Udo Schlitzberger

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Dr. Udo Schlitzberger

Über 18 Jahre hinweg hatte Dr. Udo Schlitzberger (* 31. Oktober 1946) das Amt des Landrats im Landkreis Kassel inne. Er gilt als ausgesprochen populär.

Bei der Landratswahl am 25.1.09 trat er nicht wieder an. Sein Nachfolger wurde der bisherige Vize-Landrat Uwe Schmidt (ebenfalls ein SPD-Politiker), der auf 64,5 Prozent der Stimmen kam. Uwe Schmidt trat sein Amt am 1. Juli 2009 an.

Leben und Wirken

Biografisches

Nach dem Besuch von Volksschule (an seinem Heimatort Fürstenwald), dem Abitur (1966) und dem Studium der Politik- und Geschichtswissenschaften, der Philosophie und der Germanistik an der Universität Marburg promovierte Udo Schlitzberger zum Dr. phil. und trat in den höheren Schuldienst ein (Lehrer an einer integrierten Gesamtschule sowie Gymnasiallehrer).

Aus der 1967 geschlossenen Ehe mit Marianne Schlitzberger († 8.11.2011) stammt der gemeinsame Sohn.

Der SPD-Politiker Schlitzberger (seit 1968) war von 1976 bis 1991 Mitglied des Hessischen Landtags und wurde bei den Landtagswahlen 1978, 1982, 1983 und 1987 direkt gewählt.

Von Juli 1991 bis Juni 2009 war er Landrat des Landkreises Kassel .

Daneben hatte Schlitzberger zahlreiche weitere Ämter inne, etwa von 1972 bis 1991 als Gemeindevertreter von Calden , von 1974 bis 2007 als Vorsitzender des TSV Fürstenwald 1893 e.V. oder von 1982 bis 1991 als Vorsitzender des von ihm mitbegründeten Kultur- und Geschichtsvereins Calden e.V., in den Jahren 1986 bis 2003 als Vorsitzender des Aus- und Fortbildungsverbundes im Landkreis Kassel e.V. oder seit 1991 als Vorsitzender des Kreisverbands des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Im Jahre 1990 wurde Udo Schlitzberger mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt, im Jahre 2009 mit der Willy-Brandt-Medaille, der höchsten Auszeichnung, die die SPD zu vergeben hat.

Schlitzohr mit Herz und Harnisch

aus: HNA-online vom 25.06.2009

Am 30. Juni um Mitternacht geht die Ära von Landrat Dr. Udo Schlitzberger nach 18 Jahren zu Ende

Von Thomas Stier

Kreis Kassel. So schnell gehen 18 Jahre vorbei: Am 30. Juni um Mitternacht endet die Amtszeit von Landrat Dr. Udo Schlitzberger, die so lange währte, dass man getrost von einer Ära im Landkreis Kassel sprechen kann.

Es ist die Zeit, Bilanz zu ziehen und zu schauen, was gelungen ist in diesen 18 Jahren und was nicht. Was ihn antrieb, das weiß der 62-Jährige und zitiert - mit den alten Römern hat er's nun einmal - Cäsar: "Lieber der Erste in Gallien als der Zweite in Rom", begründet er seine Entscheidung, sich nach 15 Jahren im Hessischen Landtag 1991 vom Kreistag zum Landrat wählen zu lassen. Schließlich ist Schlitzberger ein bekennender Machtmensch: "Man kann nichts machen ohne Macht", sagt er dazu.

Mit Argumenten, aber auch mit einer Mischung aus Charme und Härte besorgte er sich im Kreistag seine Mehrheiten. Dass die bis heute halten, schreibt er durchaus auch dem eigenen Wirken zu: "Wir sind mittlerweile der einzige Landkreis in ganz Deutschland mit einer absoluten SPD-Mehrheit."

Die half ihm durch die Jahre und zu den Erfolgen, die er auf seiner Habenseite verbucht: Die Fusion dreier Kreissparkassen zu einer im Jahr 1994. "Ohne mich wäre das gar nicht gegangen, ich saß ja in allen drei Aufsichtsräten", schmunzelt er heute. Später folgte der Zusammenschluss mit der der Stadtsparkasse. Heute ist die Kasseler Sparkasse groß und stark genug, um die heimische Wirtschaft mit Geld zu versorgen.

