Eifa, Beiträge zur Geschichte

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Beiträge zur Geschichte des Dorfes Eifa

Auszüge aus:

Von ’’ypfe’’ zu Eifa (unveröffentlicht)
Beiträge zur Geschichte und Gegenwart eines Hinterländer Dorfes von Heinrich Afflerbach, Fritzlar im Januar 2009

Die Ortsbeschreibung

Die Ortslage und der Eifaer Bach

Zur Abgrenzung vom gleichnamigen Eifa bei Alsfeld,trägt unser Heimatdorf den amtlichen Zusatz „an der Eder“. Unser Eifa liegt im nordwestlichen Hessen an der Bundesstraße B 253 die das obere Edertal mit dem oberen Lahntal verbindet, ungefähr auf halber Strecke zwischen Battenberg und Biedenkopf.

Von Battenberg kommend, fällt die Bundesstraße, nachdem sie Laisa streifend, ständig angestiegen ist, von der Sohlhecke (476 Meter ü.N.N)in den Eifaer Talkessel und verläuft dann über Kretzelberg und Eschborn (492 Meter ü.N.N) weiter ins obere Lahntal. Der Siedlungskern der Ortschaft liegt östlich der Sackpfeife auf dem abfallenden Hang des Mittelberges und wird in der Gemarkung im Westen begrenzt durch die der Sackpfeife vorgelagerten Rödern ( 606 Meter ü. N.N) und der Struth ( 577 Meter ü.N.N ),im Südwesten erhebt sich das Buchholz ( 524 Meter ü. N.N ) und weiter der Große Hardenberg ( 570 Meter ü. N.N. ) , im Osten riegelt der Kohlenberg ( 583 Meter ü.N.N.) das Tal ab und daran schließt sich im Nordosten der Eifaer Berg ( 511 Meter ü. N.N.) an.

Das Tal wird durch den Eifaer Bach mit seinen zahlreichen Zuflüssen in nördlicher Richtung zur Eder entwässert. Ihm folgt fast parallel und hangwärts gelegen die zweite überörtliche Verkehrsanbindung, die Landesstrasse L 553 nach Hatzfeld / Berleburg bzw. Holzhausen /Eder. Ansonsten führt in der Ortsmitte eine links abbiegende (Dexbacher Straße ) Verbindung in die von der Bundesstrasse nicht einsehbare südliche Ackergemarkung und teilt sich ca. 500 Meter hinter dem Ortsende in die überörtlich genutzten Wege nach Frohnhausen und Dexbach/Engelbach. Das Tal, das wir so beschrieben haben, ist Teil einer Gebirgslandschaft, welche früher als ‘‘ Hessisches Hinterland ‘‘bezeichnet wurde. Der im 17.Jahrhundert aufgekommene alte Name gerät durch die neuen politischen Ordnungen zunehmend in Vergessenheit,wird aber in der historischen Literatur durchweg verwendet und bezeichnet dort eine fernab von der damaligen Residenzstadt Darmstadt liegende,bergige Landschaft mit hohem Wald- und Wiesenanteil im Nordwesten des ehemaligen Großherzogtums und heutigem Bundeslande Hessen. Das Gebirge selbst hat bei der eingesessenen Bevölkerung keinen eigenen Namen. Der Name Rothaar wird zuerst von Johann Just. Winkelmann in seiner Beschreibung des Fürstentums Hessen in 1697 erwähnt (Siehe Scharlau u.a.: Kreisbeschreibug , S 14) .Im 19.Jahrhundert wird der südöstliche vom Rothaarhauptkamm abzeigende Gebirgszug von den Geographen auch als Lützelgebirge bezeichnet. Namen gebend ist die Ortschaft Lützel im Siegerland, von wo aus sich ostwärts ein Teil des Rheinischen Schiefergebirges von der Rothaar abzweigt und das obere Eder- vom Lahntal scheidet. Östlich von Eifa, bei Laisa und Frohnhausen, senken und verlieren sich diese Höhen in den aus Buntsandsteinen gebildeten Hügeln des südwärts verlaufenden Wetschaftstals.

Der Ortsname und seine Schreibweise

Frühestens seit 1712 findet sich in den Archiven für die Ortschaft die hochdeutsche und bis heute beibehaltene Schreibweise ‘‘Eifa‘‘. Im Hochdeutschen stimmen heute somit Schreibweise und Aussprache überein. Gleichwohl ist dies ein weiteres Beispiel dafür, wie die wechselnden Orthographien der Neuzeit einen Namen versuchen wiederzugeben, welche in Differenz zur mundartlichen Aussprache und Bezeichnung treten.Die exakte schriftliche Wiedergabe von Dialekten mit den Zeichen unseres Alphabets ist nicht möglich ,wenn sich das Lautinventar von Hochsprache und Mundart unterscheidet(Siehe dazu:Hansheinrich Roßbach im Engelbächer Heimatbuch,S. 368) Die Ortschaft wird als Herkunftsname im Jahre 1261 zum ersten Mal urkundlich erwähnt: Ludovigus de Ypfe ist erster Namensträger und urkundlicher Beweis für die Existenz der Ortschaft.In der Urkunde vom 10.April 1261 bezeugt dieser neben anderen Adeligen als Schöffe den Verkauf von Gütern im Hainagebirge und der Buntstruth an das Kloster Haina durch die Adeligen Arnold, Gerlach und Adelung von Breidenbach.

In den nachfolgenden vier Jahrhunderten wird die Schreibweise der Ortschaft wiederholt geändert. Im Jahre 1334 wird von ‘‘ de Yfe “,1351 von ‘‘Ypfe‘‘,1374 von ‘‘Yffe‘‘ berichtet, die Kasseler Kanzleibeamten schreiben 1517 noch ‘‘ Iffa‘‘ kehren aber bereits in 1519 zur Schreibweise ‘‘Yffa‘‘ zurück. Im Jahre 1578 wird schließlich die Schreibweise ‘‘Eiffa‘‘ eingeführt und dann 1712 endgültig von der modernen Variante abgelöst. Der gebräucliche rheinisch –fränkische Dialekt in der Ausprägung der örtlichen Eifaer Mundart bezeichnet den Heimatort jedoch weiterhin als ‘‘Eyfe‘‘. Das ‘‘Ey-‘‘ in Eyfe wird nicht wie das hochdeutsche ‘‘Ei‘‘ ausgesprochen, sondern entspricht dem ‘‘-ey ‘‘ in dem Rufwort ‘‘Hey‘‘ , die Endsilbe ‘‘-fe‘‘ wird dagegen stimmlos angehängt. Die alten Formen auf –fe und – lar (z.B. Laasphe,Rosphe,Banfe usw.bzw. Fritzlar,Wetzlar,Schüllar usw.) wurden schon im Hochmittelalter nicht mehr verstanden und sind bei jüngeren Gründungen nicht wieder verwendet worden (vgl. Endungen auf –dorf,-hausen.-bach oder -roden, Wrede S 7).Der Laut ‘‘Ey‘‘ wiederholt sich in einigen Gemarkungsnamen der Ortschaft. So enthalten die Gemarkungsnamen Pfeiffacker, Am Pfeiffenboden aber auch der Waldortsname Sackpfeife dieses ‚‘‘ey‘‘ wie sich aus einer Umschrift der mundartlichen Bezeichnungen ergibt: So wird aus dem Pfeiffacker der ‘‘Peyfegger‘‘, aus dem Pfeiffenboden der ‘‘Peyfeberre ‘‘ und aus der Sackpfeife die ‘‘Sackpeyfe‘‘. Dieses ‘‘Ey‘‘ in der Vergangenheit umgangsschriftlich richtig wiederzugeben, ist über die Jahrhunderte nicht immer geglückt. Wenn der Buchstabe ‘‘Y‘‘ in der Orthographie des späten Mittelalters im Niederländischen nach den Gebrüdern Grimm als Umschrift für das ‘‘ij‘‘ verwendet wurde , so liegt es nahe auch das ‘‘Y‘‘ im heimischen Kanzleideutsch für den Laut ‘‘Ey‘‘ zu verwenden. In den Jahrhunderten bis zur Reformation ist es daher den Chronisten gut gelungen, die mundartliche und damit originäre Aussprache des Ortsnamens umgangsschriftlich wiederzugeben. Dies ändert sich im erst im 17.Jahrhundert als dem Buchstaben ‘‘Y‘‘ in der Orthographie eine andere Rolle zugewiesen wurde. Das dafür als Ersatz verwendete ‘‘Ei-‘‘ trifft umgangsschriftlich nicht den weiter in der Mundart verwendeten Laut. Fortan gibt es eine schrift- und hochdeutsche Abweichung von der tradierten mundartlichen Ausdrucksweise. Verschiedene Marburger Gelehrte haben im 19. und 20.Jahrhundert versucht dieses ‘‘Ey‘‘ in Verbindung zu dem Nadelbaum Eibe (bot.:Taxus baccata ) und die Endsilbe ‘‘-fe‘‘ über ‘‘fa oder pha“ in Beziehung zu Wasser zu bringen (Vgl.dazu Schoof,S 8). Dann könnte man von Eifa leicht auf ‘‘Eibenwasser‘‘ schliessen und der Ortsname hätte eine plausible etymologische Ableitung. Die Eibe symbolisierte mit ihren Eigenschaften wohl einerseits den Tod aber auch ewiges Leben.Der Fachbegriff toxisch dürfte von der todbringenden Giftigkeit der Eibe herkommen (griech.Toxon = Bogen, Eibe; toxicon = Pfeilgift) und das althochdeutsche iwa für Eibe sowie Bogen steht dem Wort ewa für Ewigkeit nahe Für diesen Ansatz gibt es einige gewichtige Argumente: Die Eibe wird im mittelhochdeutschen als ‘‘iwe „“ im althochdeutschen hat sie den Namen ‘‘iwa‘‘, im niederländischen heißt es ‘‘ijf‘‘ und im englischen ist es die ‘‘eyw‘‘ die im Mittelalter das begehrte Bogenholz lieferte. Damit ist die lautschriftliche Übereinstimmung des Namens hergestellt, die wald- und wassereiche Umgebung der Ortschaft sind weitere Gründe für die Plausibilität dieses Ansatzes. Eines ist dann aber auch sicher: Der Ortsname ist nicht keltischen, sondern germanischen (deutschen) Ursprungs und kann daher auch im Vergleich zu den günstiger gelegenen und früher besiedelten Ortschaften in der Umgebung wie Laisa oder Asphe frühestens nach der Landnahme durch die germanischen Chatten entstanden sein.

Die Gemarkung

1.3.1 Größe und Entstehung

Mit einer Fläche von derzeit 9.042.861 qm (9.04 qkm) hat die Gemeinde gemessen an der Einwohnerzahl und im Vergleich zu den übrigen Gemeinden in den alten hessischen Ämtern Biedenkopf und Battenberg eine relativ große Gemarkung. Allerdings ist darin der Anteil von Wald und Ödland besonders groß: Struth, Kohlenberg, Buchholz und Kniebreche umgeben mit ihren Wäldern eine Acker- und Wiesenflur mit geringen Böden und wenig Ertrag für eine Landwirtschaft. Die Gemarkung hat eine durchschnittliche Höhe von ca. 470 Meter über N.N. Die tiefste Stelle finden wir am sogenannten Eifaer Woog (heute durch den Straßenneubau von Hatzfeld nach Holzhausen zugeschüttet und nicht mehr sichtbar) mit 396 Metern, am Ortseingang von Battenberg kommend beträgt sie dann schon 427 Meter und steigt bis maximal 606 Meter in den Rödern an. Die Gemarkungsgrenzen sind seit dem Übergang in die hessische Herrschaft nach Außen wenig geändert worden. Der erste urkundlich ausgetragene Streit über den Verlauf der Gemarkungsgrenze ist 1541 zwischen der Landgrafschaft Hessen und den Herren von Hatzfeld ausgetragen worden. Nachdem Hatzfeld schon vor 1524 die hessische Landeshoheit über Eifa endgültig anerkennen mußte, forderten die Hatzfelder im Jahre 1541 folgende östliche Gemarkungsgrenze ihrer Herrschaft anzuerkennen:

Vom Kahlenberg (heute Kohlenberg),wo die Nordgrenze derer von Frohnhausen auf die Eifaer Gemarkungsgrenze stößt, den Eifenbach entlang zur Eichelnfurt der Eder bei der Eifenbachsmühle, von hier über die Eder zur Böge, weiter über den Homberg und den Linspherscheid zum Bubenberg. Die Hessen aber fordern nicht nur die Gemarkung Eifa für sich, sondern schneiden auch einen Teil im Nordosten der Gemarkung Hatzfeld ab. Außerdem beanspruchen sie den Streifen zwischen den westlichen und östlichen Zug der Wittgensteiner Grenze im Bereich der Herrschaft Hatzfeld und nehmen so die nördliche Gemarkung von Hatzfeld in die Zange. Darüber klagen die Hatzfelder berechtigterweise:

...‘‘durch deren von Yffa newen gank wird unser bezirck dermassen beschnitten und eingezogen, daß wir schwerlich den steinernen Rompf zuletzt behalten werden und das Dorf Eifa dem Amt Battenberg einverleibt und Hatzfeld entzogen wird. Sie haben einen Schöffen zu Eifa an’s Gericht zu Battenberg gekoren und bearbeiten sich von tag zu tag uf das sie uns des orts gentzlich vertringen und zuletzt auch des hausses Hotzfeld vertreiben mögen‘‘.

1.3.2 Das Salbuch des Landgrafen Ludwig von Hessen-Marburg (unvollständig)

Eine sehr genaue Darstellung der Gemarkungsgrenze und ein Flurnamensverzeichnis enthält das aus dem Jahre 1572 stammende Salbuch für Gericht und Dorf Eifa. Salbücher oder auch anderen Orts Amtsbücher genannt dienten der Bestandsaufnahme sämtlicher landesherrlicher Rechte und Einkünfte. An zusammenfassenden Übersichten über die fürstlichen Einkünfte und gegliedert nach den verschiedenen Rechtstiteln, schließt sich in der Regel eine Dorf für Dorf nach einem einheitlichen Frageschema vorgenommene Erhebung an. In Hessen erlebte diese Art von Gesamtstatistik eine erste Blüte. Im Jahre 1585 wurde in Kassel das Werk des Landgrafen Wilhelm vom ‘‘Ökonomischen Staat ‘‘ veröffentlicht indem zum ersten Mal des Staates ermittelt wurde. Allerdings wurden die schon vielfach durch Rechnung vorgewiesenen Ausgaben nicht einbezogen, so daß der Schritt zum modernen Staatshaushalt noch nicht vollzogen wurde.

1.3.3 Der Grenzgang von 1625

Im Staatsarchiv Marburg werden Akten aufbewahrt, welche die Grenzstreitigkeiten der Stadt Biedenkopf mit den Nachbargemeinden wegen der Hude-und Holzgerechtigkeiten zum Inhalt haben. Wegen der wirtschaftlichen Bedeutung dieser Fragen um Futter, Brenn –und Bauholz zogen sich die Sreitigkeiten darüber oft über Jahre hin und mußten vor Gericht ausgetragen werden. Zum Teil waren diese Streitigkeiten aber auch blutig und von anderen Gewalttaten begleitet ( Siehe Blöcher,Beiträge…,Band 2,S 311 ff). Ein unblutiger, sogar friedlicher Grenzgang fand zwischen den Gemeinden Dexbach und Eifa und der Stadt Biedenkopf mitten im Dreißigjährigen Krieg statt.

‘‘Heute den 14ten Martii hat die gmeind Dexbach ihren grentzgang, in beyseyn des Herrn Renthmeister Jost Walthern, so dann der beyden Forstern, alß gongolf und Johannes Steitzen, zwischen der Statt Biedenkopf der Gemein Eifa,und dem Gericht Frohnhaußen gethan... . Erstlich seynd die Dexbacher, und die ältesten aus dem Gericht Frohnhaußen, uf der otter Hecken,bey dem Kleinen Morstein zusammen gekommen, und haben ihren gang davon dannen den Fahrweg hienauf, oben am Buchbornstracks nacher dem Stein auf der Solen gethan, und sind die auß dem gericht Frohnhaußen, in fried und einigkeit abgetretten,und wieder nacher haus gegangen. Darnach haben die von Eiffa auf Begehren derer von Dexbach ufgewordt, und ihren grentzgang miteinander gethan, und den Stein auf die Dornhecke , von dannen auf die Sole auf den Eifferweg, von dannen auf die forderste Banthe , an der otterbachs seithen, haben sie ein Kreutz gehauen, von der Buchen dieser seith hinaus, bis an das Bornchen im Otterbach, davon dannen stracks über das Buchholtz hienüber, bis an die Weyde an den Born , der an dem Waßer steht, unter dere Dornhecke, von dannen auf die Mahleiche, die in Gerlach Wagners Acker steht,von der Mahl Eiche steif durch die Ecke hinaus vor den Wald hinauf, biß an die Ecke, da der Weg hinein geht nach dem Holffenstein, hie haben die von der Statt Biedencopf alß Jost Breidenstein und Alexander Steindecker aufgewerdt, beneben dem Herrn Renthmeister und den zweyen Forstern, da sind die von Eiffa und Dexbach und Biedencopf ohne streith abgegangen, da sind d ie von Biedencopf und Dexbach dem Weg unter der sackpfeiffen hinaus,bis uf den Keßelstein, so auf Meyers acker in der bauche steht, von dannen den alten Weg von Bellersberg hinaus, biß auf den stein, so vorm Herrenberg steht, hier sind die von Biedencopf friedlich voneinander geschieden.‘*‘

Von Dexbach nahmen teil Hans Schreiner, Niclas Weber, Valerius Schmitt, Jonas Noll, Johannes Bey der bach, Peter Pusch. Von Eifa kamen Jacob Schmitt, Gerlach Wagner, Johannes Geitz, Hedderich Hoff, Daniel Schneider ‘‘alß ältesten‘‘: Eifa und Dexbach begehrten ihren Grenzgang schriftlich.

1.3.4 Der Schiedsspruch zwischen Biedenkopf und Eifa (9. März 1656)

War der Grenzgang von 1625 noch friedlich geblieben, so war zwischen der Stadt Biedenkopf und der Gemeinde Eifa nach dem Dreißigjährigen Krieg darüber Streit entstanden wo die Gemarkungsgrenze oberhalb des Lauterbachs zwischen Helfenstein und Kreuzberg verlief und ob die Eifaer Bauern am Lauterbach Trift- ,Tränke- und Hüterechte gegenüber den Biedenköpfern geltend machen konnten. Da es zu keiner Einigung kam, mußte schließlich die Landesregierung in Darmstadt bemüht werden und ein Schiedsspruch der Beamten eingeholt werden. Die Urkunde hat folgenden Inhalt:

‘‘Zu wissen, demnach zwischen der Statt Biedenkopf an einem vnd der dorfschaft Eiffa , Amts Battenberg, am anderntheil Wegen der Trifft, Träncke und Huete zwischen dem Helfenstein vnd Kreuzberg Streitigkeiten erwachsen, deswegen vor vns zu end unterschriebenen, Jost Burckhard Rauen von vnd zu Holtzhusen,Fürstl.Hessischen raht vnd oberforstmeister, vnd Johanni Mylis, Ambtmann derer Ämbter Biedenkopff vnd Battenberg, jetztbesagte beide Communen eine Zeitlang gegeneinander in rechtfertigung geschwebt, verschiedene Zeugen vnd gegenzeuge Verhör vorgehen láßen, endlich aber die sache zu compromiß gestellet, und vns vorbesagte Oberforstmeister vnd Ambtmann vermittelst gegebener Vollmacht vnd gethaner Handgelobnis zu ihren arbiter vnd Schiedsrichtern constituiret, Daß Wir daher wiewol mit Vorbehalt vnseres gnedigen Fürsten und Herrn rechtsamß diese Streitsache durch einen gütlichen Ausspruch zu entscheiden vbernommen,die in derselben bißhero verhandelten Acta mit fleis durchgegangen vnd auf gnedige Fürstliche ratification abgeurteilet wie folget : Erstlich, demnach die Statt Biedenkopf Ihren bisherigen Gränzgang vom Hamelgen ober den Scheid, den Kreutzberg hinan über Johannes Wagners acker bis an die forderste Eiche, an welcher ein altes Kreutz befindlich, vnd von dannen von einem mahlbaum zum anderen , bis an den Helfenstein mit beglaubten Zeugen ,Waldbüchern vnd andrem gnugsam behaubtet, gegentheil auch selbsten eingestanden.

Alßo sollen sie Biedenkopfer bey solchem ihrem gräntzgang Vnturbiret verbleiben vn h...ge die durch den gefällgraben hinauf heimlich angehauene Zeichen acessiret vnd ausgehauen werden. Zum anderen, ob dan sol die Eiffer , die Ihrerseiten in dieser revire praetendirte Träncke vnd Trifft auch Hüdensgerechtigkeit nicht allerdings nur gnuge erweisen,weil jedoch dieselbe dieser Trifft vnd träncke zu ihrem Schaf vnd rind Viehe nicht wohl endrahten können , Alß sollen ihren (doch vorbehaltlich deren Dexbächer mit der Biedenkopffer Vergünstigung gehägter Pfingstweide ) biß an vnd in den bach, die Lauterbach genand,Drifft vnd Dränke zu ihres Schaf- vnd Rindviehs Notturft verstattet, vnd Weil solches ,träncken nicht allerdings ohne Verösung des Gegröses abgehet,die dorffschaft eiffa der Statt Biedenkopff in recognitionen ihrer Zweydritten theil aygenthumbs an dieser gegend Järlich auf Walburg einen halben gulden, Kammer Wehrung , zuhandreichen schuldig, vnd also die Parteyen beiderseits hierdurch entschieden sein. Zu Vrkund haben Wir obgemeldete Schiedsrichter dieses Recess mitt vnsern gwönlichen Pittschaften vnd Amptssigill besiegelt vnd mit unsern eigenhändigen Subscriptionen bekräfftigt, So geschehen zu Battenberg den 8.Martii Im Jahr Christi Ein Tausend Sechshundert Funffzig v

(Unterschrift:) Jost Burckhart. Joh. Mylius

1.3.5 Der Grenz-Rezeß vom 17.Oktober 1682

Der Schiedsspruch des Oberforstmeisters Burckhardt und des Battenberger Amtmanns Mylius hatte nicht lange Bestand.

Ebenso wie Biedenkopf mit seiner großen Waldgemarkung in der Folgezeit auf der Nutzung dieser Rechte zur Holzbewirtschaftung bestand, müssen die umliegenden Dörfer Dexbach,Engelbach,Eckelshausen,Rossbach aber auch Eifa auf der alten Waldnutzung im Rahmen der Hudensgerechtigkeiten bestanden und dabei die neuen Grenzen immer wieder überschritten haben.Die Stadt Biedenkopf sah sich deshalb wiederholt genötigt die Regierung in Darmstadt um Hilfe zu bitten.Diese Streitigkeiten zogen sich bis auf längerdauernde Verfahren bis zum Ende des 17.Jahrhunderts hin und fanden oft erst dann durch Entscheidungen der Regierung in Darmstadt einen Abschluß.

Mit Schreiben vom 21.August 1680 verfügte die damalige Regentin Landgräfin Elisabeth Dorothera gegenüber den vorgenannten Gemeinden einige Grenzänderungen und weist sie an: Damit diese Grenzstreitigkeiten zur Ruhe kommen,soll,nachdem die Grenzsteine gestzt sind ,’’ die Gräntze darauf beschrieben ,ein exemplar davon denen Forstbeamten und eines den Gemeinden zur Nachricht zugestellt,auch eine gewisse geldstraff auf die Contravenienten gesetzt und zum wenigstens in drey oder vier Jahren die gräntze gebührent begangen und erneuert werden’’.

Der angeforderte Bericht wird am 17.Oktober 1682 erstellt und beendet dauerhaft die Grenzstreitigkeiten mit der Stadt Biedenkopf.

