Elisabethkirche Kassel

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Friedrichsplatz mit dem Turm der Katholischen Kirche Sankt Elisabeth

Die Kirche St. Elisabeth (auch Elisabethkirche) am Kasseler Friedrichsplatz geht zurück auf die älteste nach der Reformation errichtete katholische Kirche in Kassel.

Die katholische Kirchengemeinde St. Elisabeth

Katholisches Gemeindeleben in Kassel

Über 200 Jahre lang gab es nach der Reformation kein katholisches Gemeindeleben in Kassel und in der weiteren Umgebung. Das änderte sich erst, als Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel zum katholischen Glauben konvertierte und 1777 die Elisabethkirche als Hofkirche vollendet wurde. Über 120 Jahre hinweg war sie die einzige katholische Pfarrkirche der Region.

Die Kirchengemeinde der ersten Elisbethkirche entstand aus kleinsten Anfängen. Zwar war Landgraf Friedrich II. schon als Erbprinz zum katholischen Glauben konvertiert, aus Gründen der Staatsraison erfolgt dies aber nicht öffentlich und die erste katholische Kirche in Kassel war von außen nicht als Kirchbau gestaltet worden. Zur glanzvollen Ausgestaltung im Innern trugen allerdings die Bilder des Kasseler Hofmaler Johann Heinrich Tischbein d. Ä. aus dem Passions- und Himmelfahrtszyklus bei, die auch in der heutigen Elisabethkirche zu bewundern sind.

Erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert war dann ein allmählicher Anstieg der katholischen Bevölkerung in Kassel verbunden und besonders nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der katholischen Christen durch Heimatvertriebene aus Mittel- und Osteuropa stark an.

Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Elisbethkirche wurde wiederum am Friedrichsplatz in Kassel als neue Kirche der katholischen Pfarrgemeinde errichtet.

Pastoralverbund Kassel - Mitte

Die Kirche St. Elisabeth gehört heute zum Pastoralverbund Kassel - Mitte. Dem Pastoralverbund gehören als weitere Pfarreien an:

Geschichte

Aus der Geschichte der Kirche

Die im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstörte erste Elisabethkirche stand ebenfalls am Friedrichsplatz, allerdings an der Stelle des heutigen Staatstheaters. Sie wurde zur Zeit des Landgrafen Friedrich II. in den 1770 – 1777 errichtet und der heiligen Elisabeth geweiht.

Die heute nicht mehr erhaltene Kirche wurde im Auftrag des Landgrafen Friedrich II. von Hessen erbaut, der schon als Erbprinz im Jahre 1754 zum katholischen Glauben übergetreten war. Beim Bau der Kirche verwendete Hofbaumeister Simon du Ry das Motiv eines Zentralraumes auf kreisrundem Grundriß, den er mit einem rechteckigen Bauteil kombinierte. Der Kasseler Hofmusikers Christian Kalkbrenner (1755 - 1806) komponierte eigens für die Elisabethkirche eine Messe.

Als Hoforgelbauer erhielt Stephan Heeren von Landgraf Friedrich II. den Auftrag, 1774 die Orgel für die katholische Elisabethkirche in Kassel zu bauen.

Die heutige Elisabethkirche in Kassel wurde in den Jahren 1959/60 nach den Plänen des Architekten Armin Dietrich aus München erbaut. Auf dem Treppenpodest zur Empore fand der Sarg Friedrichs II. in einem Sarkophag seine Ruhestätte.

Die ehemalige Elisabethkirche

Blick von der Frankfurter Straße über den Friedrichsplatz; rechts das Gebäude der ehemaligen Elisabethkirche, hinten links erkennt man das Elisabeth-Hospital an der Obersten Gasse

Im Jahre 1777 wurde am neuen Friedrichsplatz, beinahe unbemerkt von der Öffentlichkeit, ein Gebäude geweiht, das im reformierten Hessen eigentlich undenkbar war. Betrat man den unscheinbaren Bau, so fand man darin zur großen Überraschung einen kleinen, aber prächtigen Kirchenraum, der mit seinem farbigem Stuckmarmor und seinen Altären, Statuen, Reliefs und Gemälden in völligem Gegensatz zu der sonstigen Kargheit hessischer Kirchen stand.

Baumeister war ein Reformierter, der begabte Hofbaumeister Simon Louis du Ry, Enkel des einstigen „Französischen Baumeisters“ Paul du Ry. Auftraggeber war sein Landesherr, Friedrich II. Die Weihe nahm der katholische Erzbischof von Mainz vor, und die Kirche war zunächst unmittelbar dem Papst unterstellt.

Mit Entsetzen hatte Friedrichs Vater, Landgraf Wilhelm VIII., 1754 erfahren, dass sein Sohn 1749 heimlich zum römischen Bekenntnis übergetreten war – für den strengen Calvinisten, der selbst den Lutheranern weiterhin Steine in den Weg legte, war dies ein Schock. Wilhelm fürchtete zudem, dass die Familie und das Land – einst Vorkämpfer für die Reformation – dadurch in Zukunft auf die katholische Seite gezogen werden könnten. Die guten Kontakte, die Wilhelm bisher zum Kölner Erzbischof gepflegt hatte, wurden abgebrochen, da man in ihm den Hauptschuldigen sah.

