Persönlichkeiten wie Gutenberg, Fritz Reuter und andere. Eine seiner Luther-Statuen steht in der Adorfer Kirche.

Ebenso stammt von ihm das Standbild der Waldeccia in Korbach, die dort inzwischen seit weit mehr als 120 Jahren auf ihrem Platz mit Blick zum Rathaus steht.

Waldeccia - Eine Siegesstatue aus der Kaiserzeit

"Waldeccia" in Korbach

Was den Deutschen die Germania und den Bayern die Bavaria, das ist den Waldeckern ihre Waldeccia. Während ihre preußisch-deutschen und bayerischen Schwestern im deutschen Kaiserreich bald zur Dutzendware verkamen, existiert die Waldeccia nur in einem einzigen Exemplar. Sie steht seit mehr als hundert Jahren in Korbach, und zwar zwischen Stechbahn und Kilianskirche.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/ 71, der mit einem Sieg der deutschen Länder, der Gefangennahme Kaiser Napoleons und der Gründung des 2. Deutschen Reiches endete, schössen die Sieges- und Bismarckdenkmäler überall in Deutschland nur so aus dem Boden. Auch in Korbach erachtete man es als vaterländische Pflicht, ein Denkmal zur Erinnerung an den Sieg, aber auch als Ehrenmal für die in diesem Krieg gefallenen Soldaten zu errichten. 1881 wurde ein Komitee gebildet, in dem der Kriegerverein Korbach, die Bürgermeister des Eisenberger Kreises und Kreisamtmann Giesecke als Vertreter des Kreises vertreten waren.

Die für die Errichtung des Denkmals nötigen finanziellen Mittel sollten durch Sammlungen, Spenden, Verlosungen und Benefizveranstaltungen aufgebracht werden. Die veranlagten 4500 Mark kamen tatsächlich bald zusammen.

Unter mehreren Angeboten entschied man sich schließlich für einen Entwurf des aus Adorf stammenden Bildhauers Ernst Paul, der in Dresden sein Atelier betrieb. Pauls Entwurf sah eine gepanzerte Waldeccia vor, den Siegerkranz in der erhobenen Rechten, in der Linken ein Schild mit dem Waldecker Stern. Das den Korbachern im Entwurf etwas zu niedrig geratene Fundament musste nachgebessert, das heißt imposanter gestaltet werden. Auf ihm wurden schließlich die Namen der siebenundzwanzig Gefallenen, darunter fünf aus Korbach und zweiundzwanzig aus anderen Orten des Eisen-berger Kreises angebracht. Auf der Rückseite befindet sich die Inschrift: „Gewidmet den Kriegern des Kreises Eisenberg die ruhmvoll fürs Vater land starben”, und auf der Vorderseite „Wer da fällt in seiner Pflicht fällt wenn Gott gebeut steht in Ewigkeit”. Da keine Satzzeichen gesetzt sind, fällt es heute schwer, den Sinn dieser Inschrift zu ergründen.

Nach der Fertigstellung wurde das 350 Zentner schwere Denkmal aus französischem Kalkstein mit Fuhrwerken aus Korbach und umliegenden Dörfern vom Bahnhof Bredelar nach Korbach transportiert. Vor der Einweihung war es jedoch zu einem Streit um den Standort des Dankmals gekommen. Der ursprüngliche Plan, das Denkmal auf dem Eisenberg zu errichten, war schon bald verworfen worden. Bis kurz vor der Aufstellung war der Marktplatz als Standort vorgesehen. Erst im März 1878, also ein halbes Jahr vor der Einweihung, beugte man sich dem Bürgerwillen und einigte sich auf den heutigen Standort. Dieser Platz war Ende 1873 erst frei geworden. Bis dahin hatte hier die Contzen‘sche Apotheke gestanden, die im November 1873 mit einigen umliegenden Gebäuden abgebrannt war. Am 2. September 1878, am „Tag von Sedan”, der im Kaiserreich in Erinnerung an die siegreiche Schlacht von Sedan als Feiertag begangen wurde, fand die feierliche Einweihung des Denkmals statt. Der Festakt vollzog sich unter starker Anteilnahme der Bevölkerung und der Kriegervereine. Auch mehr als hundert Kriegsteilnehmer waren gekommen. Ein Festzug durch die Stadt mit Kapellen und Vereinen schloss sich an. Er führte zum Schmalz‘sehen Felsenkeller, wo man, wie die Zeitung schrieb, „bei gar froher Feststimmung in ungestörter Gemütlichkeit beisammen blieb”.

Seit 123 Jahren steht die Waldeccia auf ihrem Platz mit Blick zum Rathaus. Wiederholt gab es Stimmen, die ihren Abbau verlangten, da ein solches Denkmal in Form und Bestimmung nicht mehr dem Zeitgeschmack entspricht. Ob kommende Generationen der Waldeccia eine Chance einräumen, bleibt abzuwarten. Sie hat eine Zukunft, wenn wir sie als kunstgeschichtliches Zeugnis aus der „glorreichen” Zeit des Kaiserreichs sehen, nicht aber als ein Denkmal der Heldenverherrlichung, sondern als Mahnmal zu Frieden und Versöhnung. Im Sommer 2002 erlebte die Waldeccia eine gründliche Renovierung. Vom jahrzehntealten Schmutz befreit, strahlt sie nun wieder in ihrem alten Glanz.