Zu wissen sey hiermit,alß zwischen Bürgermeister undt Rath der Stadt Biedenkopff an einem,so dann der Gemeinde zur Eiffa ,Ambts Battenberrg am anderen theil,wegen der Grentzbegehung nachbarliche irrungen und Mißverstände erwachßen,Undtt dann wir endts benambte hiertzu Specialiter Verordnete Fürstl. Commissarii Bey Vornehm und Untersuchung der Sache Befinden,dass selbige von derm damaligen Fürstl.Heß.Oberrfordtmeister Just Burckhardt Rawen von Holzhausen ,und dem gewesenen Füerstl.Heß.Ambtmann zur Battenberg Johann Milio, laut producirte am 8. Marty Anno 1656 darüber schriftlich uffgerichteten Recessus schon hiebevor mit erfolgter gnädigsten ratification ,in güte verglichen und Beygelegt worden,Wir auch die darinnen benambte Mahl und Örter Bei dem in beyder Theile anwesenden eingenommenen Augenschein richtig alßo Befunden: So hatt die Durchlauchtigste Fürstin und Fraw,Fraw Elisabeth Dorothea Landt-Gräfin zu Herßfeld,geborene Herzogin zu Sachßen ,Jülich ,Cleve und Berg Gräfin zu Catzenelnbogen,Diez,Ziegenhain,Nidda,Schaumburgk,Ysenburg und Büdingen und Wittib,Vormünderin und Regentin unsere gnädigste Fürstin und Frau ,auf unsere darüber erstattete unterthänigste relation ,in ansehung dieses Grenzstreits ein geringes betrifft, und ohne eractet die Clagende Biedenkopfer derr Zeugen aufsagen vor sich gehabt,und Ihrem Grentzgang und Vorgaben uff Begehren jurato zur bestrecken ,sich anerbiethig gemacht,diese Sache schon der gestalt gnädigst decidiret,dass es Bey obberührten Anno 1656 diesfalz abgefasstem und confirmirten Vergleich allerdings sein Verbleiben haben sollte; Welche fürstl. Resolution wir commissarii darauff bey den Theilen Gebührendt angedeutet,undt sindt darauf in unsrer und derselben Gegenwart die Grentzsteine nachfolgend maßen gesetzet worden ,als nehmlich der erste Stein auf den Creutzberg ( insgemein Critzelberg genandt) im Buchholz, zeigt vor sich über das Ackerfeldt ,die breite genannt,auf die alte Mahl Eich,so uff dass also genannten Johannes Wagners,nunmehro aber uff Mattes Kochs Acker stehet,unter welchen Eichen der Zweyte Stein gesetzet worden ,von dann fort den Bergk hinauff durch das Buchenwäldgen, der Hainholtz genannt,allwo der Tritte stein vorm waldt gesetzet worden,und zeiget dieser tritte stein für sich über die Äcker,und forters den Berg hinauff Bis an den Fahrweg vorm Helffenstein,allwo der Vierte und lezte Stein,da die Eiffa sich von den Biedenköpffern scheiden,gesezet worden,und gehet man von dannen forters den Fahrweg über den Helffenstein hinauf Biß auff die ferner gesetzten Steine. Damit nun diese Grenzirrungen gründlich abgethan seyn und verbleiben mögen, wird im Nahmen und aus Befehlich obhöchst gedachter Ihro Fürstl. Dhlt. Unserer Gnädigsten Frawe-Vormünderin und Regentin hiermit Verordnet,falß hiernechst,wird verhoffen,ein od and Theil obbe4schriebener Reinsetzung zu wiederhandeln und den anderen der Grenzen halber zu turbiren sich unterfangen würde, dass derselbe contravenirende Theil alßdann der Fürstl.Herrschaft mit fünfzig Rthlr.Straffe verfallen seyn,auch beyde Theile schuldig und gehalten sein sollen,zum wenigstens in dreyen oder vier Jahren solche Grenze mit Zuziehung und Vorbewust der Füerstl.Forst- und and Beampten,mit gesambter Handt ohnfehlbar zu Begehen und zu ernewern,auch zu solchen ende jedesmahl diesen Grentz Receß mit zur stelle zu bringen.Zu wahrer uhrkundt obigen alles,haben wir endes Benambte hierzu Specialiter verordnete Fürstl.Commissarii ddiesen Grentz Receß in triplo ausferttigen und ein exemplar denen Forst-Beambten.die übrigern zwey aber ,alß eines Bürgermeisters und Rath der Stadt Biedenkopff, und eines der Gemeinde zu Eiffa zu Ihrer Nachricht zustellen lassen und solche mit eigenhändiger Unterschrifft und beytrückung unsers gewöhnlichen Reichs Pitschaft corroboriren und Bestettigen wollen.

So geschehen in Biedenkopff am 17.t. Octobris Anno 1682

Hanns Caspar von Lindemann Henrich Christian Krantzburg fürstlicher hessischer oberforstmeister Fürstl.Heß.Regierungs –undt Sampt Revisionsgerichts-Rath in Gießen

1.3.6 Grenzstreitigkeiten „uffem Schoppen„ und „uffem Bloefuß“

Auch mit der Nachbargemeinde Frohnhausen gab es im 17.Jahrhundert den einen und anderen Streit um die Gemeindegrenzzen.Für die Zeit um 1680 ist eine Grenzstreitigkeit zwischen Eifa und Frohnhausen überliefert und zuletzt im Frohhäuser Dorfbuch veröffentlicht worden (S 270 f). Gestützt auf die Akten des Staatsarchivs Marburg (StAM 340 von Dersch Paket 4) wird folgendes berichtet: Bei den „durch beeden Gemeinden vorgenommene Grenzgänge" hatte sich herausgestellt, dass „uffem Schoppen und selbiger Gegend" ein Areal lag, das beide Gemeinden als zu ihrem Zehnten gehörig betrachteten. Auch hatte der amtierende Dersische Schultheilß entsprechende Ansprüche während der letzten beiden Jahre an verschiedene Eifaer gestellt und Ablieferungen angemahnt. Um hier Klarheit zu gewinnen, wurden am 16. August des Jahres 1687" zahlreiche Eifaer vor dem Amt in Battenberg ,,vermittels Handgellöbnüs an Aydts statt abgehöret". Es handelte sich bei ihnen um „Inhabere der Äcker und bisherige Eyffer Zehendhebere oder sonst Wissenschaft habende Leuthe“.

Der Gerichtsschöffe Matthias Koch, der selbst „einen Acker auf die Eyfer Phingstweide stoßend" in Größe eines Morgens im strittigen Areal besaß, erinnerte daran, dass „vor ohngefehr 14 oder 15 Jahren der Eifaer Kurt Goos dort zwei Acker „ausgestellet gehabt" hätte. ,,Damals seye der |mittlerweiIe] verstorbcne Dersische Schultheiß Johannes ]eude dahin kommen und hette den Gurt Goosen auszehnden wollen", also den Zehnten von diesen Ackern erheben. Daraufhin sei ]eude von Eifaer Seite der Bescheid erteilt worden, dass der Zehnte „niemals davon nach Frohnhausen, sondern der fürstlichen (landgräflichen) Herrschaft nach Eyffa |zu|gefallen were". So wollten sie „ihm nun auch denselben nach Frohnhausen nicht folgen lassen". Daraufhin habe der „Dersische Schultheiß acquiescirt", d. h. geschwiegen. „auch sich niemahl wieder weder derselbe noch dessen Successores |seine Nachfolger im Amt| darumb angemeldet". Vielmehr sei der nun auf dem traulichen Areal strittige Zehnte „bishero jederzeit ohne einigen weiteren Ausspruch der fürstlichen Herrschaft nach Eyffa gefallen". Gleiches gelte für einen weiteren Acker „uffm Schoppen“, durch den hindurch der angemaßte Frohnhausische Gang geführt hatte. Auch dieser sei ,,jederzeit ohne einigen gegenseitigen Anspruch nach Eyffa vor die fürstliche Herrschafft und niemahls nach Frohnhausen ausgezehndet oder auszuzehnden begehret worden". Beides seien seine „erbeigene Äcker, so er auch bei die Gemeinde Eyffa verstewern und sonsten in Diensten und Frohnen verstehen und verhalten müste".Gleiches gelte für die übrigen in dem fraglichen „Bezirk“ gelegenen Äcker. Ähnlich lauteten die weiteren Zeugenaussagen aus Eyffa.Heiderich Scheffer besaß einen Acker ungefähr 5 Mesten groß ,,bey der Eyffer Pfingstweide". von dem etwa eine Meste ,,in den strittigen Begriff|= Bezirk], übriges in die unstreitige Eyffer Terminey fiele. Im Acker stünde ein Stein", so Scheffer, der ,,von den Frohnhäusern vor ein Grenzstein angegeben würde". Damit seien seinem Wissem und Davorhalten nach" die Eifaer auch alle ,,zufrieden", wenigstens kämen eben an diesem Stein ,.beede Theile mit den (Grenz-)Gängcn wieder zusammen", nachdem man vorher getrennte Wege eingeschlagen hatte, denn „.die Frohnhäuser gingen oben her und die Eyffer unten her nach solchem Stein zu". Allerdings wollte auch Scheffer ,,niemahls jemanden von Frohnhausen gesehen" haben, der im nunmehr „streitig gemachten Feld Zehenden begehreten oder erhoben habe. Eine besondere Bewandtnis hatte es mit einem der beiden Äcker des Stephan Lettermann „ uffm Schoppe“, von dem ,,der von Derß jährlichen Meddum “fordere. Diesen Medem habe er auch bisher entrichtet, ohne genau zu wissen „ wie viel darauf stehe“. Den Zehnten jedoch habe er „allezelt von beeden Äckern nach Eyffa gegeben. Der jetzige Dersische Schultheiß habe ihn zwar seit nunmehr zwei Jahren „ gefordert, aber nichts bekommen“.

Eine Besonderheit stellte auch ein „uffm Bloefuß im streitigen Begriff “ gelegener Acker der Witwe Margarethe Beltz dar, durch den die „die Frohnhäuser jetzo ihren Gang genommen“ hatten hatten und den sie „zu einem Frohnhäusischen Pfarracker oder Pfarrtriesch ziehen“ wollten, was sie aber nicht zugeben wollte. Dieser Grenzstreit setzte sich bis zur Jahrhundertwende fort. Umfangreiche Korrespondenz dazu hat sich in der Battenberger Amtsüberlieferung erhalten. Immer wieder wurden einmal von den Eifaern ,das andere Mal von den Frohnhäusern neu gesetzte Grenzsteine ausgegraben und auf die Gemarkung der Nachbarn vorgerückt.Unter Beteiligung des Gerichtsherrn von Dersch ,der für Frohnhausen sprach,konnte man schließlich im Jahr 1700 zu einer vorübergehenden Einigung und Festlegung der Gemarkungsgrenze gelangen.

1.3.7 Das Battenberger Salbuch von 1711/ 1712

1.3.7.1 Fürstlicher Glanz und Bankrott

Das Battenberger Salbuch ist eines der wichtigsten Dokumente für die Heimatforschung im oberen Edertal.Es enthält auf 1294 Seiten Aufstellungen und Einzelheiten über die äußere und inneren Grenzen des Amtes,die Güter und Gerechtsame der ’’Oberherrlichkeit ’’ in Darmstadt,die Beschreibung der ’’Criminal-und Civil-Gerichte’’, den Zoll,die Trank-Steuer,die Frohnen,die Wald-und Fischwasser Nutzungen,die ’’Zehenden’’ usw. Verfaßt hat das Salbuch Johann Christoph Rube,’’Fürstl.Hess.Ambtsverweser im Jahr Christi 1711’’.Auf Befehl seines Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen sollte der Oberbeamte Johann Christop Rube in den Jahren 1711 / 1712 ein neues vollständiges Salbuch über das ihm anvertraute Amt Battenberg verfassen.Der Anlaß dafür war wohl in erster Linie der Auftrag ,die Steuergrundlagen seiner Untertanen im Amt Battenberg zu ermitteln und ggf.darauf neue Steuern festzusetzen.Landgraf Ernst Ludwig war ein prachtliebender Mensch der nach seinem Regierungsantritt 1688 dem Vorbild französisch-barocker Repräsentation nacheiferte,andererseits dem brandenburgischen Macht-und Ordnungsstaat folgte und die Wirtschaftsentwicklung vorantrieb (Siehe Lange,S. 28 ff).In seine Regierungszeit fiel die Ansiedelung französischer Hugenotten in der ‚’’Neuen Vorstadt’’ In Darmstadt und von einigen hundert Waldensern in verschiedenen Odenwalddörfern.Seine Großprojekte blieben meist unvollendet. Allein der Neubau des Darmstädter Stadtschlosses, der sich am Pariser Louvre orientierte und für den die Landstände zunächst 300000 Taler bewilligt hatten, verschlang in fünf Jahren ein Mehrfaches der landgräflichen Jahreseinnahmen und wurde deshalb nie vollendet (Lange, S 29). Ernst Ludwig war ebenso Erbauer eines neuen Opernhauses, wo der Hof selbst spielte und nur der Hof Zutritt hatte (Vehse, S. 137).Berüchtigt war auch die Jagdleidenschaft des Landgrafen .Er ließ im hessischen Hinterland einige Jagdschlösschen errichten (Katzenbach,Kleudelburg, Kröge, Elbrighausen) die er regelmäßig zur Herbstzeit aufsuchte (Siehe Böhme:Jagd und Jagdbauten…….,S. 8 ). Allein in der Obergrafschaft (Prov.Oberhessen) entstanden in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts Jagd – und Wildschäden in Höhe von 90 000 Gulden.Das entsprach ein Viertel der jährlichen Landesangaben.Da half es bei diesen Ausgaben auch nicht eine große Steuerreform in 1719 einzuführen ( Demandt,S. 306 ).Am Ende seiner Regierungszeit im Jahre 1738 war das Land bankrott: Ernst Ludwig hatte bis dahin Staatsschulden in Höhe von 4 Millionen Gulden Staatsschulden und weitere zwei Millionen geheime Kabinettsschulden angehäuft.Als Folge waren sämtliche Einnahmen des Staates für die nächsten zwölf Jahre an die Gläubiger verpfändet.Wir könnten an dieser Stelle fortfahren von der ruinösen Ausgabenpolitik des Landgrafen zu berichten ,uns interessiert an dieser Stelle zunächst jedoch nur die im Salbuch beschriebenen Außengrenzen des Amtes Battenberg und die Innengrenze der Gemeinde Eifa.

1.3.7.2 Die Amtsgrenzen - Der Grenzbegang vom 13.-17. Juni 1711

In der Zeit vom 13-17.Juni 1712 ist die Grenze des Amtes Battenberg unter der Leitung des Amtsverwesers Rube an fünf Tagen begangen,Steine gesetzt oder deren Standort beschrieben worden.Am 15.Juni 1712 berührte der Grenzgang auch die Eifaer Gemarkung.Zu den Battenbergern Amtsträgern war an diesem Tag ’’Herr Ambt Schultheiß Walther’’aus Biedenkopf und der reitende Förster Stapp hinzugestoßen um für die Stadt bzw. das Amt Biedenkopf Zeuge für die Abgrenzung zu werden.Der Zug begann an diesem Tag noch in der Oberaspher Gemarkung und erreichte dann die Eifaer Grenze an der Pfingstweide.Die nachfolgende Beschreibung des weiteren Fortgangs soll hier ungekürzt wiedergegeben werden:

... Von dar über den Fahrweg neben dem Dechsbächer Zollstock,so zur linken Hand bleibet,hin bis auf die Sode,auf einen zerschlagenen Grenzstein,wo die Eiffer Terminei anfänget.Hier disputieren die Dechsbächer denen Oberäsphern vorherbeschriebenen Zug in etwas und zwar halten dieselbe den Weg bis uf den Buchborns-Graben,dann gerad herauf auf das Brunckel auf den Rücken und dann von der auf den Stein uf der Sode.Weiln nun diese4m deren Oberäspher Zuge nach denen Dexbächern ein geringes Stückgen verbliebe,so ist nichz zu vermuten,dass der Zollstock deswegen gesetzet worden,welches,damit Gnädigster Hochfürstl. Herrschaft nichts am Zoll abgehe, zu observieren man vor nötig befunden.

Na.Aufm Frohhauser Abwege nach Dexbach über den Buchborns Graben, haben beide den 14.ten Julij a.c.einen Stein gesetzet und sich also verglichen.

Von obberichtetem zerschlagenen Grenz-Steinen gehen die Eiffer an Johannes Wacks Acker über die Sauer-Sode ( so ein Wasem ist hinaus zwischen Hermann Webers zu Dexbach und Stephan Lettermanns Acker ( welche ein Winkel-Mal machen) hindurch und den Fahrweg am Hodensberg –Wald hinaus ,dann den Weg fort bis vorn an den Hodenberg.Hier gehen die Dechsbächer abermal von dem Stein uf der Sode uf eine Dornhecke in einen Acker,den die Dexbächer nicht benamen können und nach Eiffa gehöret,von dannen uf die Sauer –Sode uf den Eiffer Weg und dann uf die förterste Buche an der Otterbachs-Seite.Von dar,solchen Weg durch den Hodenbergs Waldzipffen hinauf bis auf den sogenannten Jungfern-Strauch,worvon aber nur noch ein Stumpf vorhanden. Allhier haben die Dexbächer den Eiffern zur rechtern Hand wieder etliche Äcker,welche doch unstrittig nach Eifa zehenden abgegangenen :nachdeme aber ihnen diese Ungebühr remonstriret worden,haben sie auf des Herrn Ambt Schultheißen Walthers Befehl zurückgehen sollen:sie haben aber anstatt dessen noch weiter die rechte Hand genommen und bis zu den Börnichen (?) im Ottersbach durch das Buchholz gehen wollen.

Als aber dem Herrn Ambts Schultheiß und denen Dexbächern ein Commissions-Protokoll vom 19.Julij 1697 und daraus des verstorbenen Försters Hermann Manckels von Holzhausen Aussage vorgelesen worden , vermöge derselben die Decksbächer bei diesem Jungfern -Strauch vormalen Streit erreget,endlichen aber mit den Eiffern den Zug von diesem Jungfern-Strauch den alten Holzweg am Buchholz hinunter bis auf den Kretzelberg friedlich getan und die Richtigkeit solchen Zugs eidlich bestärket worden ,hat Herr Ambts Schultheiß Walther mit vor gut befunden ,daß auch dermalen der Zug also gehen musste und ist bei dem Jungfern-Strauch ,wie gnädigste Hochfürstl.Herrschaft denen Forstbediensteten gnädigst befohlen ,ein Stein mit consens derer anwesenden Gemeinds-leuten von Dexbach ,als Hermann Webers,Belten Manckels und Johannes Schäfers gesetzt worden.

Von solchem Stein ist man nun gegangen den alten Holzweg wie,des fürstl.Oberförsters Leichs Attestation nach,obbemelten Johannes Manckel nach vorher abgelegtem Eid ,den Gang nebst ihm wirklich getan hatte,hinunter ober dem Tiefenbach ,welches neben der Hude den Dexbacher zur linken Hand bleibet,hin an den Kretzelberg uf einen Stein unter einer abgezeichneten Eichen an Hedderichs Schäfers von Eiffa Acker,alwo die Biedenköpfer ankommen ;von hier durch den Hahnbaltz hinauf bis auf den Stein vorm Helffenstein ,an der Weiffebächer Straß,der Helfensteinweg hinauf bis auf den Sohl und den daselbst befindlichen Stein ,so denn Hatzfelder und Eiffer scheidet.Alhier erinnert der Herr von Hatzfeld zu Biebighausen vor sich und den Herrn von Hatzfeld zu Hatzfeld,welchergestalt vor dieserm den Eiffern ein Stück Wald zur Huthe cediret worden,wormit sie aber nicht zufrieden wollten derowegen protestirt haben(Es hat aber damit diese Bewandtnis ,dass die Eifer diesfalls in langwieriger und beständiger possession sich befinden und die Sache durch ein fürst.Rescript vom 7.ten Juniy 1676 bereits erörtert worden ).Von dar …………………………………………………………

Joh. Christoph Rube Johann Georg Walther

1.3.7.3 Die ’’Eifer Terminey’’

‘‘Die Eifer Terminey fängt sich an auf der sogenannten Sohlhecke, beim Zollstock an der Landstraß und an die Holtzhäuser grenzend; dann gerade hinüber auf den Pfad, denselben hinter dem Kahlenberg hinaus, bis an den Grenzstein, von demselben über das Neue Weges Trisch,welches denen Eiffern und zur rechten Hand bleibet: von solchen Steine und Trisch hin auf den Weg, wo zur linken Hand wiederum ein Stein stehet: den Holtzhäuser Pfad bis hinüber bis auf den Letterberg, wo zur linken abermal ein Gemarkungsstein: dann das Kahle Köpfchen, wo ein Stein: von demselben gerade den Weg hinaus bis auf den Schuppen, wo zur rechten Hand der Dexbächer Pfad abgehet, immer den alten Weg fort*** (hier gehen die Frohnhäuser zur rechten Hand und ist deswegen strittig )bis auf den Heiligers Grund, wo zur linken Hand der alte Weg abgehet; denn zur rechten Hand an des Heiligers Grund, der zur linken Hand bleibet, zwischen Frohnhäusern und Eiffer Äckern hinauf; dann über den Weg der von Eiffa nach Obern Asphe gehet und über Stephan Lettermanns und Johannes Briels Acker ,der zur rechten Hand bleibet, ingleichen an Theiß Schmiedt, der auch zur rechten Hand bleibet, hinauf , sodann vor der Eiffer Pfingst-Weide an Hedderich Schäfers Acker hin ,bis an die Sode und auf den daselbst befindlichen Stein, allwo die Frohnhäuser abgehen und die Dechsbächer, Ambts Biedenkopf, angehen; vom Steine zur rechten Hand ,zwischwen Eiffer und Dechsbächer Äckern hin bis auf die Sauer-Sode: an Hänßel Webers von Dechsbachs Acker, der zur linken Hand bleibet, und an Johann Hoffs von Eiffa Acker zur rechten Hand, also den Weg hinauf ,den Weg immerfort bis vor Theißn Schmiedts Acker aufn Lattenberg: Durch den Zäpfen, welches ein Wald ist, fort, vor demselben, daß dieses zur linken Hand bleibet; gerade herab bis auf die Jungfer, so ein Grenz-Strauch gewesen und wo jetzt nur noch ein Stock stehet, von dar obig dem Scherloch über das tiefe Loch hinüber bis auf den Kreuzberg, auf Theiß Schmiedts Acker, der zur rechten Hand bleibet, fort bis auf Johannes Wagners Acker an einem Stein, woselbst zur linken Hand die Biedenköpfer Terminey angehet. Von da bis auf den Helffensteinweg, von hier wieder auf einen Gemarkungsstein, zur linken Hand so fort, ferner den Weg hinaus bis unter das Sohl, welches ein Triesch und zur linken Hand bleibet, allwo ein Sandstein stehet, welcher die Biedenköpfer, Hatzfelder und Eiffer scheidet: von da den Graben hinunter bis zum Angelbach und auf den Sandstein, von da den Grund hinunter bis vor die Struth, so nebst der Wiesen zur linken Hand bleibet: für den Struth her, bis an Johannes Säumers Wiese, woselbst abermal ein Sandstein, am Eifferbach: von da auf den sogenannten Eiffer-Woog, welches ein Pfuhl in der Edder, von dem Pfuhl durch den Wald auf die Kniebreche, welches ein Berg, von dar den Berg hinaus an den Zollstock, allwo der Anfang gewesen.‘‘

Amtliche Gemarkungsnamen

Hochdeutsch / Eifaer Mundart

o Alte Struthecke Ahle Schtruthecke

o Am Blaufuß Omm Bloohfuss

o Am Hardenberg Omm Hörrebörg

o Im Helfenstein Omm Hälwestää

o Am Honigwald Omm Hingwaald

o Am Kuckuck Omm Gugguhg

o Am Langen Acker Omm Loangenegger

o Am Mittelberg Omm Meddelbörg

o Am Neuweg ------------------------

o Auf dem Blaufuß Off dem Bloohfuss

o Auf dem Breiten Börnchen Off dem Brährerbörnche

o Auf dem Gemeindchen

o Auf dem Pitzacker Off dem Peetzegger

o Auf dem Riegelsacker Off dem Riejelsegger

o Auf dem Scheid Off dem Schääd

o Auf dem Schirbacker Off dem Scherbegger

o Auf dem Schoppen Off dem Schobbe

o Auf dem Struthacker Off dem Schtruthegger

o Auf der Breite Off der Bräähre

o Auf der Pfingstweide Off der Poistwähre

o Auf der runden Sode Ronne Soohre

o Auf der Sauren Sode Saure Soohre

o Auf der Sode Soohre

o Auf der Sohlhecke Off der Sohlhecke

o Bei der Jungfrau Bei der Jungfer

o Blankwiese Bloankwesse

o Blumenäcker Blimmenegger

o Bornacker Bannegger

o Brunkelsacker Bronkelsegger

o Buchenacker Buchenegger

o Dörrer Rücken Dörrer Regge

o Eifaer Bach Eyfer Bach

o Gemeindewiese Gemääh

o Heckenacker Heckenegger

o Heiligenwiese

o Hinter der Kirche Hönner der Körche

o Im Eifaer Bach Imm Eyfer Bach

o Im Eifaer Grund Imm Eyfer Grond

o Im Hainboden Imm Hoabörre

o Im Hintersten Pfeiffenboden Imm hennerschte Peyfebörre

o Im Höllwiesenboden Imm Höllwessebörre

o Im Langen Grund Imm Lagrond

o Im Ort --------------------

o Im Otternbach Imm Otternbach

o Im Trettenbach Imm Drährebach

o Im Vordersten Pfeiffenboden Peyfeberre

o In der Bromelswiese Ih der Brommelswesse

o In der Hute Ih der Huhre

o In der Pfeiffer Ih der Peyfe

o In der Süßwiese Ih der Sisswesse

o In der Scherbe Ih der Schärwe

o In der Schirbe Ih der Schärwe

o In der Sode Ih der Soohre

o Kirchwiese Körchwesse

o Kniebreche ....................

o Kretzelberg Kretzelbörg

o Mühlacker Mehlegger

o Mühlwiese Mehlwesse

o Naßacker Nassenegger

o Pfeiffenacker Peyfegger

o Pitzacker Petzegger

o Saukaute Saukoute

o Schlößchen Schlößche

o Sohlhecke Sohlhecke

o Spitze Spetze

o Struthhecke Schtruthhecke

o Struthwiese Schtruthwesse

o Theiswiese TheiswesseT

o Totenweg Dohreweg

o Wäldchesacker Wäldchesegger

o Zwischen den Bergen ........................

