Erdmann

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Grabstätte
Steintafel der Grabstätte

Erdmann (* 1890, † 1901) war, neben "Hexe", "Dachs" und "Liesel", der Lieblingsdackel von Kaiser Wilhelm II., an den auf der Roseninsel im Bergpark Wilhelmshöhe noch heute ein Denkmal erinnert.

Schenkt man den Spekulationen eines Zeitungsartikels[1] zu diesem Thema Glauben, so könnte des Kaisers Vorliebe für krumm- und kurzbeinige Vierbeiner psychologisch mit seiner eigenen körperlichen Beeinträchtigung in Verbindung gebracht werden.

Der Name „Erdmann“ könnte von dem Wort „Erdhund“[2] abgeleitet worden sein. Erdhunde sind Jagdhunde, zu denen auch die Rasse der Dackel (Dachshund/Teckel) gehört, die als Jagdhunde durch ihren geringen Brustumfang Füchse, Dachse und Kaninchen in ihre unterirdischen Bauten verfolgen können.

Am 15. August 1901 befand sich Kaiser Wilhelm II. auf Schloss Wilhelmshöhe, um sich von seinen Regierungstätigkeiten zu erholen, wie er es seit 1891 alljährlich tat. Einige Tage später verstarb sein Lieblingsdackel Erdmann im Alter von 11 Jahren, was 77 Menschenjahren entspricht. Über das exakte Geburts- und Sterbedatum und die Hintergründe seines Ablebens gibt es bis heute keine Unterlagen.

Bevor Kaiser Wilhelm II. am 27. August Kassel wieder verließ, wurde sein Dackel pompös beerdigt und ein Denkmal errichtet, dessen Stein bis heute eine schwarze Steintafel mit der goldenen Inschrift „Andenken an meinen treuen Dachshund Erdmann / 1890-1901 / W II.“ ziert. Die Steinmetzarbeiten für das Denkmal wurden von Steinmetzmeister Christian Brützel gefertigt, so die Auskunft seiner Urenkelin Frau Nolte aus Kassel (Notiz im Stadtarchiv Kassel einsehbar).

Es existieren Gerüchte[3], dass Erdmann im Jahre 1945, als Schloss Wilhelmshöhe bis auf die Grundmauern ausbrannte, auf die Roseninsel umgebettet worden sei und das Denkmal dann erst errichtet und gleichzeitig seine Grabstätte wurde. Dagegen spricht aber die Tatsache, dass der Journalist und Pfarrer Wilhelm Hopf aus Melsungen, am 30. September 1903, widerrechtlich den kaiserlichen Privatgarten betrat und damals bereits das Denkmal auf der Roseninsel entdeckte. Das Denkmal ist aber nicht identisch mit Erdmanns Grab, dieses wird weiterhin irgendwo im Umkreis der Roseninsel vermutet. Dennoch wird das Denkmal bis heute von den meisten Besuchern als die Grabstätte Erdmanns angesehen.

Zum Zeitpunkt der eben erwähnten Denkmal-Entdeckung wussten weder Wilhelm Hopf noch die unmittelbar nach dem Fund berichtende Zeitung "Hessische Blätter", dass es sich bei Erdmann um einen Hund handelte. Vielmehr wurde angenommen[4], dass es sich dabei um einen Pfleger der Parkanlage handele, dem ein Andenken gesetzt werden sollte, etwa in der Art des Denkmals für den ehemaligen Hofgartendirektor Wilhelm Hentze.

Die Ortsgruppe Kassel des 1888 gegründeten "Deutscher Teckelklub e.V.", hatte im Jahr ihres 50-jährigen Bestehens die Patenschaft[5] für das Erdmann-Denkmal übernommen und pflegt dieses bis heute. Am 17. Oktober 1997 wurde es von Überwucherungen befreit, der Stein aufpoliert und mit Azaleen eingerahmt. Horst Dotzenroth († 22.03.1999), der damalige Vereinsvorsitzende, bemerkte dazu: „Hier kann jeder darüber nachdenken, ob er seinem Vierbeiner ein hundegerechtes Leben in der Menschmeute bietet.“[6]


Nachweise (Sekundärliteratur)

Printmedien:

  • Frankfurter Rundschau: Vom treuen Erdmann, der in Kassel sterben wollte. Frankfurt 1999.
  • Heidrich, Erhard: Er war dem Kaiser treu geblieben. In: Kasseler Sonntagsblatt. Kassel 2001. S. 5.
  • Hein, Christina: Kaisers Ferien auf Wilhelmshöh'. In: HNA. Kassel 2000. Nr 207. S. 11-12.
  • Heller, Markus: Erdmann - Eine Spurensuche. In: Die Zeit. Hamburg 1993. Nr. 21. S. 68.
  • Hessische Blätter: Denkmal in Wilhelmshöhe. Kassel 1903. Nr. 2995. S. 5.
  • Kultur Magazin: Erdmanns letztes Revier. Kassel 2005. Nr. 109. S. 9.
  • Wicke, Andreas: Tierischer Wilhelminismus. In: Hessen vergessen. Marburg 2003. S. 113-116.
  • Zblewski, Dirk: Gesucht: Erdmann. In: Kultur Theater Magazin. Kassel 1996. S. 32-33.


Einzelnachweise (Sekundärliteratur)

Printmedien & Internet:

  1. Kultur Magazin: Erdmanns letztes Revier. Kassel 2005. Nr. 109. S. 9.
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/Erdhund
  3. Heller, Markus: Erdmann - Eine Spurensuche. In: Die Zeit. Hamburg 1993. Nr. 21. S. 68.
  4. Hessische Blätter: Denkmal in Wilhelmshöhe. Kassel 1903. Nr. 2995. S. 5.
  5. http://www.teckelklub-kassel.de/patenschaft.htm
  6. http://www.fof-ohlsdorf.de/kulturgeschichte/2005/89s25_kaiserlich.htm


siehe auch



--Alexander Kranz 15:19, 4. Dez 2007 (CET)