Elisabeth-Hospital Kassel

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Steinweg, Ecke Oberste Gasse, um 1892-1896: rechts das Elisabeth-Hospital, im Hintergrund die Türme der Martinskirche.

Das ehemalige Hospital St. Elisabeth ist eines der ältesten erhaltenen Gebäude der Stadt Kassel und wurde im Jahre 1297 erstmals urkundlich als Armenhospital erwähnt. Es war eines der ersten Siechenhäuser in Kassel und lag am Steinweg Ecke Oberste Gasse, hinter dem Museum Fridericianum. Heute ist noch die Fassade erhalten.

Das Haus geht zurück auf eine Gründung von Mechthild von Kleve, der Gemahlin von Landgraf Heinrich I.. Seinerzeit entstand ein einfaches rechteckiges zweigeschossiges Haus mit Treppengiebel, das der heiligen Elisabeth geweiht wurde. Im Obergeschoss des Hauses diente ein Saal als Krankenraum und Kapelle.

Bei seiner Gründung 1297 lag das Gebäude noch außerhalb der Stadtmauern. Denn dahin wurden damals aus Angst vor Ansteckung die schwer Erkrankten geschickt. Zum Dahinsiechen, warum diese Hospitäler auch Siechenhäuser genannt wurden. Das kleine Wunder von Kassels ältestem Pesthaus: Es steht noch. Hat Jahrhunderte überdauert und wurde nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1953 aus Trümmern wieder aufgebaut.

Das Hospital wurde am 12.11.1297, dem Elisabethentag, von Mechthild von Kleve, der 2. Frau von Landgraf Heinrich I. als Stätte für Menschen mit Aussatz oder anderen ansteckenden Krankheiten gestiftet. Es lag damals noch jenseits der Stadtgrenzen. Nach Ausweitung des Stadtgebietes wurden diese in einen Siechenhof in der Unterneustadt verlegt, das Gebäude diente nunmehr der Aufnahme allg. Kranker und Armer.

Aufgrund von Baufälligkeit wurde es unter Landgraf Wilhelm IV. (1587) abgerissen und neu aufgebaut. Hieran erinnern ein Relief und die Statue der heiligen Elisabeth an der Außenmauer zur Obersten Gasse.

Es diente nunmehr als Unterkunft für pensionierte Hofdiener und Beamtenwitwen.

Eine weitere Renovierung erfolgte in 1857.

Im WK II zerstört, wurde es wieder aufgebaut.1958 begann mit der Weinstube die gastronomische Nutzung im Erdgeschoß.

(-kt, Quelle: Hermsdorff, Ein Blick zurück ..., 1979)

Geschichte

Historisches Foto: Blick aus dem Zwehrener Turm auf das Elisabeth-Hospital, um 1891-96 (Photographie: Georg Friedrich Leonhardt)

Das Elisabeth-Hospital in Kassel wurde um 1297 durch Landgräfin Mechthild von Hessen gestiftet, wobei ihr Mann, Landgraf Heinrich I., die Stiftung unterstützte. Das Hospital befand sich damals noch vor der Stadt und war offenbar zur Aufnahme ansteckender und aussätziger Kranker bestimmt.

Die Lage an der verkehrsreichen Landstraße erleichterte dem Hospital die Einnahme von Almosen, und ein nördlich vorbeifließender Bach sicherte die Wasserversorgung. Das Hospital bildete eine eigene Gemeinde mit einem eigenen Seelsorger, der die Sakramente der Beichte, der Kommunion und der letzten Ölung spenden durfte; alle anderen Sakramente standen weiterhin dem Pfarrer der Altstadt zu. Ein eigener Friedhof befand sich auf dem Grundstück.

Zuvor hatte es im Kasseler Becken nur ein einziges Hospital für Aussätzige bei Niederzwehren gegeben: das sogenannte Ferenspital auf dem Schönfelder Hang, das kurz vor 1153 von den Chorherren des Weißensteiner Stifts gegründet worden war. In noch früherer Zeit hatten sich die Aussätzigen in eigene, notdürftige Hütten abseits der Ortschaften zurückziehen müssen.

Das Elisabeth-Hospital wurde von einer geistlichen Bruderschaft betrieben und bildete einen selbständigen Wirtschaftsbetrieb. Seine Ländereien lagen beiderseits der Wehlheider Landstraße (heutiges Königstor).

Mit der Stadterweiterung ab 1330 geriet das Elisabeth-Hospital in die ummauerte Stadt; Aussätzige konnten daher nicht mehr aufgenommen werden, so dass Landgraf Heinrich II. bis 1364 den Siechenhof vor der Unterneustadt gründete. Das Elisabeth-Hospital nahm nun vor allem Pflegebedürftige auf; aber auch Gesunde konnten sich dort einkaufen – dies war besonders für Kinderlose eine gute Möglichkeit, einen gesicherten Lebensabend zu verbringen. Außerdem konnten vielleicht Fremde und Pilger kurzzeitig hier unterkommen.

1586/1587 ließ Landgraf Wilhelm IV. einen Neubau errichten und kaufte dafür weitere Grundstücke an. Eine Gasse, die das alte Hospital auf der Nordseite begrenzt hatte, wurde dabei überbaut, ein Torbogen ermöglichte hier aber weiterhin die Durchfahrt und diente als Hauptzugang. Das Hospital nahm nun Hofbedienstete auf, die aus Alters- oder Krankheitsgründen aus dem Dienst ausscheiden mussten. Im Seitenflügel am Steinweg befanden sich Küche und Kapelle, an der Obersten Gasse lagen die einzelnen Zimmer. Nach dem Ende der Kurfürstentums Hessen im Jahr 1866 lebten im Hospital auch weiterhin frühere Staatsbedienstete beziehungsweise vor allem deren Witwen. In dieser Form bestand es bis zur Zerstörung 1943.

Das Gebäude war ursprünglich verputzt, der mittlere Giebel auf dem Bild (mit Rundfenster) ist eine Zutat von 1771. Aus dem alten Hospital hatte man eine farbig bemalte Statue der Heiligen Elisabeth übernommen und in der Fassade aufgestellt – da die Heilige zugleich Ahnherrin des hessischen Landgrafenhauses war, überstand die Figur den Bildersturm des frühen 17. Jahrhunderts; heute befindet sie sich im Stadtmuseum, an ihrer Stelle in der Nische steht nun eine einfarbige Kopie. Beinahe wäre das Gebäude um 1770 abgebrochen worden; man meinte sich jedoch einer alten Überlieferung zu erinnern, wonach jeder, der dieses Werk zerstöre, verflucht sein solle. So nahm Landgraf Friedrich II. schließlich von seinem Vorhaben Abstand und ordnete die Renovierung des Gebäudes an.

Beim Großangriff 1943 brannte das Elisabeth-Hospital aus und wurde um 1953 als Wohnhaus in veränderter Form neu aufgebaut.

Das linke Eckhaus befand sich im 16. und 17. Jahrhundert im Besitz der Grafen von Waldeck. Im 18. Jahrhundert gehörte es zeitweise dem Hofchirurgen Johann Conrad Müller, ab 1768 dem Rat und Professor Glaß, der im Erdgeschoss seine Geschichtsvorlesungen hielt. Im frühen 19. Jahrhundert wurde das Gebäude umgebaut und verputzt.

siehe auch