Waldortsnamen ( F = Staatswald ;PG = Privat-und/oder = Abt.:192-197 F ; Gemeindewald nach der Forstamtskarte Hatzfeld,Ausgabe 1988 )

o Auf der Leihe = Abt.:305;306 PG Off der Laaje

o Buchenholz = Abt.:192-197 F Buchholz

o Eifaer Berg =Abt.:16-18,21 F Eyfer Börg

o Honigwald = Abt.:303 PG Hingwaald

o Im Trettenbach = Abt.:307 PG Imm Drährebach

o Jungfrau =Abt 301 PG Jungfer

o Kahles Köpfchen =Abt.;198 F .....................

o Kohlenberg(Kahlenberg) =Abt.: 199-204 F Kinnbörg

o Kretzelberg =Abt.:302 PG Kretzelbörg

o Pfeiffenboden =Abt.:308 PG Peyfeberre

o Rödern =Abt.: 304 PG Rerrern

o Struth (mit Rodacker ) =Abt.: 5-15 F Schtruth

Sonstige

o Alte Gärten (Oberhalb Kirchwiese) Ahle Goorde

o Finsterstern (Blankwiese) ................

o Im Gefälle (Am Helfenstein) Im Gefell

o Auf dem Hannacker (Zw.Kohlenberg und Schlößchen) Hannegger

o Hirtenwiese (Unterhalb Kohlenberg) Hertewisse

o Hohle (=Loch) Hohle

o Maiental ( Zwischen Kohlenberg und Schlößchen ) Maajedoal

o Sandgrube (Pfeiffenacker) Soandkoute

o Schlößchen

o Steinbruch (Auf der Leihe) Mieser Schtääbruch

Die Straßennamen und ihre Herkunft

1.5.01 Am Pflaster. Verbindungsweg zwischen Haupt-und Eichenstrasse (Kreuzweg).Trifft sich mit dieser am früheren Stockborn und bildet mit der links abgehenden Kirchwiesenstrasse ein weiteres Wegekreuz (vgl.1.6.4.) im Ortsbild,

1.5.02 Buchholzstrasse. Biegt rechts von der Dexbacherstrasse ab und führt zum alten Sand- und Steinbruch am Buchholz

1.5.03 Dexbacherstrasse. Biegt in der Ortsmitte von der Hauptstrasse links ab und führt später übers Feld nach Dexbach. Im vorderen Teil nahe der Hauptstrasse bis zur Bach früher ‘‘Petzerääh‘‘ = Pfützenrain.genannt,im weiteren Verlauf früher als Pfeiffenacker (mundartl. Peyfegger) bezeichnet. Zur rechten Hand am Ortsende liegt der Pfeiffenboden (mundartl.Peyfeberre).

1.5.04 Eichenstrasse. Neubenennung:Früher als Kreuweg bekannt weil er von der Hauptstrasse in Höhe der Abzweigung Dexbacher Strasse rechts und rechtwinklig abbog und zusammen mit den beiden anderen Strassen ein Kreuz bildete.Nach einer Linkskurve stösst sie im weiteren Verlauf auf das Pflaster,biegt dann wieder rechts ab und bergab,überquert den .....bach, biegt dann noch einmal scharf rechts ab in Richtung des früheren Schulgebäudes und wird dann Teil der alten hangseitig verlaufenden Verbindung nach Hatzfelt (Totenweg ).

1.5.05 Hatzfelderstrasse. Kreisstrasse, am Ortsende Richtung Battenberg links abzweigend und nach Hatzfeld führend.

1.5.06 Hauptstrasse. Die Ortschaft von Nordost nach Südwesten doppelkurvig schneidende und stetig steigende Hauptverbindungsstrasse. Heute Teil der Bundesstrasse 253 (Melsungen-Dillenburg).

1.5.07 Kirchweg . An der letzten Linkskurve der Hauptstrasse Richtung Biedenkopf rechts abbiegend und vor das Tor des Friedhofs führend.

1.5.08 Kirchwiesenstrasse. Entsteht an der Kreuzung mit Pflaster-und Eichenweg und verläuft unterhalb des Friedhofs in Richtung der alten Gärten (Ahle Goorde ) und der alten ‘‘Hohle‘‘.

1.5.09 Scheidweg. Untere Erschließungsstraße im Neubaugebiet am Scheid. Biegt vom Eichenweg links ab und führte früher in die Flur ‚‘Zum Pitzacker‘‘

1.5.10 Schwarzer Weg. Verbindet den Eichenweg mit der Hauptstraße.

1.5.11 Sonnenweg. Fast parallel zum Scheidweg weiter hangwärts verlaufende Erschliessungsstraße im Neubaugebiet.

1.5.12 Talstrasse. Biegt von der Hauptstraase vor der ersten Kurve Richtung Biedenkopf links ab und führte zum Brunkelsrain bzw. zuvor zur Raiffeisenhalle und zum Gefrierhaus (Beide nicht mehr in Gebrauch)

1.5.13 Wiesenstrasse. Vor der zweiten Kurve von der Hauptstraße links abbiegend und heute Richtung Dorfgemeinschaftshaus verlaufend,davor jedoch eine linke rechtswinklige Kurve und nach einigen weiteren Metern auf die Dexbacher Strasse stoßend.

1.5.14 Sonstige: Rääh rääche; Bloankwessersch Weg,

Linke Ortshälfte, Richtung Biedenkopf

Hausnummer/                        Hausname*/                                       Bewohner
Hauptstrasse 3                     Schneirer                                        = Fam.Haffner,Helmut  
Hauptstrasse 5                     Reiwersch                                        = Fam.Reibert,Fritz
Hauptstrasse 7                     Basts                                            = Fam.Inacker,Erna 
Talstrasse 1                       Heunriss                                         = Fam.Schneider,Oskar
Talstrasse 3                       Schneider (alt:Heinipettersch)*                  = Fam.Brühl,Bernd                                                                                                                                                             
Talstrasse 5                       Herte-Peter*                                     = Fam.Zissel,Peter                                                                             
Hauptstrasse 9                     Schmeeds                                         = Fam.Lettermann,Ursula   
Hauptstrasse 9 a                   Schmeeds-Dieter                                  = Fam. Lettermann,Dieter
Dexbacher Strasse 1                Bloankwissers                                    = Fam.Briel,Hermann
Dexbacher Strasse 3                Geytze                                           = Fam.Zissel,Mechthild
Dexbacher Strasse 9                Ahle                                             = Fam.Brühl,Herrmann           
Dexbacher Strasse  11              Ahle-Martina*                                    = Fam.Plank,Jürgen
Dexbacher Strasse 40               Kaisersch                                        = Familie Beer,Johann                               
Dexbacher Strasse 60               Stedens*                                         = Fam.Steden,Rudolf
Dexbacher Strasse 59               Kopps                                            = Fam.Kopp ,Ursula und Kopp,Andreas 
Dexbacher Strasse 34               Kaiser-Hans*                                     = Fam .Lothar Schneider       
Dexbacher Strasse 32               Marieluds                                        = Fam.Briel,Ernst
Dexbacher Strasse 28               Kirchhainersch                                   = Fam.Kümmel,Andreas und Kümmel,Friedhelm 
Dexbacher Strasse 26               Schmedde                                         = Fam.Schneider,Helmut und Fam.Schneider,Stefan
Dexbacher Strasse 24               Bomberjersch                                     = Fam.Bamberger,Renate und Vollmann,Michael
Dexbacher Strasse 22               Kinkels                                          = Fam.Stöcker,Karl
Dexbacher Strasse 20               Ommeschustersch                                  = Fam.Pitz,Wilhelm
Buchholzstrasse 1                   ------                                          = Fam.Pitz,Holger
Dexbacher Strasse 18               Lisbeths                                         = Fam.Schmidt,Wilfried                           
Dexbacher Strasse 16               Käddeschustersch                                 = Fam.Ambrosino,Marco und Kandziora,Barbara
Dexbacher Strasse 14               Heldusersch                                      = Fam.Pophanken,Heinrich
Buchholzstrasse 7                  Bernhards                                        = Fam.Bernhard, Helga und Bernhard,Rita
Buchholzstrasse 2                  Rääh                                             = Fam.Fritz,Heinrich
Dexbacher Strasse 6                Käddes                                           = Fam.Lange,Fritz
Dexbacher Strasse 4                Habbels                                          = Fam. Homrighausen,Erika    
Dexbacher Strasse 2                Äehre(alt,hinten)                                = Fam.Erich Becker
Hauptstrasse 11                    Äehre (alt,vorne)                                = Fam.Becker,Willi und Fam.Felski,Bernd
Wiesenstrasse  1                   Onne Gräss                                       = Fam.Kümmel, Josef und Kümmel,Jens
Wiesenstrasse 3                    Gerards                                          = Fam.Schmitt,Ernst und Schmitt,Norbert
Wiesenstrasse 2                    Gosse                                            = Fam.Pitz Marga
Hauptstrasse 15                    Schule                                           = Fam.Briel,Horst
Hauptstrasse 17                    Owe Kinn                                         = Brühl,Heinrich und Fam.Gärtner,Bettina
Hauptstrasse  19                   Owe Gräss                                        = Fam.Briel,Heinrich und Bode,Gerd 
Hauptstrasse 21                    Inneggersch                                      = Fam.Elmshäuser,Ludwig
Hauptstrasse 23                    Petersch                                         = Fam.Baum,Wilma
Hauptstraase 25                    Domms                                            = Fam.Damm,Karl-Heinz und Damm,Günter
Hauptstrasse 27                    Schüsslersch                                     = Fam.Linnert,Volker

Rechte Ortshälfte, Richtung Battenberg

Hausnummer/                        Hausname*/                                       Bewohner
Hauptstrasse 22                    Miesersch                                        = Fam.Vöbel,Herrmann
Hauptstrasse 20                    Schustersch                                      = Fam. Linne,Karl und   
                                                                                      Fam. Pophanken,Peter
Hauptstrasse 18                    Herte                                            = Fam.Zissel,Friedrich
Kirchweg 1                         Froetz                                           = Fam.Platt,Wilhelm 
Hauptstrasse 16                    Schneirersch                                     = Fam.Volke,Birgit
Hauptstrasse 14                    Litze 
Hauptstrasse 12                    Onne Kinn                                        = Fam.Henkel,Annegret 
AmPflaster 2                       Stockboarns                                      = Fam.Spenner,Heinrich
AmPflaster 1                       Beckersch                                        = Fam.Kruggel,Leni 
Am Pflaster 3                      Wilhelms                                         = Fam.Kruggel,Anja
Eichenstrasse 1                    Vöbels                                           = Fachklinik Ederbergland
Kirchwiesenstrasse  2              Ottos(alt)                                       = Fam.Noll,Norbert
Kirchwiesenstrasse 4               Beckerschustersch                                = Fam.Becker,Rosemarie
Kirchwiesenstrasse 6               “Insel 80“ *                                     = Fam.Keßler,Dieter
Eichenstrasse 1 a                  Jokkobs (alt)                                    = Fachklinik Ederbergland 
Eichenstrasse 8                    Schrennersch                                     = Fam.Balzer,Luise und  
                                                                                      Balzer   
Landschaftsbau GMBH & Co KG
Eichenstrasse 6                    Belz                                             = Fam.Hambel,Heinrich und 
                                                                                      Fam. Hambel, Willi
Eichenstrasse 4                    Förschtersch                                     = Fam.Messerschmidt,Berta 
                                                                                      und Fam. Damm,Jörg und  
                                                                                      Fam.Damm,Thorsten
Eichenstrasse 2                    Balzersch                                        = Fam.Balzer,Karl
Hauptstrasse 8                     Häärersch-Äehre (neu)                            = Fam.Schreiner,Ernst und 
                                                                                      Fam. Schreiner,Dirk
Schwarzer Weg 1                    Jakobs                                           = Fam.Haffner,Fritz
Schwarzer Weg 2                    Hansdengels                                      = Fam.Specht,Wilhelm 
Hauptstrasse 16                    Schneirersch (neu)                               = Fam. Sellmann, Konrad 
                                                                                      und Fam. Volke, Peter
Hauptstrasse 2 und 2a              Rudolfs                                          = Fam.Becker,Irmgard und 
                                                                                      Fam.Becker,Klaus
Hatzfelder Strasse  6              Forsthaus                                        = Fam.Kruggel,Armin
Hatzfelder Strasse 4               Schäfersch                                       = Fam.Gerli,Ernst
Hatzfelder Strasse 2               Gerlis *                                         = Fam.Schmitt,Erich
Scheidweg 1                        Bregitzersch *                                   = Fam.Buchner,Horst
Scheidweg 3                        Straubs   *                                      = Fam.Straub,Rainer
Scheidweg 5                        Mosersch *                                       = Fam. Moser,Anna
Scheidweg 9                        Beckersch *                                      = Fam. Becker,Karl und 
                                                                                      Fam.Becker,Karl-Heinz
Scheidweg 13                       Zinks *                                          = Fam. Zink,Johann und 
                                                                                      Fam.Graulich U.
Scheidweg 15                       Kaiser-Franz *                                   = Fam.Kaiser,Franz
Scheidweg 14                       Ottos (neu)                                      = Fam.Damm,Werner und 
                                                                                      Fam. Damm, Ralf
Scheidweg 12                       Bergundes  *                                     = Fam. Bergunde,Lothar
Scheidweg 10                       Wacks  *                                         = Fam.Wack,Wilhelm
Scheidweg 8                        Beckerschustersch-Wolfgang *                     = Fam.Becker,Wolfgang
Scheidweg 6                        Daus-Herbert  *                                  = Fam.Daus,Herbert            
Scheidweg 4                        Schneider-Martin *                               = Fam.Schneider,Martin und 
                                                                                      Fam. Bötzel,Frank
Scheidweg 2                        Marieluds- Herrmann *                            = Fam.Briel,Herrmann
Sonnenweg 1                        Pitz  *                                          = Fam.Pitz,Reinhold
Sonnenweg 3                        Planks *                                         = Fam.Plank,Günter
Sonnenweg 5                        Neumanns *                                       = Fam.Neumann,Frank
Sonnenweg 7                        Daus-Ulrich *                                    = Fam.Daus,Ulrich
Sonnenweg 8                        Schrennersch- Hartmut *                          = Fam.Balzer,Hartmut 
Sonnenweg 6                        Bernhards- Horst *                               = Fam.Bernhard,Horst
Sonnenweg 4                        Wagnersch *                                      = Fam.Wagner,Roland und Fam.Frank,Irene
Sonnenweg 2                        Kaisersch- Hartmut *                             = Fam.Dersch-
                                                                                      Kaiser,Hartmut
Eichenstrasse 8                    Schrennersch- Ingeborg *                         = Fam.Niederhöfer,Klaus
Eichenstrasse 9                    Heunriss- Otto *                                 = Fam.Schneider,Otto
Eichenstrasse 11                   Heunriss- Jürgen*                                = Fam.Schneider,Jürgen
Eichenstrasse 20                   Ahle Schule                                      = Fam.Daus,Hartmut 
Eichenstrasse 18                   Jokkobs (neu)                                    = Fam.Schneider,Thomas
Eichenstrasse 16                   Szabos  *                                        = Fam.Szabo,Lorenz 
Eichenstrasse 12                   Spechts-Dietrich *                               = Fam.Specht,Dietrich
Eichenstrasse 10                   Stockboarns-Helmut*                              = Fam.Spenner,Helmut   
Hauptstrasse 15

Die Geschichte des Gemeinwesens Eifa

Die Ersterwähnung und die Zeit bis zum Wiederaufbau 1503

Die Zeit bis zur urkundlichen Ersterwähnung

Vor der Germanisierung durch die aus dem heutigen Niederhessen vorgedrungenen Stamm der Chatten (vgl.Gundlach, S 34) war unser Gebiet durch Kelten besiedelt. Sie waren sprachlich mit den Germanen verwandt und die ersten, die sich auf den Erzabbau und die Technik der Eisenherstellung verstanden. In der Nähe von Eifa siedelten sie nachweislich in den Talauen um den Christenberg und die Amöneburg, um den Eisenberg bei Battenberg, den Hünstein bei Holzhausen, die Eisenköpfe bei Hommertshausen, die Burg bei Rittershausen und schließlich den Dünsberg bei Giessen. Die höhergelegenen befestigten Orte dienten der Aufnahme und dem Schutz der Bevölkerung bei Kriegsgefahr und waren wirksam oft durch mehrere Staffeln von Wallsystemen geschützt. Allerdings soll im rechtsrheinischen Schiefergebirge auch ein Volk zwischen Germanen und Kelten in den Jahrhunderten von Christi Geburt gesiedelt haben ,dessen Herkunft und indoeuropäische Verwandtschaft mit den vorgenannten nicht als gesichert gilt und das weiter keine Spuren hinterließ.

Im ersten Jahrhundert vor Christus wurde die keltische Herrschaft in unserem Raum durch die germanisch-chattische abgelöst (Siehe Gundlach,S 39 ff). Daß es Chatten und kein anderer germanischer Volksstamm war, gilt mittlerweile als gesichert: Vor einigen Jahren wurde beim Neubau der Straße von Hatzfeld nach dem Lindenhof ein germanisches Gräberfeld aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert entdeckt. Nach allen bisherigen Funden dieser Art und dem Vergleich dazu waren es Chatten die dort auf der Höhe vor dem Lindenhof ihre Toten bestatteten. Die nach Tacitus als besonders kriegerisch geltenden Chatten haben aber nicht die Kelten ausgerottet, sondern nur deren Herrschaft übernommen. Die keltische Altbevölkerung hat sich sicher trotz des germanischen Assimilationsdrucks noch einige Jahrzehnte halten können und ist erst danach von den Germanen vollständig assimiliert worden.

Daß dem so sein muß beweist der Weitergebrauch einer Vielzahl von keltischen Bezeichnungen und Begriffen auch noch in unserer Zeit. So ist die Bezeichnung für die Eder auf das keltische Adda oder Addar zurück( so Sturmfels,S 2, a.A. Bahlow,S 32 der vorkeltische Wurzeln annimmt ) und soll die Bezeichnung für fließendes,kaltes Wasser sein.Die Römer nannten das Flüßchen auf Latein Adarna und die Eifaer Mundart sagt noch heute ,wenn sie von der Eder spricht ‘‘Aarer‘‘. Nicht nur keltische Gewässer-, Berg-, Orts -und Landschaftsnamen haben überlebt, die Beispiele können für andere Bereiche fortgeführt werden und beweisen allesamt, das die Kelten integrativer Bestandteil der späteren Hessen und der Deutschen geworden sind.

Von den Chatten hört die schriftliche Überlieferung ab dem 4.Jahrhundert nach Christus auf. Bis zum 8.Jahrhundert gibt es keine Bezeichnung mehr für in unserer Umgebung hausende Bevölkerung. Erst Bonifatius schreibt wieder von den hier siedelnden ‘‘Hassi‘‘ = Hessen meint damit aber ursprünglich und genauer wohl nur die Bevölkerung des früheren niederhessischen Raumes um Fritzlar und Kassel.

In diesen schriftlosen Jahrhunderten, d,h. einer Zeit ohne weitere bisher aufgefundenen Urkunden, gelingt es den Rheinfranken ihre Herrschaft über das Hessenland zu begründen. Die Büraburg bei Fritzlar, die Amöneburg und die Kesterburg (Christenberg) sind die Hauptbastionen ihrer Militärmacht in unserem Raum und zugleich strategische Bollwerke gegen das nördlich der Eder entstandene Sachsentum. Um diese vor Überfällen in das Frankenreich abzuhalten wurden die vorgenannten Großburgen schon in der Merowinger Zeit durch kleinere Landes- und Strassenfesten strategisch ergänzt und die Karolinger haben zur Zeit der Sachsenkriege diese weiter ausgebaut und die Abwehrlinie vervollständigt.

Ob das ‘‘Schlößchen ‘‘, östlich über Eifa gelegen, zu diesen fränkischen Befestigungen gezählt werden darf, kann letztlich nur eine archäologische Untersuchung der noch vorhandenen Turmreste erbringen. Von dort aus hätte man jedenfalls idealerweise die Eisenstrasse auf ihrem Verlauf in der Eifaer Gemarkung (Rödern-Struth-Mühlacker- Im Grund) einsehen und kontrollieren können. Auf dieser, über den Kamm des Lützelgebirges vom Siegerland nach Hessen führenden Strasse, sollen nach einigen Chronisten im Jahre 778 nach Christus Sachsen nach der Plünderung des Rheinlandes der Heimat zugestrebt haben, bevor sie bei Laisa und Battenfeld von den über die Weinstraße südlich herangerückten Franken vollständig aufgerieben wurden.

Görich zählt das ‚‘Schlößchen‘‘ nach Größe und Typus der Anlage zu den spätfränkischen Turmburgen, die sich der militärische Grenzadel nach dem Ende der Sachsenkriege und dem Zerfall der Großburgen zum persönlichen Schutz und der Herrschaftausübung errichtet hat. Diese schlichten Turmburgen haben sich vielfach aus dem Kern weiter zu den mittelalterlichen Burgen mit Burgmauern und mehreren Türmen und Gebäuden entwickelt, sofern die Voraussetzungen dafür vorhanden waren In Eifa scheint dies nicht der Fall gewesen zu sein. Weder Bodengüte, Klima und Lage begünstigen die Bildung einer größeren Ort- oder Herrschaft. Allerdings lässt sich ein herrschaftliches Geschlecht nachweisen, daß seinen Namen entweder der Burg oder der darunter liegenden Ortschaft entlehnt hat.

Die Herren von Yffe

Nach Knappe könnten die Herren von Yffe die Erbauer des “Schößchens“ gewesen sein.Er beschreibt das Schlösschen als sogenannte Halsburg ,die auf einem Sporn des Kohlenbergs gelegen ist und durch einen Halsgraben vom höhergelegene Gelände getrennt werde.Als Bauzeit nimmt er das frühe 13.Jahrhundert an und bezeichnet die Funktion der Burg als Kontrolle der alten Straße von der Sackpfeife nach Laisa und weiter an.

Das Geschlecht derer von Yffe wird im 13.Jahrhundert zum erstenmal erwähnt.Neben dem bereits 1261 erwähnten Ludovicus de Yphe werden in Biedenkopf im Jahre 1334 Hermanus de Yffe als Consul des Bischofs von Münster (ist Ludwig,der Bruder des Hessischen Landgrafen Otto,gest.1345) urkundlich erwähnt (Siehe Baur Nr. 752), im Jahre 1339 wird ebenfalls in Biedenkopf ein Ditmare von Yphe als Bürger genannt ( Baur,Nr.780)und 1372 wird ein Heinrich von Yffe als Pfarrer zu Eisenhausen aufgeführt.Er ist zudem Gründer der Marienkapelle in Biedenkopf geworden und stiftete 1385 zusammen mit dem Landgrafen Hermann der Marienkapelle zwei Altäre.

