Ehrsten

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Ehrsten ist ein Ortsteil von Calden mit etwa 750 Einwohnern.

Geografie

Der Ort befindet sich an der Straße von Ahnatal über Fürstenwald, Ehrsten, Meimbressen und Westuffeln nach Obermeiser im Tal der Nebelbeeke zwischen Fürstenwald und Meimbressen. Das Dorf liegt auf 252 m unterhalb der Ruine Schartenburg (406 m) und nördlich des Hohen Dörnbergs (579 m).

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

Urkundlich findet der Ort Ehrsten im Jahre 802 als "Herste" erste Erwähnung in Urkunden der Klöster Fulda und Corvey.

Bis zum Jahre 1361 war die St. Marien-Kirche in Ehrsten eine Filialkirche von Meimbressen. Das Kirchenpatronat besaßen die von Schadenberg gemeinsam mit dem Kloster Kaufungen.

In der Folgzeit wurde die Pfarrei in Ehrsten dann eine selbständige Pfarrei des Archidiakonats Hofgeismar. Im Patronat folgten auf die Herren von Schadenberg im Jahre 1388 die von der Malsburg.

Von der ehemaligen spätgotischen Kirche ist lediglich der Chorturm aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts erhalten geblieben, der Turmoberbau entstand 1778. Im Jahre 1862 wurde das Kirchenschiff erneuert. In unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche befindet sich das im Jahre 1834 erbaute Pfarrhaus.

Der Friedhof des Ortes wurde im 18. Jahrhundert an dessen Südrand verlegt.

Seit der hessischen Gebietreform zu Beginn der 1970-er Jahre ist Ehrsten ein Ortsteil der Großgemeinde Calden und gehört zum Landkreis Kassel.

Bürgerladen Ehrsten

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts kaufte man in Ehrsten viele Dinge des täglichen Bedarfs "bei Kniep", wie die Älteren im Dorf das Geschäft noch immer nach seinem Gründer nennen. Als der Pächter des Lädchens die Geschäfte niederlegte, wurde in Ehrsten eine GbR wurde gegründet und etwa einhundert Bürger kauften für mindestens 100 Mark Anteile am neu gegründeten Bürgerladen, der im Jahre 2008 sein 10-jähriges Bestehen feierte.

Franzosenbirnbau am alten Holzweg

Alte Schule (erbaut 1819)

Ungewöhnlich in der Geschichte des Orts ist der 1910 gefällte Franzosenbaum. Ein französischer Soldat war im Siebenjährigen Krieg getötet worden. Die Dorfbewohner begruben ihn am Weg und weil sich der Soldat zuvor die Taschen voll Birnen gestopft hatte, wuchs aus seinem Grab ein Birnbaum, den die Dorfbewohner dann Franzosenbirnbaum nannten.

Noch auf der ersten kurhessischen Vermessungskarte von 1858/ 59 war der alte Franzosenbaum am historischen Holzweg deutlich eingezeichnet.

In einem HNA-Artikel vom 14.7.2010 wurde an seine Geschichte erinnert, die in die Zeit des Siebenjährigen Kriegs (1756 bis 1763) und der Schlacht bei Wilhelmsthal (am 24. Juni 1762) führt. Die ohnehin arme Landbevölkerung musste damals die Versorgung von französischen Soldaten sicherstellen, die um 1760 überall in den Dörfern des Diemeltals einquartiert waren. Eine französische Patrouille, die von Ehrsten aus bis nahe an den Schreckenberg vorgerückt war, geriet damals unter Beschuss. Einen tödlich getroffenen Soldaten fanden die Bewohner Ehrstens und begruben ihn unmittelbar am Weg. Da sich der tote Soldat zuvor mit den Früchten eines Birnbaums die Taschen gefüllt hatte, wuchs bald aus seinem unscheinbaren Grab ein Birnbäumchen, das in Ehrsten der „Franzosenbirnbaum“ genannt wurde.

