Erinnerungen an die Kindheit Ende 1960

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Ein Stück (neuzeitliche) Kindheitserinnerung

Ich war Ende der 60er des letzten Jahrhunderts so um die acht bis zehn Jahre. Unsere 'Bande' (wir waren im Vergleich zu Anderen richtige Weicheier...) bestand aus meinen Schulkameraden aus der Grund(Dumm)schule Kirchditmold (Bernie, Baffi, Picco, Jochi, Thommi und wie sie alle genannt wurden). Unser Revier war der Bereich Kirchditmold (weiter trauten wir uns selten), so zwischen Hohnemannstrasse im Westen, Zentgrafenstrasse im Süden und Osten und Steinäcker Weg im Norden. Unsere liebsten Beschäftigungen waren anderen die Mädchen ausspannen und Herumstreifen.

Gebolzt (zu mehr hatten wir es nie gebracht) wurde zumeist auf den Rasenflächen zwischen den Häusern des Bauvereins, immer auf der Flucht vor einem Hausmeister (Hausi), der seine Pflichten mehr als Ernst nahm,aber im Grunde immer Recht hatte. Fussballspielen war natürlich auf den Rasenflächen verboten, so trauten wir uns selten eine Partie auszutragen. Und so spielten wir auch immer mit Bällen, die wir so ab und zu vom Spielverein 06 erhaschen konnten (ein und der andere wurden erwischt), und bei denen ein eventueller Verlust (die kosteten nichts durch "EROBERUNG", denoch drohte Konfiszierung durch den Hausmeister) nicht so tragisch war. Trotzdem hat er uns (und unser 'Ei') oft erwischt. Selbst auf dem 'Spieler', einem für damalige Verhältnisse riesigen Spielplatz zwischen Bardeleben- und Dallwigkstrasse, war das Bolzen von uns nicht gern gesehen, die ausländischen Mitbürger hatten körperlich und spielerisch uns einiges voraus (den 'Spieler' gibt es heute noch!). So hatten wir also unseren eigenen Alarmplan ausgearbeitet: wenn der 'Hausi' entdeckt wurde, schnappte sich sofort einer das 'Ei', und der Rest verschwand in alle möglichen Richtungen - nur um es kurze Zeit später auf der nächsten Wiese zu versuchen, (oft genug ohne Erfolg) aber nie auf die andere Seite der Wolfhagerstraße. So war das halt damals mit dem Bolzen, wir konnten niemanden das Wasser reichen!

Wenn wir herumgestreift sind (durch fremde Reviere), war das manchmal eine aufregende Angelegenheit (oft genug mit Verlusten), verletzten wir doch den Hoheitsraum anderer Banden, was uns richtigen Spaß machte. Da wir dies aber nie allein sondern gemeinsam unternahmen,einer von denen zählte 3 von uns, gab es oft richtige Auseinandersetzungen die für uns immer zu Niederlagen führten. Als besonders selbstmörderisch für eine schwache Bande war es, wenn man sich in die Gegend des Frasenwegs (vom Bolzer gegenüber der ehemaligen Bäckerei Heyden, bis zum Ausbesserungswerk der DB und dem Wasserturm) wagte. Dort gab es den absoluten Zusammenhalt, da stand einer für den anderen, und die 3 Spanischen Brüder waren berühmt und berüchtigt dafür, leider sind mir die Namen entfallen, und wenn würde ich sie nicht nennen, weil ich im nachhinnein immer noch absoluten Respekt vor den Dreien habe. Wer sich dorthin allein als Feind wagte, musste mit Prügel rechnen,und glaubt mir, da konnten wir nicht gegenhalten, und ich schäme mich im nachhinein das wir immer versucht haben die kleineren zu verprügeln um unser Gebiet zu erweitern, auch die plumpen Versuche denen ihre Mädchen anzumachen. Die 'Hufeisenranch' gibt es seit Anfang der 80er nicht mehr, seit Mitte der 80er Jahre steht dort eine Öko-Siedlung mit Grasdach-Holzhäusern.

Die 'Bande' hat sich leider nach dem Ende der Grundschulzeit aus den Augen verloren, aber vielleicht erkennt sich der Eine oder Andere in dieser Kindheitserinnerung wieder und kann weitere Anekdoten dazu ergänzen.

Stefan Börger 2006/01/15 13:35