Mit Heinrich scheint das Geschlecht in männlicher Linie erloschen zu sein. In der Schenkungsurkunde verzichtet er für sich und seine Erben auf alle Rechte aus den übertragenen Grundstücken. Danach könnte man von ggf. vorhandenen leiblichen Nachkommen oder anderen Verwandten ausgehen und ein Weiterleben des Geschlechts vermuten. Nach Heinrich sind aber keine weiteren Namensträger ‘‘de Yphe ‘‘ urkundlich erwähnt bzw. nachgewiesen worden. Im Urkundenarchiv des Marburger Staatsarchivs, Depositum Biedenkopf, lie- gen 26 Urkunden der Stadt Biedenkopf,darunter die laufende Urkunde Nr. l4. vom April 1380. Damit gibt Heinrich von Eifa, Pfarrer zu Eisenhausen, 100 Mark zu Biedenkopf als Ausstattungfür den Altarin der Marienkapelle an der Unterpforte zu Biedenkopf, deren Inhaber von der Stadt die Freiheit eines Pfarrers erhält.

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Die Urkunde hat folgenden Inhalt :

In godes namen Amen. Ich Heinrich von yffe p(ärr)ner czu ytzinhusen bekenne offinbar mit orkunde deßis brybes vor mich und vor al meyne rechten erben vnd dun kunt offinlich al den dy deßin bryb nu oder her nach sent horet oder lesint daz ich vorbedachtes mudis gende stende gesundes lybes und mit gudeme vorrade l in ere godis vnde der heylgen koniginne Marien / durch erbirkeyt der ersamen wysen vnd bescheiden lude Burgmanen Burgemeyster Scheffln Rades vnd der gantzen gemeynde zu Bydinkap geben vnd hain gegeben recht vnd reddelich erplich vnd eweclich / durch selekeyt myn Selen l myn akern und durch al dy der ich y genocz vnd noch genyßen mag / dy mir ir selgerede vnd ir almusen hain gegeben vnd nach gebin / vnd alle gloubegen Selen czu droste / hundirt marc peninge gudir Marpurschin werunge / in der wyse als her nach stet 'gechriben. Czu dem erstin male an der staid Bydinkap sestzig marc peninge da sy mir jaris ale geben Ses marc czu gutde Andirweite Fyrtzen marc peninge an deme gude czu. dudephe daz Heintze auenstrydir der alde vnder eme hatte Andirweite Funftzen marc penige an deme erbe Herman lubeckirs vnd als syner rechten erben wi daz gelegin Sestzen peninge bede czinses an Finten huse in der vndergaßen l czwen turnoß bedin zinses an Foyckel wyßen huse in der ubirgaßen. Ein vnd czwentzig penige czu wolkirshusen bi myme gude daz Bonehobir vnder eme hait l vnd dy beßerunge eyne halbe gans ein halb hun vnd ein halb fasnacht hun. Czwene Schillinge penige geyldes vs myme gudev czu Wolkirshusen daz hene roßebechir vnder eme hait / eyn halbe gans vnd ein halb hun vnd dy beßerunge dez gudes. Vnd daß hus by derparre da Korich yczunt ine wont.Da ich mydde bewideme vnd bewidemit hain den altar in der Cappelle vnsir lyben frawen vffe der nedirparten czu Bydinkap / der eyn pryster gebruchen vnd sich da von neren sal / deme nach mir dy Cappelle wirdit gegeben alzo daz der pryster messe halde in der egeschr(ieben) Cappelle czu pleglichen vnd mogelichen czyden. Vnd bevryen ich Heinrich vorgeschr(ieben) dez egen(annten) geyldes gulte vnd gude dy hy vor stent geschrieben lutirlich gentzlich vnd altzumale. Vnd behalte ich oder myne erben da keinerley recht ane sy syen geystlich oder werntlich dy ich dar ane gehait hain biz an dessen hudigen l Es gescheyden alle argeliste vnd geverde l Were ouch sache daz ma dyt egeschreben pantgut mit anmen dy Sestzig marc an der staid Bydinkap /fyrtzen marc an deme gude czu Dudephe vnd dy Funftzen marc an Herman Lübeckers erbe widdir koufte Eyme solich geylt als vor stet geschreben ycliches befunden. Sol sulden dy buemeyster der vorgen(annten) Cappellen mit deme geylde mit rade der Burgemeyster Scheffen vnd Rades der stat Bydinkop gulde widdir kaufen ane Vortzog/ czu Wedemunge des selben altaris in der egen(annten) Cappellen eyme prister der selben Cappelle czu hülfe vnd czu notze in al der maße als vorges(chrieben) sted. Ouch hain dy ersamen vnd wysen lüde Burgemeyster Scheffen vnd rad czu Bydinkap mir vnd mynen nachkomelingen der egen(annten) Cappellen dy gnade vnd fruntschaft / durch god l vnd woldint gegeben daz wir vns sollen gebruchen der selben fryheit dy ein p(ärr)ner hait l da selbis ane argeliste vnd geverde vnd sollen sy vns eren vnd vordern zu allen zitlichen vnd mogelichen dingen, dez czu eyme guden stedygen orkunde hain ich heinrich vorg(annt) myn Inges(iegel) an desen bryp gehangen vor mich vnd vor al myne rechten erben. Vnd czu merer Vestekeyt, so hain ich Heinrich vorgen(annt) gebeden dy Burgemeyster Scheffen vn Raid czu Bydinkap des sy der staid Inges(iegel) an deßn bryp hain gehangen. Und hain ouch gebeden den ersamen man h(err)n Gysen kemerer des stules czu kesterburgvnd p(ärr)n(er) czu Buchenawe daz hee sin Inges(iegel) czu sicher- eit an deßn bryp hait gehangen vor mich vnd vor all myne erben dez wir dy staid Bydin- kap vnd Gyso vorgen(annt) vns irkennen. Vme bede willen dez ersamen vnd wysen mans h(eer)n Heinriches vorgen(annt) dez wir vor en vnd vor al syne rechten erben vns Inge- s(iegel) sn deßn bruyp hain gehangen / der gegeben ist nach cristi gebvrt drytzenhundirt iar in deme achzygisten iare vffe sente Ambrosi dage des heylgen lereris.

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Anmerkung:

Die Urkunde besagt: Ich, Heinrich von Eifa, Pfarrer zu Eisenhausen bekenne öffentlich durch die Urkunde dieses Briefes für mich und für alle meine rechten Erben und tue öffentlich kund allen, die diesen Brief nun oder hernach sehen, hören oder lesen, daß ich mit Vorbedacht, gehend, stehend und gesunden Leibes , und wohl überlegt, zur Ehre Gottes und der heiligen Königin Maria, angemessen den ehrsamen, weisen und verständigen Leuten,Burgmannen, Bürgermeister, Schöffen, den Rat und der ganzen Gemeinde zu- Biedenkopf gebe und habe gegeben recht und redlich, erblich und ewig, bei der Seligkeit meiner Seele meine Äcker, alles was ich irgend einmal nutzte oder nutzen von denen, die mir ihre letztwillige Schenkung oder ein Almosen gege- ben haben und noch geben, und allen gläubigen Seelen zum Trost hundert Mark Pfennige guter Marburger Währung und zwar in der Weise,wie folgt beschrieben steht:Zum ersten von der Stadt Biedenkopf sechzig Mark Pfennige,von denen sie mir jährlich sechs Mark Nutzung gibt;weiter vierzehn Mark Pfennige von dem Gut zu Dautphe,das Heint Auenstrieder der Alte innehat;Weiter vierzehn Mark Pfennige von dem Gut zu Dautphe,das Heinz Auenstrieder innehat,weiter fünfzehn Mark Pfennige von dem Erbe Hermann Lübebeckers uns all seiner rechten Erben, wo es auch liegt; sechzehn Pfennige Bede-Zinsen von Finten Haus in der Untergasse; zwei Turnos (große Groschen) Bede-Zinsen von Haus des F. Weiss in der Obergasse; einundzwanzig Pfennige aus Wolzhausen von meinem Gut, das Bonehober (Bonehuber, Bonehofer) innehat und die Besserung (den Mehrertrag) von ½ Gans, 1/2 Huhn und ½ Fastnachtshuhn; zwei Schillinge Pfen- nige an Geld aus meinem Gut zu Wolzhausen, das Henne Rossbächer innehat, 1/2 Gans,1/2 Huhn und die Besserung des Gutes; und das Haus bei der Pfarre in dem jetzt Korich wohnt. Damit beschenke ich — und habe beschenkt — den Altar in der Kapelle Unserer lieben Frau auf der Niederpforte (Tor am Fuß der Stadtgasse) zu Biedenkopf zur Nutznießung für einen Priester, der davon leben soll; danach wird mir die Kapelle gegeben, so daß der Priester in der eben genannten Kapelle Messe halte zu üblichen und möglichen Zeiten. Und ich, obengenannter Heinrich, befreie das genannte Geld und die Güter, die oben geschrieben stehen, von Zin- sen deutlich, gänzlich und für immer. Und ich oder meine Erben behalten keiner- lei Rechte an ihnen, sie seien geistlich oder weltlich, die ich bis zum heutigen Tag an ihnen gehabt habe. Alle Arglist und Betrug scheiden aus. Sollte man die oben genannten Pfandgüter, wörtlich: die sechzig Mark von der Stadt Biedenkopf, vier- zehn Mark von dem Gut zu Dautphe und fünfzehn Mark von Hermann Lubek- kers Erbe, zurückkaufen, so gilt für solchen Wert alles, was oben gesagt ist. Die Baumeister der genannten Kapelle sollten, beraten von Bürgermeister, Schöffen und Rat der Stadt Biedenkopf, mit dem Geld ohne Verzug wieder Werte kaufen zur Ausstattung desselben Altars in der genannten Kapelle, einen Priester der Kapelle zur Hilfe und zum Nutzen in all dem Maße wie oben geschrieben steht. Auch mögen die ehrsamen und klugen Leute, Bürgermeister, Schöffen und Rat zu Biedenkopf mir und meinen Nachfolgern in der gen. Kapelle — in Gott — die Gnade und Freundlichkeit erweisen und geben, daß wir dieselbe Freiheit genie- ßen können wie ein Pfarrer, ohne Arglist und Betrug; und sie sollen uns ehren und uns helfen bei allen zeitlichen und möglichen Dingen. Um dies gut und beständig zu beurkunden, habe ich, oben gen. Heinrich, mein Siegel an diesen Brief gehängt für mich und alle meine rechten Erben. Und zu größerer Sicherheit habe ich, vor- gen. Heinrich, Bürgermeister, Schöffen und Rat der Stadt Biedenkopf gebeten. das Siegel der Stadt an diesen Brief zu hängen. Und ich habe auch den ehrsamen Mann, Herrn Gyso, Kämmerer am Stuhl zu Christenberg und Pfarrer zu Buche- nau, gebeten, daß er zur Sicherheit sein Siegel an diesen Brief hängt für mich und all meine Erben.Wir, die Stadt Biedenkopf und oben gen. Gyso bekennen, daß wir auf die Bitte des ehrsamen und weisen Herrn Heinrich. hin für ihn und seine rechtmäßige- Erben unsere Siegel an diesen Brief gehängt haben, der gegeben ist nach Christi Geburt dreizehnhundert Jahre in dem achtzigsten Jahr am Tag des Ambrosius, des heiligen Lehrers.

Vertreibung und neue Heimat.Die Ungarndeutschen in Eifa

Die Geschichte der deutschen Siedler in Ungarn ist über 1000 Jahre alt.Sie kamen in mehreren Schüben ins Land, wobei die sogenannten Schwabenzüge die nach Beendigung der türkischen Herrschaft Ende des 17: Jahrhunderts begannen, am meisten zum Bevölkerunbgswachstum und zur Besiedelung des zerstörten Landes beitrugen. Allgemein wurden die Siedler von den Ungarn als Schwaben (ung.Svabok) bezeichnet ,obwohl die meisten aus Hessen, Franken ,der Pfalz ,dem Saarland und den habsburgischen Erblanden (Österreich,Böhmen,Schlesien) stammten und nicht aus dem oberdeutschen Schwaben.Der Begriff der “Donauschwaben“ dagegen ist jünger und weniger präzise.Nach 1920 in den Gebrauch gekommen ,bezeichnete er alle deutschen Siedler in den Ländern Ungarn,Jugoslawien und Rumänien allerdings ohne die Siebenbürger Sachsen.Insgesamt sollen im Rahmen der Schwabenzüge 150 000-200 000 deutsche Siedler nach Ungarn gekommen sein.Bei der letzten Volkszählung in 1941 gaben noch 477 000 ungarische Staatsangehörige ihre Nationalität als deutsch und fast gleich viele, bezeichneten das Deutsche als ihre Muttersprache.

Das Verhältnis zwischen den Deutschen und den Ungarn war bis in das 19. Jahrhundert meist konfliktfrei.Erst danach setzte eine Assimilierungspolitik des ungarischen Staates unter dem Begriff “Magyarisierung“ ein ,die jedoch bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs die Existenz der Ungarndeutschen mit ihrer Kultur nicht ernsthaft bedrohten.Konnte man bis dahin sogar von einer Völkerfreundschaft sprechen ,änderte sich das Verhalten des ungarischen Staates nach dem 2. Weltkrieg dramatisch.

Noch während des Krieges ordnete die ungarische Interimsregierung nach sowjetischem Vorbild im Rahmen der geplanten Bodenreform die Enteignung des landwirtschaftlichen Besitz einschließlich der Wohngebäude und des Inventars der deutschstämmigen Bevölkerung an und forderte von den vier Siegermächten die Vertreibung der Deutschen aus dem Lande,was im Potsdamer Abkommem vom August 1945 schließlich von den Siegermächten so auch genehmigt wurde. Die erste demokratisch gewählte ungarische Regierung bestimmte in einer Verordnung vom 22.Dezember 1945 unter dem Vorwurf der Kollektivschuld die Vertreibung der Ungarndeutschen an, die bei der Volkszählung von 1941 deutsch als Nationalität oder deutsch als Muttersprache angegeben hatten. Damit waren etwa 90% der Ungarndeutschen vom Heimatverlust direkt bedroht. Den entscheidenden Wortlaut will ich hier kurz wiedergeben:

“Nach Deutschland muß jeder ungarische Staatsbürger umsiedeln, der sich bei der letzten Volkszählung zur deutschen Nationalität oder Muttersprache bekannte oder seinen madjarischen Namen (während des 2. Weltkriegs) auf einen deutsch klingenden rückveränderte ,des weiteren derjenige ,der Mitglied des Volksbundes oder einer bewaffneten deutschen Formation war“. Die letztere Regelung betraf mehrere tausend Familien, deren männliche Angehörige Zwangsweise zur Wehrmacht oder zur Waffen-SS eingezogen worden waren.Mit dieser Verordnung hatten die bereits im Mai/ Juni 1945 begonnenen wilden Vertreibungen eine gesetzliche Grundlage erhalten. Einer der Siedlungsschwerpunkte der Ungarndetschen war das Ofner Bergland,das ca. 20 Kilometer westlich von Budapest liegt.Im Bereich Pest liegt die Ortschaft Perbal (dt. Perwall) die bei einer Einwohnerzahl von 2066 personen im Jahre 1941 über eine deutsche Bevölkerungsmehrheit von 1720 Personen verfügte.Am 14.März nahm auch in Perbal die auf o.g. Verordnung eingesetzte Aussielerkommission auf und stellte die erste Aussielerliste auf.Diese wurde im Perbaler Rathaus durch Aushang öffentlich bekanntgegeben.Daraufhin begann unmittelbar die Deportation der deutschen Bevölkerung.

Der erste Transport mit der Eisenbahn ging vom 27.03.1946 mit 210 Personen über Pilisczaba (dt : Tschawa ) nach Bruchsal in Baden. Am 02.04.1946 wurde der zweite mit 270 Personen auf die Reise nach Frankenberg/Eder geschickt. Er erreichte Frankenberg am 12.04.1946.Der Dritte Transport schlißlich hatte das württembergische Aalen zum Ziele, begann am 11.04-1946, umfasste 370 Personen und kam einige später auch in Aalen an.Von den Deutschen aus Perbal sollen ca. 1200 Personen vertrieben worden sein. Über die Tragödien und Schicksale die sich beim Abschiednehmen von der Heimat und während des Transportes ergaben berichten u.a. Regina Hartmann im Heimatbuch von Laisa aus 1998,Lorenz Wiest im Heimatbuch von Birkenbringhausen aus 1999 und Reiner Gasse im Heimatbuch für Bromskirchen aus 1988.Für Eifa liegen uns die anschaulichen Erinnerungen der Therese Beer vor ,die von Alfred Becker aufgezeichnet wurden. Lassen wir sie hier zu Wort kommen:

„Not und Elend waren im letzten Kriegswinter 1944/45 bei uns in Ungarn schon recht groß. Die Russen besetzten unseren Ort Perbal am Heiligen Abend 1944. Schon Tage vorher hörten wir das Dröhnen der Kanonen, und verzweifelt fragten wir nach dem Stand der Front.Dann kamen die Panzer massenweise, und überall war Militär. Alles fuhr Richtung Wiener Straße. Verzweifelt hatten zuvor viele Menschen ein Versteck für ihre Wertsachen. Nahrungsmittel und Kleidung gesucht. Aber niemand dachte an Flucht. Gerüchte von Überfällen und Verschleppungen hatten sich verbreitet. Um die Hauptstadt Budapest wurde erbittert gekämpft. Einige Leute aus unserem Dorf wurden von den Russen gezwungen, eine Verteidigungslinie zu graben.Viele Soldaten starben in den Wäldern um Perbal. Man begrub sie in Massengräbern am Dorfrand. Über drei Monate verlief die Front in der Nähe unseres Dorfes. Viele unschuldige Menschen mußten in die- sen Kämpfen ihr Leben lassen.Ende März 1945 glaubten wir dann, daß alles einigermaßen gut vorübergegangen sei.Doch dann, fast ein Jahr später, begann das dunkelste Kapitel der Gemeinde Perbai, die Ausrottung unseres deutschstämmigen Bauernvolkes wurde eingeleitet. Die Parole hieß plötzlich: „Raus mit den Schwaben!" Was sollte das denn heißen?

Familie Kopp 1944 in der alten Heimat Foto: privat

Mit gemischten Gefühlen nahmen wir dies alles in uns auf.Unser schönes Perbal, nicht weit von der ungarischen Hauptstadt Budapest, ist umgeben von Hügeln und Wäldern. Diese außergewöhnlich fruchtbare Gegend wurde schon in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung besiedelt. Vor 300 Jahren waren unsere Vorfahren - Deutsche - und einige Slowaken nach Perbal gekommen. Sie hatten die verwüstete Gegend neu besiedelt. Seit dieser Zeit wurde auch alles in Kirchenbüchern in deutscher Sprache festgehalten.

Jetzt sollten wir unsere Heimat aufgeben? - Niemals - !

Natürlich hatten wir im Jahr 1941 bei der Volkszählung alle auf unser Deutschtum hingewiesen. So kam es, daß zur Beurteilung derVolkszugehörigkeit diese Angaben herangezogen wurden. Uns wurde Untreue zur ungarischen Nation unterstellt. Von 2400 Perbalern mußten nun 2000 Einwohner mit max. 50 kg Gepäck nach Deutschland umgesiedelt werden. Auf die Vertreibungsabsicht reagierten die Perbaler zunächst völlig ratlos. Aber sie waren der Willkür der Machthaber wehrlos ausgesetzt. Die Stimmung war deutschfeindlich. Für alle Folgen des Krieges wurden wir Schwaben verantwortlich gemacht. Am meisten gefährdet waren diejenigen, die Haus und Hof hatten oder sonstige Vermögenswerte besaßen.

Am 20. März 1946 wurde dann am Rathaus die Liste veröffentlicht wer auszusiedeln hatte. Von Vertreibung wurde nicht gesprochen. Mankonnte eine Befreiung von der Aussiedlung beantragen. Eine Kommission überprüfte dann die Anträge. Dies war jedoch meist ohne Erfolg. Auch andere Dörfer mit deutschstämmigen Einwohnern, wie Budajenö, Teiki und Piliscsaba wurden Ende März 1946 ausgesiedelt.Viele auswärtige Ungarn zogen damals schon durch die Straßen der deutschen Dörfer, um die freigewordenen Höfe und Häuser billig zu übernehmen. Jeder von ihnen wollte preiswert zu Haus und Hof kommen. Für uns Umsiedler wurde die Dorfausfahrt überwacht und gesperrt. Alles, was Wert hatte, sollte und mußte zurückgelassen werden. Am 5. April kam dann der Tag des Abschieds. In langen Kolonnen bewegten sich die schwerbeladenen Pferdewagen über den Mühlweg langsam zur Verladestation Piliscsaba.

Der Abschied von unserer Heimat und den wenigen Menschen, die zurückgeblieben waren, war schwer. In Piliscsaba wurde zuerst unser Gepäck in Viehwaggons ver- laden. Immer 32 Personen paßten in einen Waggon. Die Pferde und Wagen blieben am Bahnhof zurück. Abends um 10 Uhr fuhr dann der Zug ab. Es war sehr eng in den Viehwaggons, und so wurde es eine beschwerliche Reise. Säuglinge und alte gebrechliche Leute mussten auf engstem Raum zusammenleben. Spannungen waren gar nicht zu vermeiden. Alle waren verzweifelt, und viele weinten. Wir müssen fort und wissen nicht wohin. Wird es besser in der neuen Heimat, oder wird es uns schlechter gehen?

An die Viehwagen hatten einige mit Kreide geschrieben:

„Leb wohl Du schönes Ungarnland,

Du bist jetzt unser Untergang.

Unsern Ahnen hast Du gegeben

ein verwüstet Land zu pflegen!

Und für die Müh' und Plag ',

gibst Du uns den Bettelstab.!

Mit Bündeln und mit Kisten

wurden wir Schwaben hinausgeschmissen.

- Die Schwaben werden hinter den Eisbergen

ihren alten Kolonialgeist beweisen!" —

So rollten wir viele Tage über Györ zur Grenze Agendorf und dann Richtung Wiener Neustadt. Niemand wußte, wohin die Reise ging, wo wir einmal landen sollten. In Österreich lagen wir einmal mehrere Tage fest. Eine neue Lokomotive sollte herbei. Mittlerweile war uns vieles gleichgültig. Eine Frau starb im Zug. Wir mußten ihren Sarg auf dem Bahnsteig zurücklassen. Ihre letzte Ruhestätte kennt niemand.

Unsere intakte Dorfgemeinsschaft wurde gewaltsam getrennt. Der l. Transport ging schon am 2. April 1946 von Perbai ab. Er landete im Kreis Bruchsal. Der 2. Transport am 5.4.46 war der unsere. Mit über 1000 Landsleuten kamen wir in den Kreis Frankenberg. Wir wurden auf die Gemeinden Frohnhausen, Ernsthausen, Wetter, Simtshausen, Roda, Industriehof, Berghofen, Bromskirchen, Laisa und Eifa verteilt. Der 3. Transport startete am 12. April und kam nach Württemberg.Wir waren sehr verunsichert, als wir dann bei strahlendem Sonnenschein, am 14. April 1946, in der Endstation Allendorf die Waggons verlassen durften. Dicht und etwas verängstigt standen wir alle zusammen. Man verwies uns an einen deutschen Mann, und wir waren froh, als dieser zu uns sagte: „Ihr kommt alle mit mir nach Eifa." Frau Gerli sagte erleichtert zu ihrer Schwester Frau Kopp: ..Jesus, kommt's schnell, muß das ein reicher Mann sein!" Es war der damalige Bürgermeister von Eifa, Herr Stöcker.Als wir dann in Eifa mit 65 Personen ankamen, wurden wir in verschiedene Familien eingewiesen. Nach einigen Anfangsschwierigkei- ten wurden wir in die Dorfgemeinschaft aufgenommen, und das Zusammenleben in Eifa normalisierte sich.Heute, nach fast 50 Jahren, können wir uns kaum noch vorstellen, wieviel Angst wir alle damals hatten. Heute kann jeder in Ruhe seiner Arbeit nachgehen, und alle haben sich eine neue Existenz aufgebaut“.

