Eco-Pfad Kulturgeschichte Wolfhagen

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Eco-Pfad - Streckenverlauf
EcoPfad-Tafel

Der Eco-Pfad Kulturgeschichte Wolfhagen führt in die Umgebung der Stadt Wolfhagen (gegründet um 1226) im Landkreis Kassel.

Der rund acht Kilometer lange Eco-Pfad, Bonifatiusweg genannt, führt vom Bahnhof in Wolfhagen über den Judenbrunnen nach Elmarshausen, von dort über den Schützeberg und die Papiermühle Scheurmann zum Ofenberg und zurück zum Bahnhof.

Nicht nur die kulturgeschichtlichen Inhalte des Eco-Pfads sind einzigartig. Auch die Ausblicke in das Wolfhager Land vom Schützeberg aus lohnen den Besuch.

Für den ca. 8 km langen Eco-Pfad werden rund 3 Stunden reine Gehzeit benötigt. Der "Eco-Pfad Kulturgeschichte Wolfhagen" wurde vom Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatverein als geprüfter Wanderweg zertifiziert.

Eco-Pfad - Stationen

Stationen sind der ehemalige Standort des rituellen Tauchbads der jüdischen Gemeinde, die Spuren des mittelalterlichen Dorfs Langel (erstmals 1015 erwähnt), das Wasserschloss Elmarshausen, der Schützeberg (ehemals der Standort der älteste Kirche im Wolfhager Land), die Schützeberger Mühle, (auch Elmarshäuser Papiermühle), die "Kolonien" sowie die Vertriebenengedenkstätte am Ofenberg.

Ehemalige jüdische Gemeinde

Bis 1938/ 39 bestand in Wolfhagen eine jüdische Gemeinde, deren Geschichte vermutlich bis zum Mittelalter zurückgeht. Eine neuzeitliche Gemeinde entstand im 17. Jahrhundert, die 1850 bereits 236 Mitglieder zählte. Im Jahr 1874 waren 300 Einwohner jüdischen Glaubens. Dies entsprach etwa zehn Prozent der Bevölkerung Wolfhagens. Etwa 40 Wohnhäuser waren in dieser Zeit in jüdischem Besitz, die alle im Zentrum der Stadt lagen. An Einrichtungen bestanden eine Synagoge, eine jüdische Schule (Elementarschule/ öffentliche israelitische Volksschule bis 1933), ein rituelles Bad und ein jüdischer Friedhof in der Wilhelmstraße.

In der Mittelstraße unweit vom Marktplatz und von der Stadtkirche entfernt, stand die Synagoge, die 1938 zerstört und in Brand gesetzt wurde. Die Tora-Rolle, die fünf Bücher Moses und die Psalmen wurden geschändet und durch die Gassen in die Landgrafenstraße geschleift. 51 Menschen wurden wegen ihres jüdischen Glaubens zu Unrecht verfolgt, vertrieben, deportiert und getötet.

An der EcoPfad-Station Judenbad (an der Schützeberger Straße) stand 1834 ein rituelles Tauchbad (hebräisch: Mikwe) der jüdischen Gemeinde. Die Stelle wird auch "Hölzertrögerborn" genannt. Die Gemeinde hatte im Jahr zuvor den Maurermeister Hölzer aus Ehringen mit dem Bau beauftragt. Das Bad war 25 Jahre im Gebrauch und wurde dann in die Judenschule (Gerichtsstr. 3) verlagert. Dort bestand es bis 1934. Das Gebäude des alten Bades wurde 1859 abgerissen.

Wüstung Langel

Eine weitere EcoPfad-Station ist die Wüstung Langel. In einer Urkunde von 1015 wird das ehemalige Dorf Langel zum ersten Mal erwähnt. Weitere Nennungen sind 1074 als Langele, 1151 als Langelach, 1268 als Lanchele und 1554 als Langeln. Zum Dorf gehörte eine Mühle, die heute auf der anderen Straßenseite als Wirtschaftshof fortbesteht.

Elmarshausen

Brücke bei Elmarshausen

Das Wasserschloss Elmarshausen stammt aus dem 13. Jahrhundert und liegt im gleichnamigen Stadtteil von Wolfhagen.

Die urkundlichen Erwähnungen einer Siedlung finden sich in den Jahren 1123 (als Egelmareshusen), 1150 (als Elimareshusen), 1255 (als Eilmarshusen) und 1314 (als Elmershusen).

Der Ort ist als "Egelmareshusun" 1123 erstmals urkundlich erwähnt. Nach den Herren von Helfenberg und von Gudenberg erhielt Hermann von der Malsburg das Gut 1534 zu Lehen, das seither in Familienbesitz ist. Von der Malsburg ließ die Burg der Herren von Gudenberg zum Schloss umbauen.

