Einblick in die Mielenhäuser Geschichte

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Wappen Mielenhausen

Mielenhausen ist ein Ortsteil der Stadt Hann. Münden mit ca. 464 Einwohnern.

Einblick in die Mielenhäuser Geschichte

Zur Erstellung dieser Kurzdarstellung diente die Quelle "Mielenhausen 1979" (von † Willi Osenbrück, Ortsheimatpfleger):

Spuren aus früher Vergangenheit

Die "Geburtsstunde" oder gar die "Geburtsurkunde" unseres Dorfes bereitet wie bei fast allen Siedlungen einige Schwierigkeiten. Auf die Besiedlung des engeren Heimatraumes Mielenhausen "Schedetal - Bramwald" deuten frühgeschichtliche Funde hin. Funde von 1909, ein viertausend Jahre altes Steinbeil auf dem Schorfhagen und von 1961 eine bronzene Dolchklinge auf einem Grundstück an der Strasse Mühlenberg. Die bronzene Dolchklinge beweist, dass in der Bronzezeit das Schedetal und die angrenzenden Hänge Lagerplatz für Hirtenvölker der damaligen Zeit gewesen sein müssen. Diese Funde geben keinen Aufschluss über die Gründung des Dorfes Mielenhausen.

Erste geschichtliche Erwähnung

Die erste schriftliche Erwähnung von Mielenhausen (Mylenhausen) stammt von 1260, zu finden im Urkundenbuch des Klosters Hilwartshausen. Eine andere Geschichtsquelle, " Lotze Geschichte der Stadt Münden", nennt einen namens Johannes de Milenhusen, der 1260 und 1263 in Schriftstücken als Zeuge erwähnt wird. Sein Name verrät uns, dass er oder seine Vorfahren aus dem Dorf Mielenhausen stammen könnten. Der Name Mielenhausen begegnet uns auch heute noch in der Stadt Dransfeld.

Entwicklung des Dorfes

Über Jahrhunderte hatte sich das örtliche Leben kaum verändert. Das natürliche Umfeld -Wald und Flur- bot für die Menschen die Grundlage zum Leben und prägte die Arbeitswelt, das Dorfbild, die Essgewohnheiten und die Ausstattung der Häuser. Die auslaufende Dreifelderwirtschaft und der Einsatz neuer Pflanzen (z.B. Kartoffeln) im Ackerbau brachten nur geringen Fortschritt. Die Möglichkeiten der Fortbewegung erfuhren eine Verbesserung durch den Bau der Chaussee (1774-1785) durch das Schedetal, heute B3, sowie den Bau der Eisenbahnstrecke Göttingen, Dransfeld, Oberscheden, Hann. Münden.

Landwirtschaft

Bis kurz vor 1900 mussten die Mielenhäuser ihr Getreide mit dem Dreschflegel auf der Scheune oder auch im Hausflur dreschen. Mit der Verbreitung der Dampfmaschine hielt das Maschinenzeitalter Einzug und veränderte das dörfliche Leben. Aber kein Bauer war reich genug, um sich eine Dreschmaschine und die für den Antrieb erforderliche Dampfmaschine anzuschaffen. Die Möglichkeit das Getreide mit der Dreschmaschine dreschen zu lassen bot ein Maschinenbesitzer aus Dransfeld. Die bestellte Dreschmaschine stellte er für einige Zeit auf dem Dreschplatz ab. Dorthin konnten die Bauern ihre Erntewagen ziehen und das Getreide dreschen lassen. 1896 gründeten 10 Bürger aus Mielenhausen eine Dreschgenossenschaft. Dem Bau eines Maschinenschuppens folgte der Kauf einer gebrauchten Dreschmaschine, die von einem Lokomobil angetrieben wurde. Die Genossen konnten ihr Getreide und das Getreide der anderen Ackerbautreibenden nun in Mielenhausen dreschen.