Die Ungarndeutschen im Kreis Frankenberg wurden neben Eifa in den umliegenden Ortschaften Frohnhausen,Oberasphe,Laisa,Berghofen,Ernsthausen,Wetter,Birkenbringhausen,Industriehof,Roda,Simtshausen und Bromskirchen untergebracht.Nach Eifa kamen die Familien Beer,Kaiser,Kopp,Straub,Kümmel,Gerli,Schneider,Szepeni,Payer,Bregitzer,Kreis und Zink.

Sprache,Kleidung und Erziehung in Eifa

Die Mundart

Aus dem Rhein-Weser-Germanischen das um Christi Geburt bei den Stämmen der Bataver,Brukterer,Ubier,Chatten,Marser,Tenkterer und Sugambrer gesprochen wurde, hat sich im 5. Jahrhundert die Stammessprache der Franken (Altfränkisch) an Rhein und Weser herausgebildet.Daraus haben sich nach Ablösung der alten Geschlechtsverbände durch Ortsverbände und Verkehrsgemeinschaften im Laufe der Zeit Territorialdialekte,d.h. eine an ein bestimmtes Territorium gebundene Sprachform herausgebildet.Diese existierten zunächst nur im mündlichen Verkehr und waren vorrangig das Kommunikationsmittel vor allem der an die Feudalherren und der Scholle gebundenen Bauern.Diese „Bauernsprache“ wird in unserem Sprachraum als Platt bezeichnet,darf aber nicht mit den niederdeutschen dh. plattdeutschen Dialekten verwechselt werden.Unser Dialekt ist der rheinfränkische-hessische Dialekt in seiner oberhessischen Ausprägung,der wiederum in Mundarten unterschieden wird. Auch mit seiner Mundart bildet das Hinterland eine Brücke zwischen dem mittelhessischen Süden und dem niederhessischen Norden unseres Landes. Der Kreis Biedenkopf war nach Friebertshäuser ( Die Mundarten In Hessen) sprachlich ein typisches Mischgebiet, in dem Eifa mit Frohnhausen ,Oberasphe,Dexbach und Engelbach eine enge mundartliche Verwandtschaft aufweisen ,während z.B. Bromskirchen schon klar zum Waldecker Raum gehört.

Auch das unverschobene -p- (statt pf pond = Pfund oder Appel=Apfel)) verbindet bereits mit dem Norden. Das s ist stimmlos, das stimmhafte s lernte man erst im fremdsprachlichen Unterricht kennen woeinem im Englischen das gewohnte Zungen-r zugute kam. Dieses s, der Wegfall des n bei der Beugung und der Nennform des Tätigkeitswortes, der Beugung des Eigenschaftswortes (rufe statt rufen, die alte Leute statt die alten Leute), sind auch in das gebräuchliche Hinterländer Hochdeutsch übernommen worden wie die Aussprache des g wie j oder ch (Berg-Berge- Berch-Berje).

Zu den mundartlichen Eigenheiten gehört der Wandel der harten, stimmlosen Laute k-p-t zu weichen g-b-d (backen = bagge, passen = basse,Tür= dea), gehört das Verschleifen des r zum a vor allem in der Endung (Männer = mena), gehört der Wechsel von b zu w (aber = awa), gehört das Überwiegen der a-e-o-Laute mit dem Wandel vieler i zu e (ihr, wir, Milch zu ea, mea, Melche).

Bei den Vokalen steht z. B. a statt eu in ha = Heu

ä statt ei in bräd = breit

i statt ü in Fisse = Füße

o statt a in howa = Hafer

o statt u in moda = Mutter

u statt o in uwe = Ofen

u statt ü in mure (auch misse) = müssen

ei statt äu in heisa = Häuser.

Konsonanten fallen auch im Wortinneren weg, so das n vor d (enne = Ende). Das Vielerlei im Wechsel der Vokale, im Gebrauch oder Wegfall der Konsonanten z. B. bei Vor- und Nachsilben machen fast jeden Ort zu einer kleinen Sprachinsel. Ein Beispiel mehrfacher sprachlicher Bildung zeigt uns das Zahlwort zwei, das drei Geschlechter unterscheidet:

Männl. zwi, weibl. zwu, sächl. zwa kommt von Eifa bis ins Aartal vor,

zwi-zwo-zwa dazwischen in einem schmalen Streifen von Dexbach bis Niederdieten,

weiter zwi-zwe-zwa im Edertal,

dort auch zwi-zwa-zwe,

auch zwe-zwo-zwa.

Aus altem Sprachbereich kam das aar-i-hoit, mit dem die Bauersleut das Kuhgespann lenkten nach „aar" = links und „hoit" = rechts; mit „hü" hielten sie es an.

Noch in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts konnte ein Einheimischer jeden Sprechenden nach seiner Mundart einem Heimatort zuweisen. Die Vielfalt mundartlichen Ausdrucks, untersucht nach Lautbestand und Sprachform von 164 ausgewählten Wörtern, aufgezeichnet in Fragebögen und nach Gehör in allen Hinterländer Ortschaften, ist festgehalten in einer Karte der Hinterländer Sprachenlandschaft als Zusammenfassung einer Reihe von Kleinlandschaften, die zum Teil klar voneinander geschieden sind, zwischen denen es aber Übergänge gibt.

Sprachscheiden verlaufen nach Friebertshäuser (s.o)

zwischen Berghofen und Laisa, zwischen Hatzfeld und Weifenbach, zwischen Wolzhausen - Quotshausen und Wolfgruben - Dautphe - Silberg, zwischen Quotshausen und Niedereisenhausen, zwischen Niederhörlen-Oberhörlen und Niedereisenhausen-Gönnern, zwischen Oberhörlen und Simmersbach, zwischen Elmshausen und Damshausen, zwischen Weidenhausen-Günterod und Oberweidbach.

Innerhalb dieser Hauptlinien bilden sich weitere kleinere Sprachlandschaften heraus:

kopf,

  • das Perfgebiet mit deutlicher Trennung des Breidenbacher Kirchspiels von

Eisenhausen - Gönnern - Lixfeld, wobei Simmersbach sich von diesem Ge- biet abhebt, Bottenhorn und Hülshof zu ihm zählen,

  • das Salzbödegebiet ist aufgeteilt zwischen Gladenbach und Hartenrod:
  • das Aartal gehört zu einem größeren südlichen Gebiet.

Dieses Bild der Hinterländer Sprachlandschaft und ihrer Gliederung deckt sich mit der Karte der alten Gerichtsbezirke, der Trachtengebiete, der Kirchspiele, deren Grenzen also zu Sprachscheiden wurden, die nur an weniger Orten überschritten wurden. Dabei bleibt die Sprachgrenze im Westen, gegen Nassau und Wittgenstein, fest. Die Landschaft im Süden gehört –wie sehr lange in ihrer Geschichte - in das Einflußgebiet der mittleren Lahn (Solms). Die Ostgrenze liegt fest zwischen Mornshausen a. S. und Lohra; sie wird gelockert im Lahngebiet, kleinräumig geprägt im Bereich uralter Gerichtsgrenzen um Laisa, Frohnhausen, Eifa; Einfluß von Marburg, Frankenberg und Waldeck.

Mit dem Vordringen des Hochdeutschen auch in ländliche Familien wird die Mundart ärmer, verliert ihre Fülle treffender Sprachbilder. Im derben Biedenkopfer Volksmund wurde ein Mensch gekennzeichnet als:

Biewesmännche (klein, nichtig),

Dickwotzanke (stiernackig),

Kolrowemog (derb),

der ka noch mim Absatz de Stern vom Himmel hole;

der stellt sich oa wie e Kuh beim Krebbel Backe.

Vom rauhen Boden hießt es: Dodruf kann sich en Hase de Fisse wundgelaafe.

Und: Wann mer erscht emol gefrihsteckt hon, geärwet ho ma da schnell.


Mundarten der Stadt Hatzfeld im Vergleich

Von Karlheinz Miss und Alfred Schärer

Küchenartikel:

Mundarten      Hatzfeld        Reddighausen    Holzhausen      Eifa            Biebighausen
Herd 	        Härd 	        Hä(e)rd 	Hä(e)rd 	Herd 	        Hä(e)rd 
Küchenschrank 	Kächeschraank 	Kecheschraak 	Kecheschraank 	Kecheschraank 	Kecheschraak 
Tisch          Dääsch 	        Disch 	        Disch 	        Desch 	        Desch 
Stuhl 	        Schdühl 	Schdühl 	Schdühl 	Schdühl 	Schdühl 
Holzkasten 	Hulzkaste 	Hulz(s)kaste 	Hulz(s)kaste 	Holzkaste 	Hulzkaste 
Brotkasten 	Brotkaste 	Bruudkaste 	Broodkaste 	Brotkaste 	Bruudkaste 
Wasserkessel 	Wasserkässel 	Wasserkessel 	Wasserkessel 	Wasserkessel 	Wasserkessel 
Pfanne         Pann 	        Pann 	        Pann 	        Poann 	        Pann 
Kochtopf 	Podd 	        Krobbe          Dopp 	Krobbe 	Krobbe 	Krobbe, Dopp 
Tiegel 	   Broredejel 	         DiJJel 	 D'JJel 	 Brorekrobbe 	 Di(e)jel 
Kaffeekanne 	Kaffekann 	Kaffekann 	Kaffekann 	Kaffekoann 	Kaffekann 
Teller 	   Dalier 	        Daller 	        Daller 	        Deller 	        Dalla 
Tasse 	        Käbche 	        Kebbche, Dasse 	Kebbche 	Käbje 	        Kebbche, Dasse 
Untertasse 	Bladdche 	Schaalche 	Blattche 	Blattche 	Bladdche 
Löffel 	   Löffel 	        Leff(e)l 	Leff(e)l 	Löffel 	        Leff(e)l 
Küchenmesser 	Schmärmesser 	Kechemesser 	Kechemesser 	Kechemesser 	Kechemesser 
Schnitzerche 	Schnitzerche 	Tuffelschäler	Schnitzerche 	Schnetzer 
	 		 	 	 

Rund ums Bauernhaus:

Mundarten 	Hatzfeld 	Reddighausen 	Holzhausen 	Eifa 	        Biebighausen 
Vorhaus 	Veerheische 	Verheusche 	Vorhaus 	Vehrhaus 	Veerbau 
Wohnhaus 	Haus 	        Wohnhaus 	Haus 	        Wohnhaus 	Wohnhaus 
Flur 	        Ahn 	        Eern 	        Arn 	        Earn 	        Äern 
Küche 	        Käche 	        Keche 	        Keche 	        Keche 	        Keche 
Wohnzimmer 	Wohnschduwwe 	Wohnschduwwe 	Wohnschduwwe 	Wohnschdowwe 	Wohnschduwwe 
Schlafzimmer 	Schloofschduwwe Schluufschduwwe Schloofschduwwe Schloffschdowwe Schloofschduwwe 
Keller 	Kalla 	        Kallar 	        Kealle 	        Käller 	        Kalla 
Dachboden 	Boarre 	        Leewe 	        Leewe 	        Lähwe 	        Läewe 
Tür 	        Deer 	        Deer 	        Deär 	        Deer 	        Deere 
Fenster 	Fensder 	Fensder 	Fänsder 	Fönsder 	Fänsder 
Räucherkammer 	Roachfang 	Reecherkammer 	Raecherkammer 	Raächerkammer 	Rächerkammer 
Toil.-häuschen Abdredd 	Abdritt, Abbee 	Abdrett 	Abdrett 	Abdrett, Haische 
Heuboden 	Haabau 	        Haabürre 	Haebau 	        Hahberre 	Haabürre, Haaboi 
Hühnerstall 	Hinnerschdall 	Hin(g)erschdall Hingerhart 	Hinnerschdall 	Hinnerschdall 
Schweinestall 	Sauschdall 	Sauschdall 	Sauschdall 	Sauschdall 	Sauschdall 
Scheune 	Schiere 	Schiere 	Scheier 	Schair 	         Schiere 

Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte:

Mundarten      Hatzfeld        Reddighausen    Holzhausen      Eifa            Biebighausen
Mähmaschine 	Mehmaschine 	Mehmaschine 	Mehmaschine 	Mehmaschine 	Mehmaschine 
Heuwender 	Haawanner 	Haawenner 	Haawanner 	Haawenner 	Haawanner 
Dreschmaschine Draschmaschine 	Draschmasch. 	Draschmasch. 	Dreschmasch. 	Draschmasch. 
Walze 	        Woalze 	        Waalze 	        Waalsder 	Waalze 	        Waalzer 
Pflug 	        Blügg 	        Blügg 	        Plugg 	        Blügg 	        Plügg 
Egge 	        Äje 	        Eeje 	        Eeje 	        Eeje 	        Eeje 
Sense 	        Sanse 	        Sanse 	        Sanse 	        Sense 	        Sanse 
Sichel 	Sächel 	        Sechel 	        Sechel 	        Sechel 	        Sechel 
Hacke          (Karsch) 	Koasch 	Huuch 	Koarsch 	Koorscht 	Koarsch 
Platthacke 	Plohdhacke 	Bloothacke 	Bloothacke 	Ploodhacke 	Bloothcke 
Kreuzhacke 	Kräizhacke 	Krejzhacke 	Kräitzhacke 	Kräitzhacke 	Kretzhacke 
Spaten 	Schpohre 	Schpoore 	Schpoore 	Schpoore 	Spoore 
Rechen 	Räche 	        Rache 	        Rache 	        Räche 	        Reche 
Gabel 	        Grähfe (Gawwel) Gawwel 	        Gawwel 	        Gowwel 	        Gawwel 
Grastuch 	Banneldüch 	Blätz 	        Blätz 	        Grooseduch 	Benneldüch 
Mistplatze 	Mästplatze 	Mestplatze 	Mestbreat 	Mestbreet 	Mestplatze 

Kleidungsstücke:

Mundarten      Hatzfeld        Reddighausen    Holzhausen    Eifa        Biebighausen
Schuh 	        Schuh 	        Schuh 	        Schuh 	      Schuh 	  Schuh 
Stiefel        Schdiwwel 	Schdiwwel 	Schdiwwel     Schdiwwel   Schdiwwel 
Pantoffel      Schloabbe 	Schlappe 	Schlappe      Schiabbe    Schiabbe 	 	 
Gamaschen      Gamasche 	Gamasche 	Gamasche      Gamasche 	  Gamasche 
Oberhemd 	Ewerhemd 	Iwwerhemd 	Owerhemd      Ewerhemd 	  Iwwerhemd 
Kragenknopf 	Kroaje- 	Krajekebbche 	Krajeknobb    Kraojeknobb Krajeknobb 
	        knäbche 	 	 	 	 
Unterhose 	Ängerhose 	Engerhuuse 	Ingerhoose    Innerhose   Engerhuuse 
Jacke 	        Jibb (Rock) 	Jacke 	        Jacke 	      Jagge       Jacke (Kamesuu) 
Kleid 	        Kläed 	        Kleed 	        Kläed 	      Kläed 	  Kleed 
Handschuhe 	Hannsche 	Hannsche 	Ha(e)nsche    Hensche 	  Hansche 
Pulswärmer 	Schdüche 	Schdöche 	Ormeschdöche  Pulswärmer  Schdüche 
Hut 	        Hüüd 	        Hüüd 	        Huud 	      Hud 	  Hüüd 
Mütze 	        Kabbe 	        Kabbe 	        Kabbe 	      Kabbe 	  Kabbe 
Kopftuch 	Kobbdüch 	Kobbdüch 	Kobbdüch      Kobbdüch 	  Kobbdüch 
Taschentuch 	Daschedüch 	Daschedüch 	Daschedüch    Sagduch 	  Daschedüch 
Schürze 	Scherze 	Scherze 	Schierze      Scherze 	  Scherze 

Heimische Bäume und Sträucher/ Früchte und Beeren:

Mundarten 	Hatzfeld 	Reddighausen 	Holzhausen 	Eifa 	Biebighausen

Birnbaum 	Beenboam 	Beernböhm 	Beerbehme 	Beerbäme 	Beereböhm 
Pflaumenbaum 	Broammaboam 	Präumeböhm 	Prömebehme 	Brömmebäme 	Prömmeböhm 
Zwetschgenbaum Gwatschaboam 	Quatscheböhm 	Quatschebehme 	Quetschebäme 	Quatscheböhm 
Stachelbeere 	Stachelbähn 	Stachelbä(e)n 	Stachelbä(e)n 	Stachelbeer 	Stachelbeere 
Johannisbeere 	Johannsdroawwel Johannisbä(e)n 	Johannsdröwwen 	Gehonnsdröwwel 	Gehannsdröwwel 
Himbeere 	Himbähn 	Himbä(e)n 	Rendsbä(e)n 	Rönsbeer 	Himbeere 
Brombeere 	Brombähn 	Brommbä(e)n 	Brombä(e)n 	Brombeer 	Brommbeere 
Hagebutte 	Brombähn 	Brommbä(e)n 	Brombä(e)n 	Brombeer 	Brommbeere 
Schlehen 	Schlänn 	Schlenn 	Schliene 	Schlie 	        Schlenn 
Mehlbeere 	Mählbeehn 	Mählbä(e)n 	Mäläppelche 	Mehlbeer 	Mählbeere 
Hollunder 	Hollunner 	Hollunner 	Hollerbä(e)n 	Holonner 	Hollunder 
Wachholder 	Wachhuller 	Wachhuller 	Wachhuller 	Wacholler 	Wachholler 
Vogelbeere 	Vogelbeehn 	Vujelbä(e)n 	Veijelbä(e)n 	Vichelbeer 	Vujelbäre 
Birke 	        Barke 	        Berke 	        Birke 	        Barke 	        Birge 
Eiche 	        Ache 	        Eeche 	        A(e)che 	Ache 	        Aiche 
Buche 	        Buche 	        Biche 	        Buche 	        Buche 	        Buche 


Ungewöhnliche, z. T. veraltete Dialektausdrücke

von Karl-Heinz Miss/ Alfred Schärer

Mundart/ Hochdeutsch


Hatzfeld:        Schalsched              Zugholz für Tiere
                 Trawarije               Misttrage
                 Wesseboam               Wiesenbaum
                 Fletch                  Sense
                 Bänndrell               Bindeholz
                 Lahmber                 Langbaum


Reddighausen:    bedumbe                 Erdrückende Schwüle
                 Aaditte                 Unterirdischer Abfluß
                 aarich                  viel (sehr Übles) 
                 iewest                  irgendwie,irgendwas
                 nerrerucke              wiederkauen
                 im Gewäjel              in Bewegung


Holzhausen:      duuse                   bedeckt,bewölkt
                 Genista                 Pöbel
                 Koasch                  Hacke
                 Kleenichketskrämer      Kleinigkeitskrämer
                 Putch                   zu kein geratener Junge,
                                         in Eifa: Herbstkatze
                 Gagelich                übermütig,wackelig


Eifa:           Keibe                    Hosentasche
                Viernzegebähnze          Kaulquappe
                Longwert                 Verbindungsstück Vorder-Hinterachse
                Mästhook                 Dreizinkige Hacke
                Koorsch                  Zweizinkige Hacke
                Patz                     Raum für Häcksel und Streu  


Schimpfwörter (Mundart) im Raum Eifa/ Hatzfeld:

Megges, Dormel, Bless, Ketzemann, Sauhond, Rilwes, Bade, Dabbes, Raff, Wessegickel, Derwerschter, Onnfloat, Schinnoos


Gedicht in Eifaer Mundart

von Alfred Becker,Eifa

Immer äss der Himmel

net nur häll un bloo,

monchmol seu de Wolke

äach mol groo i groo.

Awer äach der gressde Roah Gedd emol vorbei,

on es kimmt wie immer

äach wörrer mol der Mai!

Bäst du äach mol

käh zwonzich mih,

dud der hi on do

äach scho mol woas wih,

gläb mer,

därres noch schlömmer komme koah.

Hörr off mäich,

onn enk scho mol drewer noh.

Mach der e Frehre

so longe es gett,

denn naut off der Welt

dauert ewich!


Drei Wiegenlieder in Eifaer Mundart

von Else Specht,Eifa

1. Haija, bombaija, bombaje

es Giggelche fraaß vom Aaje.

Do sahts; äich solls awer net saaje,

do saar ichs awer doch,

do gräg es Giggelche Schleeje.

Do heildes, do heildes,

do kiff äich em e Wäggelche,

on do woarsch werrer schdell.

2. Wenn de Mare in de Maje gieh,

murr äich bei der Wieje stieh,

Macht de Wieje - knipp - knapp,

schleeft moin liewe Decksack.

3. Schloof moi Köndche schloof,

do owe gieh de Schoof.

Do owe gieh de Lämmercher,

frässe Groas on Blimmercher.

Schloof moi Köndche schloof.

4. Schloof moi Köndche schloof,

do owe gieh de Schoof,

e Schwatzes on e Wäises,

aaler Bommer bäises!

Schloof moi Köndche schloof.


Hygiene vor einem Jahrhundert

von Erwin Koch ,Breidenstein (Hinterländer Heimatkalender 1950)

Der ahle Oba riff seje Fraa:

"Wo eß da nur meJe Jäckchen,

Dos blohe, wäßte, ohne Bond

On merrem Auwersäckche?"

De Oma suchte ewerall,

Im Haus on of de Denne,

Im Kuh-on aach im Hinnerstall,

Doch konn se's gornet fenne.

De ganze Wenter sucht se noch

on het geschonn wie'n Spatze !

Se guckt ih jedes Maiseloch

on inner de Matratze.

Doch's blohe Jäckche wor net do.

0f ämol, o em Sonntag Onnern,3 onr- i 3 g ' r.r- -?• er.,

Do riff der ahle Oba froh:

"Kallinche, komm jetz kahnst dich wonnern,

Groad woll ich off'n Fußballplatz,

Do fonn ich's werre, net geloje,

Dej Siehe wor doch fer de Katz,

Eich hat's jo inners Hemb gezoje!".

Die Eifaer Tracht

Gewöhnlich trug der Bauer einen kurzen, aus grobem Zeug gefertigten Kittel. Selbst beim Adel hatten sich im 13. Jahrhundert Unterkleid und Unterhemd noch nicht überall durchgesetzt. Zu kurzen, kaum über die Knie reichenden Hosen wurde ledernes, durch Bänder zusammengehaltenes Schuhwerk getragen, der sogenannte Bundschuh, seit dem 13. Jahrhundert das Symbol des Bauern gegenüber den bespornten Ritterstiefeln. Seit den Bauernunruhen im Hegau (nordwestlich des Bodensees gelegen) im Jahre 1469 standen die bäuerlichen Revolten unter diesem Zeichen. Auch in der Haartracht gab es einen Unterschied zum adeligen Herrn: Der Bauer trug das Haar damals über den Ohren abgeschnitten. Das lange Haar blieb den edelfreien Herrn vorbehalten.

Im alten Kreis Biedenkopf (bis 1932) wurden von der weiblichen Bevölkerung hauptsächlich zwei Trachten getragen.Im westlichen und südlichen Teil des Kreises herrschte die auf spanischen Einflüssen aus dem 16. Jahrhundert zurückgehende schwarze Hinterländer Tracht vor,während in den Gemeinden Eifa,Dexbach,Engelbach,Oberasphe,Frohnhausen und Laisa sich die farbenfrohere evangelische Marburger Tracht durchgesetzt hatte.Die Hinterländer Tracht scheint die ältere zu sein,über die Ausbreitung der Marburger Tracht finden sich erstmals bei Landau (Beschreibung des Kurfürstentums Hessen,Kassel 1842) nähere Hinweise auf deren Alter und Verbreitung. Entgegen der landläufigen Vorstellung,die weibliche Marburger Tracht sei über Jahrhunderte getragen worden,wissen wir heute,dass sie in Anlehnung an die höfische Mode des Rokoko und unter französischem Einfluß sich zunächst im 18. Jahrhundert im Ebsdorfer Grund entwickelt und von dort in das Marburger Land verbreitet hat.Die ältesten Zeugnisse über die Marburger Tracht sind Abbildungen auf zwei Wandfliesen aus den Jahren 1773 und 1778,die bei einem Töpfer in Marburg-Weidenhausen gefunden worden sind.Die Tracht ,wie sie in Eifa noch bis ca. 1990 vereinzelt getragen wurde,düfte daher allenfalls über eine Zeitspanne von 200 Jahre getragen worden sein ,bevor diese ganz aus dem Dorfbild verschwand. Schon nach dem ersten Weltkrieg begann ein Zustand des langsamen Verfalls.Nach einer Erhebung aus den Jahren 1931/32 (Helm:Schnittzeichnungen hessischer Trachten,in:Hessische Blätter für Volkskunde,Band 1927) betrug die Zahl der Trachtenträgerinnen in Eifa noch 138 Personen,sie sank in den Jahren bis 1944 auf 90 Trägerinnen ab und wurde in den folgenden Jahrzehnten immer kleiner.Mädchen und junge Frauen kleideten sich nach dem zweiten Weltkrieg kaum noch in die Tracht,ältere dagegen trugen die teuren Kleidungsstücke noch längere Zeit auf ,um 1990 starben aber auch die letzten der alten Trachtenträgerinnen . Als letzte Trachtenträgerinnen bleiben dem Verfasser noch folgende Frauen in Erinnerung: Marie Stöcker aus Kinkels,Katharina Roth aus Jokkobs,Katharina Reibert aus Reiwersch,Katharina Gerhard aus Stockboarns ,Marie Dönges aus Litze,Elisabeth Henkel aus Beckewrsch (Insel 80),Lina Specht aus Geytze, Helene Belz aus Habbels und Katharina Lange aus Käddes Was unterscheidet nun die früher in Eifa getragene Tracht von der modernen Kleidung?

