Elwe

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Außenansicht der Elwe
Die Elwe ist ein ehemaliges Kasseler Untersuchungsgefängnis am Unterneustädter Kirchplatz. Die Justizvollzugsanstalt Kassel III - so der korrekte Name der Untersuchungshaftanstalt am Unterneustädter Kirchplatz. Der Gebäudekomplex verdankt seinen Namen der Adresse: Leipziger Straße 11 (Elwe als nordhessischer Dialekt von elf). Vorrübergehend wurde die Elwe als Hotel genutzt. Heute sind 50 neue Wohnungen im ehemaligen Gefängnis entstanden.

Geschichte

Elwe

Die Bauarbeiten der Justizvollzugsanstalt begannen 1874 und wurden 1876 fertig gestellt. Die Nebengebäude entstanden 1906. Bis 1969 diente die Elwe als Justizvollzugsanstalt (JVA) für Männer und Frauen, ehe ihre Aufgaben in die JVA Wehlheiden verlagert wurden. Erst 2001 wurde das Gefängnis wieder selbstständig. Die Elwe wurde als Untersuchungsgefängnis für erwachsene Männer und als Abschiebehaftanstalt genutzt. Auch männliche Jugendliche wurden hier untergebracht. Zudem gab es eine Sammeltransportstelle für Gefangene, die innerhalb Deutschlands verlegt wurden. Ende 2009 wurde die Elwe wegen hohen Sanierungsbedarfs geschlossen. Zuletzt zählte das Gefängnis 90 Insassen. 2010 wurde die Elwe GmbH von dem Baunataler Unternehmer Gotthard Feld und dem Kasseler Rechtsanwalt Christopher Posch gegründet. Die Elwe GmbH mietete das ehemalige Gefängnis und sanierte es für 200.000 Euro. Die Elwe wurde zum Hotel umgebaut. 2012 kaufte die Elwe GmbH das ehemalige Gefängnis für 570.000 Euro. Da das Hessische Immobilienmanagement zuvor einen Sachverständigen eingeschaltet hatte und das Baudenkmal öffentlich zum Kauf angeboten hatte, stieg der Kaufpreis, was beinahe zu einem Scheitern der Verhandlung geführt hätte. Letztlich war die Elwe GmbH bereit, das Geld zu investieren.

Geiselnahme in der Elwe

Das Eingangstor zur Elwe

Am 24. Juli 1994 ist Kassel europaweit in den Schlagzeilen. Der Grund: eine Meuterei in der Elwe.

Um 10.29 Uhr bringen Häftlinge den 39-jährigen Justizvollzugsbeamten Heinz Steinfeld in ihre Gewalt. Die etwa 40 Geiselnehmer fordern freien Abzug ins Ausland.

Im Laufe des Tages eskaliert die Situation: Nachmittags schleppen fünf Häftlinge die Geisel aufs Dach der Anstalt, im Arbeitstrakt wird Feuer gelegt. Gegen 17 Uhr fordern die Revoltierenden, zumindest mit einem Bus 20 Kilometer weit von Kassel weggebracht zu werden. Kurz nach sechs muss die Feuerwehr eingreifen, weil aus dem Arbeitstrakt der "Elwe" meterhohe Flammen schlagen.

Als um 19.01 Uhr die Geisel an einem Fenster beobachtet wird, greift das bereitstehende Sondereinsatzkommando der Polizei ein. Doch als die Beamten den betreffenden Raum erreichen, ist der Justizbeamte verschwunden. Kurz nach acht werden 93 Gefangene, die sich von der Meuterei distanziert haben, in andere Haftanstalten gebracht. Eine halbe Stunde später ist das Feuer im Untersuchungsgefängnis unter Kontrolle.