Schloss Elmarshausen entstand im Stil der so genannten Weserrenaissance. Deutlich wird dies u. a. an der teilweise erhaltenen Ostfassade des Schlosses, deren Zwerchhäuser mit Halbkreisaufsätzen ("welsche Giebel") abschließen. Elmarshausen ist damit das südlichste Beispiel dieses Baustils.

Verschiedene Umbauten des 18. und 19. Jahrhunderts veränderten die 1563 abgeschlossenen Arbeiten. Die renaissancezeitlichen Giebel wurden teilweise durch flache Dreiecksgiebel ersetzt.

Schloss Elmarshausen war als Gutsbezirk selbstständig und ist seit 1928 ein Stadtteil von Wolfhagen. Die Schlossanlage beherbergt heute ein bedeutendes Trakehnergestüt. Aus Tier- und Seuchenschutzgründen darf es ohne Genehmigung nicht betreten werden. Führungen für Gruppen werden nach vorheriger Anmeldung angeboten.

Schützeberg

Der Schützeberg zwischen Wolfhagen und Nothfelden - ein zentraler Ort des Eco-Pfads Kulturgeschichte Wolfhagen.

Auf dem Schützeberg, zwischen Wolfhagen und Altenhasungen und an der fränkisch-sächsischen Sprachgrenze gelegen, stand in früheren Jahren die Erzpriesterkirche St. Peter, eine der ältesten Kirchen in Hessen.

Als ehemals weithin bekannter Wallfahrtsort hat der Schützeberg eine wichtige Bedeutung für die Geschichte und Kultur des Wolfhagener Landes.

Obwohl die Petrikirche auf dem Schützeberg vermutlich schon 752 oder sogar vorher erbaut wurde - wobei es sich zunächst nur um einen Holzbau gehandelt haben dürfte -, stammt die erste urkundliche Erwähnung erst aus dem Jahr 1074, als Erzbischof Siegfried II. von Mainz die Kirche dem neu gegründeten Stift und späteren Benediktinerkloster Hasungen schenkte.

In der Reformation 1526/27 wurde die Kirche aufgegeben und der Sitz der Pfarrei nach Altenhasungen verlegt. Danach verfiel die Kirche zunehmend und ihre Reste wurden abgebrochen.

Papiermühle - Schützeberger Hof

Im Wolfhager Land begann 1619 die Papierherstellung, als die Familie von der Malsburg den Papier­macher Matthias Scheurman aus Lemgo berief, der nahe dem Schloss Elmarshausen eine Papiermühle an der Erpe gründete. Später führten die Nachfahren die Mühle weiter, bauten weitere Betriebe auf und übten das Handwerk bis in die 1830er Jahre aus, bevor die Papiermühle unrentabel und zu einem landwirtschaftlichen Betrieb umgewandelt wurde.

Philippinenburg, -dorf und -thal

Nach dem Siebenjährige Krieg lag die Fläche der heutigen Gemarkungen Philippinendorf, Philippinenthal und Philippinenburg fast nur noch brach. Solche Brachflächen ließ Landgraf Friedrich II. erfassen, um sie neu zu besiedeln.

Die neuen Siedler wurden begünstigt durch eine mehrjährige Befreiung von Steuern und Kriegsdienst und wurden außerdem mit Startkapital zum Hausbau und für die Anschaffung von Vieh ausgestattet. Allerdings mussten die Siedler Kenntnisse in der Landwirtschaft vorweisen und einen guten Leumund nachweisen. So entstanden bei Wolfhagen die drei „Philippinen-Kolonien“, benannt nach der zweiten Frau des Landgrafen, Philippine von Brandenburg-Schwedt.

Gedenkstätte der Vertriebenen

An der Mikwe

Am Ofenberg errichtete der Bund der Vertriebenen 1955 eine Gedenkstätte, die an die verlorene Heimat und an die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation erinnern soll. Das Mahnmal besteht aus drei Steinkreuzen und zwölf Steinen, die die Heimatländer der Vertriebenen symbolisieren.

siehe auch

Tympanon von Altenhasungen

Tympanon von Altenhasungen

Das Tympanon an der Kirche in Altenhasungen stammt ebenfalls vom Schützeberg und zeigt einen Hirsch und eine Hirschkuh. Der sich dem Kreuz zuwendende Hirsch und die sich vom Kreuz abwendende Hirschkuh stellen ein Taufmotiv dar, mit dem dieses Türsturzrelief aus dem 11. Jahrhundert heute noch auf die ehemalige Kirche auf dem Schützeberg als frühchristliche Taufkirche hinweist.

Weblinks