Erich Kaiser

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Der Dichter und Forscher Erich Kaiser
Eine kleine Tafel am Eingang des Hauses Ludwig-Mohr-Straße 1 erinnert daran, dass sich Erich Kaiser "durch die Erforschung der Homberger Stadtgeschichte unschätzbare Verdienste" erworben hat. Am 29. Januar 2009 wäre der bereits 1978 verstorbene Lehrer, Dichter und Forscher Kaiser 100 Jahre alt geworden.

Kaiser wurde im Januar 1909 als Sohn eines Postbeamten in Homberg geboren und besuchte die damalige August-Vilmar-Schule (heute THS). Schon als Schüler war er mit dem Stenoblock unterwegs, um sich von alten Menschen in und aus Homberg Geschichten aus ihrer Kindheit erzählen zu lassen, die er in Artikeln und Büchern weitergab. Kaiser gehörte dem ersten Abiturjahrgang an und studierte an der Universität Frankfurt/Main Wirtschaftswissenschaften und Sprachen.

Nach dem Studium erhielt er eine Anstellung als Diplom-Handelslehrer an der Kreisberufsschule Fritzlar-Homberg, später wurde er Direktor der kaufmännischen Abteilung. Doch sein eigentliches Talent war die Schriftstellerei: 1949 erschien seine Schrift "Drucker und Verleger im Leben Goethes". Als 1936 die Burgberggemeinde gegründet wurde, war Erich Kaiser ebenso dabei wie bei der Ausgestaltung des Heimatmuseums und 1949 bei der Gründung der "Vereinigung ehemaliger August-Vilmar- und Bundespräsident Theodor-Heuss-Schüler", deren Vorsitzender er 17 Jahre lang war.

Die Ergebnisse der heimatgeschichtlichen Forschung schlugen sich in ungezählten Arbeiten nieder. In einer Reihe von Hörspielen des Hessischen Rundfunks beschäftigte er sich mit dem "hessischen Schilda", der Stadt Schwarzenborn. Aber auch Architektur, Wirtschaft, Handel, der Geschichte bedeutender Familien und Häuser standen im Mittelpunkt seines Interesses.

Für Homberger Heimatfeste schrieb er Laienspiele wie 1960 "Die Hühnerfehde" und 1971 "Die grüne Fahne". Im Marburger Staatsarchiv entstand das Repertorium über die dort gelagerten 180 Pakete des Homberger Stadtarchivs. 1968 gab er die 600-jährige Geschichte des Hospitals zum Heiligen Geist heraus. 1960 erschien sein Homberg-Buch "Ein Städtchen singt sein altes Lied", 1971 "Ein Städtchen steckt voll Heiterkeit". Kaisers letzte Veröffentlichung war der Beitrag "Die Schindelmacher im Knüll" (1978) in den Hessischen Blättern für Volkskunde.

In den Jahren 1976 und 1977 erschienen die Bildbände "Homberg in alten Ansichten" und "Bild und Abbild einer Stadt - Homberg in der zeichnerischen Darstellung von vier Jahrhunderten". Die "Geschichte der Stadt Homberg, 1648 - 1920" hatte Erich Kaiser im Manuskript nahezu fertiggestellt, als er am 13. Oktober 1978 in Folge einer Krankheit starb.

Die vorliegende Fassung wurde - sicherlich in Kaisers Sinn - von seinen Freunden im Geschichtsverein redaktionell überarbeitet und 1982 herausgegeben.

Erich Kaiser war das Vorbild eines Lehrers, eines suchenden und forschenden Menschen, offen für die Fragen der Gegenwart und der Geschichte und immer bemüht, sein Wissen an andere weiterzugeben. Er hinterließ in der Homberger Geschichtsschreibung deutliche Spuren.