Festzustellen bleibt zunächst, daß je nach Verwendung bei Feiern der Freude oder des Leids sie in der Farbe abgewandelt wurde, es gab die schwarze feierliche Form für Hochzeit, Abendmahl, Begräbnis oder Trauer, die bunte Sonntags-oder Feiertagstracht, und schließlich die einfachere Tracht für die Feld- und Alltagsarbeit . Die Abendmahl-oder Hochzeitstracht waren ganz in schwarz gehalten und identisch.Von der Trauertracht unterschieden sie sich nur dadurch,dass bei Hochzeit oder Abendmahl,die weiße Abendmahlshaube aufgesetzt wurde ,wobei bei der Hochzeit darauf noch der Brautkranz aufgesteckt wurde,der hinten mit einem buntgewebten 4,5 m langen Seidenband verziert wurde.Zur Abendmahlstracht gehörten auch schwarze oder weiße Handschuhe (sog.Stauchen). Wie in den umliegenden Dörfern auch,war es bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts noch üblich und wurde erwartet ,dass weibliche Verwandte eines oder einer Verstorbenen mindestens ein Jahr lang schwarze Trauerkleidung zu tragen hatten und sie erst danach wieder ablegen durften.Bei älteren Frauen kam es häufiger vor,dass diese nach dem Tod des Ehemannes die schwarze Trauerkleidung bis zu ihrem eigenen Tod anbehielten.In meiner Kinderezeit wirkte die schwarze Tracht auf mich oft düster und bedrohlich und erinnerte an Frauengestalten aus Grimms Märchen.Später wurde mir klar,dass alle diese Frauen entbehrungsreiche und schwere Lebenszeiten hinter sich gebracht hatten: Zwei Kriege,zwei Hungerszeiten und zwei Inflationen,dazu die Arbeit auf den Feldern,den Ställen und auf den Höfen hatten die Körper ausgezehrt und gebeugt und sie vorzeitig altern lassen. Dieser Generation der letzten Trachtenträgerinnen sollte man für ihr Lebenswerk im Nachhinein besonderen Respekt entgegenbringen. Hingegen gilt die Sonntags, oder Feiertagsform der Marburger evangelischen Tracht als eine besonders schöne und in ihrer Form ausgewogene Tracht. Junge Leute trugen bunte und farbenprächtige Trachten, während man im Alter und insbesondere bei der Trauer dunkle und schwarze Farben trug .Dies geht auf die Farbenlehre zurück,wonach bei der Tracht rot die Farbe der Jugend und der Ledigen symbolisiert,die verheirateten Frauen wandeln diese Farbe je nach Ortschaft aber auch persönlicher Vorliebe zu Grün,Braun,Blau oder Lila um ,während schwarz die Farbe derTrauer und des Alters ist.Für Eifa kann ich mich an die Farben Grün,Blau und Braun erinnern,aber auch dass die Tracht in Eifa nicht ganz so farbenfroh und üppig daherkam ,wie z.B in den Dörfern Wollmar und Nieder-Asphe.


Drei Frauen in Eifer Tracht (Bild aus den zwanziger Jahren des 20.Jhdt.)


Aus welchen Einzelteilen bestand nun die Tracht: Das „Darunter“ bestandt aus einem handgewebten Leinenhemd, der Ausschnitt wurde mit einem roten Monogramm bestickt oder auch an Hals und Ärmeln mit Hessischer Weißstickerei versehen. Darüber trug man einen roten Unterrock mit buntem Bordenbesatz und ein Leibchen( meist aus Samt), das dazu diente, den Oberrock und mehrere Unterröcke zu halten. Dazu hatte das Leibchen in der Taille einen ca. 3 cm breiten Wulst, der fest mit Schafwolle ausgestopft ist.

Dann kam das „Darüber“. Dieses bestandt aus einer Jacke, die „Motzen“ genannt wurde.Der "Motzen" wurde aus einem Stück Stoff meist aus Samt, später auch aus leichten Seidenstoffen, doppelt gearbeitet. Den Schmuck desselben bildete eine sogenannte "Frisur", die gekräuselt oder in Fältchen gelegt sein konnte und von schönen Spitzen umrahmt war. Der Motzen hatte einen großen Ausschnitt, in dem ein schmückendes Tuch getragen und das mit einer Brosche am Hals geschlossen wurde. Passend hierzu oder auch andersfarbig konnte die Schürze sein, die ebenfalls Schmuckfältchen oder Borten aufwies. Waren Motzen und Rock aus einem Stoff gearbeitet, nannte man dies einen "Anzug". Man trug aber auch Rock und Motzen von verschiedenen Stoffen. Der Rock war 7 Ellen (3,5 Meter) weit und wurde wadenbedeckend getragen. Auch wies er am unteren Ende geschmackvolle Verzierungen in Form von Borden und Spitzen auf. Das obere Drittel war in sehr kleine Fältchen gelegt, die fest eingebügelt und mit einem besonderen Stich mehrfach auf der Rückseite zusammengehalten wurden. Die Strümpfe waren in gediegenen Farben selbstgestrickt und man trug dazu flache Schuhe. Besonders erwähnenswert ist noch der sogenannte "Schnatz". Die Haare wurden oben auf dem Kopf gebunden, in zwei Zöpfe geflochten und kunstvoll zum Schnatz aufgesteckt.Ein großer Missstand bei dieser Haartracht ist es ,dass man sich nicht selbst frisieren kann.Es gab auch in Eifa nur ganz wenige Frauen die ihren „Schnatz“ selbst flechten konnten. Man war deshalb auf Verwandte, Freundinnen oder Nachbarinnen angewiesen, mit denen alle paar Tage die Frisur gegenseitig erneuert wurde.Der Schnatz wird stra mm und fest geflochten und soll einige Tage halten. Ihn zierte das Stülpchen, das exakt auf den Schnatz passen mußte. Es war sehr zierlich und besonders reichhaltig mit Perlen und Stickerei verziert. Bei Kindern war der Saum mit roter oder grüner Seide eingefasst.Seitlich wurden zwei Bänder, ca. 10 - 12 cm breit, aus schwarzem, glänzenden Stoff befestigt. Bei ernsten Angelegenheiten trug man sie unter dem Kinn zur Schleife gebunden, während sie sonst, einmal geschlungen, locker auf dem Rücken hingen.

Die evangelische Marburger Tracht (ein Beispiel,hier aus dem Salzbödetal

Die Tracht besteht aus:


Stülpchen

Brust- oder Umschlagtuch

Motzen

Leibchen

Hemd

Schürze

Rock

Roter Unterrock

Bomber

Kniestrümpfe


Über die einfachere Arbeitstracht braucht an dieser Stelle nicht weiter eingegangen zu werden.Sie entsprach in Schnitt und Aufbau der übrigen Tracht, unterschied sich aber von dieser hauptsächlich dadurch,das einfachere und robuste Stoffe verwendet wurden. Im Sommer wurden häufig leichte Baumwolltuche in den Farben blau und weiß verwendet.Dazu trug die Bäuerin bei der Feldarbeit fast immer ein Kopftuch. Zu erwähnen bleibt schließlich noch die bäuerliche Tracht der ungarndeutschen Frauen die nach dem 2. Weltkrieg in Eifa ihre neue Heimat fanden.Sie wurde nur noch von wenigen älteren Frauen bis in die siebziger Jahre hinein getragen und bestand aus Röcken und Wämsern in blau karierten Karo-oder Streifenmuster.Dazu kam ein schlichter Schopf und das bis um den Hals geschlungene Kopftuch.In Ungarn bekam die Frau den Schopf am Hochzeitstage nach Mitternacht aufgesetzt und war damit endgültig unter Haube. Die Männer kamen nach Eifa noch in ihren alten Anzügen.Charakteristisch dafür waren hohe lange schwarze Schaftstiefel und der sogenannte schwarze Kroatenhut.Die Männer- tracht wurde noch bis in die sechziger Jahre beim sonntäglichen Gasthausbesuch getragen und ist danach in Vergessenheit geraten.

Das Schulwesen

Von den Anfängen bis 1935

Von Armin Sieburg

Das ganze Mittelalter hindurch bis zur Reformation ist das Unterrichtswesen ausschlierßlich Sache der Kirche gewesen. Dorfschulen gab es in Hessen vor der Reformation nirgends.Allerdings sollten auf Empfehlung Martin Luthers die ganze Jugend an der Katechese der Pfarrer und Opfermänner teilnehmen (Dersch, S 155).Diese Küsterschulen auf dem Lande lehrten Lesen, Schreiben, Singen und den Katechismus. Der Schulzwang wurde z.B. in Hessen-Kassel erst in 1726 eingeführt.Etwas anders war die Situation in unserer engeren Heimat.

Die zum Altkreis Biedenkopf gehörenden Orte waren 1604 nach dem Tode des Landgrafen Ludwig von Hessen-Marburg mit der Aufteilung dieser Landgrafschaft zunächst an die Landgrafschaft Hessen-Kassel gefallen. In den Auseinandersetzungen während des Dreijährigen Krieges (1618-1648) gelangten sie aber 1623/1624 endgültig in den Besitz der Landgrafen von Hessen-Darmstadt, was auch durch den Friedensschluß 1648 bestätigt wurde. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt hatte Landgraf Georg I. von Anfang an dem Volksschulwesen seine besondere Aufmerksamkeit geschenkt und versucht, sein ganzes Hoheitsgebiet mit einem Netz von Volksschulen zu durchsetzen, denn mit der Reformation hatte der Staat auch die Sorge für die Schulen übernommen, besonders aber die Einrichtung von Dorfschulen gefordert.

Mit der Einführung der Konfirmation in Hessen im Jahre 1547 war es allgemeiner Brauch gewesen, als Vorbereitung zur Konfirmation ein Schulunterricht verlangt werden mußte, sei er auch noch so kurz oder gering. Hier war jetzt eine geeignete Grundlage für die Entwicklung des Volksschulwesens gegeben, zumal man von Anfang an darauf achtete, nicht nur in den Städten sondern gerade auf dem Lande neue Schulen einzurichten.

Wer Pfarrer werden wollte, mußte, wenn er nicht an der Universität Aufseher über die Stipendiaten tätig war, vorher sich in einer Pfarrei im Schuldienst bewährt haben. Durch das absolvierte Studium als Pfarrer war der Lehrer nun ein studierter Schullehrer, eine Maßnahme, die zur Hebung des Volksschulwesens beträchtlich beitrug. Durch eine standesgemäße Bezahlung der studierten Lehrkräfte gelangte der Lehrerberuf zu Ansehen, zumal die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt großen Wert darauf legte, daß der Lehrer nebenbei keinen Handwerksberufmehr ausübte. Gleichzeitig aber konnte manvon ausgebildeten Lehrern auch etwas verlangen. Man verlangte Pünktlichkeit auch vom Lehrer und untersagte ihm, die Schüler ungleich zu behandeln oder gar die Kinder reicherer Eltern vorzuziehen der ihnen bessere Zensuren zu geben. Der Lehrer des frühen 17.Jahrhunderts war verpflichtet, sich in seiner Freizeit weiterzubilden.

So war die allgemeine Situation des Schulwesens in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zu sehen, als 1623 die Gemeinden des Hinterlandes und somit auch die Ortschaften des oberen Edertales von Hessen-Kassel an Hessen-Darmstadt abgetreten werden mußten.

Hier lagen die schulischen Verhältnisse nun ganz anders. Es gab zwar auch hier in allen Pfarrorten, außer in Dodenau und Obereisenhausen, eigene Schulen, dennoch war der Unterschied zu den althessen-darmstädtischen Orten gravierend. Die Besoldung der Lehrer aus den früher zur Landgrafschaft Hessen-Kassel gehörenden Ortschaften war wesentlich geringer als in Hessen-Darmstadt. Hinzu kam die ungleich schlechtere Ausbildung. Die meisten Schullehrer entstammten hier dem Opferoder Glöcknerdienst. Landgraf Moritz von Hessen-Kassel hatte über Landschulen eben andere Vorstellungen als der Darmstädter Landgraf Georg I. Was man in Hessen-Darmstadt vermieden hatte, eine Verquickung von Schuldienst mit einem anderen Beruf oder Handwerk war in den hessen-kasselischen Landesteilen die Regel. Sozial stand demnach der Lehrer in Hessen-Kassel weit unter seinen Kolle gen in Hessen-Darmstadt. Das Schulwesen des Hinterlandes konnte somit bei weitem nicht mit dem Schulwesen in den übrigen darmstädtischen Gebieten Schritt halten. Landgraf Georg II. ging aber sehr rasch daran, hier für Besserung zu sorgen, um ein möglichst gleiches Niveau in allen seinen Landen zu haben. Im Jahre 1629 erfolgte eine Kirchen- und Schulvisitation in den neu erworbenen Gebieten, in der die Schullehrer und Kastenmeister eine Menge von Fragen zu beant worten hatten. Gleichzeitig erhalten wir dadurch einen präzisen Überblick über die Entwicklung der Schulen im oberen Edertal, müssen jedoch feststellen, daß Angaben über das Schulwesen zu Eifa fehlen, während über andere Gemeinden, wie etwa Hatzfeld, Battenberg oder Rennertehausen sehr zuverlässige Beschreibungen vorliegen.

Aus den Visitationsberichten erfahren wir auch etwas über die Lehrgegenstände. Es wurde damals Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen den Schülern beigebracht. Der Schulbesuch ließ allerdings sehr zu wünschen übrig, da die größeren Jungen und Mädchen besonders im Sommer bei der Feldarbeit benötigt wurden und somit der Schule fernblieben. Schulhäuser fehlten sehr oft. Der Unterricht fand in der Wohnung des Lehrers statt. Die Besoldung des Lehrers war weitgehend von der Gemeinde aufzubringen aber gerade die Visitationsberichte von 1629 zeigen, wie rückständig die Gemeinden mit ihrer Besoldung gegenüber den Lehrern waren. Zur Besoldung der Lehrer gehörte damals aber auch die Befreiung von allen Gemeindelasten, also von Steuern, Wachdiensten und Frondiensten. 1628 finden sich die ersten Anordnungen zur Erhebung von Schulgeld. Trotz des wütenden Dreißigjährigen Krieges kam die Entwicklung des Schulwesens rasch voran, überall enstanden neue Schulen. Höhepunkt des schulischen Reformwerks in Hessen-Darmstadt war die 1634 erlassene Kirchenordnung, die sich auch ausgiebig mit dem Schulwesen beschäftigte. In dieser Ordnung wird zum erstenmal von der allgemeinen Schulpflicht gesprochen. Bedeut sam ist auch die Einführung des Dreiklassensystems, nach dem in der ersten Klasse die Schüler, die noch nicht lesen können, unterzubrin gen sind, in der zweiten sollen die Schüler sein, die den Katechismus können, jedoch nicht die Auslegung. In der dritten Klasse schließlich werden dann Schüler geführt, die Katechismus samt Auslegungen beherrschen.

Die hessen-darmstädtischen Schulreformen werden in den Jahren 1668-1669, also nach dem Dreißigjährigen Krieg, energisch fortgesetzt. Diese Maßnahme war dringend erforderlich, zumal gerade das interland von der Pest heimgesucht worden war und viele Schulen geschlossen worden waren. Wir erfahren nun, daß auch kleinere Pfarrorte, wie Dodenau, jetzt eine Schule besitzen. Zum ersten Mal begegnet uns jetzt auch Eifa. Dort war eine Winterschule gemeinsam mit Engelbach unter Aufsicht der Pfarrei Dexbach eingerichtet, doch müssen wir davon ausgehen, daß der Unterricht durch den in Dex- bach tätigen Opfermann und Schulmeister David Schreiner durchgeführt wurde. Wir finden also immer noch keinen eigenständigen Schulunterricht in Eifa. Der im Jahre 1669 erlassene „Extrakt der Instruktion vor die Praeceptores und Schulmeistern in kleinen Stätten und Dörffern" legt die Schulpflicht noch einmal verbindlich für die gesamte Landgrafschaft Hessen-Darmstadt fest. Er regelt jedoch auch die Nebenbeschäftigung der Schullehrer, die man ja früher einmal für unstatthaft gehalten hatte, jetzt aber nicht mehr generell verbot.

Die Not der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg und nach der Heimsuchung durch Pest hatte auch Lehrer gezwungen, sich auch ei nen Nebenerwerb zu suchen. In diesem „Extrakt" wird zum ersten Mal für die studierten Schullehrer der Titel Präceptor gebraucht. Die Pfarrer, die nebenbei den Schuldienst versahen, hießen Diakon oder Kaplan. Diese Bezeichnungen hielten sich im Hinterland bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Die Aufsicht über die Schulen wird jetzt neu errichteten Metropolitaneien zugewiesen, die diese Arbeit den Ortspfarrern abnehmen, die bisher dafür zuständig waren. Die alte hess.-darmstädtische Schulordnung des Jahres 1634 wird 1733 durch eine neue ersetzt, die hauptsächlich für die Schulen des Oberfürstentums gedacht war. Jetzt wird die Schulpflicht auf acht Jahre festgelegt. Die Schulversäumnisse sind vom Lehrer zu erfassen und werden streng bestraft. Auch im Sommer muß nun durchgehend Schule gehalten werden. Alljährlich zu Ostern werden die Schulabgänger in Gegenwart des Pfarrers, der Kirchenältesten und der Beamten geprüft. Für alle Schulentlassungen wird jetzt eine Fortbildungsschule vorgeschrieben. Die bisher von den Superintendenten vorgenommene Anstellung der Lehrer wurde ab 1743 dem Konsistorium übertragen.Unstudierte Schulmeister mußten sich fortan vor Anstellungen einer Prüfung vor einer neutralen Kommission unterziehen.

Kirche und Kultur in Eifa

Das religiöse Leben

4.1.1 Die kirchliche Organisation bis zur Einführung der Reformation

Mit den Franken kam auch das Christentum nach Hessen.Die Eingliederung der althessischen Gebiete in das Erzbistum und seine kirchliche Organisation ist dem Angelsachsen Winfried (Kirchenname ab 719=Bonifatius) zu verdanken.Er missionierte zunächst im Oberlahngau (um Amöneburg) und wenig später im Hessengau um Fritzlar.Einen Teil dieses Missionsgebietes umfasste der Sprengel des von Bonifatius gegründeten Bistums Büraberg in Fritzlar.Der bischöfliche Sprengel bestand aus dem Gebiet des Hessengaus ,dem Nordosten des Lahngaus um Amöneburg,das Land nördlich und nordöstlich des Vogelsbergs und den Bereich der im Norden angrenzenden sächsischen Stämme.Mit den übrigen ostfränkischen Bistümern wurde das Bistum Büraberg (auch Hessenbistum genannt) im Jahre 742 zu einer Kirchenprovinz vereint ,die dem Bonifatius als Mainzer Erzbischof unterstand. Das Bistum Büraberg bestand nur kurz und wurde nach dem Tod seines einzigen Bischofs Witta wahrscheinlich schon vor 777 nach Christus endgültig zur Mainzer Diözese gezogen.In der Folgezeit wurde die kirchenrechtliche Verwaltung unseres Gebiets dem Archidiakonat St.Stephan in Mainz übertragen und es blieb ungestört bis zur Reformationszeit im Besitz der Mainzer Kirche. Die Pfarrkirche St.Stephan in Mainz wurde 990 von Erzbischof Willigis, der auch den Mainzer Dom erbaut hatte,auf der höchsten Erhebung der Stadt ,höchstwahrscheinlich im Auftrag der Kaiserwitwe Theophanu (Gemahlin Otto II.)errichtet.Der Propst des Stiftes verwaltete im Auftrag des Erzbischofs eines der Archidiakonate des Erzbistums.Das Archidiakonat war eine kirchliche Verwaltungseinheit innerhalb eines Bistums und untergliederte sich wiederum in Dekanate.Leiter war der Archidiakon als abhängiger Stellvertreter des Bischofs. Innerhalb des Erzbistums gelang es den Archidiakonen, die Dekane und Erzprieter nach und nach immer bedeutungsloser zu machen und eigene Kirchenverwealtungsbezirke zu gründen. Das Archidiakonat St. Stephan umfasste um 1500 n.Chr. noch das alte landgräfliche Oberhessen, das Siegerland, die Grafschaft Wittgenstein und das Kerngebiet der Gradschaft Ziegenhain. Im Hochmittelalter besaß das Archidiakonat sogar das Herrschafts-und Besteuerungsrecht.Zum Herrschaftsrecht gehörte als wichtigstes das Sendrecht, d.h. das Recht auf die Visitation der Geistlichen und der geistlichen Gerichtsbarkeit,das Konsensrecht bei wichtigen Verfügungen des Bischofs und das Recht zur Investitur der Geistlichen. Als Einkünfte standen dem Archidiakonat das “Kathedraticum“, d. h. eine Art von Ehrenzins zur Anerkennung der Unterwerfung unter die archidiakonale Gerichtsbarkeit,die Sendgelder und die Geldstrafen,die beim Sende fielen. Im Üebrigen war der Archidiakon der Vorgesetzte des ganzen Weltklerus in seinem Amtssprengel. Zwischen den Archidiakon und die Pfarrer schob sich im Bistum Mainz seit dem 9.Jahrhundert noch ein weiteres Glied der Verwaltung ein, der Archipresbyter oder der Dekan.Die Dekane standen zusammen mit den Kämmerern innerhalb der Herrschaft des Archidiakonats sogenannten Landkapiteln vor.Sowohl der Dekan als auch der Kämmerer gehörten regelmäßig zum geistlichen Stand.Der Dekan war der Geistliche an den sich der Bischof ,die Mainzer Richter mit Aufträgen in erster Linie wenden konnten..Anfang des 14. Jahrhunderts begannen sich die Dekanate langsam aufzulösen und ihre Stellung zu verlieren.Ihre Aufgaben haben dann die Offiziale des Archidiakonats oder beauftragte Laienkräfte übernommen. Auf der untersten Stufe der kirchlichen Organisation stand die Pfarrei.Durch sie wird vor Ort das kirchliche Leben des Volkes am tiefsten und unmittelbar beeinflusst. Unter Pfarrei versteht man eine Kirche ,die alle diejenigen geistlichen Gaben durch ihren Klerus darzubieten imstande ist,welche für das regelmäßige Leben des einzelnen Christen wie für das der Gemeinschaft nötig sind.Die an den ihr angestellten Geistlichen obliegt das Taufrecht,das Begräbnisrecht und der feste Pfarrsprengel. Nach Dersch (S 141) hatte das Archidiakonat über 500 (nach Classen nur 209,S 45)Pfarreien,die sich auf 38 sedes (Sitz einer Mutterkirche und die eines Erzpriesters) verteilten von denen manche fast 40 und manche nur eine Pfarrei umfassten.Nach der vorgestellten Gliederung gehörte Eifa also zum Erzbistum Mainz,wurde verwaltet durch das Archidiakonat St.Stephan in Mainz,gehörte weiter zum Dekanat der Kesterburg (Christenberg),wo auch die Mutterkirche (sedes) für unseren Raum erbaut worden war( vgl.Landau,Historisch-topographische Umschreibung …. S 377).Dazu zählten in der Umgebung Eifas noch die Pfarreien in Michelbach,Dautphe,Breidenbach,Schönstadt,Wetter,Bentreff;Battenfeld,Röddenau,Geismar,Frankenau,Vöhl,Bromskirchen Gemünden und Grüßen.Im Jahre 1577 wird Eifa noch zum Sendbezirk Kesterburg zugehörig und unter dem gleichnamigen Dekanat aufgeführt.

