Eisenbahn

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Die erste "einheimische" Lokomotive der Firma Henschel ("Drache") nahm im Jahre 1848 auf der "Nordbahn" ihren Dienst auf.

Die Region Kassel ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eng mit der Eisenbahn verbunden. Eine Vielzahl von Menschen fand in der Zeit von mehr als eineinhalb Jahrhunderten durch die Eisenbahn Arbeit. Bis heute ist von der „Eisenbahnstadt Kassel“ die Rede.

Geschichte

Der Ursprung des Eisenbahn-Streckennetzes in Nordhessen geht besonders zurück auf die Main-Weser-Bahn, die als Staatsbahn geplant und gebaut wurde und die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn, für die eine gleichnamige Aktiengesellschaft verantwortlich war. Dabei wurden auch Bahnhöfe, wie in Guntershausen und Kassel gemeinsam benutzt. Besonders der Kasseler Hauptbahnhof entwickelte sich zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Zur Jahrhundertwende kreuzten sich hier die Main-Weser-Bahn und die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn.

In ihrer Gesamtheit entstand die „Friedrich-Wilhelms Nordbahn“ ab 1844. An der Finanzierung waren u. a. die Bankhäuser Gebr. Bethmann in Frankfurt am Main und Bernus du Fay in Hanau beteiligt. Ziel war die Kombination mehrerer Streckenprojekte, wobei das wichtigste Projekt die Verbindung von Berlin nach Kassel (durch Thüringen) und weiter zur westfälischen Grenze bei Haueda in Richtung Warburg war.

Eine erste Teilstrecke der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn führte im Jahre 1848 von Kassel bis zum Hofgeismarer Stadtteil Hümme.

In Bebra entstand ein zentraler Eisenbahn-Knotenpunkt in Deutschland und aus den Anfängen der Lokwerkstatt in Rothenditmold im Jahre 1908 entwickelte sich später das Bundesbahn-Ausbesserungswerk Kassel. 1470 Beschäftigte bangten hier im Jahre 1984 um ihre Arbeitsplätze. Rückläufiger Schienenverkehr ließ den Fahrzeugpark der Bahn schrumpfen, die neuen Loks und Züge waren wartungsfreundlicher, die Ausbesserungswerke standen auf dem Prüfstand.

Hauptbahnhof Kassel mit alter Straßenbahn nach einer Ansichtskarte

Bereits in den Jahren 1852 bis 1856 war in Kassel ein stattliches Gebäude als Kopfbahnhof nach den Plänen des Hofbaudirektors Gottlob Engelhard errichtet worden. Gleichzeitig entstand ein nördlicher Bahnhofsflügel für die Hannoversche Südbahn.

Der neue Bahnhof wurde im Rundbogenstil erbaut und war zur Zeit seiner Entstehung einer der größten Bahnhöfe Deutschlands. Der Backsteinbau wurde damals Oberstadt-Bahnhof genannt und besaß drei Bahnsteige mit vier Gleisen, je ein Gleis am Bahnsteig des Nord- und des Südflügels und zwei Gleise am nicht überdachten Mittelbahnsteig. Drehscheiben ermöglichten am Ende der Gleise die ankommenden Lokomotiven zu drehen und auf einem Nebengleis wieder an die Spitze des Zuges zu setzen.

Von 1899 bis 1903 fand ein Umbau des Empfangsgebäudes und der Gleisanlagen statt. Errichtet wurde eine Durchgangshalle als Verlängerung der bisherigen Eingangshalle. Am Querbahnsteig entstand ebenfalls eine neue Halle mit neuen Wartesälen. Erhalten haben sich bis heute die Westfassaden mit mehrfarbigen Klinkern. Auf der Südseite sind die Wappen von Preußen und Hessen und ein Eisenbahnrad zu sehen. 1901 wurden die Bahnsteige überdacht und der Bahnhofsplatz neu gestaltet.

Wegen der Erweiterung der Gleisanlagen und einer neue Güterabfertigung wurde 1913 der Nordflügel abgebrochen. Der Querbahnsteig erhielt einen verlängerten Anbau, der u.a. Diensträume, zwei Wartesäle, einen Telegraphensaal und Übernachtungsmöglichkeiten für das Zugpersonal beherbergte. Als weitere Baulichkeiten entstanden ein Wagenschuppen für die Unterbringung des kaiserlichen Hofzuges und ein Postbahnhof (1914).

Dampflokomotive HC 206 des Hessencourrier / Foto: G.Brümmer

Nach dem Bau von Fernstrecken entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts regionale Bahnverbindungen.

So nahm etwa am 31. März 1904 die Kleinbahn Kassel-Naumburg ihren Verkehr auf. Unterwegs säumten ungezählte Schaulustige die Wegstrecke. Noch heute existiert die Strecke und wer will, kann mit dem historischen Zug Hessencourrier die alte Zeit aufleben lassen.