Schließung

Aufgrund fälliger Sanierungsarbeiten wurde 2009 die Schließung des Haftanstalt beschlossen.[1] Die Insassen wurden nun zum größten Teil in Wehlheiden untergebracht. Einige Straftäter wurden auch nach Wiesbaden oder Rockenberg gebracht.[2]

Video

Elwe als Hotel

Hotelzimmer in der Elwe

Am 3. August 2010 gab der Unternehmer Gotthard Fels aus Baunatal bekannt, dass er sich überlege, aus den Zellen des Untersuchungsgefängnisses 90 Hotelzimmer zu machen. Vor allem Besucher der documenta 13 sollten von dem Projekt profitieren. Das ehemalige Gefängnis langfristig zum Hotel auszubauen war jedoch zu teuer. [3]

Die Hotel-Idee war für die Elwe GmbH ein Erfolg. Zur Documenta im Jahr 2012 lagen 7000 Buchungen für die 90 Zellen vor. Die Zellen wurden bewusst spartanisch eingerichtet, um an den grauen Gefängnisalltag zu erinnern. Einziger "Luxus": die Toilette auf dem Gang, sodass nicht die offene Zimmertoilette benutzt werden muss.

Die außergewöhnliche Übernachtung stieß auf eine positive Resonanz, auch weil die Elwe GmbH viele Attraktionen rund um das Gefängnisleben anbot: Catering mit Frühstück, ein Café, eine Bar, eine Lounge, ein Biergarten, Finger-Food-Verpflegung und ein Gourmet-Restaurant gestalten die Backstein-Wände und den Innenhof, der mit Bänken und Sitzgelegenheiten lockt.

Video

Elwe als Wohnort

Am 17. Oktober 2016 ist der erste Mieter in eine der 50 neuen Apartments, im ehemaligen Untersuchungsgefängnis, eingezogen. Nichts erinnert mehr an die Zellen, wo sicher so manch einer über seine Straftaten nachdachte. Lediglich die dicken Wände und die Backsteinfassade lassen auf ein älteres Gebäude schließen.

Insgesamt sind 5,5 Millionen Euro in Umbau und Sanierung der Elwe geflossen. Die Arbeiten gestalteten sich schwieriger als angenommen. Statt großer Baumaschinen, war viel Handarbeit gefragt. 100 Tonnen Schutt wurden abgefahren. Nachdem der Umbau des Hauptgebäudes am Unterneustäder Kirchplatz und des Flügels an der Hafenstraße fertig gestellt wurde, ist nun der Flügel zur Unterneustäder Grundschule an der Reihe. Dort soll ein Boardinghaus mit zwölf kleinen Apartments entstehen. Bis zum Beginn der documenta 2017 sollen die Umbauarbeiten beendet sein. Die Wohnlage in Unterneustadt hole langsam auf, mit guter Bahnverbindung, der nähe zur Innenstadt und in die Karlsaue, kann die Gegend schon bald mit dem Vorderen Westen mithalten.

Es sind Apartments im Kopfbau entstanden, diese haben die Bauherren Gotthard Feld und Christopher Posch an Privatpersonen verkauft. Die zwölf Wohnungen im Flügel an der Hafenstraße hat Posch behalten. Die Wohnungen haben eine Größe von 50 bis 60 Quadratmetern. Der Mietpreis beträgt hier pro Quadratmeter neun Euro kalt. Der Reiz an diesen Wohnungen ist es, zu wissen, dass hier einmal ein Gefängnis war. Vor allem der Backsteinstile an den Außenwänden und der Umstand, das eine alte Location ganz neu gemacht wurde ist für viele reizvoll.

Break out and run free

Knapp 1200 Starter nahmen am 7. September 2014 an der Laufveranstaltung Break out and run free teil. Dabei handelte es sich um ein Art gestellten Ausbruch aus der Elwe. Am Start im früheren Gefängnis Elwe waren viele trainierte Marathon- und Langstreckensportler vertreten, die auch die ersten Plätze unter sich ausmachten.

Die Veranstaltung zog einen Eklat nach sich. Viele Teilnehmer beklagten Organisationsmängel, die Strecke sei schlecht abgesichert und beschildert gewesen. Einige forderten ihr Startgeld zurück.[2]

Veranstaltungsvideos

Break out and run free 2014

Basketballspiel in der Elwe

Tatoomenta in der Elwe

siehe auch


Weblinks und Quellen

  1. HNA.de 5. November 2010: Justizvollzugsanstalt Kassel I - Viel Platz für Einzelzellen
  2. Aus HNA.de vom 7. September 2014: http://www.hna.de/lokales/kassel/break-free-gleich-brechen-ersten-3839126.html "Break out and run free": Lob und Kritik nach Hindernislauf