Schule

Bis 1748 besuchten die Kinder aus Mielenhausen, Dankelshausen, Ober- und Nieder-scheden gemeinsam die Schule in Oberscheden. Ab 1748 wurden die Mielenhäuser Kinder in Mielenhausen unterrichtet. Der Unterricht wurde im Kapellengebäude/ Oberdorf abgehalten. Es fand zeitweise auch Unterricht in der Wohnung des Lehrers statt. 1874 errichtete die Gemeinde Mielenhausen ein Schulgebäude, heute Wohnhaus der Familie Kanngießer. Das zu klein gewordene Schulhaus wurde 1910 durch ein größeres Gebäude am Dorfplatz ersetzt, wo die Kinder bis 1951 unterrichtet wurden. 1951errichtete die Gemeinde Mielenhausen ein neues Schulgebäude, welches den derzeitigen Anforderungen an die schulische Versorgung im Dorf entsprach. 2 Klassenräume, eine Lehrerwohnung und Nebengelass fanden Platz im neuen Gebäude. Das alte Schulhaus von 1910 wurde abgerissen und auf der Fläche ein Schulhof errichtet. Die Eigenständigkeit der Schulversorgung in Mielenhausen endete 1970. Die Kinder, die die Grundschule besuchten, wurden der Mittelpunktschule in Scheden zugeordnet. Die Räumlichkeiten der Schule wurden bis 1974 von der Mittelpunktschule Scheden mitgenutzt.

Infrastruktur/ Strom, Wasser, Abwasser, Strassen

1914 wurde mit dem Bau der Leitungen für die Stromversorgung in Mielenhausen begonnen. Der 1.Weltkrieg unterbrach die Bauarbeiten, die 1919/1920 fortgesetzt und abgeschlossen wurden. Bis dahin konnten die Dorfbewohner die Abende nur bei Kerzenschein oder Petroleumlicht verbringen. 1994 wird das Stromnetz von der EAM verkabelt. Eine weitere Verbesserung der Lebensqualität der Mielenhäuser Bürger wurde 1936 mit dem Bau einer zentralen Wasserversorgung erreicht. Das Wasser aus der "Quelle unter dem Stemmgraben" wurde in einen Hochbehälter geleitet und von dort ins Wasserleitungsnetz eingespeist. Bis zu diesem Zeitpunkt schöpften die Bürger das Wasser aus Brunnen, die heute noch teilweise erhalten sind. Um dem gestiegenen Wasserbedarf Rechnung zu tragen, wurde 1961 ein Brunnen mit 102 m Tiefe am Koppelweg (Zum Schorfhagen 40) gebohrt und über eine Speiseleitung mit dem Hochbehälter verbunden. Zur weiteren Sicherung der Wasserversorgung wurde 1968 die Quelle am Stemmgraben neu gefasst. Der Bau der Kanalisation für Schmutz- und Oberflächenwasser im Jahr 1964 war für die Einwohner ein erheblicher Zugewinn an Lebensqualität. Von nun an gehörten die kleinen luftigen "Örtchen" am Mist oder an der hintersten Ecke des Grundstücks der Vergangeneinheit an. Danach erfolgte Zug um Zug der Ausbau der örtlichen Straßen mit Gehwegen, Parkplätzen und Straßenbeleuchtung. Die Inbetriebnahme des neuen Tiefbrunnens und der Anschluss an das Wasserversorgungsnetz der Stadt Hann. Münden, unter der Regie der Versorgungsbetrieb Hann. Münden (VHM), erfolgt 1990. 1994 führen die VHM die Teilerneuerung des innerörtlichen Wasserleitungsnetzes durch. 2003 wird zur Erhöhung des Wasserdrucks im Versorgungsnetz des Ortes ein neuer Hochbehälter („Vor dem Schorfhagen“) vom Versorgungsunternehmen errichtet, der mit Wasser aus dem Tiefbrunnen oder aus dem Verbundnetz der VHM gespeist wird. Mit der Inbetriebnahme des Hochbehälters gibt es genügend Wasserdruck an allen Zapfstellen. 2003 wird die Baumassnahme "Wasserversorgungsverbund Stadt Hann. Münden" abgeschlossen.