Vor allem aber musste Friedrich die sogenannte „Assekurationsakte“ unterzeichnen, die das reformierte Bekenntnis dauerhaft absichern sollte. Er wurde von Frau und Kindern getrennt, zu deren Absicherung die Grafschaft Hanau diente; sie wurde erst nach Friedrichs Tod wieder mit Hessen verbunden.

In Regierungsämter durften nur Protestanten berufen werden, katholische Gebiete durften nicht an Hessen angegliedert werden. Friedrichs Gottesdienst galt als seine Privatsache, und es durften keine katholischen Pfarrkirchen in Hessen errichtet werden. Auch die hessischen Landstände (die Vertreter der Ritterschaft, der Städte, der lehnsabhängigen Grafen sowie bestimmter Institutionen) wurden auf die Akte verpflichtet, England, Preußen, Dänemark, die niederländischen Generalstaaten und der Zusammenschluss der protestantischen Reichsstände im Reichstag wurden zu Garantiemächten bestellt.

Politisch blieb die Konversion für Hessen damit weitgehend folgenlos. Ihre Gründe sind schwer zu benennen; Friedrich selbst gab an, dass ihm die katholische Kirche näher stehe, zumal der reformierte Gottesdienst zu einfach wäre. Er habe deshalb eine Religion gewählt, in der Gott mit vieler Pracht verehrt würde. Im Sinne der Aufklärung beschäftigte er sich kritisch mit der Bibel und war für sich zum Ergebnis gekommen, dass sie mit dem Verstand alleine nicht zu erfassen sei; Traditionen und Autorität der römischen Kirche boten ihm dagegen den Halt, den er in der verstandesorientierten reformierten Kirche vermisste.

Für die innere Ernsthaftigkeit seines Schritts spricht, dass er alle Widrigkeiten in Kauf nahm und dass alle Versuche, ihn wieder für den Calvinismus zu gewinnen, fehl schlugen. Nach seinem Regierungsantritt 1760 richtete er zunächst eine Privatkapelle im Schloss ein, dann ließ er am Friedrichsplatz ab 1770 jenes „Geistliche Haus“ errichten, das neben dem Kirchenraum auch die Wohnungen der drei katholischen Hofgeistlichen und die Gruft des Bauherrn enthielt. Als Kirchenpatronin wählte Friedrich die Ahnherrin des hessischen Landgrafenhauses, die heilige Elisabeth.

Nach außen durfte das Gotteshaus wegen der Bestimmungen der Assekurationsakte nicht als Kirche in Erscheinung treten. Die Einpassung des Kapellenraums in die äußere Hülle war originell und geschickt gelöst, und Simon Louis du Ry betrachte das „Geistliche Haus“ als sein gelungenstes Werk: Der kreisrunde, überkuppelte Altarraum befand sich in der gesamten Mitte des Gebäudes, während das dreischiffige, niedrigere Langhaus für die Gemeinde sich links davon anschloss; über demselben lag im zweiten Obergeschoss noch ein niedriger Saal. Im rechten Gebäudedrittel waren die Sakristei und die Wohnungen untergebracht.

St. Elisabeth und die documenta 13

Im Vorfeld der documenta 13 sorgte die Skulptur des Künstlers Stephan Balkenhol auf dem Turm von St. Elisabeth für Wirbel bei der Leitung der documenta 13. Die künstlerische Leiterin der documenta 13, Carolyn Christov-Bakargiev, zeigte sich im Gespräch mit der HNA „schockiert“ über dieses Kunstwerk.[1] Zudem berief am 9. Mai 2012 die documenta-Leitung kurzfristig eine Pressekonferenz vor dem Kasseler Fridericianum ein, da ein großes Medieninteresse an dem Thema vorhanden war. Der Geschäftsführer der documenta 13, Bernd Leifeld, sagte, dass die documenta am Friedrichsplatz durch diese nicht abgesprochene Figur dominiert werde. Carolyn Christov-Bakargiev, die künstlerische Leiterin, fühle sich durch dieses Kunstwerk bedroht. Es verkörpere das Gegenteil von dem, wie sie Kunst präsentieren möchte. Jeder Besucher werde die documenta 13 unter diesem Eindruck wahrnehmen.[2]

Bei St. Elisabeth verstand man den Unmut der documenta-Verantwortlichen nicht. „Ich habe die documenta bislang für eine starke Veranstaltung gehalten und angenommen, sie halte auch einen Stephan Balkenhol aus“, sagte Dr. Burghard Preusler, Diözesanbaumeister des Bistums Fulda.

siehe auch: Skulptur auf dem Kirchturm von St. Elisabeth

siehe auch

Weblinks und Quellen

Kirche Sankt Elisabeth

Quellen

  1. Aus HNA.de vom 09.05.2012: documenta-Leiterin schockiert über Skulptur auf Turm von St. Elisabeth
  2. Aus HNA.de vom 09.05.2012:Skulptur auf St. Elisabeth: "Wir ärgern uns über diese Respektlosigkeit"

Weblinks