Ephesus & Kupille

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Ephesus & Kupille - Zwei alte Kasseler

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Zugegeben: Sie waren nicht gerade die beste Gesellschaft, Ephesus und Kupille. Nichts jedenfalls für feine Offizierswitwen vom Weinberg. Hundert Jahre ist es her, dass die beiden Kasseler Altstadtoriginale zwischen Schlagd und Altmarkt - d'r drehschiewe" (Drehscheibe) - ihre Kreise zogen. Zwischen Gelegenheitsarbeiten und Kneipen pendelten sie, stets für flotte Sprüche gut, schon bald umgeben von der Aura stadtbekannter Possenreißer.

Als Ephesus 1929 starb, da lag die fast vollständige Zerstörung Kassels nur noch wenige Jahre in der Zukunft. Die Stadt lebte noch wie eh und je in ungebrochener Tradition und Geschichte. Und sie hatte ihre Originale, mit unerschrockenem Mutterwitz, geäußert in breitestem Fuldabrücken-Dialekt.

Schlagd-Hasen - das war noch die neutralste Bezeichnung für Ephesus und Kupille, die sich als Packer und Träger am Güterumschlagsplatz an der Fulda verdingten. Eckensteher, Rimmedriewer (Herumtreiber) - solche weniger schmeichelhaften Zurufe mussten sich die beiden auch gefallen lassen. Ephesus: Das war Johann Georg Jäger aus Melsungen, gelernter Bäcker, ein Freund gebildeter oder doch zumindest gebildet klingender Gespräche. Seinen Spitznamen erhielt er in Anlehnung an einen seiner Lieblingssprüche: Groß ist die Diana, die Göttin der Epheser! Gut möglich, dass ihn mit dem noch zum Christentum zu bekehrenden Völkchen in Ephesus eine größere Sympathie verband als mit solchen, die die Bekehrung schon hinter sich hatten.

Derber und direkter mochte es sein Freund Kupille: Heinrich Adam Ernst, Sohn eines Drehorgelspielers aus der Unterneustadt. Die Kupille kam zu ihrem Namen, nachdem sie sich unter Hinweis auf ein Augenleiden erfolgreich dem Wehrdienst entziehen konnte: Ich honn was an der Kupille. Schon bald überhöhten die verschiedensten Legenden, Anekdoten und Kalauer das wirkliche, harte Leben der beiden Freunde. Dazu wird wohl die Vielzahl ihrer Jobs einiges beigetragen haben: Als Polizeispitzel und Zeitungsreporter sollen sie unterwegs gewesen sein, als Tippelbrüder und Kohlenschlepper, Fremdenführer und Straßenphilosophen.

Was Tünnes und Schääl in Köln, das waren Ephesus und Kupille in Kassel. Mäh sinn mäh, un mäh sinn au wer! Das war die Haltung der beiden. Als sympathische Beispiele für unausrottbaren Humor, für Volksnähe, Mutterwitz und eine unerschrockene Sprache sind sie in die Erinnerung der Stadt eingegangen. Kupille ganz bodenständig, mitunter sogar derb - Ephesus feiner, gelegentlich etwas gedrechselt, aber auch immer mit untrüglichem Gespür für das, worum es wirklich geht.

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