Elena-Klinik

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Die Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel ist ein neurologisches Krankenhaus und ein Zentrum für Bewegungsstörungen, insbesondere das Parkinson- und das Restless-Legs-Syndrom. Die zertifizierte Spezialklinik mit 120 Betten gilt heute als eine der führenden Parkinsonkliniken.

Geschichte

Gründung

Ihren Namen verdankt die Klinik der Schirmherrin Königin Elena von Italien (1879-1952, gebürtige Prinzessin von Montenegro), einer engagierten Förderin der Erforschung und Behandlung des Parkinson-Syndroms. Ihr Portrait im Eingangsbereich der Klinik weist auf die Namensgeberin der Paracelsus-Elena-Klinik in Harleshausen hin. 1937 wurde dieses älteste und bis heute führende Zentrum für Parkinson-Syndrome in Deutschland als Königin-Elena-Klinik gegründet.

Damals litten fast 40.000 Menschen in Deutschland an den Folgen einer Grippe-Epidemie (Encephalitis lethargica), die das Parkinson-Syndrom als Spätfolge zurückbehielten. Dr. med. Walther Völler gründete für diese Patienten eine erste Spezialklinik. Der Kasseler Allgemeinmediziner mit Praxis in der Oberen Königsstraße war einer der Leibärzte von Prinzessin Mafalda, der Tochter der Königin Elena von Italien und ihrem Mann Viktor Emanuel III., die seit 1925 mit dem Prinzen Philipp von Hessen, seit 1933 Oberpräsident der preußischen Provinz Hessen-Nassau mit der Hauptstadt Kassel, verheiratet war.

Nazizeit

Mitte der 1930er Jahre begegnete der engagierte Arzt Königin Elena, als sie ihre an einer Rippenfellentzündung erkrankte Tochter Mafalda in Kassel besuchte. Weil die medizinisch interessierte Königin Elena auch in Kassel Kopfgrippe-Erkrankte im Stadtbild gesehen hatte, sprach sie Dr. Völler darauf an. Elena hatte nämlich in Rom eine erste Forschungseinrichtung für Parkinson gründen lassen, an dem die so genannte Italienisch-Bulgarische Kur als Therapieansatz verfeinert wurde. Nachdem sie erfahren hatte, dass es im Deutschen Reich bis dahin keinerlei Hilfsmöglichkeiten für die an den Spätfolgen der 1917-20 grassierenden Spanischen Grippe Erkrankten gab, lud sie Dr. Walther Völler zu einem Informationsbesuch nach Rom ein. Der Gedanke reifte heran, in Kassel eine entsprechende Spezialklinik zu gründen. Staatliche Stellen in der NS-Gesundheitsverwaltung unterstützten das Vorhaben, das vor dem Hintergrund der engen Beziehungen des nationalsozialistischen Deutschland mit dem faschistischen Italien ("Achse Berlin-Rom") und der verwandtschaftlichen Bindungen des Hauses Hessen nach Italien auch gut in die politische Großwetterlage passte.

So kam es, dass am 1. August 1937 in einem schlossartigen Landhaus in Harleshausen die Königin-Elena-Klinik unter der Schirmherrschaft der Namensgeberin gegründet wurde. Das von dem bekannten Baumeister und Architekturtheoretiker Hermann Muthesius entworfene und 1911 fertig gestellte Anwesen am Rande des Habichtswaldes mit einem 11.000 Quadratmeter großen Park bot ideale Voraussetzungen für die Therapie der oft von weit her angereisten Patienten. Der Vorbesitzer und Erbauer, Kapitän-Leutnant a. D. Ernst von Strombeck, war 1936 kinderlos verstorben. Im selben Jahr war Harleshausen nach Kassel eingemeindet worden.

Meist waren es ehemalige Soldaten des Ersten Weltkriegs, die in der Königin-Elena-Klinik bei der so genannten Italienisch-Bulgarischen Kur eine erste medikamentöse Behandlung mit Auszügen aus den Wurzeln der Tollkirsche (Belladonna) erfuhren. Zum Therapiekonzept gehörten schon damals sehr viele Bewegungsübungen und Beschäftigungstherapien wie Billard, Gartenarbeit und Kräutersammeln, über die Klinikchef Dr. Walther Völler oft auch persönlich wachte. Er soll streng reagiert haben, wenn Patienten allzu pessimistisch klagten. „Ich weiß, dass ich gesunde“, mussten alle täglich beim Morgenlied miteinstimmen.

