Edertalsperre

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Sperrmauer am Edersee

Die Edertalsperre entstand in den Jahren 1908 bis 1914 in einer ca. 400 m breiten Engstelle des Edertals bei Hemfurth-Edersee, einem Ortsteil von Edertal.

Eine der Hauptaufgaben der Edertalsperre war und ist es, bei Niedrigwasserzeiten Wasser - über die Eder und die Fulda - an die Weser abzugeben, um dort eine reibungslose Schifffahrt zu gewährleisten.

Außerdem dient die Edertalsperre dem Hochwasserschutz für die untere Eder, die untere Fulda und die Weser und nicht zuletzt der Energiegewinnung durch die Nutzung der Wasserkraft (Strom- und Gaskonzern E.ON).

Im Jahre 2014 feierte das Bauwerk aus der Kaiserzeit seinen 100. Geburtstag.

siehe dazu auch: Portal: 100 Jahre Edersee

Der durch den Bau der Talsperre entstandene Edersee liegt ca. 35 km Luftlinie südwestlich von Kassel im nördlichen Teil des Naturparks Kellerwald-Edersee, direkt am Nationalpark Kellerwald-Edersee. Er hat eine Länge von 27 km, beginnt im Westen bei Herzhausen und endet im Osten bei Hemfurth-Edersee an der Staumauer.

Auf einen Blick

Edersee

  • Seelänge: 27 km
  • max. Seebreite: 1,2 km
  • max. Seetiefe: 42 m
  • Wasseroberfläche: ca. 12 km²
  • Fassungsvermögen: ca. 200 Mio. m³
  • Einzugsgebiet ca. 1400 km²
  • Länge Uferregion: 69 km
  • Zweitgrößter Stausee Deutschlands (Fläche)
  • Drittgrößter Stausee Deutschlands (Inhalt)

Edertalsperre

  • Talsperrenlänge: 400 m / 270 m
  • Talsperrenbreite: 6 m / 36 m
  • Talsperrenhöhe: 47 m
  • Höhe über NN: 245 m (Überlauf)
  • Planungsbeginn: 1904
  • Bauzeit der Sperrmauer: 1908 bis 1914
  • Kosten: ca. 25 Mio. Goldmark

Geografie

Die Edertalsperre befindet sich ca. 35 km Luftlinie südwestlich von Kassel bei Hemfurth-Edersee, einem Ortsteil von Edertal im Landkreis Waldeck-Frankenberg, Nordhessen.

Geschichte

Luftbild Edertalsperre und Edersee
Sperrmauer Projektplanung 1905
Beim Bau der Ederseesperrmauer

Die Edertalsperre entstand in den Jahren 1908 bis 1914 in einer ca. 400 m breiten Engstelle des Edertals bei Hemfurth-Edersee, einem Ortsteil von Edertal. Die offizielle Einweihung durch Kaiser Wilhelm II - geplant für den 25. August 1914 - wurde durch den Ausbruch des ersten Weltkriegs (1. August 1914) verhindert und auch später nicht nachträglich vorgenommen. Sie war seinerzeit die größte Talsperre Europas und ist heute immerhin noch die drittgrößte Talsperre (Inhalt) Deutschlands (nach der Bleilochtalsperre in Thüringen und der Rurtalsperre Schwammenauel in der Nordeifel mit den Zuflüssen Saale bzw. Rur).

Die Edertalsperre wurde errichtet, um der Weserschifffahrt und dem Mittellandkanal in den Sommermonaten ausreichend Wasser zuzuführen. Beim Bau der Sperrmauer wurden 300000 Kubikmeter Bruchstein verbaut. 700 Menschen verloren durch die Flutung des Edertals ihre Heimat.

Bedingt durch den Bau der Sperrmauer mussten die drei im Edertal liegenden Dörfer Asel, Berich und Bringhausen verlegt werden. Bringhausen wurde abgetragen und in unmittelbarer Nähe - an einer höher gelegenen Stelle oberhalb des neu entstehenden Edersees - wieder aufgebaut. Ähnlich war die Vorgehensweise der Aseler. Auf einem Bergrücken, nördlich des ursprünglichen Ortes, errichteten sie den neuen Ortsteil Asel und am gegenüber liegenden Ufer des künftigen Sees Asel-Süd. Der Ort Berich wurde von seinen Bewohnern komplett abgetragen und entstand in der Nähe von Bad Arolsen völlig neu und nennt sich seitdem sehr zutreffend "Neu"-Berich.

Auch die Gehöfte Stollmühle, Gut Vornhagen, Bericher Hütte sowie der Niederwerber Hammer mussten dem Projekt weichen, da sie alle im Bereich des künftigen Stausees lagen.