Ein anderes Beispiel: am 22. August 1912 wurde die Söhrebahn mit den Stationen Eisenhammer, OchshausenCrumbach, Vollmarshausen und Wellerode eröffnet. Die Bahn diente besonders dem Transport von Arbeitskräften nach Kassel aber auch von Basaltsteinen, Splitt, Kohlen und Ziegelsteinen.

Viel hat sich seither verändert und zahlreiche Teilstrecken sind inzwischen auch wieder eingestellt worden.

Mit der Einweihung des Bahnhofs Wilhelmshöhe an der ICE-Neubaustrecke im Jahre 1991 fand die Stadt Kassel allerdings wieder Anschluß an die „Bahn-Zukunft“. Am 29. Mai 1991 stellte Bundespräsident Richard von Weizsäcker die Weichen für die neuen Intercity-Expreß-Züge (ICE) mit einem symbolischen Knopfdruck auf grün. Es war der Beginn des Hochgeschwindigkeitszeitalters der Bahn, und es war zugleich die Einweihung des weit über 100 Millionen Mark teuren Fernbahnhofs Wilhelmshöhe.

Verlief bis dahin die wichtigste Nord-Süd-Strecke in Deutschland von Hamburg über Hannover, Göttingen, Bebra und Frankfurt weitläufig an der Fuldastadt vorbei, rückte die Neubaustrecke von Hannover nach Würzburg die Stadt Kassel nunmehr ins Zentrum.

Ebenso wird im Eisenbahn-Nahverkehr - etwa mit der Regiotram - Neuland betreten.

Historische Eisenbahnstrecken in Nordhessen

Herkulesbahn und "Neue Drusel" 1914.
(Foto/ Quelle: Friedrich Forssmann)
Fernreisezug VT 08 im Bahnhof Oberscheden 1952

Lokomotiven

Henschel

Werk Mittelfeld der Henschel & Sohn AG 1916

Im Jahre 1910 herrschte Frieden im Land und das schon geraume Zeit. Die gesellschaftliche und die wirtschaftliche Entwicklung schritten voran. Auch in Kassel profitierten die Menschen von den positiven Rahmenbedingungen. Herausragendes Beispiel: die Firma "Henschel und Sohn". Die gelangte mit ihren Werken am Möncheberg und in Rothenditmold an die Spitze des europäischen Lokomotivbaus. Ein Indiz für die gestiegene Leistungsfähigkeit: seit 1900 wuchs die Zahl der Werksangehörigen von 2220 auf 6149.

Im August 1910 gab es Anlaß zur Freude. Das Familienunternehmen in der fünften Generation bestand in diesem Jahr seit 100 Jahren, und die 10000. Lok verließ die Werkshallen. "Aus den kleinsten Anfängen hat es sich zu dem größten Werk seines Industriezweiges in Europa entwickelt", hieß es dazu in der 147 Seiten dicken, großformatigen Festschrift.

Die Henschelwerke wurden im Laufe der Jahrzehnte ständig erweitert. Nach dem ersten Standort an der Weserstraße erschloss man das Gelände am Möncheberg/ Holländischer Platz, später ein Gelände an der Wolfhager Straße in Rothenditmold - darauf das Gelände Mittelfeld zwischen Rothenberg und Holländischer Straße.

In den folgenden Jahrzehnten hat sich das Kasseler Traditions-Unternehmen Henschel (später: Thyssen Industrie AG Henschel), aus dem inzwischen die ThyssenKrupp Transrapid GmbH hervorgegangen ist, einen weltweiten Ruf als führender Lokomotivhersteller Europas und einer der bedeutendsten der Welt erworben.

Henschel-Wegmann-Zug

Am 31. Mai 1935 übergaben Vertreter der renommierten Kasseler Firmen Henschel und Wegmann der Reichsbahn einen neuartigen Zug, der den Schnellverkehr zwischen den Großstädten revolutionierte. Die neue Baureihe 61, trotz ihrer großen Höchstgeschwindigkeit von offiziell 175 Stundenkilometern mit Dampf und nicht etwa mit der gerade aufkommenden Dieseltechnik betrieben, wurde einer der größten Erfolge der beiden Unternehmen.

Schnell war die Lok, das hatte sie auf vielen Testfahrten bewiesen. Der schnellste der beiden Züge brauchte für die 176 Kilometer lange Distanz von Berlin nach Dresden eine Stunde und vierzig Minuten und unterbot damit den bisherigen Rekordhalter um stolze 28 Minuten.

siehe auch

Weblinks

Eisenbahnbrücke über die Bauna in Baunatal-Guntershausen