Eisenbahn Frankenberg-Korbach

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Die Eisenbahnstrecke von Frankenberg nach Korbach wurde am 1. Mai 1900 eingeweiht, als Teilstück einer Strecke von Warburg bis ins Marburger Land.

Einst ein großer Arbeitgeber

Am 1. Mai 2000 jährte sich zum 100. Mal die Eröffnung der heute stillgelegten Eisenbahnverbindung Frankenberg-Korbach. Das Bahnbetriebswerk war lange einer der größten Arbeitgeber in der Region.

Kassel - Marburg

Vor mehr als 100 Jahren war man auch im Waldeck-Frankenberger Land mit dem Eisenbahnbau fieberhaft beschäftigt. Galt es doch, mit dem Anschluss an die 1850 eröffnete Main-Weser-Bahn zwischen Kassel, Marburg und Frankfurt/ Main dem schleichenden Niedergang der ohnehin spärlichen Wirtschaft und der damit verbundenen Verarmung der Bevölkerung in unserer Region entgegenzuwirken.

Die erste Eisenbahn überhaupt im Raum Waldeck und Frankenberg war die Verbindung zwischen Wabern und Bad Wildungen, eröffnet im Jahr 1884.

Burgwaldbahn

Sechs Jahre später wurde zwei Monate vor der Freigabe der Burgwaldbahn zwischen Marburg, Sarnau und Frankenberg am 1. Mai 1890 die Eisenbahnstrecke von Warburg nach Arolsen eröffnet.

Von Arolsen weiter nach Korbach konnte man ab dem 15. August 1893 fahren sowie von Volkmarsen nach Wolfhagen und weiter in Richtung Kassel im Jahr 1897.

Trotz der übergeordneten Bedeutung, die der 108,4 Kilometer langen Linie Warburg-Marburg damals beigemessen wurde sie schuf die kürzeste Schienenverbindung zwischen Bremen und Frankfurt/ M., wurde mit den Vorarbeiten zum Bau des letzten Abschnitts zwischen Frankenberg und Korbach erst 1898 begonnen. Mitschuld an dieser Verzögerung trugen einige Gemeinden, die sich über die Linienführung zwischen Frankenberg und Korbach nicht einigten.

Medebach - Sachsenberg

Zur Diskussion standen zwei Varianten: die später auch verwirklichte Führung durch das Eder- und Ittertal über Herzhausen sowie eine Trasse über Medebach und Sachsenberg. Diese wurde aber wegen ungünstigerer topographischer Verhältnisse und einer um fünf Kilometer größeren Streckenlänge gegenüber der später verwirklichten Version verworfen. Die 31,1 Kilometer lange Strecke wurde am 1. Mai 1900 mit Pauken und Trompeten feierlich eröffnet (siehe: HNA-Serie "Das Frankenberger Land in alten Ansichten", Teile 82 bis 86).

Wasser und Kohle, Öl und Sand

Die Betriebswerkstätten in Frankenberg, die seinerzeit noch Bahnbetriebswerke hießen, wurden um die Jahrhundertwende gegründet. Vielfältig waren die Tätigkeiten der Beschäftigten, bedurften doch Lokomotiven und Wagen einer ständigen Pflege, der Versorgung mit Betriebsstoffen sowie der Unterhaltung. Wasser und Kohle, Öl und Sand mussten nachgefüllt, die Fahrzeuge gewartet und gereinigt werden. Zudem wurden umfangreiche Reparaturen vorgenommen. Zahlreiche Menschen aus der Region fanden damals bei der Eisenbahn eine zwar oft sehr schwere, aber krisenfeste Anstellung.

Die Betriebswerke waren den Maschinenämtern untergeordnet, den Bahnbetriebswerken waren wiederum Lokomotiv-Bahnhöfe unterstellt, die auch über diverse technische Einrichtungen verfügten, aber vom Bahnbetriebswerk aus verwaltet wurden. So war das Maschinenamt Marburg dem Betriebswerk Frankenberg übergeordnet. Dem Betriebswerk Frankenberg wiederum unterstand ab 1911/12 bis 1924 der Lok-Bahnhof Bad Berleburg und bis 1956 die Außenstelle Korbach.

In Frankenberg entstand ein zunächst sechsständiger Lokschuppen mit einer 13 Meter Durchmesser großen Drehscheibe. Um 1920 reichte dies schon nicht mehr aus: ein dreiständiger Anbau kam hinzu, die Drehscheibe wurde auf 16 Meter vergrößert. Außerdem wurde die gesamte Anlage erweitert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Frankenberger Bahnhof einer der größten Arbeitgeber: Zeitweise gehörten mehr als 150 Menschen zum Betriebswerk. Viele Jahre rollten auch Eilzüge durch unsere Region.

Der Korbacher Verkehrsverein, dessen Vorsitzender am 6. Januar 1950 dem Zugführer des ersten Bremer Eilzuges einen Blumenstrauß überreichte, sah in der Fernanbindung einen Fortschritt für den Tourismus. Zum besonderen Komfort des in beiden Richtungen täglich verkehrenden Eilzugpaares gehörte jeweils eine Bewirtschaftung mit Speisen und Getränken durch die Mitropa sowie ein angehängter Postwagen, in den auf den Haltebahnhöfen eilige Post nach Frankfurt/Main oder Bremen eingeworfen werden konnte

Im September 1983 wurden der Lokschuppen und die Drehscheibe des Betriebswerks Frankenberg stillgelegt, die Fahrzeuge wurden Wind und Wetter ausgesetzt. Das Lokpersonal erhielt einen Aufenthaltsraum im Bahnhof. Einen Monat später folgte die Auflösung der Dienststelle, das Personal unterstand fortan der Dienststelle Marburg. Der letzte reguläre, fahrplanmäßige Personenzug zwischen Frankenberg und Korbach rollte schließlich am 30.Mai 1987. Kurze Zeit später war dort auch das Ende für den Güterverkehr gekommen.

Der Niedergang in der einstigen Eisenbahnerstadt Frankenberg war überall sichtbar. Der Abriss des überflüssig gewordenen Frankenberger Stellwerks Nord an der Röddenauer Straße in Richtung Korbach begann am 14.Mai 1990, Nebengleise verschwanden. Die Lok-Drehscheibe wurde im Mai 1998 abgebaut.

von Klaus Jungheim (HNA)

Quellen: Karl-Hermann Völker, Reiner Gasse, Gerhard Julius, Dr. Lutz Münzer, Dieter H. Neliba, Lothar Gall, Manfred Pohl.

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