Noch heute kann man bei niedrigem Wasserstand im Edersee die Reste der alten Siedlungen, das "Waldeckische Atlantis“ besichtigen (etwa die Aseler Brücke, Teile der mit Betondecken versehenen alten Friedhöfe etc. sowie ein Modell der Talsperre).

Der durch den Bau der Talsperre entstandene Edersee liegt ca. 35 km Luftlinie südwestlich von Kassel im nördlichen Teil des Naturparks Kellerwald-Edersee, direkt am Nationalpark Kellerwald-Edersee. Er hat eine Länge von 27 km, beginnt im Westen bei Herzhausen und endet im Osten bei Hemfurth-Edersee an der Staumauer.

Während des zweiten Weltkriegs wurden durch einen Angriff britischer Lancasterbomber in der Nacht vom 16. zum 17. Mai 1943 durch Rotationsbomben große Teile der Staumauer zerstört. Der Edersee hatte zu diesem Zeitpunkt einen maximalen Wasserstand (Vollstau = 244,97m über NN = 202 Mio. m³), so dass bis zum Morgen des 17. Mai rund 160 Mio. m³ Wasser abflossen (8.500 m³/sec). Eine ca. 9 m hohe Flutwelle wälzte sich durch das Edertal zum Fuldatal in Richtung Kassel. Das Hochwasser forderte 68 Menschenleben und richtete besonders im Edertal gewaltige Zerstörungen an. Die Wiederherstellung der Sperrmauer begann noch im Mai 1943 und war bereits im Januar 1944 abgeschlossen.

Über dieses Ereignis berichtet ausführlich das HNA-Buch "Die Nacht als die Flut kam" - Wartberg Verlag, ISBN 3-8313-1373-3 - und das Buch von Johannes Gröticke "Wiederaufbau nach der Zerstörung" - Jonas Verlag, ISBN 3-89445-196-3.

Von 1991 bis 1994 erfolgte eine Grundinstandsetzung der Edertalsperre, die in Form einer großen öffentlichen Veranstaltung, einer Art nachträglicher Einweihungsfeier, abgeschlossen wurde.

Kraftwerke am Edersee und Standseilbahn

Edersee mit Talsperre

Zu den Wasserkraftwerken am Edersee gehören das Pumpspeicherkraftwerk Waldeck I (mit 140 MW Leistung - 1929 bis 1933 erbaut) und das vierzig Jahrte jüngere Pumpspeicherkraftwerk Waldeck II (mit 440 MW Leistung) sowie das Speicherkraftwerk Hemfurth, dessen Leistung mit Hilfe eines Speichers je nach wasserwirtschaftlichen Gesichtspunkten oder dem jeweiligen Strombedarf beeinflusst werden kann.

Das Kraftwerk Hemfurth - ebenfalls ein Kraftwerk der E.ON Wasserkraft GmbH (ehemals: Preussen Elektra) am Edersee - wird direkt aus der Edertalsperre gespeist und verfügt über zwei Maschinensätze, die bis zu 20 MW Strom erzeugen können.

Demgegenüber nutzt ein Laufwasserkraftwerk, wie z. B. das kürzlich erneuerte Kraftwerk Affoldern, das natürliche Gefälle und die Wassermenge der Flüsse, um elektrische Energie zu erzeugen.

Mit einer Standseilbahn können bei einer Besichtigung die 300 Höhenmeter zu den Oberbecken auf dem Peterskopf und zum Nationalpark Kellerwald-Edersee überwunden werden.

Video: Eine Fahrt mit der Standseilbahn am Edersee

Literatur

  • Uli Klein, 100 Jahre Mythos Edersee - Tränen, Bomben, Paradies - Das Buch zur Serie der HNA, Wartberg-Verlag 2010

Der Edersee war Anfang des 20. Jahrhunderts der größte Talsperrenstausee Europas. Historische, teilweise bislang nicht veröffentlichte Fotos dokumentieren die Entstehung des Edersees und der Talsperre vor 100 Jahren.

Tourismus

Aufgrund der permanent zunehmenden touristischen Bedeutung des Edersees (Wassersport, Badebetrieb, Fahrgastschifffahrt, Sportfischerei etc.) und des Nationalparks sowie Naturparks Kellerwald-Edersee mit dem Kellerwald- und dem Urwaldsteig hat sich in den zurückliegenden Jahren im Umfeld des Edersees ein recht großes Naherholungsgebiet mit zahlreichen Urlaubs- und Freizeitmöglichkeiten entwickelt.

siehe auch

Auf der Staumauer

Weblinks

Blick auf den Edersee von Burg Waldeck