Dreißigjähriger Krieg

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Der 30-jährige Krieg: bekannte Feldherren auf katholischer Seite waren Tilly und Wallenstein, auf protestantischer Gustav Adolf von Schweden.

Der Dreißigjährige Krieg war zugleich ein Religionskrieg und ein Staatenkonflikt zwischen den damaligen Mächten Europas, der von 1618 bis 1648 zwischen der Katholischen Liga auf der einen und der Protestantischen Union auf der anderen Seite tobte.

Nach dem legendären Prager Fenstersturz trugen zahleiche Länder ihre Macht-, Religions- und Wirtschaftsansprüche blutig auf dem Schlachtfeld aus. Es kam zu Auseinandersetzungen vor allem zwischen katholischen und protestantischen Herrschern, in Deutschland und den Niederlanden, zwischen Polen und Schweden, Schweden und Dänemark, Frankreich und Spanien, aber auch in England, Süditalien oder auf der Iberischen Halbinsel.

Von 1618 bis 1648 tobte der Krieg, der millionenfachen Tod, Verwüstung und Barbarei mit sich brachte. Auch im heutigen Nordhessen und Südniedersachsen verheerte und entvölkerte der Krieg ganze Landstriche.

Aus der Geschichte der Landgrafschaft Hessen-Kassel

In Hessen-Kassel übernahm Landgraf Wilhelm V. im Jahre 1627 von seinem Vater, Landgraf Moritz ein wirtschaftlich weitgehend ruiniertes und politisch bedeutungsloses Land. Erst die diplomatischen Fähigkeiten des Landgrafen und besonders seiner Gemahlin Landgräfin Amalie Elisabeth haben der Landgrafschaft im Verlaufe des Krieges wieder politische Anerkennung gebracht.

Bündnis mit Schweden

Im Restitutionsedikt von Kaiser Ferdinand II., einer am 6. März 1629 erlassenen Verordnung, die ohne Einverständnis der evangelischen Reichsstände zustande gekommen war, vefügte der Kaiser die Rückgabe aller von den Protestanten eingezogenen geistlichen Güter und erklärte die "Declaratio Ferdinandea" des Augsburger Religions- und Landfriedens von 1555 ("cuius regio, eius religio") für ungültig. Das Erzbistum Mainz versuchte daraufhin mit Hilfe Tillyscher Truppen, die niederhessischen Klöster wieder in Besitz zu nehmen.

Da sich die Evangelischen auf dem Leipziger Konvent (1631) nicht zu einem Bündnis mit dem schwedischen König Gustav Adolf durchringen konnten - Sachsen war dagegen -, schloß Wilhelm V. 1631 mit dem König im Feldlager zu Werben ein Schutz- und Trutzbündnis.

Wilhelm V. unterstellte König Gustav Adolf von Schweden - wie er ein Urenkel von Landgraf Philipp I. von Hessen - seine Armee und nahm auch selbst als Feldherr am Krieg teil.

Nach der von Gustav Adolf gegen den katholischen Heerführer Johann Graf von Tilly gewonnenen Schlacht bei Breitenfeld erhielt Landgraf Wilhelm V. unter anderem die Stifte Fulda, Hersfeld, Paderborn und Corvey und konnte im August des gleichen Jahres Hersfeld und im September auch Fritzlar erobern. Nachdem Gustav Adolf aber in der Schlacht bei Lützen aber im Jahre 1632 gefallen war, brach diese politische Koalition zusammen und die katholische Liga gewann an Kraft.

Bis zum Tode des Königs (1632) und noch zwei Jahre danach bis zur schwedischen Niederlage bei Nördlingen (1634) blieb Hessen aber einigermaßen von der Kriegsfurie verschont.

Einmarsch der kaiserlichen Armee

Als Kaiser Ferdinand II. im „Vertrag von Prag“ eine Vielzahl deutscher Fürsten vereinigte, um die ausländischen Mächte aus Deutschland zu vertreiben, beteiligte sich Landgraf Wilhelm V. nicht daran. Der Prager Friede vom 30. Mai 1635 beendete den Krieg zwischen den Reichsständen und dem Kaiser. Bis auf Bernhard von Sachsen-Weimar und den Landgrafen von Hessen-Kassel ratifizierten nach und nach alle Reichsfürsten diesen Friedensschluss.

Nachdem er ein Bündnis mit Frankreich geschlossen hatte, wurde Wilhelm V. zum Reichsfeind erklärt. Die antikaiserliche Position des Landgrafen führte zur kaiserlichen Acht mit der Konsequenz, dass die Verwaltung der Landgrafschaft Hessen-Kassel dem kaisertreuen Landgrafen Georg von Hessen-Darmstadt übertragen wurde.