Genau hundert Jahre nach Rodung des Franzosenbaums will der Ehrster Arbeitskreis Geschichte Dorferneuerung (AGD) im Herbst 2010 ein neues Birnbäumchen am alten Standort pflanzen mit Hilfe einer Spende von Horst Klinge, dessen Großvater Albert Klinge den Franzosenbirnbaum im Jahre 1910 fällen ließ.

Quelle: Artikel von Dorina Binienda-Beer in HNA-online vom 14.7.2010

Ehrstener Dorferneuerung

Im Rahmen der Dorferneuerung in Ehrsten entstand 2010 nach zweijähriger Entwicklungs- und Bauzeit das Freizeitgelände hinter dem Dorfgemeinschaftshaus und dem Sportplatz. Zwei weitere Großprojekte plant der Arbeitskreises Dorferneuerung: die Umwandlung der alten Schule in einen Bürgertreff sowie die Renaturierung von Heimbach und Lanfter.

Kirchen

Konzertscheune Ehrsten

Im Jahre 2009 blickte die Konzertscheune Ehrsten auf ihr 18-jähriges Bestehen und zahlreiche Veranstaltungen zurück.

Kulturwege

Die Kulturwege Calden ranken sich jeweils um ein Thema, das die Geschichte und das Leben der Menschen in Calden und den Ortsteilen beeinflusst hat. Auf Informationstafeln am Wegesrand gibt es Erläuterungen zur Geschichte, etwa zum alten Eselsweg bei Ehrsten.

Erster Caldener Kulturweg eingeweiht

150 Menschen und zwölf Grautiere weihten den ersten der Caldener Kulturwege ein

Aus einem Artikel von Dorina Binienda-Beer in HNA-online vom 13.8.2012

Ehrsten. Bei der Einweihung des neuen alten Eselsweges trotteten zwölf Esel mit gutgelaunten Marschbegleitern, darunter zahlreiche Auswärtige, eineinhalb Stunden auf historischen Spuren. ... Dort, wo ihre Vorfahren einst Säcke voller Korn und Mehl zwischen Ehrsten und Zierenberg transportierten. Die nach den Langohren benannte Wanderstrecke ist der erste fertiggestellte Teil der seit vier Jahren von Ehrenamtlichen erarbeiteten Caldener Kulturwege.

„Alltags-Archäologie“ nennt Ortsvorsteher und Sprecher des Ehrster Arbeitskreises Geschichte und Dorfentwicklung, Axel Träger, was die Freiwilligen vom „E(h)rster Samstag“ bei der Wiederherstellung des alten Weges geleistet haben. Da galt es an erster Stelle, den historischen Verlauf aufzuspüren, die verwilderte Route von Bewuchs freizuschneiden, Markierungen anzubringen und zwei Infotafeln aufzustellen. Nun ist der Eselsweg wieder begehbar.

Aus dem Dorf heraus zieht der lange Tross durch die Siedlung, dann über idyllische Feldwege hinauf in den Wald. Dort steht die erste von zwei Infotafeln. Irgendwo da oben zwischen den Bäumen werden Zwei- und Vierbeiner die Gemarkungsgrenze nach Zierenberg überschreiten. Der Blick fällt auf einen alten Grenzstein.

Weiter geht’s zum Ehrster Plateau. „Auf der Platte“ bei den 160 Jahre alten Hutebuchen wurden vor langer Zeit fröhliche Feste gefeiert. ...

siehe auch

Wandern

  • Der Eselsweg folgt im Wesentlichen dem historischen Eselspfad von Ehrsten (Ortsausgang, 262 m) über das Ehrster Plateau (377 m) zur Obermühle nach Zierenberg (ca. 256 m). Er führt über Wiesen- und Waldwege, Teilstrecken in den Ortslagen auch über asphaltierte Straßen[1].

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Informationen auf www.kulturwege-calden.de

Weblinks