Dreißigjähriger Krieg in Homberg

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Bier gegen die Schuldenfalle

Die reichen Homberger wurden durch den Dreißigjährigen Krieg bettelarm

Homberg. Wie kaum eine andere Stadt hat Homberg im Dreißigjährigen Krieg einen hohen Tribut an Gut und Blut entrichten müssen. Jahrhundertelang hatte die Stadt in blühendem Wohlstand gelebt.

Riesige Schafherden im Amt Homberg hatten den Wollwebern und Tuchhändlern den Rohstoff geliefert, aus dem die heimischen Tuche gefertigt wurden, die als begehrte Exportartikel weit gen Osten geschafft wurden. Kurz vor Ausbruch des 30-jährigen Krieges wurde das Barvermögen der Homberger Bürgerschaft steuerlich auf mehr als 200 000 Gulden (etwa 100 Millionen Euro) veranschlagt. Eine Generation genügte, diesen Wohlstand zerrinnen zu lassen.

1639 zählte die Statistik nicht ein einziges Schaf mehr im Amt Homberg. Sie waren alle den Kroaten zum Opfer gefallen. Dazu kam eine weitgehend zerstörte Stadt, über die die Brände des Krieges immer wieder hinweggegangen waren. 11 000 Taler Schulden 1668 wies Homberg Schulden in Höhe von 11 000 Reichstaler aus. 3000 Taler hatten namhafte Bürger, die Ellenberger, die Rübenkönige, die Rückersfelder, Stolzenbachs und Gudenus der Stadt geliehen, 6700 Taler schuldete sie an „ausländische Creditores“ in benachbarten Städten, wie Marburg, Spangenberg und Kassel. Die restliche Summe war der Stadt zinslos von anderer Seite zur Verfügung gestellt worden. Die 11 000 Reichstaler entsprechen etwa drei Millionen Euro.

1662 wandten sich Bürgermeister und Rat der Stadt an den Kanzler des Landes und baten um einen guten Rat, wie der Stadt in dieser misslichen Lage zu helfen sei. Die städtischen Behörden bemühten sich, den Bierpreis je Maß um einen Heller erhöhen zu dürfen und versprachen sich davon eine Steigerung ihrer Einnahmen, zumal die beiden Homberger Brauhäuser eine beachtliche Geldquelle waren.

1667 erzielten sie rund 1200 Taler Einnahmen. Aber vergebens. So war die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts ein stetiger Kampf der städtischen Gläubiger, zu ihrem Recht und Geld zu kommen. „Ein Schultmann“, so heißt es in einer Urkunde, „gab dem anderen gleichsam die Tür in die Hand“. Interessant ist es, die Gerichtsakten durchzublättern und die Prozesse zu verfolgen, die deswegen geführt werden. Selbst kleine Beträge vermochte die Stadt oft nicht zu zahlen.

1677 schreibt ein Gläubiger an die Stadt wegen der versprochenen restlichen 105 Taler, die trotz allem nicht gezahlt worden seien und die nun eingeklagt werden müssten. „Ein Schultmann gab dem anderen gleichsam die Tür in die Hand.“ Zitat aus einer historischen Quelle „Bürgermeister und Rat des heiligen Reiches freier Stadt Köln“ müssen sich vor ihren Bürger stellen, der seine Forderung geltend macht“, heißt es dort beispielsweise. Nach langjährigen Bemühungen antwortet die Stadt Homberg, dass sie die Schuld anerkennen, verzinsen und bei Gelegenheit „zerteilt und particulariter“ zurückzahlen wolle. In einem anderen Falle dauert es gar 48 Jahre, bis die Stadt ihre Verbindlichkeiten aus einer Weinlieferung beglich. Ein langwieriges Prozessverfahren war vorausgegangen.