Druselkanal

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Um die Kasseler Wasserversorgung sicherzustellen, wurde im Zuge der Erweiterung der Stadt im 14. Jahrhundert der Druselkanal angelegt. Obwohl der Name dies nahelegt, stammte sein Wasser nicht aus dem Druselbach, sondern ursprünglich aus dem Prinzenborn (Prinzenquelle) und aus dem Wasserfallgraben, der damals noch Stadtgraben hieß. Das Wasser aus Prinzenborn und Stadtgraben, das ursprünglich in den Druselbach mündete, wurde etwa in Höhe Sportanlage Stockwiesen in einen im Vergleich zum Druselbach höhergelegenen Kanal geleitet (vgl.Karte Kurfüstentum Hessen 1840 ff.)

Der mehr als 4 Kilometer lange Graben verlief - zunächst parallel zum natürlichen Berglauf - am Hange des Kratzenberges (heute Tannenkuppe - Stadthalle - Elfbuchenstraße - Reginastraße - dann dicht unterhalb der Friedrich-Ebert-Straße). An der heutigen Kreuzung Friedrich-Engels-Straße/Motzstraße schwenkte er nach Süden und erreichte ein kleines, vom Wehlheider Weg (heute ungefähr Königstor) durchschnittenes Sumpfgelände, das Quellgebiet eines nach Osten fließenden Baches war. In diesen Bach wurde das Druselwasser eingeleitet. Dieser Bach folgte dem Königstor, dann dem Steinweg, umfloss den Burghügel (heute Regierungspräsidium) und mündete unweit der Kleinen Fulda in die Fulda.

Welche technischen Mittel den Einfluß des Druselwassers in den bis dahin namenlosen Bach ermöglichten, scheint unbekannt. Ab 1738 diente ihm eine Sammelstube (Wassergewölbe). Dieses Wassergewölbe befand sich im Keller der 1771 bis 1773 erbauten Porzellanmühle, die sich im Königstor zwischen Hermannstraße und Nahlstraße befand. Über die Druselleitung berichtet 1772 ein Zeitgenosse:

"Die Lage dieser Mühle ist deswegen alhier gewählet worden, weil oberhalb der Straße ohngefehr 300 Schuh davon ein Bach vorbeyfließt, welcher die Drusel genannt wird." Die Mühle verdiene auch aus einem anderen Grund Beachtung, schreibt er "und zwar, erstlich, daß nicht nur zwey Röhrenstränge vor der Schütze liegen, wodurch das Wasser nach der dabey liegenden Wachsbleiche und nach der Menagerie und neuen Meyerey unterm Weinberg geführet werden, sondern auch zweyerley Abtheilungen unter dem Wasserrad dieser Porcellain Glasur-Mühle befindlich sind, wodurch die ganze Oberneustadt und Altstadt Cassel mit dem so genannten Trusel-Wasser, das auch zugleich den Trusel-Deich und Pferdeschwämme auf dem Gouvernementsplatz angefüllet und bey Feuergefahr theils verdeckt unter der Erde und theils sichtbar über der Erde bey der Wachsbleiche vorbey nach der Herrschaftlichen Bachsteinbrennerey u.s.w. geführet werde." (Anm.: Gouvernementsplatz: heute Druselplatz)

Noch vor dem Wassergewölbe zweigte ein Überlauf ab, der nach Süden durch die Talsenke der heutigen Pfannkuchstraße dem Druselbach zufloss. Von der gleichen Stelle zweigte eine Röhrenleitung zum Garten des Prinzen Maximilian (heute südwestlicher Teil des Kaufhofs) ab (18. Jahrhundert).

Die stadtwärts verlaufende Hauptleitung lief zu einer weiteren Sammelstube, die sich am Wehlheider Tor (heute Kreuzung Wilhelmsstraße/Neue Fahrt) befand. Von dieser Sammelstube gingen wieder mehrere Abzweige aus, die wichtigsten waren die Leitung zum Druselturm und die Leitung zum Karlsplatz zur Versorgung der Oberneustadt. In der Stadtbefestigung floss die Druselleitung beim Druselturm. In der Stadt wurde das Druselwasser durch eine vielfach verzweigte Rohrleitung verteilt und speiste außerdem zwei Teiche: den Druselteich (seit 1861 Druselplatz) und den Teich auf dem Ledermarkt (Martinsplatz), der noch im 18. Jahrhundert zugeschüttet wurde. Beide Teiche waren hauptsächlich Feuerlöschteiche, doch zumindest der Druselteich diente auch zur Reinigung der Straßen und war mit Karpfen besetzt. Die Kasseläner bezeichneten bis in jüngste Zeit mundartlich Bäche und Rinnsale als Drusel, z.B. auch die Regenrinnen an Bordsteinen.

Der Druselkanal war an verschiedenen Stellen in Röhren gefasst. Für die ältere Zeit lässt sich nicht mehr feststellen, welche Stellen das waren. Die Druselleitung lief jedoch zu Anfang des 17. Jahrhunderts "vf der Schare" (die Schare war der Geländerstreifen, der außen an den Stadtbefestigungen entlanglief), hier: zwischen der heutigen Wolfsschlucht und der Königsstraße) in eisernen Röhren, die in einem mit Bohlen und Erde zugedeckten steineren Kanal verlegt waren, der wahrscheinlich im Jahre 1619 angelegt wurde. Der Abschnitt von der Stadt bis zur Porzellanmühle wurde schon vor 1781 überbaut.

Die einst so wichtige Druselwasserleitung besteht nicht mehr. Stücke des alten Leitungsnetzes (Ton-, Eisen- und Holzröhren) finden sich gelegentlich bei größeren Erdbewegungen in alten Kasseler Straßen (z.B. Reginastraße oder Pfannkuchstraße) oder auf privaten Grundstücken (z.B. City-Point).