Im Jahr 1636 kam es als Straf- und Vergeltungsaktion zum Einmarsch der kaiserlich-bayrischen Armee in das Territorium der Landgrafschaft. Die Jahre 1636 und 1637 gingen als „Kroatenjahre“ in die Annalen ein.

1636 rückten Kroaten und Götzens Arkebusierreiter (Arkebus = Hakenbüchse) in das Land ein, die Truppen des Generals Götz besonders verheerend in Niederhessen. Damals sollen in Hessen 18 Städte, darunter Eschwege und Allendorf, 47 Burgsitze und weit über 100 Dörfer zerstört worden und ein Drittel der Bevölkerung zugrunde gegangen sein. Die Stadt Kassel blieb verschont, doch brach hier die Pest aus, der 1440 Menschen zum Opfer fielen.

Im ältesten Kirchenbuch von Grebenstein im Landkreis Kassel wurde festgehalten: "Anno 1637 am 12. Mai ist die Stadt von denen Kroaten unter dem Oberst Biged (Beigott) angesteckten und in Brand gesetzet und sind darinnen Kirchen, Schule und Rathaus und fast die alte Stadt eingeäschert worden durch welchen schädlichen Brand die Bürgerschaft in die äußerste Armut gesetzet worden".

Landgraf Wilhelm V. konnte sich weder in Hessen noch in Westfalen halten und zog sich nach Friesland zurück, wo er am 21. September 1637 starb.

Ein allgemeiner Frieden in Deutschland konnte erst sehr viel später hergestellt werden. Noch mehr als zehn Jahre dauerte der Krieg, bis 1648 der Westfälische Frieden geschlossen wurde.

Kriegsverlauf nach dem Tod Wilhelms V.

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1637 übernahm Landgräfin Amalie Elisabeth die Vormundschaftsregierung für ihren erst achtjährigen Sohn, den späteren Landgraf Wilhelm VI.. Die Landstände Hessen-Kassels und die Kasseler Räte, die sich bedingungslos und unter Androhung von Leibesstrafen dem Landgrafen Georg von Hessen-Darmstadt unterwerfen sollten, vereidigten sich auf die Regentschaft von Amalie Elisabeth, die sich zuerst bei dem hessischen Heer in Westfalen aufgehalten hatte und nun nach Groningen in Holland übersiedelte.

Landgräfin Amalie Elisabeth

Wegen der Weigerung der Stände und Räte zur Unterwerfung unter den Landgrafen von Hessen-Darmstadt gelang es am 23. Januar 1638 in Marburg einen vorläufigen Vergleich abzuschließen, der unter anderem die Regentschaft Amalie Elisabeths durch Georg anerkannte und zu einer vorübergehenden Befriedung in Hessen führte. Erst 1643 konnte der „Marburger Erbschaftsstreit“ durch einen von ihr provozierten Waffenkonflikt endgültig zu Gunsten der Landgrafschaft Hessen-Kassel entschieden werden. Die Landgräfin konnte dem Kaiser – nunmehr Ferdinand III. – einen zweijährigen Waffenstillstand abtrotzen, schloss Bündnisse mit Braunschweig-Lüneburg (1639) und mit Frankreich (1640) und kehrte schließlich nach Kassel zurück.

Zu einer erneuten Bedrohung für die Landgrafschaft kam es Ende 1647, als kaiserliche Truppen unter Peter Melander von Holzappel – einem ehemals engen Vertrauten der Landgräfin – im Jahre 1647 in Hessen einfielen, weite Landstriche verwüsteten und am 14. Dezember 1647 sogar die Stadt Marburg - nicht jedoch das Marburger Schloss - einnehmen konnten. Am 2. Januar 1648 zogen Melander und sein Heer wieder ab, nachdem sie die Stadt ausgeplündert hatten.

Erst der Westfälische Friede beendete den Krieg für die Bevölkerung einer ermüdeten und ausgebluteten Landgrafschaft, an dessen Ende zahlreiche Verhandlungen der Landgräfin sowie der Abordnungen ihrer Kasseler Geheimräte standen.

