Ehemalige Wassermühlen in Hofgeismar

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An der Esse
Die Steinmühle an der Esse

An Esse und Lempe erinnern bis heute zahlreiche Gebäude an eine lange Mühlentradition in Hofgeismar und seinen heutigen Ortsteilen. Fast 60 Mühlen gab es einmal im Altkreis Hofgeismar, die besonders als Zulieferer für die Bäckereien dienten.

Kabemühle

An der Esse, westlich vom Gesundbrunnen in Hofgeismar liegt die Kabemühle. Bis zum Jahre 1923 wurden hier durch ein Wasserrad von 4,25 m Durchmesser unter anderem zwei Walzenstühle, ein Schrotgang, eine Schälmaschine und eine Dreschmaschine (letztere durch eine Turbine) angetrieben, bevor das Wasserrad gegen zwei Turbinen ausgetauscht wurde.

Steinmühle

Auch das benötigte Wasser zum Betrieb der weiter nördlich gelegenen Steinmühle (an der Bahnstrecke Kassel – Warburg) kam aus der Esse. In den Jahren 1877 bis 1917 wurde hier neben einer Mahlmühle auch eine Sägemühle betrieben. Zwei Wasserräder mit einem Durchmesser von 4,60 m bzw. 5,32 m standen zur Verfügung, die im Jahre 1892 gegen eine Turbine ausgetauscht wurden.

Hagenmühle

Eine reine Mahlmühle war dagegen die Hagenmühle am Fusse des Schöneberg aus dem 18. Jahrhundert, die bereits in den 1880-er Jahren stillgelegt wurde. Auch sie lag dicht an der Bahnstrecke Kassel - Warburg.

(Anmerkung: nicht zu verwechseln ist die "Hagenmühle" mit der weiter im Süden gelegenen "Hagenmühle" in Grebenstein (Bahnhofstraße 18). Diese Mühlenanlage mit seitlichen Wirtschaftsgebäuden aus dem 19. Jahrhundert liegt am Grebensteiner Mühlgraben. Die Wassermühle der Familie Hold blickt auf eine lange Tradition seit dem Dreißigjährigen Krieg zurück, was in einem Artikel in der Hofgeismarer Ausgabe der HNA vom 29.10.2007 gewürdigt wurde. Der jetztige Müller, Hans Konrad Hold ist nach diesem Artikel der letzte seiner Zunft im Kreisteil.)

Papiermühle

In der früheren Papiermühle an der Lempe - östlich von Hofgeismar gelegen und bereits Anfang des 17. Jahrhunderts urkundlich erwähnt - wurden Pappen und Rohpapier hergestellt, bevor auf den Betrieb einer reinen Mahlmühle umgestellt wurde.

Papiermühle

Strauchmühle

Mit dem Wasser der Lempe wurde auch das Wasserrad der etwa 500 Jahre alten Strauchmühle (östlich von Hofgeismar und nördlich von Carlsdorf) betrieben. Bis 1820 war sie eine Ölmühle, danach eine Mahlmühle.

Strauchmühle
Strauchmühle

Literatur


"Wehmut im Abschied"

Ernst Dieck betrieb fast 70 Jahre lang die Wassermühle in Hombressen

Aus dem Artikel von Nicolai Ulbrich in der Hofgeismarer Ausgabe der HNA vom 31.5.2007:

Wie viele Tonnen Mehl Ernst Dieck im Verlauf seiner Karriere als Müller gemahlen hat, kann er nicht sagen. Kein Wunder, schließlich begann der heute 85-Jährige bereits 1935 seine Lehre. Begonnen hatte die Mühlentradition in Hombressen jedoch bereits im 17. Jahrhundert - Hugenotten hatten das Gebäude an der Waldstraße aufgebaut. Der Ururgroßvater von Ernst Diek kaufte die Mühle dann im Jahre 1850, bevor zwei Generationen später sein Vater die Mühle an der Soode übernahm. Bei ihm machte Ernst Diek die Lehre im Familienbetrieb und trat in dessen Fußstapfen. Der gebürtige Hombresser sorgte sein ganzes Leben lang für das Brot anderer - einzige Ausnahme bildeten seine acht Jahre im Kriegseinsatz und der Gefangenschaft.

...

Nach diesem schlimmen Kapitel kehrte er 1948 in die Mühle nach Hombressen zurück und nahm sofort wieder die Arbeit auf. Armut und Hunger prägten das Bild damaliger Tage und so arbeitete Dieck mit seinem Vater in Schichten - rund um die Uhr. Damals gab es fast 60 Mühlen im Altkreis Hofgeismar, die als Zulieferer für die Bäckereien dienten, erinnert sich der Hombresser gerne.

...

Auch wenn alle der über 50 Jahre alten Maschinen intakt sind und Dieck "morgen wieder anfangen könnte", sieht die Realität anders aus. Die Knie machten nicht mehr mit und so musste der 85-Jährige Anfang des Jahres seinen Beruf aufgeben, was ihn wehmütig macht, wie er zugibt.

siehe auch