Eisenbahn Allendorf-Bromskirchen

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Der Bahnhof von Allendorf (Eder) um das Jahr 1910. Repro: Klaus Jungheim (Copyright: HNA)

Am 1. Dezember 1908 fuhr der erste Zug auf der Strecke von Winterberg über Hallenberg und Allendorf nach Frankenberg.

Drei Tage zuvor hatte die Postkutsche in Allendorf ihre letzte Fahrt nach Hallenberg angetreten. Im dichten Nebel wurde das Pferdegespann dann von einer Lokomotive, die auf der neuen Strecke zur Probefahrt unterwegs war, am Allendorfer Bahnübergang erfasst. Der Postillion erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. "Dramatischer konnte die Postkutschenzeit nicht enden", schreibt Dieter H. Neliba, zweiter Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Nuhnetal und Autor von Büchern zur Eisenbahn, in seinem Werk "Vom Sauerland ins Hessenland".

Geschichte

Erste Bestrebungen zum Bau einer Bahnlinie von Bestwig über Winterberg nach Frankenberg gehen in die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Die positive Entwicklung der von der Eisenbahn berührten Ortschaften war unverkennbar. Auch die Menschen hier, die nach wie vor von der Außenwelt abgeschnitten waren, wollten an den wirtschaftlichen Vorteilen teilhaben. Kommunalpolitiker der Region und auch die Bahn-Gesellschaft selbst setzten sich für die Strecke ein.

Ab Winterberg war die Streckenführung umstritten. Sie sollte entweder durch das Orketal über Medebach nach Frankenberg führen oder durch das Nuhnetal über Hallenberg verlaufen. Zwei Pläne dann auch ab Hallenberg: weiter durch das Nuhnetal über Somplar und Rengershausen, andererseits über Bromskirchen und Allendorf nach Frankenberg, wie sie dann auch später verlief. Im Mai 1898 genehmigte der preußische Landtag den Bau der Eisenbahnstrecke.

1906 wurde der planmäßige Zugverkehr zwischen Bestwig und Winterberg aufgenommen, im selben Jahr begann der Streckenbau von Winterberg nach Frankenberg. Zu den Vorarbeiten für das Bahnprojekt gehörte damals auch eine Wirtschaftlichkeitsstudie über die bestehenden Verkehrsverhältnisse, den zu erwartenden Umfang des Personenverkehrs sowie des Güteraufkommens.

In einem solchen Bericht eines Amtmannes aus Hallenberg heißt es: "Eine erhebliche Verkehrssteigerung wird dadurch hervorgerufen, daß den hier Beheimateten Gelegenheit gegeben wird, öfter von auswärts nach Hause zu wandern, was bei der hier zu Tage tretenden Heimatliebe starken Einfluß ausüben würde. Auch würde sich der Touristen- und Sommerverkehr bei der schönen und ruhigen Umgebung sehr bemerkbar machen ... ."

Große Bauwerke entstanden: die Ederbrücke bei Röddenau, ein Viadukt zwischen Allendorf und Bromskirchen oder der Bromskirchener Tunnel.

64 Kilometer lang war die Bahnlinie von Frankenberg über Winterberg nach Bestwig. Der Fahrplan beinhaltete täglich fünf Zugfahrten in jede Richtung. Im Kreis Frankenberg hielt der Zug in Röddenau sowie in Haine, Rennertehausen, Allendorf, Osterfeld und Bromskirchen. Letztere Orte des Oberen Edertals gehörten bis 1932 noch zum Landkreis Biedenkopf. Zweieinhalb Stunden dauerte die Zugfahrt mit der Dampflok, die auf den 36 Kilometern von Frankenberg nach Winterberg rund 380 Höhenmeter überwinden mußte.

Beim Einmarsch der Amerikaner im Zweiten Weltkrieg fanden diese am 29. März 1945 am Bromskirchener Bahnhof die ersten intakten V2-Raketen.

Der letzte Personenzug mit einer Dampflokomotive fuhr auf der Strecke am 27. Mai 1966. Danach gab es nur noch geringen Güterverkehr und eine klägliche Schienenbusverbindung, die am 24. September 1966 eingestellt wurde. Wegen des schlechten Zustands der Strecke zwischen Allendorf und Bromskirchen durften die Züge am Schluss nur noch mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h kriechen. Wilhelm Küster und Fritz Lehmensieck, seit 1947 auf dieser Strecke eingesetzt, fuhren an diesem 24. September die letzten Fahrgäste. Der Betrieb wurde endgültig am 15. November 1966 gestrichen.

Bereits im Frühjahr 1967 wurden auf der Bahnstrecke zwischen Allendorf, Osterfeld, Bromskirchen und Hallenberg die Schienen abmontiert. Damit machte die damalige Bundesbahn unmissverständlich klar, daß an eine spätere Wiederaufnahme des Betriebs auf dieser Linie nach einer eventuellen Instandsetzung des maroden Gleiskörpers nicht mehr zu denken ist.

siehe auch

  • Linspher Radweg: der Radweg verläuft auf der alten Eisenbahnstrecke nach Bromskirchen [1]

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. HNA vom 8.7.2011: Per Rad durch den Tunnel

Weblinks