Geschichtliche Ereignisse im Norden Hessens und im Solling

Söldnerheere im Solling

Söldnerheere durchzogen im Dreißigjährigen Krieg auch den Solling und legten die Dörfer in Schutt und Asche

„Es ist nicht auszusprechen, wie viel herzbrechende Klagen der armen Leute täglich einkommen. Das Land ist längst allen Vorrats an Getreide, Vieh, Kleidern, Hausrat und Pflügen beraubt; die Dörfer sind meist eingeäschert, und die kleine dem Tode bisher entgangene Bevölkerung haust in Hütten oder auf freiem Felde oder sucht im Wald Obdach.“ Als der Uslarer Amtmann Pape diese deprimierende Situationsbeschreibung 1625 zu Papier brachte, tobte der Dreißigjährige Krieg sieben Jahre in Deutschland. Obwohl im Solling keine größeren Schlachten zwischen protestantischen und katholischen Armeen geschlagen wurden, zerstörten durchziehende Söldnerheere, die auf dem Höxterschen Weg zur westfälischen Kleinstadt unterwegs waren, Dörfer und Städte und verwüsteten die Felder.

Erstmalig vom Krieg berührt wurde diese Region im Jahre 1623, als der protestantische Heerführer Christian von Braunschweig, der Bischof von Halberstadt, mit seinem 21 000 Mann starken Heer durch dieses Gebiet zog. Der „tolle Christian“ flüchtete vor den Truppen des katholischen Generals Tilly.

Tillys Söldner brandschatzten in Schönhagen, Kammerborn, Bodenfelde, Nienover und Wahmbeck und nahmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest war. Allein in Bodenfelde stahlen sie 95 Pferde, dazu Kühe, Schafe und Schweine in großer Menge. In Wahmbeck ließen die Fremden alle Besitztümer der Kirche mitgehen, während sie in Kammerborn die gesamte Ernte auf dem Halm vernichteten. In Uslar nahm Tillys Reiterhauptmann Carthaus Quartier.

Im Jahre 1625 griff der dänische König Christian IV. auf evangelischer Seite in den Krieg ein und wurde vom Niedersächsischen Kreise zum Heerführer berufen.

Um die Dänen zu vertreiben, marschierten die katholischen Feldherren Tilly und Wallenstein nach Norddeutschland. Am 1. Juni 1625 überquerte Tilly mit einer starken Truppe die Weser bei Höxter und suchte zunächst den nördlichen Solling heim. Um Michaelis raubten die Kaiserlichen Uslar aus und brannten die Stadt teilweise nieder. Im November 1625 bezogen sie trotzdem in der Kleinstadt Winterquartier.

In den folgenden Monaten suchten die Söldner in katholischen Diensten die Dörfer des südlichen Sollings heim. „Anno 1626 ist dies Hauß durch die Kayerlichen Völcker gantz abgebrannt mit dem Vorwercke, Mühlen, Schäffery und Kruge“, notierte Henning Hillefeld, der Sohn des Amtmanns von Nienover.

Ostern 1626 ließ sich Christian von Braunschweig wieder von den welfischen Dörfern Südniedersachsens aushalten. Ihm folgten dänische Verbände und später wieder kaiserliche Truppen.

Am 27. November 1626 schreibt der Uslarer Magistrat an das herzögliche Konsistorium in Wolfenbüttel, dass die Winterfrucht erfroren sei und die Sommerfrucht „wegen täglichen streifens, plündern und raubens gar nicht bestellet werden können“.

Stadt ist ausgebrannt

Am 9. Mai 1628 berichten Bürgermeister und Rat, dass vor dem Kriegsunglück 300 Bürger in der Stadt gewohnt hätten, danach nur noch 50. Das Vieh sei ihnen geraubt und den täglichen Unterhalt müssten sich die Uslarer aus „fremden Ländern“ beschaffen. „Die Stadt ist abgebrannt und die eingepfarrten Dörfer von Grund auf ruiniert und durch Pestilenz, Schwert, Hunger, Kummer, Angst und Not gänzlich heruntergekommen“ klagt Uslars Superintendent Specht ein paar Tage später.

Dr. Wolfgang Schäfer

Stoffel Winkel

Bauernguerilla im Solling - Stoffel Winkel und die widerständigen Bauern im Dreißigjährigen Krieg

Stoffel Winkel (oder Winkelstoffel), der eigentlich Stoffel Schildknecht hieß, lebte im frühen 17. Jahrhundert in Lippoldsberg.

Er war mit Trina Heistermann verheiratet. Als sich im Dreißigjährigen Krieg auch im Solling Überfälle unterschiedlicher Söldnerheere häuften, griffen die Bauern in den 1620er Jahren wie im Harz und in der Heide zur Selbsthilfe. Mehrere hundert Männer aus den Sollingdörfern sowie einige „verlaufene Knechte“ bewaffneten sich und legten im Wald Verstecke an. Einer ihrer Anführer wurde Stoffel Winkel. Wilhelm Havemann schreibt in seiner Geschichte der Lande Braunschweig-Wolfenbüttel über ihn:

„Im Solling warf sich 1627 Winkel Stoffel aus Lipsberge zum Anführer über 600 Bauern und verlaufene Knechte auf, mit denen er bis vor die Tore Einbecks streifte; zersprengte Scharen des dänisch-deutschen Heeres behaupteten sich gleichzeitig im Solling und im Grubenhagenschen. (...) Seitdem verfuhr Tilly herrischer und ungestümer denn zuvor, erbittert, dass sich Bauern im Solling durch die Habgier in großen Scharen zusammenrotteten und die vereinzelten Abteilungen der Katholischen erschlugen.“

Allmählich wurden die Aktivitäten der schlecht bewaffneten Bauernhaufen für die Obrigkeiten immer bedrohlicher.

