Eisenbahnknotenpunkt Bebra

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Bebra hat sich im Laufe seiner langen Geschichte zur Eisenbahnstadt entwickelt, der Eisenbahnknotenpunkt Bebra gehörte zu den bedeutensten in Deutschland. Noch heute ist er Knotenpunkt mehrerer Eisenbahnstrecken und IC-Halt auf der Verbindung Dortmund - Berlin - Stralsund. In den 1980-er Jahren verlor er jedoch zunehmend die Bedeutung.

Der Bahnhof in Bebra
Bahnhof Bebra 1910
Bahnhof Bebra 1914/1915
Bahnhof Bebra 1930

Historie

Quelle: ,,150 Jahre Friedrich Wilhelm Nordbahn, 1848, Bebra“ e.V. Eisenbahnverein Bebra

1848: Die Anfänge

Bebra wurde 1848 an das deutsche Eisenbahnnatz angeschlossen. Damals eröffnete die Kurfürst-Friedrich-Wilhelm-Eisenbahn (KFWE) den ersten Abschnitt Guxhagen-Bebra. Bereits 1 Jahr später, am 25. Sept. 1849 wurde die Strecke auf der ganzen Länge von Hümme bei Kassel bis Gerstungen und von dort weiter als Thüringische Landesbahn von Gerstungen bis Eisenach mit Anschluss nach Halle in Betrieb genommen. Damals hatte Bebra ca. 1300 Einwohner.

1866: Bebra wird zum Knotenpunkt

Zum Knotenpunkt wurde Bebra erst, als im Jahr 1866 die Bebra-Hanauer-Eisenbahn über Elm eröffnet wurde. Von Hanau bestand dann Verbindung nach Frankfurt und weiter nach Südwesten, ab Elm wurde 1872 die Verbindung nach Würzburg und somit Anschluss nach Süddeutschland hergestellt.

ab 1875: Ausbau

Nach Norden wurde 1875 die Bebra Friedländer-Eisenbahn Richtung Göttingen in Betrieb genommen. Das Inselbahnhofsgebäude wurde ab 1869 gebaut und danach erweitert, da in Bebra viele Reisende umstiegen und mitunter längeren Aufenthalt hatten. Von 1875 bis zur Jahrhundertwende war der Bahnhof geprägt von Erweiterungen. Auf der östlichen Seite entstand bis 1890 das Bahnbetriebswerk Bebra P mit den beiden Lokschuppen und Drehscheiben und auf der westlichen Seite entstand das Bahnbetriebswerk Bebra G mit ebenfalls 2 Lokschuppen mit Drehscheiben.

1880 war die Güterabfertigung errichtet und 1888 erhielt das Bahnhofsgebäude elektrisches Licht. Der Rangierbahnhof wurde ab 1902 aufgebaut und mehrmals erweitert mit Ein-, Ausfahr- und Zerlegungsgleisen. 1906 war der Ablaufberg fertig.

Die sogenannte Berliner-Kurve wurde 1914 und gleichzeitig auch ein drittes Gleis vom Abzweigbauwerk Fassdorf bis zum Hönebacher Tunnel in Betrieb genommen. Damit sollten die sogenannten Fliegenden Züge, SVTs der Relation Frankfurt/M. –Berlin durch nicht mehr nötiges Kopfmachen im Bahnhof und ohne Behinderung durch auf der Bergstrecke nach Hönebach langsam fahrende oder liegengebliebene Güterzüge Zeit einsparen und nicht behindert werden.

1924 wurde der Vorbahnhof Bebra-U, nach der ebenfalls neu errichteten großen Umladehalle benannt, in Betrieb genommen. Die Stadt wuchs stetig mit der Bahn und hatte bereits um 1920 ca. 5000 Einwohner.

Zweiter Weltkrieg

Am 4. Dez. 1944 gab es einen Bombenangriff, der dem Bahnhof galt aber die Stadt westlich des Bahnhofs traf. Es waren Tote und Verletzte zu beklagen, der Bahnhof wurde kaum in Mitleidenschaft gezogen.

Bedeutungsverlust im geteilten Deutschland

Durch die Teilung Deutschlands verlagerten sich die Verkehrsströme mehr in die Nord-Süd-Richtung und die DB nahm die erste ferngesteuerte Gleiswechselanlage in Deutschland von Bebra auf der Rampe nach Cornberg in Betrieb. Ebenfalls 1952 wurde das dritte Gleis nach Hönebach und das zweite Gleis der ,,Berliner Kurve“ zurückgebaut. 1963 wurde der elektrische Fahrbetrieb in Bebra von Fulda kommend bis Hannover aufgenommen, 1966 folgte die Strecke nach Kassel und 1995 die Strecke bis Erfurt.

In den Jahren 1961-1966 erlebte der Bahnhof Bebra die umfangreichste Umgestaltung in seiner Geschichte: Die Gleisanlagen des Personenbahnhofs (1961/62) und des Rangierbahn¬hofs (1962-1966) wurden umgebaut. In diesen Jahren erhielt der Bahnhof Bebra sein im Wesentlichen heute noch bestehendes Aussehen. [1]

1968 wurde der Rangierbahnhof grundlegend erweitert, wobei das Bahnbetriebswerk G weichen musste und komplett abgerissen wurde und bereits ab 1965 wurde die Technik auf den modernsten Stand gebracht. An der Spitze der Technisierung des Rangierbahnhofs steht das Stellwerk Brf. Es steht seitwärts vom Ablaufberg dicht neben der Weiteröder Straßenunterführung und ist weithin sichtbar — in den 60er Jahren ein neues Wahrzeichen im Fuldatal..[2]

