Entenanger

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Entenanger

Frischfleisch und Schuttberge

Der Entenanger in der Altstadt - vom Dorfplatz zur Einkaufsmeile

In alten Kasseler Adressbüchern ist die Rede von einer "platzartigen Erweiterung entlang der früheren Entengasse - zwischen Oberste Gasse und Graben gelegen". Und auch davon, dass der Entenanger eine sehr alte Straße ist. Hier soll ein mittelalterlicher Wallgraben gelegen haben, in dem sich tatsächlich die Enten tummelten. Vom Entenanger war damals noch keine Rede.

Das Amt für Vermessung und Geoinformation der Stadt Kassel weiß Genaueres: Im Mittelalter hieß die Straße Entengasse, 1854 dann Petristraße, danach wieder Entengasse und erst seit dem 14. Februar 1955 schließlich Entenanger. Erstaunlich.

Denn Anger ist eine durch und durch dörfliche Bezeichnung. Und 1955 war Kassel ganz sicher schon eine Großstadt. Mittendrin der frisch umgetaufte "Dorfplatz" Entenanger. Von 1955 bis 1982 hatte der Arbeiter-Samariter-Bund Kassel dort seine Dienststelle inkl. Rettungswache. Sie war seinerzeit die modernste Rettungswache in Deutschland und galt bis Mitte der 1960er Jahre noch immer als Richtung weisend.

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Am 24. Juni 1954 tat sich was unter der Ruine der Garnisonkirche. Zwar waren die meisten nach dem Zweiten Weltkrieg neu erbauten Häuser ringsum noch unbewohnt und der ganze Platz von Schuttbergen umgeben. Doch frisch gestrichene Stände mit weißen Tüchern kündeten von neuem Leben in der zerbombten Altstadt. Kassels Fleischmarkt, 1876 an der Martinskirche gegründet und 1941 auf den enttrümmerten Ständeplatz verlegt, bezog sein neues Domizil am Entenanger. Seinen Ursprüngen an der Martinskirche wieder näher.

Die Fleischer wurden auf Magistratsbeschluss vom Ständeplatz zum Entenanger verlegt. Und prompt mussten sie drei statt bisher zwei Mark Standgeld berappen. Eine Preissteigerung um satte 50 Prozent. Die Zunft zeigte sich im Frühsommer 1954 jedoch zuversichtlich, dass die Rechnung dank ihrer vom Krieg ausgehungerten Kundschaft aufgehen würde.

Nach dem erneuten Umzug des Fleischmarkts in die Kleinmarkthalle im Herbst 1965 entwickelte sich Kassels Nachkriegs-Dorfplatz zu einem traditionellen Einkaufsziel mit Fachgeschäften und baumbestandenem Parkplatz mitten in der Altstadt. Und über den Geschäften hieß das Motto: zentrale Wohnlage in 1950er-Jahre-Architektur.

In den 1980er-Jahren drohte der Entenanger zu einer tristen Einöde voller Autos von oben bis unten zu verkommen. Doch die Verkehrsberuhigung kam. Eine Einbahnstraße zieht sich heute rund um den pro Seite 150 Meter langen Platz, der zwar immer noch Parkplätze hat, aber auch einen Spielplatz und eine kleine Parkanlage in der Mitte.

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Verlorene Stadt

Ausstellung: Verlorene Stadt

Rundgang 3: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
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