So musste der Braunschweiger Herzog Friedrich Ulrich am 17. Mai 1627 feststellen, dass sich im „Harz und im Solling viele Untertanen zusammenrottierten und sich zur Plackerei, Niederwerfung, Landzwingerei und Mordbrennerei“ gebrauchen ließen. Er drohte den Aufrührern, die im „räuberischen Leben“ verharren wollten, mit Tillys Soldaten und dem Tod.

Als Rache dafür, dass ein Lippoldsberger einen Kaiserlichen erschlagen hatte, zündeten Tillys Leute 1628 eine Scheune in dem Weserdorf an. Stoffel Winkel selbst wurde bei einer Auseinandersetzung mit einem „Mitgesellen“ in Bodenfelde erschossen. Seine „Mitconsorten“ begruben ihn am 14. Juli 1627 in seinem Heimatdorf.

Der Tod des populären Bauernführers und die scharfe Verfolgung der widerständigen Sollinger durch Tillys Truppen ließen die Unruhen in der Uslarer Gegend für einige Zeit einschlafen.

Sie lebten ein paar Jahre später wieder auf, als Jürgen Stricker aus Dinkelhausen Männer um sich scharte. Am 17. November 1631 empörte sich der braunschweigische Herzog über diese Bande, die auch in benachbarte Ämter einfiel. Eine Gruppe um Michael Stock aus „Vahlde“ machte schließlich zwei Jahre später die Waldstraßen unsicher.

Dr. Wolfgang Schäfer

Zur Belagerung und Eroberung von Münden im Jahre 1626

Umzingelt. Ein unbekannter Kupferstecher gibt uns dieses Bild von der möglichen Situation Mündens 1626. Der Stich zeigt eine Szenerie vom Questenberg aus. Oben ist der Galgenberg zu sehen, ganz rechts der Fuß des Gahrenbergs, wo später die Tillyschanze gebaut wurde. Siie erinnert an die Eroberung.

Die Eroberung Mündens im 30-jährigen Krieg durch Johann Graf von Tilly - in den Pfingsttagen von 1626 - hat schon viele Historiker und Heimatkundler beschäftigt, auch den Mündener Thomas Kossert während seines Geschichtsstudiums.

In jenen dramatischen Tagen vor über 380 Jahren lebten etwa 4500 Bürger in der Stadt. Hinzu kommen eine 800 Mann starke Besatzung und ebenso viele Flüchtlinge aus den umliegenden Dörfern. Zahlreiche Personen hat Thomas Kossert aus ihm zugänglichen Quellen erfasst.

Und er hat erstaunliche Befunde festhalten: So war das Blutbad wohl keinesfalls so wahllos und blutig, wie es uns die Berichte glauben machen wollen.

„Ich will damit nicht behaupten, dass in Münden nicht gemordet und vergewaltigt wurde,“ betonte der Geschichtsstudent. „Doch gab es offenbar ganz bestimmte Mechanismen, nach denen alles ablief und die ich genauer untersuchen will.“

Beispielsweise habe Tilly neben dem damaligen Superintendenten Martin Uden, dem Bürgermeister Christoph Mengershausen und zahlreichen Mitgliedern der damals einflußreichen Familie Hüpeden weitere Funktionsträger und Notablen am Leben gelassen.

„Tilly maß der Eroberung offensichtlich große Bedeutung zu, nur so lässt sich sein Vorrücken mit 20 000 Mann gegen die kleine Stadt erklären,“ meint der junge Mündener. „Mit einem drohenden Zeigefinger wollte er dem hessischen Landgrafen, aber auch den Städten Northeim und Göttingen zeigen, was ihnen blüht, wenn sie sich einer Zusammenarbeit verweigern würden.“

So habe er offenbar auch in Windeseile ein Flugblatt produzieren lassen, welches in mehreren Versionen heute noch als Quelle über die Eroberung diene. (ASC)

Das von Thomas Kossert erstellte Personenverzeichnis kann im Internet unter www.muenden.kossert.net eingesehen werden.

siehe auch