4.1.2 Kirchliche Zugehörigkeit

Eine eigene Pfarrei ist für Eifa erst nach Einführung der Reformation in 1577 und 1582 eingerichtet worden.Nach dem Wiederaufbau von 1503-1507 war das Dorf zunächst nach Holzhausen /Eder eingepfarrt. Irgenwann nach dem Wiederaufbau muß aber auch die erste Kirche in Eifa errichtet worden sein .Ein unmittelbarer Beleg dafür ist bisher nicht gefunden werden, doch die Tatsache,daß der Landgraf von Hessen im Jahre 1577 als Patron der Eifaer Kirche genannt wird( Reimer, S 107),gibt Gewissheit darüber,dass zwischenzeitlich eine Kirche in Eifa erbaut worden sein muß. Zum Patronat des Landgrafen über die Eiafer Kirche gehörte das Recht auf Mitwirkung bei der Besetzung der Kirchenpfründe,Nutzungs und Aufsichtsrechte über das Eigentum der Kirche und ggf.andere finanzielle Vorteile.Diese Kirche ist bis 1710 benutzt worden und wurde dann durch einen Neubau ersetzt. Im Jahre 1613 gehörte Eifa zur Pfarrei Dexbach. Seit 1710 gehört Eifa als Filial der Pfarrei von Frohnhausen an und wird von dort aus bis heute verwaltet. Nach Einführung der Reformation in Hessen auf der Homberger Synode in 1526 wurde die alte katholische Ordnung ganz aufgegeben und auf der Verwaltungsgliederung des Landes neu aufgebaut. Nach der hessischen Kirchenordnung von 1521 (1537 bestätigt) wurden in ganz Hessen sechs Superintendenturen eingerichtet, wobei die zu Marburg für das Inspektorat Battenberg mit Eifa (frühestens seit 1577, sicher nachgewiesen aber 1650) zuständig wurde. Die gesamthessische Kirche besand jedoch keine achtzig Jahre. Nach der Teilung des Landes unter den Erben des Landgrafen Philipp begannen sich in den einzelnen Landesteilen unterschiedliche religiöse Betrachtungsweisen herauszubilden.Während Hessen-Kassel zur reformierten Richtung wechselte, blieb Hessen-Darmstadt bei der Lehre Luthers. Die Teilung der Kirche erfolgte den politischen Veränderungen folgend in den Jahren 1604-1605 und Eifa und das übrige Hinterland werden in den nachfolgenden Jahrhunderten bis 1866 vom hessisch-darmstädtischen Gießen und dem dort 1608 eingerichteten Konsistorium aus verwaltet. Die Superintendenturen in Gießen, für Marburg und in Alsfeld wurden 1832 zur Verwaltung Oberhessens vereinigt. Unterhalb der Superintendenturen waren wie im Mittelalter weiter Dekanate eingerichtet.Dekanate bestanden bis 1822 in Biedenkopf und Battenberg. Dann wurde Biedenkopf mit Battenberg vereinigt und das Dekanat nach Battenberg benannt, 1838 der Vorgang jedoch rückgängig gemacht und nunmehr das gemeinsame Dekanat in Biedenkopf eingerichtet.Seit 1838 gehört die Kirchengemeinde Eifa zum Dekanat Biedenkopf. Eine weitere Änderung bewirkte das Jahr 1866.Nach dem siegreichen Krieg Preußens gegen Österreich und seine süddeutschen Verbäündeten musste das Großherzogtum Hessen –Darmstadt das hessische Hinterland an Preußen abtreten.Die Annektion hatte auch eine Neuzuordnung der Dekanate Biedenkopf und Gladenbach zur Folge. Sie wurden aus der Evangelischen Landeskirche in Hessen ausgegrenzt und der evangelischen Landeskirche Kirche in Nassau und Sitz in Wiesbaden zugeschlagen.Diese Zugehörigkeit währte bis zum 12.September 1933 .An diesem Tag vereinigten sich die Evangelischen Landeskirchen in Hessen,in Nassau und Frankfurt am Main unter dem Druck und in Gefolgschaft des Nationalsozialismus zur Evangelischen Landeskirche in Nassau –Hessen. Diese Fusion wurde nach dem zweiten Weltkrieg zunächst wieder aufgehoben, durch Beschluss einer gemeinsamen Synode der vorgenannten Landeskirchen am 30.09.1947 in Friedberg aber wieder hergestellt. Seit 1947 trägt unsere Kirche den Namen: Evangelische Kirche in Hessen und Nassau. Die Kirchengemeinde Eifa gehört seitdem mit der Pfarrei und dem Kirchspiel Frohnhausen (einschließlich Oberasphe) zum Dekanat Biedenkopf und auf der weiteren Verwaltungsstufe zur Propstei Nord-Nassau mit Sitz in Herborn.Die Landeskirche hat weiter ihren Sitz in Darmstadt.Sie wird im Unterschied zur Kirche von Kurhessen-Waldeck nicht von einem Landesbischof,sondern einem auf acht Jahre gewählten Kirchenpräsidenten geleitet.

4.1.3 Die Pfarrerliste seit 1507

Holzhäuser Pfarrer seit 1507:

Über die Wahrnehmung der seelsorgerischen Aufgaben des nach dem Brand neu aufgebauten Eifa war seit 1507 auf landesherrliche Anordnung die Pfarrei Holzhausen zuständig.Über diese Zeit und den Beziehungen zu Eifa hat der Holzhäuser Hans Jörg Peter in den Hatzfelder Heften ,4.Jahrgang ,Heft 7/8,,1993,S 59 f folgendes zusammengetragen,was wir hier ungekürzt wiedergeben.

„Zum erstenmal wird Holzhausen dann wieder in einer Schrift um 1538 erwähnt, wo gesagt wird, daß das Dorf lange Zeit wüst gelegen hat und vor etwa 30 Jahren wieder besiedelt wurde. Das fügt sich in die Berichte über den Wiederaufbau unseres Nachbarortes Eifa, der um 1503 mit Leuten aus Dexbach, Engelbach, Frohnhausen, Oberasphe besiedelt wurde. Aus dieser Zeit datieren dann auch Aufzeichnun- gen, nach denen Holzhausen Pfarrstelle war und das Dorf Eifa vom dortigen Pfarrer mit versorgt wurde. Das war in der damaligen Zeit ein schwieriges und für den Pfarrer lebensgefährliches Unterfangen. Der Pfarrer galt nämlich als Vertreter des Landesherrn, mit dem es die Burgherren von Hatzfeld gar nicht gut konnten, weil diese ebenfalls auf den Ort Eifa einen Anspruch erhoben. Da der Landsherr aber nun weit weg war, der Pfarrer aber ganz nah und außerdem ziemlich wehrlos, konnte es geschehen, daß des öfteren Überälle auf den Pfarrer erfolgten, wenn er auf dem Weg nach Eifa bzw. zurück nach Holzhausen war.

Da den Eifaern aber an den Besuchen des Pfarrers lag, organisierten sie bewaffnete Schutzmannschaften, die dem Pfarrer entgegengingen und ihn auf dem Weg begleiteten. Natürlich hatten aber auch die Hatzfelder ihre Spione in Eifa sitzen, die ihnen immer wieder wichtige Informationen über die Termine des Pfarrers in Eifa zukommen ließen.“ Ein Namensverzeichnis über diese ersten Pfarrer besitzen wir nicht.Nachdem aber Holzhausen als Filialgemeinde von Laisa im Jahre 1558 der Pfarrei Battenberg zugeschlagen worden ist, sind vier für Holzhausen zuständige Pfarrer bis 1615 namentlich aufgeführt:

o Pfarrer Georg Althaus von 1567-1574 o Pfarrer Gideon Fulder von 1580-1597 o Pfarrer Eberhard Fulder von 1597-1606.

     Wurde1606 seines Amtes enthoben,weil er als Lutheraner sich weigerte zum
     Calvinismus zu wechseln.Nach dem Hessischen Einigkeitsvertrag von 1604 war 
     das Hinterland vorübergehend an die Landgrafschaft Kassel angeschlossen.Dort 
     war in dieser Zeit Landgraf Moritz ein strenger Calvinist der Regent,der seine
     „Verbesserungspunkte“,die Einführung des reformierten Bekenntnisses auch in
     den Kirchen der neu erworbenen hessischen Gebiete durchsetzen wollte. Böttcher

o Pfarrer Johannes Holker von 1606-1613

Ob diese Pfarrer ihre Aufgaben auch in Eifa wahrgenommen haben, entzieht sich derzeit noch unserer Kenntnis.

Dexbächer Pfarrer seit 1613

Zu der Pfarrei Dexbach gehört seit dem Mittelalter auch die Nachbargemeinde Engelbach und die entsiedelten Weiler Pferdsbach und Albertshausen.Warum die Eifaer im Jahre 1613 nach Dexbach eingepfarrt wurden bedarf noch der Forschung.

o Pfarrer Wendelin Müller(latinisiert Molitor)aus Battenberg von 1613-1624.

     Wurde 1624 aus dem Pfarrdienst entlassen, weil er als Calvinist nicht wieder 
     zur lutherischen Kirche zurückkehren wollte.Die Landgrafschaft Hessen – 
     Darmstadt hatte das Land an Lahn und Eder zwischen 1622-1624 besetzt und  
     den alten Glauben wieder eingeführt. Böttcher

o Pfarrer Philipp Müller(latinisiert Molitor) aus Battenberg von 1624-1627

o Pfarrer Valentin Pistorius aus Fritzlar von 1627-1633

o Pfarrer Bartholomäus Rußdorfius aus Marburg

o Pfarrer Adam Wild aus Münzenberg


Frohnhäuser Pfarrer seit 1710:

o Pfarrer Justus Konrad Baltz aus Frankenberg von 1705-1762

o Pfarrer Johann Christoph Baltz,Sohn des Vorgenannten und aus Frohnhausen von 1762-1773

o Pfarrer Johann Kaspar Beisenherz aus Biedenkopf von 1773-1801

o Pfarrer Georg Philipp Röder aus Reiskirchen von 1802-1830

o Pfarrer Wilhelm Bichmann aus Rodheim von 1831-1839

o Pfarrer Johann Heinrich Gries aus Offenbach von 1840-1850

o Pfarrer Ludwig Kröll aus Bingenheim von 1850-1889

o Pfarrer Erwin Gros aus Okriftel von 1889-1891

o Pfarrer Theodor Heckenroth aus Herborn von 1891-1892

o Pfarrer Wilhelm Färber aus Breidenbach von 1892-1905

o Pfarrer Karl-Wilhelm-Heinrich Hahn aus Hirzenhain von 1905-1925

o Pfarrer Wilhelm Schild von 1925-1928

o Pfarrer Hermann Traugott Culemann ,geboren auf Sumatra,von 1929-1946

o Pfarrer Engel von 1946-1948

o Pfarrer Zimmer von 1948-1949

o Pfarrer Ernst Walter von1949-1965

o Pfarrer Klaus Schimmel aus Frankfurt von 1965-1967

o Pfarrer Peter Uecker von 1967 -1998

o Pfarrer Frank Kopania von 1998-2008


Zu Herkunft, Bildungsstand, Charakter und Eifer bei der Ausübung des geistlichen Auftrags können wir über die Frohnhäuser Pfarrer aus dem Frohnhäuser Dorfbuch von 2008 folgende Bemerkungen entnehmen (Seite 350 ff): Der erste für Eifa zuständige Pfarrer, Justus Konrad Baltz, war ein „wohlgelahrter“Pfarrer, der wegen seiner Bildung,seinem guten Lebenswandel und seinen eindringlichen Predigten, eine merkliche Verbesserung in das Christentum eingeführt habe.Allerdings war er trotzdem wiederholt in Streitigkeiten mit Gemeindemitgliedern verwickelt,wobei in einem Einzelfall, sein Kontrahent ,der Schöffe Johann Henrich Meckel, zu 7 Albus und 4 Heller Geldstrafe verurteilt worden ist.

In seine Amtszeit fiel auch die Angliederung des Vikariate Eifa an die Pfarrei Frohnhausen im Jahre 1710,wobei er diesen Vorgang von Anfang an tatkräftig unterstützt haben muß.Als im Jahre 1706 die Gemeinde Eifa sich an das Konsistorium in Giessen wandte und die kirchliche Abtrennung von der Mutterkirche Dexbach beantragte,hat er diesen Antrag gutgeheißen und seine Bereitschaft zur Übernahme der seelsorgerischen Aufgaben für die Gemeinde Eifa erklärt.Dies geschah wohl nicht nur aus christlicher Uneigennützigkeit ,denn mit Vergrößerung der Frohnhäuser Pfarrei war auch eine Vermehrung seiner Pfründe verbunden.Aus der gleichen Interessenslage heraus,hat der Dexbächer Pfarrer Adam Wild wegen der drohenden Schmälerung seiner Einkünfte daher dem Antrag widersprochen.

Auf den älteren Baltz folgte als Nachfolger sein Sohn Johann Christoph Baltz.Dieser war in Frohnhausen Aufgewachsen und hatte zuletzt seinem betagten Pfarrer bei seinen geistlichen Aufgaben unterstützt.Von ihm wird behauptet,er sei ein würdiger Nachfolger seines Vaters geworden und habe viel Gutes für seine Herde getan und noch stiften wollen,bevor er jedoch bereits in seinem 52.Lebensjahr verstarb.Der Abschied der Gemeine am Grab von Pfarrer Baltz war tränenreich.Allgemein wurde sein früher Tod als großer Verlust für die Gemeine betrachtet.

Der nächste Pfarrer, Johann Kaspar Beisenherz,stammte aus Biedenkopf.Nach seiner Immatrikulation in Gießen im Jahre 1759 hatte er zunächst seinen Schwiegervater,Pfarrer Johann Daniel Hast ,in Dexbach unterstützt,bevor er 1773 nach Frohnhausen kam.Ihm wurde nachgeagt,er sei ein rechtschaffener und gut denkender Geistlicher und ein außerordentlich fürsorglicher Erzieher seiner acht Kinder gewesen.Auch habe er sich wohltätig gegenüber den Geschwistern seiner Ehefrau erwiesen und diese ,so gut er konnte,unterstützt.Allerdings hatte bei dem geringen Einkommen der damaligen Pfarrer,die so praktizierte Wohltätigkeit den Nachteil,dass nach seinem Tod im im 60.Lebensjahr die Familie fast mittellos geworden war und nun selbst auf die Wohltätigkeit und Unterstütung der Gemeine angewiesen war.Seinen Kindern blieb nur noch ein ganz geringes Vermögen aus der Erbschaft einer verwitweten Tante in Darmstadt.

Nachfolger von Johann Kaspar Beisenherz wurde nicht wie erwartet sein ältester Sohn der ebenfalls Theolge geworden ist ,sondern der Reiskirchener Georg Philipp Röder,dass er fast drei Jahrzehnte in Frohnhausen tätig war ,aber in der zweiten Lebenshälfte eine schwere Krankheit durchzustehen hatte,die ihn veranlasste,sich in seinem Todesjahr an den Landrat in Battenberg mit der Bitte zu wenden,ihm zu seiner Unterstützung einen Vikar beizuordnen und auch den Ofen in seinem Pfarrhaus zu versetzen ,damit die verbundene Feuersgefahr damit verringert würde.Seinen Bitten konnte nicht mehr entsprochen werden.Er starb bereits einige Monate später am 24.11.1830.Aus der Amtszeit Röders liegt uns erfreulicherweise ein in den Hinterländer Geschichtsblättern (8.Jahrgang, Heft Nr.7 vom 11.Juli 1914) abgedruckten Besoldungsnachweis der im Amt Battenberg tätigen Pfarrer, Kastenmeister und Schullehrer vor.

Das Jahreseinkommen von Pfarrer Röder speiste sich aus mehreren Quellen.

o An barem Geld erhielt er von der Gemeinde Eifa 31 fl (= Florentiner Gulden) und aus dem Kirchkasten weitere 13 fl.

o An Naturalien: Von der gnädigsten Herrschaft 2 Malter Korn ( 1 Malter= 128,01 Liter) und 2 Malter Hafer,von der Gemeinde Eifa 23,1/4 Malter Hafer,aus dem Kirchkasten 2,1/2 Malter Korn und 2,1/2 Malter Hafer,von den Pfarrlehen 10,1/2 Malter Hafer,6 Stück Gänse,9 Stück Hühner und 20 Stück Hähnen

o An Emolumenten (Nebeneinkünfte) und Akzidenzien (Nur gelegentlich anfallende Nebeneinkünfte für einzelne Amtshandlungen zB Taufe, Hochzeit, Beerdigungen und dgl. Zum Umfang ,siehe Janz,S 344)):

     Das Wohnrecht im Pfarrhaus und das Nutzungsrecht am Garten wird mit jährlich
     30 fl veranschlagt, die Nutzrechte an 36 Morgen (1 Frankfurter Morgen = 2025qm)
     Ackerland werden mit 158 Gulden , an 19 Morgen Wiesen auf denen  20 Wagen
     Heu gemacht werden können mit 164 Gulden und einem weiteren Garten mit 
     einem Morgen  auf  21 Gulden festgesetzt .Der Pfarrer erhält weiter 4 Klafter 
     (1 Klafter ~ 3 Festmeter) Brennholz von der Gemeinde,vier mastfreie Schweine 
     und zusätzlich noch einmal 40 fl aus dem Kirchspiel.

In dem zitierten Besoldungsnachweis werden weiter die Einkünfte des Eifer Kastenmeisters Jost Hallenberger mit 30 Kronen und die des Schullehrers Hainbach mit jährlich 25 Gulden beziffert.

Aus Rodheim kam der nächste Pfarrer.Wilhelm Bichmann war Sohn eines Schulmeisters und galt als wohlhabend, weil sein mitgebrachter Hausrat so umfangreich gewesen sein soll, daß drei Transportfahrten von Frohnhausen nach Ober-Ofleiden nötig wurden um ihn zu seinem neuen Aufenthaltsort zu verbringen. Bichmann war vor seinem Amtsantritt Rektor an der Schule in Ober-Ofleiden gewesen.Allerdings zeigte Bichmann früh Heimweh nach seiner oberhessischen Heimat.Er bewarb sich bereits 1835 erfolglos auf eine Pfarrstelle in Großen-Buseck und konnte dann 1839 auf die zweite Pfarrstelle in Butzbach wechseln,bevor er 1841 wiederum nach Lich als Pfarrer berufen wurde.Ihn hätten die Frohhäuser nach dem Wunsch „der mersten Mitglieder des Kirchspiels “gerne behalten,aber Bichmann bestand auch aus finanziellen Gründen auf einem Wechsel in seine reichere alte Heimat. Im Jahre 1840 folgte auf Bichmann Pfarrer Johann Heinrich Gries aus Offenbach.Der Sohn eines Schuhmachermeisters erregte zunächst Unwillen beim Biedenköpfer Kreisrat ( seit 1832) ,nachdem er sich dort darüber beschwert hatte ,dass die künftig von ihm betreuten Gemeinden sich geweigert hatten ,ihm die vollen Kosten für den Umzug nach Frohnhausen zu erstatten.Ansonsten wird über ihn wenig berichtet.Er blieb 10 Jahre in Frohnhausen und wechselte 1850 auf eine Pfarrstelle in Biedenkopf ,wo er bis 1864 wirkte. Von 1850-1889 hatte die Pfarrerstelle Ludwig Kröll inne.Er galt bei seinen Vorgesetzten als Quergeist und war auch in der Gemeinde umstritten.Fast zwei Doppelseiten ihres Werkes gönnen die Frohnhäuser Chronisten dieser besonderen Persönlichkeit.

Zunächst muß zum Wirken von Pfarrer Kröll positiv hervorgehoben werden, daß er sich ab 1858 der Mühe unterzog, eine Pfarreichronik für das Pfarramt Frohnhausen zu beginnen und fortzuführen. Diese ist auch heute noch in Gebrauch und ihr sind die nachfolgenden Ausführungen entnommen.Zwischen Pfarrer Kröll und der Gemeinde bestanden wohl schon kurz nach Amtsantritt Unterschiede in der konfessionellen Auffassung.Worin diese genau bestanden ,lässt sich dem Beitrag nicht entnehmen,aber es kam darüber zum offenen Streit als nach der Abtretung des Hessischen Hinterlandes an das siegreiche Preußen im Herbst 1866 auch hier die kirchliche Union zwischen Lutheranern und Reformierten eingeführt werden sollte.Diese verlangte die evangelische Bekenntniseinheit,die Einheit der Liturgie und der Kirchenverfassung.Dagegen wehrte sich nicht nur das Gesamte Kirchspiel,sondern fast alle Kirchengemeinden des Hinterlandes.Man wollte der lutherischen Kirche treu bleiben und vertrat diesen Wunsch auch mehrfach ggü. dem Preußischen König in seiner Eigenschaft als obersten Kirchenherren ( summus episcopus).Der Streit eskalierte schließlich in der Weigerung der Teilnahme an den von Pfarrer Kröll abgehaltenen Gottersdiensten.Besonders in Frohnhausen und Oberasphe wurde hartnäckig Widerstand geleistet,während in Eifa der Streit schon 1866 wieder beigelegt war und die Gemeinde wieder zum Gottesdienst kam.Fünf Jahre dauerte der Streit zwischen Pfarrer Kröll und den Frohnhäusern.Diese beantragten sogar die Versetzung ihres ungeliebten Pfarrers ,während dieser sich wehrte, indem er 1868 beim Landrat in Biedenkopf beantragte ,die bei der letzten Kirchenvorstandswahlen gewählten Mitglieder durch ihm willfährige andere Männer der Gemeinde zu ersetzen. Der Landrat entsprach allerdings nicht diesem Antrag ,sondern beschied Pfarrer Kröll mit der Weisung ,er solle doch weiter mit dem gewählten Kirchenvorstand zusammenarbeiten.Nachdem der offene Streit dann 1871 beendet werden konnte,blieb Pfarrer Kröll noch 18 Jahre in seinem Amte,bis er wegen mangelnder Sehkraft und auf eigenen Wunsch in 1889 in den Ruhestand versetzt wurde.

Am 08.08.1889 ernannte das nunmehr zuständig gewordene Konsistorium der Nassauischen Kirche in Wiesbaden, den aus Okriftel stammenden Erwin Groß zum neuen Pfarrvikar in Frohnhausen.Der neubestellte Vikar ,erhielt ,wie es sich in Preußen durchgesetzt hatte,nunmehr ein festes Diensteinkommen von 1200 Mark jährlich und freie Wohnung Dienstwohnung im Pfarrhaus und wohl auch die Nutzungsrechte an den Hausgärten.

Ab 1898 gab es in Preußen übrigens eine einheitliche Pfarrerbesoldung. Die Regulierung der Pfarrgehälter von 1898 brachte der Mehrzahl der Pfarrer deutliche Einkommensverbesserungen .So näherte sich das Gehalt der preußischen Kirchenbeamten ( Pfarrer) dem Besoldungsniveau der Akademiker im Staatsdienst stärker an als bisher (Siehe Janz ,S 379),erreichte dieses jedoch nicht.Das Anfangsgehalt eines Pfarreres lag um 1900 mit 1800 Mark immer noch deutlich unter dem von Oberlehrern (2700 Mark),Richtern( 3000 Mark) oder Regierungsräten (4200 Mark).

Pfarrer Groß blieb nicht lange in Frohnhausen.Bereits 1891 erfolgte seine Versetzung nach Hartenrod.Für eine wiederum nur kurze Zwischenzeit folgte ihm Pfarrer Ludwig Georg Theodor Heckenroth, bevor dann der Pfarramtskandidat Wilhelm Färber aus Sinn zum Pfarrvikar mit dem Dienstcharakter eines Pfarrers vom Wiesbadener Konsistorium ernannt wurde.Pfarrer Färber blieb bis 1905 in Frohnhausen und wurde später in seinem neuen Amt zum Dekan ernannt.

Auf Pfarrer Färber folgte der Hirzenhainer Wilhelm Heinrich Hahn,ein bei der Bevölkerund sehr beliebter, bodenständiger Theologe.Er blieb bis 1925 in Frohnhausen und war einer der ersten, die nach der Schule ihren Militärdienst als „einjährig Freiwilliger“ abgeleistet hatten,bevor sie sich zum Theologen ausbilden ließen. Nur drei Jahre währte die Amtszeit seines Nachfolgers Pfarrer Wilhelm Schild.Schon zum 01.09.1928 verließ er Frohnhausen wieder, weil er auf diesen Tag von der Regierung der Landeskirche in Wiesbaden zum Pfarrer in Wallau (im Ländche) bei Wiesbaden ernannt wurde.

