Erfindungen

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Ein U-Boot in der Fulda

Viele nützliche Erfindungen stammen aus Kassel - Einige gelangten zu Weltruhm

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Blumenfeld, Bürgi, Schneider - Nachnamen, die vielen Kasselern wenig sagen. Auch mit Kassels Stadtgeschichte werden diese Namen kaum in Verbindung gebracht, noch weniger mit wichtigen Erfindungen. Dennoch werden sich Generationen von Mathematikschülern über Jost Bürgi geärgert haben, ohne dessen Namen zu kennen - der Schweizer Uhrmacher und Mathematiker Bürgi erfand im Jahr 1588 zeitgleich mit dem schottischen Mathematiker John Napier die Logarithmen. Von 1579 bis 1604 war er Uhrmacher und Astronom am Hof des Landgrafen von Hessen in Kassel. Nach einigen Jahren in Prag kehrte Bürgi 1630 nach Kassel zurück, wo er ein Jahr später starb.

Bürgi hatte während seiner Zeit als Mitarbeiter von Johannes Kepler eine Logarithmentafel berechnet und bei astronomischen Berechnungen benutzt, sie aber erst 32 Jahre später in seiner Schrift „Arithmetische und geometrische Prozeß-Tabulen“ im Jahr 1620 veröffentlicht, vier Jahre nach Napier.

Einige Dinge, in denen Kassel die Nase vorn hatte, sind noch heute bekannt. Mit dem Ottoneum, 1606 eingeweiht, hatte die Stadt das erste fest stehende Theater Deutschlands, errichtet durch den Baumeister Wilhelm Vernukken, benannt nach Otto, dem Lieblingssohn des Landgrafen Moritz.

Kaum ein Haushalt der Welt, der ohne Dampfkochtopf auskommt. Dieser wurde ebenso in Kassel erfunden wie die erste praxistaugliche Dampfmaschine, die 1706 in der Stadt in Bewegung gesetzt wurde. Denis Papin hieß der Mann, der im Auftrag des Landgrafen von Hessen einige bahnbrechende Erfindungen ertüftelte.

Der französische Physiker, der auch als Professor an der Universität Marburg lehrte, musste aber trotz seines Erfindungsreichtums auch Rückschläge verdauen. Auf Basis der Dampfmaschine erfand Papin ein Dampfboot, mit dem er von Kassel aus versuchte, England zu erreichen, um dort einen Absatzmarkt dafür zu erschließen. Das Boot wurde aber von Weserschiffern zerstört, die darin eine übermächtige Konkurrenz für ihr Gewerbe sahen.

Papin ging unter Wasser. Er war der Erste, der bereits vorhandene Ideen nutzte und daraus ein manövrierbares Unterseeboot entwarf, das er in der Fulda testen wollte. Der erste Test im Frühjahr 1691 scheiterte. Der zuständige Zimmermann hatte den Kran, der das Boot zu Wasser lassen sollte, zu wenig tragfähig konstruiert. Ein halbes Jahr später nahm Papin einen neuen Anlauf und hatte Erfolg. Die militärische Nutzung von Papins Erfindung scheiterte an knappen finanziellen Mitteln seines Landgrafen.

Der Erfindungsreichtum Kasseler Bürger hielt bis in die Neuzeit an. Hier eine kleine Auswahl.

  • 1560 - Landgraf Wilhelm IV. errichtet auf dem Kasseler Schloss die erste Sternwarte Europas.
  • 1579 - Der Hofschreiner und Baumeister Müller ist der Erste, der Koks zur Glasherstellung verwendet und diese damit revolutioniert.
  • 1763 - Das erste Entbindungsheim Deutschlands für ledige Mütter wird eröffnet. Ein wichtiger Teil davon: die erste Babyklappe Europas.
  • 1903 - Der Kinderarzt Felix Blumenfeld gründet die erste deutsche Milchküche für Kleinstkinder.
  • 1955 - Der Kaufmann Hans Juffa erfindet mit dem Kapillar-Glasrohr einen Zeitmesser auf Basis des Thermometers, die die Sanduhr ablöst.
  • 1987 - Der Techniker Werner Lohberg erfindet den abgasfreien Motor. Trotz Serienreife beißt die Industrie nicht an.

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