Egon von Treschkow

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Der Freund der Trümmerkinder

Der Karikaturist Egon von Tresckow machte in der Nachkriegszeit in Kassel mit seinen gezeichneten Märchen Kinder glücklich.

Es war im Jahr 1949, als Gerd Johannsen seinen ersten Brief schrieb. In Druckbuchstaben wandte sich der Kasseler Junge an den Märchenonkel Tres. Der zeichnete für die damals in Kassel erscheinenden Hessischen Nachrichten kleine Bildstreifen. In den frühen Comic-Szenen wurden bekannte und beliebte Märchen lebendig, von denen besonders die Kinder begeistert waren. "Als dann die Antwort kam und auch noch ein wundervoll gezeichneter Riese darin zu sehen war, war ich überglücklich", erinnerte sich im Jahr 2002 Gerd Johannsen an eine märchenhafte Zeit mit den Märchenbuchfilmen des Egon von Tresckow.

Am 25. März 2002 ist der 50. Todestag des beliebten Zeichners. Mit dem Märchen "Grimms Märchen:Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen" begann 1949 die Erfolgsgeschichte der Märchenbuchfilme. Für die Kasseler Trümmerkinder war das der Beginn einer zauberhaften Zeit, schilderte Johannsen der HNA: "Ich erinnere mich noch genau an die große Spannung, mit der jeden Morgen die Zeitung geholt wurde, um festzustellen, welche Abenteuer unser Held jetzt wieder erlebt hatte."

Die Bildstreifen wurden, nachdem die Eltern die Zeitung gelesen hatten, fein säuberlich ausgeschnitten und aufbewahrt. Denn die Liebe zu den Bildgeschichten fiel in eine Zeit der materiellen Not. "Wir Kinder hatten kein Geld, um Hefte oder Bücher zu kaufen, so dass Tres Bilder eine willkommene Abwechslung waren", schilderte Johannsen die Nachkriegsjahre.

Tres, so lautete die Abkürzung, die Zeichner Tresckow stets unter seine Werke setzte, gab den Kindern die Chance, vom Glück zu träumen trotz widriger Umstände und jeder Menge Schwierigkeiten. Die Kinder von damals haben das wohl nie vergessen. Auch Gerd Johannsen gehört bis heute zu den Fans und Sammlern der Märchenbuchfilme. Auch heute noch begeistert er sich an der großartigen Mimik und Gestik, am Witz und Schwung dieser Zeichnungen.

Egon von Tresckow, der am 25. März 1952 in Kassel starb, war gelernter Karikaturist. Ab 1927 arbeitete der 1907 im französischen Montigny bei Metz Geborene als Pressezeichner in Berlin, ab 1930 dann als Trickfilmzeichner bei der Ufa. Der Karikaturist mit der scharfen Beobachtungsgabe brachte es 1943 bis zum künstlerischen Leiter der Werbefilmabteilung der Ufa. Unter seiner Regie arbeitete damals auch eine Frau names Hildegard Knef als Zeichnerin bevor sie für den Film entdeckt und berühmt wurde.

1945 verließ Tresckow Berlin, kam nach Kassel und zeichnete fortan für die Hessischen Nachrichten. Politische Karikaturen, Porträts, die 100-Worte-Zeichnungen und schließlich jene Märchenbuchfilme, mit denen er über die Grenzen der jungen Bundesrepublik hinaus bekannt wurde.

Dem ersten Märchen folgten acht weitere, vom "Fischer und seiner Frau" über "Kalif Storch", "Hans im Glück" bis zu den "Bremer Stadtmusikanten", seinem letzten Werk, bevor eine tückische Krankheit das Leben des erst 45-Jährigen auslöschte. Die Streifen wurden in vielen Kasseler Familien gesammelt und ausgemalt, einige Schulen verwendeten sie im Unterricht. Insgesamt 15 weitere Tageszeitungen druckten die Märchenbuchfilme nach, ebenso Zeitungen in der Schweiz und in Schweden.

"Man sollte im Menschen nicht immer nur das Schlechte sehen", soll Tres einmal über seine Karikaturen gesagt haben, die nie bissig oder verletzend, sondern stets heiter und freundlich waren.