Ein militärisches Spektakel

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Gründung des 1. Kurhessischen Feldartillerieregimentes Kurhessen 120 nutzten die Nazis Anfang Mai 1933 für ein großes militaristisches Spektakel in Homberg und zur Propaganda für die braune Ideologie.

Die Vorbereitungen hatten schon Wochen vorher begonnen, denn die Organisatoren, die Homberger Ortsgruppe der NSDAP und der Verein der ehemaligen Feldartilleristen, rechneten mit einem Massenauflauf.

Am 5. Mai begann das Spektakel. „Mit klingendem Spiel“ rückte am Freitagnachmittag die Fritzlarer Traditionsbatterie der reitenden Artilleristen unter großem Jubel in Homberg ein. „Wie glänzten die Augen der Hitlerjungen, die vor der Batterie marschierten“, schwärmte unkritisch das Homberger Kreisblatt.

Die eigentlichen Feierlichkeiten begannen am Samstag mit dem Reit- und Springturnier auf dem Sportplatz am Stellberg vor einer „Tausende zählende Menschenmenge“. Dieses Turnier hatte die Fritzlarer Traditionseinheit organisiert. „Mit der größten Spannung verfolgten Jung und Alt den Ablauf der Wettkämpfe, Bewunderung rief das herrliche Pferdematerial hervor“, schrieb das Kreisblatt. Insgesamt gingen knapp 100 Pferde in den einzelnen Disziplinen an den Start. Doch dann schlug das Wetter plötzlich Kapriolen. „Während dieser Vorführung raste ein Wirbelsturm über den Sportplatz, der Ross und Reiter zeitweise in eine Staubwolke hüllte und auch die Zuschauer arg belästigte“, schrieb die Zeitung. Ein Zelt musste abgebaut werden, doch bald legte sich das Unwetter wieder.

Wegen der Zeitverzögerung rast noch in der Dämmerung die Artillerie der Reichswehr gespensterhaft über den Festplatz, um eine Geschützquadrille zu zeigen. Das Kreisblatt feierte das mit propagandistischem Eifer: „Wenn die vier Geschütze im Galopp über den Platz preschen, das eine sogar das andere überholend, so muss aus den Pferden das Letzte herausgeholt werden, um eine solche Glanzleistung zu zeigen. (...) ein Bild gebändigter Kraft, das uns das Vaterland in seinem einstigen Stolz so recht vor Augen führte.“


Festkommers am Abend

Der große Festkommers am Abend wurde im „Deutschen Kaiser“ gefeiert. Die Redner beschworen die Wehrbereitschaft und die Rolle der Reichswehr. Sie sei eine „Säule, die dazu bestimmt ist, Deutschland wieder empor zuführen“, verkündete der Fritzlarer Kommandeur, Oberst Goettke ganz im Sinne der nationasozialistischen Machthaber.

Am Sonntag ging es um 7 Uhr weiter, ein berittenes Trompeterkorps weckte die Stadt. Nach dem Gottesdienst wurde der Gefallenen gedacht. Im Anschluss begann ein großer Vorbeimarsch der Reichswehreinheiten an Generalleutnant von Watter und der 11er-Regimentsfahne unter Böllerschüssen auf dem Mareängstigend türmten sich schwarze Wolken am Himmel auf, die viele mit Bangigkeit erfüllten“, berichtete das Kreisblatt über den Aufmarsch. Bald prasselte ein Regenguss auf den Marktplatz nieder.

Später wurde die alte Fahne des Regiments auf dem Marktplatz gehisst, dort „raunte sie gleichsam von Mut, Treue, Heldentod und Zukunftsglauben“, schrieb völlig verklärend das Kreisblatt mit militaristischer Begeisterung.

„Kanonendonner ist unser Gruß“, hatten die Nazis den Festzug am Nachmittag überschrieben. Militär- und Kriegervereine sowie Wehrsport- und Jugendverbände liefen mit, umlagert von Tausenden von Zuschauern. Später folgte ein weiteres Reitturnier.

Damit war die Propagandaschau noch nicht beendet. Auf dem Homberger Marktplatz wurde ein großer Zapfenstreich inszeniert, und schließlich gab es ein Feuerwerk, „das auf die fast viertausend Zuschauer einen nachhaltigen Eindruck machte“, so das Kreisblatt. Am Montag, 8. Mai, endete die Feier für die Soldaten mit einem Geländeritt von Schloss Falkenberg aus. Für die Veranstalter war die Rechnung aufgegangen: Die ohnehin große Begeisterung für alles Militärische war beinahe grenzenlos geworden.