Der nächste Pfarrer in Frohnhausen hatte eine bewegte Jugend hinter sich und ab 1933 einen besonders schwierige Aufgabe.Pfarrer Hermann Traugott Culemann war 1894 alsSohn eines Missionars im indonesischen Sumatra geboren und nach dem Tode seines Vaters mit der Mutter nach Deutschland zurückgekehrt.Nach der Vakanz, die mit der Versetzung von Pfarrer Schild eingetreten war ,konnte Pfarrer Culemann zunächst 1929 als Vikar und ab dem 01.01.1930 endgültig sein neues Amt in Frohnhausen antreten.Im Konfirmanden – und Religionsunterricht konnte Herr Culemann in notwendigen Fällen durchaus streng sein,über seine Beziehungen zu den ab 1933 herrschenden Nationalsozialisten und ihrer Stellung zu Kirche und Religion urteilen die Frohnhäuser Chronisten jedoch vorsichtig und zurückhaltender.Behauptet wird,Pfarrer Culemann habe anfangs der „Bekennenden Kirche“ nahegestanden, mit zunehmender Dauer der politischen Herrschaft durch die NSDAP,sich aber immer mehr von dieser zurückgezogen.Die „Bekennende Kirche“ wurde Ende Mai 1934 in Wuppertal-Barmen als Reaktion, auf die im Juli 1933 gegründete und von den Nationalsozialisten beeinflussten Deutschen Evangelischen Kirche ins Leben gerufen.Ihr theologisches Fundament war die sogenannte „Barmer Theologische Erklärung“,die Jesus Christus als einzigen Glaubensgrund der Kirche gegen fremde Kriterien und Instanzen stellte und damit auch den Totalitätsanspruch des Staates und die Vereinnahmung des Evangeliums für sachfremde politische Gründe zurückwies.Die nach dem Krieg bekanntesten Mitglieder der „ Bekennenden Kirche“ wurden der Pfarrer Martin Niemöller und der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann.

Die Pfarrer der „Bekennenden Kirche“ blieben in vielen Landeskirchen aber weiterhin offizielle Beamte der Deutschen Evangelichen Kirche. Eine einheitliche Opposition gegen das NS-Regime bildete die „ Bekennende Kirche“ nicht, im Gegenteil: Große Teile der bekennenden Christen blieben dem „Führerstaat “ treu und bejahten den Zweiten Weltkrieg.

Ob Pfarrer Culemann zu der letztgenannten Gruppe gehört hat, wissen wir nicht.Sein Verhalten gleicht jedoch vielen anderen Pfarrern. .Zunächst, den veränderten politischen Verhältnissen gegenüber skeptisch und distanziert, hat er sich bis 1938 doch zunehmend von der „ Bekennenden Kirche“ zurückgezogen. Als 1938 ein Aufruf an ihn erging ,er möge sich mehr als bisher engagieren,hat er darauf nicht mehr reagiert und seinen Beitrag zum Pfarrernotopfer von monatlich 4 RM mit einer Sonderzahlung am 10.09.1938 über 10 RM eingestellt. Offizieller Parteigänger scheint Culemann jedoch nicht geworden zu sein.Im Jahre 1943 widersetzt er sich dem Ansinnen des örtlichen Einheitsführers der HJ ,den für den Konfirmandenunterricht notwendigen Raum in der neuen Schule der HJ zur Verfügung zu stellen.Dabei wird er von Bürgermeister Becker unterstützt und erreicht mit dem NS-Zellenleiter Heinrich Freiling einen „ für die Belange der Kirche gangbaren Kompromiß“.

Im Jahre 1946 erkrankte Pfarrer Culemann ernstlich und dauerhaft,so dass er bereits im gleichen Jahr von Pfarrer Engel bis 1948 vertreten werden musste ,ehe dieser von Pfarrer Zimmer abgelöst werden konnte.Erst mit Pfarrer Ernst Walter, der 1949 sein Amt antrat,kehrte wieder Beständigkeit in die Seelsorge ein .Pfarrer Walter war Vorstand eines lebhaften Hauses,vier Töchter und ein Sohn sorgten für die nötige Unterhaltung zu Hause. Walter blieb bis 1965 in Frohnhausen,ihm folgte Pfarrer Klaus Schimmel,danach Pfarrer Peter Uecker und schließlich Pfarrer Frank Kopania.An Pfarrer Walter dürften die Älteren noch gute Erinnerungen haben,mit Pfarrer Schimmel kam ein Großstadtgewächs ins Kirchspiel, der mit modernen Ansichten und natürlichem Auftreten sich schnell Anerkennung erwarb,mit Pfarrer Peter Uecker wieder ein konservativer Charakter und mit Pfarrer Kopania eine Persönlichkeit ,die offen und ohne Autoritätsanspruch ihr kirchliches Amt ausübte.

4.1.4. Die lutherische Kirche zu Eifa

Von Armin Sieburg

Aus den Hatzfelder Heften weiss man von mündlichen Überlieferungen, dass in den Jahren 1705 - 1706 ein schrecklich kalter Winter herrschte. Die Ernte konnte nicht mehr rechtzeitig eingebracht werden und im nächsten Frühjahr waren alle Früchte verdorben. Bereits im September lag meterhoch der Schnee und es war den Eifaer Bürgern nicht mehr möglich, sich noch rechtzeitig mit Brennholz aus den Wäldern zu versorgen. Deshalb musste in diesem Winter alles Entbehrliche verheizt werden. Um nicht zu erfrieren, wurde teilweise auch die Kircheneinrichtung verbrannt.

Im Jahre 1711 wurde eine neue Kirche erbaut, die so 200 Jahre genutzt wurde. Die Kirche zu Eifa Wilhelm Classen erwähnt in seiner Arbeit über die kirchliche Organisation Althessens im Mittelalter die Zugehörigkeit des Gerichtes Eifa zum Sendbezik Kesterburg (Christenberg).Zunächst war Eifa nach Holzhausen eingepfarrt, wird dann aber 1577 und 1582 als eigene Pfarrei bezeichnet,deren Pfarrer uns aber nicht bekannt sind. Auch Oskar Hüttenroth und Hilmar Mildbrand können uns in ihrer Veröffentlichung "Die althessischen Pfarrer der Reformationszeit" keine näheren Angaben machen. Classen erwähnt noch die Zugehörigkeit Eifas zur Pfarrei Dexbach im Jahre 1613. In der Beschreibung des Großherzogtums Hessen von Georg Wilhelm Wagner aus dem Jahre 1830 wird Eifa ebenfalls als evangelisches Filialdorf, das zwei Stunden von Battenberg entfernt liegt, bezeichnet.

Die Eifer Kirchbücher liegen in Frohnhausen bei Battenberg.Es gibt 2 Bände:

Band I umfasst die Zeit von 1638-1810,Band II die Zeit von 1655-1710.Die Einträge beider Bände haben Lücken und überschneiden sich zum Teil ab 1638,es fehlen die Jahre 1639-1644,1659-1660.Trauungen werden seit 1663 erwähnt, Konfirmationen und Totenliste ab 1655 geführt,Die Abendmahle werden ab 1654 und die Begräbnisse seit 1799 wiedergegeben. Die Kirchbücher enthalten weiter Aufzeichnungen über Ereignisse dere Ortsgeschichte in den Jahren 1713-1715, zu 1759 und für 1769.

Frühere Einträge befinden sich auch noch im Kirchenbuch Für Frohnhausen insbesondere zu den Jahren 1650-1730 (Band I) und 1706-1807 (Band II).

Werfen wir nun einen Blick auf die nur spärliche Aktenüberlieferung im Staatsarchiv Marburg zur geschichtlichen Entwicklung von Kirche und Kirchwesen in Eifa.

Diese setzt erst mit dem Jahre 1706 ein. Am 23. November wendet sich die Gemeinde Eifa an das Konsistorium zu Gießen mit der Bitte um kirchliche Abtrennung von der Mutterkirche in Dexbach, auch Pfarrer Baltz aus Frohnhausen würde diesen Vorschlag gutheißen. Die Gemeinde Eifa begründet diesen Schritt damit, daß sie von allen Gemeinden des Amtes Battenberg den weitesten und aber auch den beschwerlichsten Weg zum Gottesdienst habe, und dieser Weg auch noch für ältere Leute körperlich sehr anstrengend sei, da er einmal bergauf, einmal bergab gehe.

Gegen dieses Vorhaben wendet sich mit aller Entschiedenheit Pfarrer Wild aus Dexbach, zumal die Eingabe der Gemeinde Eifa ohne sein Wissen erfolgt sei. Außerdem begründet Pfarrer Wild seine Ablehnung damit, daß die Eifaer finanziell gar nicht im imstande seien, sich einen eigenen Pfarrer zu leisten. Interessant ist auch die Behauptung, die Bevölkerung von Eifa suche offenbar einen milden Pfarrer, da er wohl zu scharf und zu streng mit den Gläubigen umgehe.

Eine Entscheidung ließ offenbar sehr lange auf sich warten, denn noch im September 1709 reicht die Gemeinde Eifa eine neue Eingabe bei dem Konsistorium ein. Pfarrer Wild wird dann aufgefordert, ein Verzeichnis der Eifaer Bürger zu erstellen, die im Besitz von Kirchenland sind. Mit Bericht vom 29. Januar 1710 teilt Landgraf Ernst Ludwig dem Konsistorium in Gießen mit, daß er den Vorstellungen der Eifaer Bevölkerung entspreche und bereit sei, Eifa kirchlich von Dexbach abzutrennen. Ein eigener Pfarrer würde allerdings nicht bewilligt, vielmehr kam Eifa von nun ab zur Pfarrgemeinde nach Frohnhausen, deren Pfarrer allerdings Gottesdienst und andere kirchliche Handlungen auch in Eifa abzuhalten habe.

Eifa wird jetzt Filial von Frohnhausen. Aus dem frühen 18. Jahrhundert liegt auch ein umfangreicher Schriftwechsel vor, in dem es über den Bau einer neuen Kirche in Eifa geht. aber auch über von der Gemeinde Eifa zu entrichtender Zahlungen zur Unterhaltung der Kirche und der Pfarrgebäude zu Frohnhausen. Amtsverweser Rube berichtet am 3. September 1705 dem Konsistorium zu Gießen, daß Eifa eine neue Kirche bauen müsse, da die alte von Grund auf baufällig sei und " man seines Lebens darinnen nicht mehr sicher sei". Gleichzeitig teilt die Amtsverwaltung mit, daß der Kirchenkasten in Eifa derart arm sei, trotz des Fleißes der Bevölkerung, daß er wohl kaum einen Neubau finanzieren könne und wohl eine landesweite Kollekte durchgeführt werden müsse. Zur Begründung für die Armut wird auch darauf hingewiesen, daß der Ort in den letzten 60 Jahren zweimal abgebrannt sei. Das Konsitorium stimmt der Durchführung einer allgemeinen Sammlung zu, doch ist nicht mit Sicherheit auszumachen, ob eine neue Kirche gebaut oder die alte nur repariert wurde. Der schriftwechsel aus dem Ende des 18. Jahrhunderts gibt uns einen Überblick über die wirtschaftliche Lage des Ortes nach dem Siebenjährigen Krieg, denn erneut bittet Eifa um Durchführung einer Sammlung, da der Kirchbau sie wieder in einem sehr schadhaften Zustand befinde. Kosten könnte keine übernommen werden, da die Gemeinde völlig verarmt sei. Erneut kommt es auch gleichzeitig zu Streitigkeiten mit der Pfarrgemeinde Frohnhausen, da diese den vierten Teil aller Baukosten an Kirche und Pfarrhaus zu Frohnhausen auf die Gemeinde Eifa übertragen möchte und sich auf die Verfügung des Ministeriums in Darmstadt vom 7.Januar 1721 beruft, mit der Eifa bei 10 Gulden Strafe eine solche Beteiligung angeordnet wurde. In einem aus dem Jahre 1805 stammenden Verzeichnis über die geistlichen Gebäude in der Pfarrei Frohnhausen wird auch die Kirche zu Eifa wie folgt beschrieben: "wird von der dasigen Gemeinde gebaut und unterhalten. Ist von Holz gebaut und im guten Stand am Ende des Dorfes gelegen. Das Schiff ist mit einem alten schadhaften Dach mit Ziegeln gedeckt und auf demselben ein kleines Türmchen, ebenfals von Holzaufgeführt. Auf demselben befinden sich zwei kleine Glocken. Zu dieser Kirche gehöhrt nur eine Tür mit Holz.

In der Kirche sind 5 Fenster, theils große, theils kleine, ein gut gemauerter Altar, ein Taufstein, eine Kanzel aus Eichenholz.Im sogenannten Chor sind 4 Bänke, auf welcher der Schultheiß, Kirchenälteste, Kastenmeister und Schullehrer ihre Sitze haben.

Es gibt noch eine Bank für den Pfarrer und zwei Bänke für die Schüler. In dem ersten Teil der Kirche sind 9 Weiberstühle mit 9 Bänken versehen. Eine Treppe führt auf die Emphorbühne, deren zwei sind, und auf derselbigen befinden sich drei Bänke für die Männer".

In diesem vom Schultheißen, Briel aufgestellten Bericht erfahren wir zum erstenmal von einem recht guten und ansehnlichen Zustand der Kirche. Offenbar konnten die Reparaturarbeiten Ende des 18. Jahrhunders durchgeführt werden. Dieses ganz ausführliche Verzeichnis führt auch alle den Kirchen zu Frohnhausen, Eifa und Oberasphe zustehenden Ländereien auf, die jedoch aus Platzmangel hier nicht erwähnt werden können.

Bei einer am 7. Juni 1834 durchgeführten Kirchenvisitation in der Pfarrei Frohnhausen wird auch auf die Spannung zwischen den Eifaer Bewohnern mit der Pfarrgemeinde Frohnhausen ausführlich eingegangen, die in erster Linie wegen des verweigerten Abendmahl - Gottesdienstes in der Kirche zu Eifa durch den Frohnhäuser Pfarrer am jeweils 1. Feiertag ( Oster, Pfingsten, oder Weihnachten) entstanden waren. Die Eifaer Bevölkerung wird zur Besonnenheit und Nachsicht ermahnt. Aufgrund der noch immer nicht geklärten Auseinandersetzungen über die Beteiligung Eifas an der Unterhaltung der Kirchengebäude in Frohnhausen kam es Mitte des vorigen Jahrhunders zu einer Zuspitzung der Spannungen. Eifa versuchte erneut, Sitz einer eigenen Pfarrei zu werden, was jedoch abgelehnt wurde. Mit der Entscheidung gab sich die Bevölkerung Eifas aber offensichtlich nicht zufrieden. Pfarrer Kröll aus Frohnhausen versuchte des öfteren Gottesdienst in Eifa zu halten, doch blieb die Kirche verschlossen. Die Bewohner hatten die Teilnahme verweigert. Nach langwierigen Verhandlungen, an der die höchsten Kirchenbehörden des Landes Beteiligt waren, kam es zu Beilegung des Streites.

Eifa hatte man schon zugesagt, einen Teil der Baukosten zu erlassen. Schon im nächsten Schreiben berichtet Pfarrer Kröll von einem sehr guten Gottesdienstbesuch in Eifa. Aufsässigkeit und Halsstarrigkeit hatten hier offenbar zum Erfolg geführt.

Auch nach der Abtretung des Hinterlandes durch das Großherzogtum Hessen an Preußen im Jahre 1866 blieben die Auseinandersetzungen auf kirchlichem Gebiete zwischen der Filialgemeinde Eifa und der Pfarrgemeinde Frohnhausen bestehen, zumindest geben uns die im Staatsarchiv Marburg aufbewahrtenAkten aus dem Jahr 1866 bis zum Beginn dieses Jahrhunderts darüber Auskunft.

Über den Bau der Kirche im Jahre 1911 gibt es dagegen im Staatsarchiv keine archivalische Überlieferung. Wir müssen uns hier auf die im Handbuch des Hessischen Heimatbundes für den Kreis Frankenberg gemachten Angaben verlassen. Zu erwähnen ist noch, daß die kirchliche Verwaltung den 1932 vollzogenen Schritt der Eingliederung des alten Battenberg, zu dem Eifa ja jahrhundertelang gehörte, in den Kreis Frankenberg nicht mitging. Kirchlich gehört dieser Raum noch heute zur Landeskirche für Hessen und Nassau.

4.1.5. Kruzifix und neue Glocke

von Pfarrer a.D Uecker, Frohnhausen

Zu dem schönen und faktenreichen Bericht von Herrn Armin Sieburg möchte ich aus dem Gedächtnis noch einige Hinweise hinzufügen. Es gibt für Eifa zwei alte Kirchenbücher. Das eine Kirchenbuch umfaßt die Jahre 1655 - 1710, und das andere Kirchenbuch die Jahre 1710 - 1810, wobei im letzteren Kirchenbuch die Taufeintragungen von 1638 durch Pfarrer Baltz (auch Balz geschrieben) nachgetragen wurden.

Das große Altarkreuz in der Kirche Eifa ist von besonderem Wert. Die Kirchen in Frohnhausen und in Oberasphe haben ein solches Kreuz nicht vorzuweisen. Ich denke, allein diese Tatsache ist schon interessant, sowohl unter dem Gesichtspunkt, warum haben jene Dörfer ein Kruzifix und warum hat Eifa ein solches wertvolles Kruzifix. Wer hat es angeschafft, wer konnte es bezahlen? Dieses Kreuz ist einst vom Restaurator, Herrn Meffert, als das ehemalige Parallelkreuz zu dem Kruzifix in der Kirche Hatzfeld eingestuft worden. Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang auch sich mit den älteren Bürgern in Eifa an den "Totenweg" nach Hatzfeld erinnern. Zu bedauern ist in diesem Zusammenhange, daß bei der Renovierung 1964 / 1965 ein weiteres, bis dahin vorhandenes kleines Kreuz, hängend am Hauptstützpfeiler (der Nagel ist noch da!) einem nicht mehr namentlich ausfindig zu machenden Restaurator zur Restauration übergeben wurde, leider ohne Belege, und darum verloren ging. Die frühen Konfirmandinnen und Konfirmanden haben die Erinnerung, daß sie bei der Konfirmation darauf geblickt haben. Was hätte dieses Kreuz über die Geschichte der Kirche noch erzählen können! Nun zur Glocke. Im Kirchturm hängt eine alte Glocke. Sie ist "angeschlagen", aber mit ihr wird immer noch geläutet. Nach einer Zuschrift heißt es über diese Glocke:

"Zweite Glocke. 0,53 Dm, 90 Kg. Inschrift am Halse: domine in diebus nostris da pacem. anno du XV III III (1506).

Der Charakter der gotischen Minuskelschrift und das gleiche Gussjahr mit der ersten Glocke zu Battenberg, das nur 1 ½ Wegstunden von Eifa liegt, lässt für diese Glocke den gleichen Gießer, Hans Kortrog von Homberg, annehmen. Richtig ist in dieser Zuschrift die Inschrift, und zwar so: domine in diebus nostris * ...anno dui + (nicht ganz leserlich) * da pacem* (deutsch: Herr, in unseren Tagen... im Jahr ... gib Frieden). Fragen der Phantasie: Wer hat die Glocke angeschafft und bezahlt? Ist die Glocke wirklich so alt? Wenn ja, dann ist sie vermutlich der älteste Gegenstand in der Kirche, ... und sie läutet immer noch !!!

Dazu die folgende Story, die mir nicht in Eifa erzählt wurde, aber gut passt und schön ist. Im Kriege waren Glocken bis auf eine "geopfert", sprich: konfisziert worden. Nun fehlten sie. Eine Neuanschaffung nach dem Kriege war nicht bezahlbar, sondern nur ertauschbar. Also machten sich der damalige Kirchenvorsteher Karl Lange und wahrscheinlich andere auf den Weg in die Glockengießerei nach Sinn. Holz war neben Geld Zahlungsmittel. Karl Lange stiftete sein Deputartholz, wahrscheinlich andere auch. Die Glocken kamen, und weil der Pfarrer Bechthold, damals auch für Holzhausen zuständig, dort ebenfalls fehlende Glocken bemängelte, erkundigte er sich nach dem Rezept in Eifa. Er nannte dann diese Glocken in Eifa scherzhaft die " Holzglocken von Eifa ", und Karl Lange bekam den Namen Holzglockenkarl.

Verbürg ist, daß diese Glocken festlich eingeholt wurden und zur Konfirmation 1947 das erste Mal läuten sollten, feierlich !!!

Nun ja, es klappte nicht. Aber am 8. Tage später gab es das Geläut zu "Ehre Gottes" (Glockeninschrift) und zur Freude und zur Andacht der Menschen in Eifa. Nun weiter. Das Holz im Dachstuhl der Kirche in Eifa ist alt. Auffällig ist dabei, daß selbst der Laie beobachtet, dieses Holz ist zum 2. Teil in Verwendung. In den älteren Berichten über die Kirche wird zwar wiederholt das schadhafte Dach erwähnt und es müsste renoviert werden. Meines Wissens wird jedoch nirgends schriftlich an eine Erneuerung mit Holz in 2.Verwendung erinnert. Daher erheben sich doch einige Fragen.

Ablösung 1984.

Bei den Ablöseverhandlungen über die Kirche Eifa spielte eine gewichtige Rolle die Frage, wer denn eigentlich der Eigentümer der Kirche wäre und wer deswegen bezahlen muss. Aus den Unterlagen des Staatsarchivs Marburg 18. - 19. Jahrhundert ging deutlich hervor, Eigentümer war die Gemeinde Eifa, oder wie es früher dazu lateinisch hieß :

"Onus aedificandi, reparandi oder conservandi (deutsch: die Last des Erbauens, Reparieren und Erhaltens) liegt allein der Gemeinde ob", und nicht dem Kirchenvorstand. Die Einwohner hatten sich also ihre Kirche und die Erstellung dieser Kirche am Ort etwas kosten lassen. Dabei ist auffällig, daß bei Eingaben immer wieder die Armut und die geringe Steuerkraft des Ortes betont wurde, und die Kirche gelegtlich als "Kapelle" tituliert wurde. So auch beim Einbau einer Heizung. Es gab 1908 den Zuschuss vom königlichen Konsistorium in Höhe von 250, - Mark. Bei Renovierung und Neubau 1905 - 1907 gab es am 17.03.1911 ein "Gnadengeschenk" in Höhe von 3500 Mark von der königlichen Regierung. Bei dieser Renovierung - Neubau nach Plänen des Wiesbadener Architekten Hofman, - Ähnlichkeit mit der Kirche in Weifenbach, besonders die Aussentreppe zur Männerbühne, - wurde der vorhandene Fachwerkbau mit einer Basalt-Bruchsteinmauer ummantelt und die Apsis hinter dem Altar hinzugefügt. Bei diesen Arbeiten gab es viele Hand- und Spannleistungen. Bänke wurden selbst bezahlt, und manche Familie hatte ihre Bank, Familien ihre Bankreihen, und noch heute wird manchmal gegen Neubürger - für diese unverständlich - die eigene Familienbank behauptet: das ist unsere Bank !

Die Renovierung 1965 kostete 18.539,65 DM. 20 Jahre später kostete allein die Außenrenovierung schon ca. 128.000,- DM.So schnell laufen die Veränderungen im Leben und die Kosten davon. Bei der Ablösung 1984 der Kirche Eifa durch die Stadt Hatzfeld, als Rechtsnachfolgerin der Gemeinde Eifa, waren im Vertrag 48.000, - DM vorgesehen worden und auch bezahlt. Man kann urteilen: rechtzeitig geschehen!

Die Innenrenovierung brachte - dank der Unterstützung durch das Landesdenkmalamt in Marburg in Höhe von 25.000,- DM und 5.000, - DM für ein Gutachten - nicht nur alte Teile an den Deckenbalken zum Vorschein, sondern vor allem auch alte Bauernmalereien an den Brüstungen. Der "neue" Farbton in der Kirche lässt das bekannte Grau schnell vergessen und die rotbraunen Farbtöne stimmen den Gottesdienst mehr auf Wärme ein.

So ist auch die Kirche Eifa nun endlich in die Reihe der renovierten Kirchen im Oberen Edertal gelungen aufgenommen.

siehe auch