Obwohl die einst populäre Königin Elena und ihre nach Kassel verheiratete Tochter Mafalda nach dem Tod Mussolinis und dem Auseinanderbrechen der sog. Achse Berlin-Rom (1943) bei offiziellen Stellen in Ungnade fielen, gelang es Dr. Völler, das Patronat der Königin Elena und die Bezeichnung der Klinik beizubehalten. Die benachbarte Königin-Elena-Straße wurde in Ahnatalstraße umbenannt und heißt bis heute so. Prinzessin Mafalda wurde im KZ Buchenwald interniert und starb dort 1944 an den Folgen eines allierten Luftangriffs.

Geschichte ab 1945

Nach dem Krieg war 1946 bis 1948 in der Elena-Klinik vorübergehend ein städtisches Kinderkrankenhaus untergebracht. Nach der Entnazifizierung konnte 1948 die Elena-Klinik als Spezialklinik zur Behandlung des Parkinson-Syndroms wieder eröffnen.

Schon 1954 starb der Klinikgründer Dr. Walther Völler im Alter von 60 Jahren. Sein Sohn Dr. med. Gert W. Völler trat nach Studium und Abschluss seiner Facharztausbildung 1965 als Chefarzt die Nachfolge seines Vaters an. In den folgenden Jahren ließ er die Klinik nach modernen Gesichtspunkten erweitern und forschte intensiv an den Ursachen der Erkrankung und der Weiterentwicklung der Behandlung von Parkinson-Patienten.

Im Verlauf der 1960er Jahre kam es durch das Verstehen des Dopamin-Stoffwechsels (ein Neurotransmitter) und durch die Entdeckung von L-Dopa zu geradezu revolutionären pharmakologischen Entwicklungen bei der Behandlung klassischer Parkinson-Symptome wie Tremor (Zittern), Rigor (Muskelstarre) und Akinese (verzögerte Bewegungsabläufe). Die Elena-Klinik gehörte zu den ersten Parkinson-Kliniken weltweit, an denen die bahnbrechenden klinischen Medikamentenstudien durchgeführt wurden.

Nach dem frühen Tod Dr. Gert Völlers (1978) übernahmen die Paracelsus-Kliniken Deutschland (Hauptsitz: Osnabrück) das Parkinson-Zentrum im Jahr 1980. In den Jahren 1987 bis 1993 wurde die nun in Paracelsus-Elena-Klinik umbenannte Einrichtung nach modernsten Erfordernissen umgebaut und erweitert. Von 1978 bis 2003 leitete Dr. med. Gudrun Ulm als Chefärztin die Klinik, die sich bis heute zu einem Spezialkrankenhaus zur Behandlung von Bewegungsstörungen, insbesondere des Parkinson-Syndroms von internationalem Ruf entwickelt hat.

Heutige Zeit

Seit Januar 2003 leitet Prof. Dr. med. Claudia Trenkwalder die Klinik als Chefärztin. Sie hat die internationalen Forschungskontakte auf dem Feld der Bewegungsstörungen und neurodegenerativer Erkrankungen weiter vertieft. Zudem hat sie die Klinik zu einer anerkannten Adresse in der Erforschung und Therapie des Restless-Legs-Syndroms (RLS) gemacht.

Im Jahr 2009 wurde mit der DeNoPa-Kassel-Studie eine innovative Parkinson-Langzeitstudie begonnen. Seit 2010 ist die Paracelsus-Elena-Klinik auch Studienstandort der renommierten amerikanischen Michael J. Fox-Foundation. Die Stiftung des an Parkinson erkrankten Hollywood-Schauspielers gehört seit dem Jahr 2000 zu den weltweit größten Förderern auf dem Feld der Parkinsonforschung.

75-jähriges Bestehen

Es war eine schicksalhafte Begegnung am Krankenbett einer Prinzessin, die den Grundstein für die Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel legte. Diese wurde vor 75 Jahren, im August 1937, eingeweiht. Am 8. Juni 2012 feierte die älteste deutsche Fachklinik für die Behandlung von Parkinson-Syndromen mit einem Patientenfest dieses Jubiläum. Für das Klinik-Team gibt es allerdings noch einen Grund zum Feiern: Auf der aktuellen Focus-Liste (2012) der besten Kliniken Deutschlands findet sich die neurologische Klinik unter den fünf besten Krankenäusern für die Behandlung von Parkinson.

Kontakt

Paracelsus-Elena-Klinik Klinikstraße 16 D-34128 Kassel

Telefon: 0049 (0)561 6009-0

Quellen und Weblinks