Elisabeth Selbert

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Elisabeth Selbert wurde am 22. September 1896 in Kassel geboren. Briefmarke der Deutschen Bundespost vom 06. Nov. 1987.

Elisabeth Selbert (* 22. September 1896 in Kassel, † 9. Juni 1986 ebenda) war Politikerin (SPD) und Juristin. Sie gilt als eine der vier „Mütter des Grundgesetzes“ und als eine Kämpferin für die Gleichberechtigung der Frauen.

Die Ehrenbürgerin der Stadt Kassel war Mitglied des parlamentarischen Rates von 1948/49. Ihrem Einsatz ist besonders die heutige Fassung des Artikels 3, Abs. 2 des Grundgesetzes zu verdanken: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt".

Biografische Eckdaten

Martha Elisabeth Selbert , geborene Rohde, wurde am 22. September 1896 in Kassel, in der Wallstraße Nummer 6 geboren. Ihr Vater Georg Rhode war Gefängnisaufseher in der Strafanstalt „ELWE", in der Leipziger Straße 11. Ihre Mutter Elisabeth Rohde, geborene Sauer stammte aus einem Bauernhof in Niederzwehren.

1918 trat Elisabeth Rohde in die SPD ein und wurde 1919 in das Gemeindeparlament Niederzwehren gewählt. Dem Gemeindeparlament gehörte auch Adam Selbert als stellvertretender Bürgermeister an, den sie am 2. Oktober 1920 heiratete. 1921 und 1922 wurden die beiden Söhne, Gerhart und Herbert, geboren.

Nachdem sie an der Luisenschule in Kassel im Jahr 1926 als Externe das Abitur abgelegt hatte, begann sie das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten in Marburg und Göttingen.

In den Jahren von 1946 bis 1952 war sie Mitglied in der Stadtverordnetenversammlung Kassel. 1948 wurde sie dann als Vertreterin Niedersachsens in den Parlamentarischen Rat entsandt [1].

Kampf für Frauenrechte

Elisabeth Selbert (1896 - 1986) ist der Gleichberechtigungsartikel zu verdanken

Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Heute ist dieser Satz eine Selbstverständlichkeit. Dass der Artikel 3, Absatz 2, in das Grundgesetz der Bundesrepublik aufgenommen wurde, ist leider keine Selbstverständlichkeit gewesen. Einer Kasseler Frau, der Juristin und Sozialdemokratin Elisabeth Selbert, ist die Aufnahme des Gleichberechtigungsartikel in die deutsche Verfassung zu verdanken.

Als eine von vier Frauen neben 61 Männern wurde Elisabeth Selbert 1948 in den Parlamentarischen Rat berufen, um nach dem Krieg am Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland mitzuwirken. Der Gleichberechtigungsartikel wurde allerdings erst nach heftigen Kämpfen aufgenommen. Nachdem die Ausschüsse des Parlamentarischen Rates die Formulierung abgelehnt hatten, entfachte Selbert eine für die damalige Zeit sehr moderne Kampagne. Über Frauenverbände und Öffentlichkeitsarbeit sorgte sie dafür, dass waschkörbeweise Protestbriefe in Bonn eintrafen. Die Wegbereiterin für das ab 1953 geltende Familienrecht setzte sich gegen ihre männlichen Kollegen durch.

Als zweite von vier Töchtern der Familie Georg und Elisabeth Rohde wurde diese starke Frau am 22. September 1896 in Kassel geboren. In ihrer Ausbildung wie in ihrer beruflichen Entwicklung wurde Elisabeth Selbert von ihrer Familie und später ihrem Ehemann unterstützt. Nach dem Besuch der Höheren Handelsschule machte sie im Alter von 30 Jahren und als Mutter zweier kleiner Kinder auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur, um anschließend in Göttingen und Marburg Jura zu studieren. Ungewöhnlich für eine junge Mutter in den 20er Jahren.

Damals engagierte sich Selbert auch schon als Kommunalpolitikerin für die SPD, in die sie 1918 eingetreten war. 1934 ließ sie sich, einen Monat bevor dieser Beruf in Nazideutschland für Frauen durch Verordnung gesperrt wurde, als Anwältin in Kassel nieder. Unmittelbar nach Kriegsende, 1946 bis 1952, wirkte sie als Stadtverordnete in Kassel sowie von 1946 bis 1958 als Mitglied des Hessischen Landtags. Nachdem Elisabeth Selbert keine Landtagsabgeordnete mehr war, konzentrierte sie sich auf ihren Beruf als Anwältin.

Sie hatte keine Lust auf kleinliche Parteikriege, sie hatte kein Bestreben, die Nummer eins zu sein, erinnert sich ihr 1952 geborener Enkelsohn, der Kasseler Anwalt Axel Selbert. Eine Frau, die es liebte, Hüte zu tragen, sich ordentlich und korrekt zu kleiden und in der Stadt zu bummeln. Eine Frau, der Repräsentieren und großes Tamtam nicht lagen. Sie hatte keine Lust auf laute Runden, sagt Axel Selbert. Seine Großmutter sei eine Frau mit Bodenhaftung gewesen, die es vorzog, im großen Kreis der Familie zu ruhen. Dort war die Frau, die auf Fotos oft so streng wirkte, fröhlich und lustig. Da spielte die prominente Juristin Federball mit den Enkeln, schnitt die Rosen und rauchte abends gern eine Zigarette bei einem Glas Rotwein. Natürlich wurde auch viel diskutiert. Axel Selbert erinnert sich zum Beispiel an Gespräche mit seiner aufgeschlossenen Großmutter über den Vietnamkrieg. Ab und zu schmerzte sie es aber doch, dass ihre Partei, die SPD, sich nie genug für sie eingesetzt hatte. Ein Bundestagsmandat erhielt die "Mutter des Grundgesetzes", im Gegensatz zu den anderen drei Frauen im Parlamentarischen Rat nicht und auch eine vorgesehene Position als erste Bundesverfassungsrichterin scheiterte, da die SPD sich nicht genug für Elisabeth Selbert einsetzte, die ihr "politisch zu profiliert" war. Der Lebenslauf von Elisabeth Selbert zeigt exemplarisch den schweren Stand, den Frauen in den Parteien hatten und noch immer haben. Einen Luxus leistete sich die sonst so bescheidene Elisabeth Selbert allerdings. Sie hat sich ihr Leben lang gern chauffieren lassen. Sie hatte nämlich selbst keinen Führerschein. Verwunderlich für eine Frau, die wie kaum eine andere für die Emanzipation der Frau in der Nachkriegszeit gekämpft hat.

Der Nachlass dieser wichtigen Politikerin liegt im Archiv der deutschen Frauenbewegung und kann dort zu den Öffnungszeiten eingesehen werden.

Elisabeth Selbert - Haus

Elisabeth Selbert - Haus in Niederzwehren

Das "Bürgerhaus Niederzwehren" wurde am 22. September 1986 - anläßlich des 90. Geburtstags - nach Elisabeth Selbert benannt.

In Hofgeismar wurde eine Straße nach ihr benannt.

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Erinnerungen im Netz: Elisabeth Selbert

Weblinks


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