Brandschutz

Die Bewohner von Mielenhausen schützten vor 1872 ihr Hab und Gut bei Bränden mit den derzeit zur Verfügung stehenden Löschmitteln - Ledereimer und Wasser. Die Löschgeräte wurden an vielen Stellen im Dorf, an gut zugänglichem Orten, aufbewahrt. Die Löschwasserversorgung erfolgte aus Löschteichen und Brunnen. Mit dem Bau der zentralen Wasserversorgung 1936 verbesserte sich die Löschwasserversorgung enorm. Von den Hydranten konnte das Löschwasser mittels einer fahrbaren Handpumpe zum Brandherd gefördert werden. Die Freiwillige Feuerwehr im Dorf besteht seit 1872. Dies geht aus alten Dokumenten der Gemeinde hervor. Zur Verbesserung des Brandschutzes wurde 1952 am Dorfplatz ein Feuerwehrgerätehaus mit einem Stellplatz für ein Löschfahrzeug -VW Bulli - gebaut. Die gesamte feuerwehrtechnische Ausstattung wurde von nun an hier an zentraler Stelle gelagert. 1971 errichteten die Bürger am geplanten Bolzplatz ein Feuerwehrgerätehaus mit Gerätehalle für ein neues Löschgruppenfahrzeug –LF8. Das neue Domizil hat im Untergeschoss Räume, in die 1973 Toiletten, Duschräume und Umkleideräume eingebaut wurden. In den nachfolgenden Jahren wurde Feuerwehr-gerätehaus um einen Mannschafts- und Schulungsraum erweitert.

Kirche, Friedhof

1955 bekam das Dorf seine eigene Kirche. In Gemeinschaftsarbeit, die viele begeisterte Bürgerinnen und Bürger leisteten, entstand in 1800 Arbeitsstunden die St. Johannis Capelle.Ein Teil des Baumaterials - Holz und Steine- wurde zum Teil aus dem Gemeindeforst im Bramwald beschafft. Die Bewohner steuerten zur Finanzierung des Baus 3.500 DM bei. Der Weg zum Gottesdienst ins Nachbardorf Dankelshausen hört nun der Vergangenheit an. 1968 errichtete die politische Gemeinde Mielenhausen auf dem Friedhofgelände in Eigenleistung eine Kapelle. Die Bürgerinnen und Bürger leisteten 2016 freiwillige Arbeitsstunden und spendeten 6.700 DM.

Gemeinde- und Gebietsreform

Im Zuge der Gemeinde- und Gebietsreform entscheidet sich der Gemeinderat 1972 für den Anschluss an die Stadt Hann. Münden. Ein Grenzänderungsvertrag zwischen der Stadt Hann. Münden und der Gemeinde Mielenhausen regelt den Zusammenschluss. 1973 endet, mit In-Kraft-Treten des Vertrages, die Selbständigkeit der Gemeinde Mielenhausen. Mielenhausen wird Ortsteil der Stadt Hann. Münden. Der Grenzänderungsvertrag garantiert den Mielenhäuser Bürgerinnen und Bürger, dass ihre Belange nicht in der Stadt Hann. Münden unterzugehen, sondern auch in Zukunft als ausgeprägtes dörfliches Bild nach außen gezeigt werden. Die Umsetzung der Idee von 1966 einen kulturellen Mittelpunkt in Form einer Mehrzweckhalle zu schaffen ist Bestandteil des Grenzänderungsvertrages. Die Umsetzung der Idee wurde mit Nachdruck von den örtlichen Kommunalpolitikern betrieben. Unter Regie der Stadt Hann. Münden begannen 1974 die Arbeiten zum Bau des Dorfgemeinschaftshauses, die 1975 abgeschlossen wurden. Die feierliche Einweihung erfolgte zum Grenzbierfest 1975. 1985 wird das Dorfgemeinschaftshaus um ein Stuhllager erweitert. Der Kellerraum unter dem Stuhllager wird dem Schießstand des KKSV angegliedert und vom Verein in Eigenleistung ausgebaut Auf dem Gelände unterhalb des Feuerwehrgerätehauses entstanden 1975 ein Kinderspiel- und ein Bolzplatz.

Entwicklung der Einwohnerzahlen

1550 33 Einwohner- vermutlich wurden nur über 14 Jahre alte Personen registriert - 1689 133 Einwohner 1821 240 Einwohner 1877 322 Einwohner 1939 317 Einwohner 1946 502 Einwohner 1964 411 Einwohner 1970 454 Einwohner 1995 512 Einwohner 2004 501 Einwohner 2006 464 Einwohner

siehe auch

Weblinks

Überregional:

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Wappen Landkreis Goettingen.png

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