Mit werbewirksamen Sprüchen wie „Deutschland im Zwei-Stunden-Takt" oder „wir fahren Spitze 160 km/h" wurde am 26. September 1971 der Intercity-Verkehr (IC) eingeführt. Die luxuriösen Paradezüge der DB verbanden alle zwei Stunden 33 deutsche Städte: Bebra ist eine (der kleinsten) unter ihnen. Von den vier IC-Linien passieren zwei den Bahnhof Bebra: die Linie 3 (Hamburg-Hannover-Frankfurt (M.)-Basel) ohne Halt und die Linie 4 (Bremen —Hannover—Würzburg-München) mit System-Verkehrshalt im Bahnhof Bebra. Zu den haltenden IC-Zügen verkehrten wie auch heute noch Zubringerzüge aus und Abbringerzüge in Richtung Kassel.[3]

Bereits 1977 fiel die Entscheidung, dass die geplante Neubaustrecke Hannover—Würzburg nicht über Bebra geführt werden wird - Die Bürgerinitiative „Rettet den Bahnhof Bebra" wurde gegründet.[4] Durch die Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke Hannover – Würzburg wurde Bebra vom großen Reiseverkehr abgeschnitten. Bereits um 1980 erfuhr der Bahnhof drastische Kürzungen bei Dienststellen und Arbeitsplätzen.

Mit Beginn des Sommerfahrplans 1979 wurde der IC-Stundentakt eingeführt. Dies bedeutete für den Bahnhof Bebra, dass nun 26 statt bisher 12 TEE- und IC-Züge hier hielten. Da das seit 1971 bestehende System des IC-Verkehrs unverändert blieb, war eine Verbesserung der Zugverbindungen die Folge.

Hatten während der Dampflokära noch wesentlich über 5000 Eisenbahner eine Anstellung, waren es um 1970 ca. 4000 und 1990 keine 1400 mehr, heute nur noch ca. 500. Ende November 1989 erfuhr der Bahnhof noch einmal einen gewaltigen wenn auch kurzen Aufschwung.

ab 1989

Die Grenzöffnung zur DDR bescherte der Bahn total überfüllte Züge, Sonderzüge wurden eingesetzt, die z.T. zu 500 Prozent überfüllt waren und aus Sicherheitsgründen nur noch mit 10 km/h und beidseitig Dieselloks gefahren wurden. Aus diesem Ereignis ergab sich dann der Ausbau der Strecke von Bebra bis Erfurt für Geschwindigkeiten bis 160 km/h. Im Mai 1995 wurde dann der elektrische Betrieb von Bebra nach Erfurt aufgenommen und gleichzeitig die ,,Berliner Kurve“ nach grundlegender Sanierung reaktiviert – auch elektrisch. Dadurch verlor der Bahnhof seine letzten IC-Halte, die bis dahin auf der Strecke Frankfurt/M. –Erfurt/Dresden in Bebra ,,Kopf gemacht“ hatten. Seitdem hielten nur noch IR-Züge auf der Strecke Ruhrgebiet – Sachsen in Bebra und Regionalverkehrszüge in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung, das einzige verbliebene IR-Paar auf der Nord-Süd-Richtung IR ,,Alpenland“ wurde zum Fahrplanwechsel im Mai 1999 gestrichen.

Zum Winterfahrplan 2002 wurde die IR-Züge auf der Ost-West-Magistrale durch ICs und Neigetechnik-ICEs ersetzt. Seitdem ist Bebra wieder IC- und ICE- Station. Allerdings war zum Fahrplanwechsel im Jahre 2007 wieder Schluss mit den ICE's, sodass die letzten ICE-Züge auf lokbespannte ICs umgestellt wurden. Dagegen hat der Rangierbahnhof wieder an Bedeutung gewonnen, nachdem der Rangierbahnhof Frankfurt/M. weitgehend aufgegeben und der Cargo-Bahnhof Bebra unterstellt wurde. Bebra ist einer von 13 in Deutschland verbliebenen ,,Frachtzentren“. Im Zuge der Modernisierung der Strecke nach Erfurt wurde die Güterzugein- und ausfahrt aus dem Rangierbahnhof Richtung Osten unbedachter Weise abgerissen. Folge: Kali- und Güterzüge, die im Rangierbahnhof zerlegt werden, müssen bis Bebra –U durch den Personenbahnhof, dort umspannen und zurück durch den Personenbahnhof fahren. Nach 3 Jahren wurden die ersten Stimmen laut, die den Neubau einer Ost-Ein- und Ausfahrt zum Rangierbahnhof aus betriebstechnischen Gründen fordern.

Ehemaliges Bahnbetriebswerk Bebra

Der Lokschuppen 1 mit Drehscheibe ist noch in Betrieb, die Drehscheibe wurde kürzlich erst modernisiert und auch die Lokwerkstatt wurde renoviert. Das Stellwerk LN für das BW wurde zum Jahresende stillgelegt. Sämtliche BW-Weichen wurden auf Handbetrieb umgebaut und die alten Rangiersignale außer Betrieb genommen. Die Lokführer müssen nun die Weichen selbst stellen und die Drehscheibe von der Lok aus bedienen. [5]

Bahnverkehr

momentan: IC 51, Re 50, RB R 5, RB R 6, RB R 7

Weblinks

siehe auch

Wasserturm in Bebra

Quellen

  1. Archiv Bö Bebra, Privatsammlung Peter Kehm
  2. Archiv Bö Bebra, Privatsammlung Peter Kehm
  3. Archiv Bö Bebra, Privatsammlung Peter Kehm
  4. Archiv Bö Bebra, Privatsammlung Peter Kehm
  5. Eisenbahnverein Bebra