Den Aufbau des NVV als regionaler Träger des öffentlichen Personennahverkehrs und - gemeinsam mit dem tödlich verunglückten Thomas Rabenmüller - die Schaffung des Regiotram-Systems. "Heute kommen Delegationen aus der ganzen Welt, um zu schauen, wie das klappt."

Den Ausbau der Jugendburg Sensenstein zu einer Sportbildungsstätte des Landes.

Die Förderung erneuerbarer Energiequellen im Kreis. Der war der erste in Hessen mit einem eigenen Programm zur Förderung von Solarkraft und Biomasse-Kraftwerken. Die Verknüpfung von Denkmalpflege und Beschäftigungspolitik, indem junge Leute zur Rettung historischer Gebäude qualifiziert wurden. Beispiel: Das Wasserschloss Wülmersen.

Der bevorstehende Neubau des Flughafens Kassel-Calden. Die Ausweisung von Eco-Pfaden zu archäologisch bedeutsamen Plätzen im Kreis.

Das alles, so weiß Schlitzberger natürlich, hat er nicht allein, sondern nur im Konzert mit vielen anderen geschafft. Aber dass viele dieser Projekte seine Handschrift tragen, davon ist er überzeugt.

Wo ist er gescheitert? Um eine solche Frage am Ende des Berufsleben ebenso flott zu bilanzieren wie die Erfolge, dazu ist der frühere Gymnasiallehrer in den letzten 33 Jahren zu sehr zum Politiker gereift. Also die Region Kassel, die hätte er sich schon viel früher gewünscht, das muss jetzt Nachfolger Uwe Schmidt vollenden.

Die dramatische Finanzlage des Kreises sieht Schlitzberger eher den von Bund und Land aufgebürdeten Lasten geschuldet als dem eigenen Tun: "Das sind strukturelle Probleme, die wir nicht lösen können." In seiner Zeit stiegen die Schulden des Kreises von 68,8 auf 93,1 Millionen Euro.

Damit ist das Thema Selbstkritik eigentlich schon erschöpfend behandelt. Würde er etwas anders machen? "Ich würde mich in einigen Situationen cooler verhalten, ich neige zu oft zu emotionalen Entscheidungen", sagt er und schiebt ein hübsches Bonmot nach: "Ich bin nicht nachtragend, aber ich vergesse nichts!" Vermutlich auch nicht, dass ihn 1992 seine zunächst teils von der Sparkasse finanzierte Geburtstagsfeier "Ein 46er wird 46" fast den politischen Kopf gekostet hätte.

Und jetzt? Was jetzt, wenn der Machtmensch Schlitzberger am 1. Juli keine Macht mehr hat? "Ich falle nicht in ein großes Loch", sagt er. LWV, Hessischer Wasserverband Diemel, Regionalversammlung, Naturpark Habichtswald: "Ich habe noch genug am Hals." So ein bisschen den "Elder Statesman" wird er schon noch spielen. Und mit Ehefrau Marianne, deren Genesung nach schwerer Krankheit gut voranschreitet, will er reisen, ans Mittelmeer, an die Nordsee, nach Dänemark und Kroatien.

Zu besonderen Anlässen kommt er natürlich weiterhin, dann aber nur als "freundlicher Nachbar". Der scheidende Machtmensch lehnt sich zurück, schnauft, streicht sich über die dichten weißen Haare und sagt: "Was ich wirklich wollte, habe ich durchgesetzt." Wer kann das schon von sich sagen?

Beiträge zur Geschichte der Region

Dr. Schlitzberger bei einem Vortrag vor Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins Wolfhagen

(eine Auswahl)

  • Dr. Udo Schlitzberger, Varus-Lager und Segestes-Burg, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2008, S. 53 ff.
  • Dr. Udo Schlitzberger, Plädoyer für eine nachhaltige Chatten-Offensive, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2008, S. 58 ff.
  • Dr. Udo Schlitzberger, 10 Thesen zur Vor- und Frühgeschichte des Dörnberg-Areals, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2009, S. 15
  • Dr. Udo Schlitzberger, Von Forstinwalde zu Fürstenwald, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2009, S. 17 ff.
  • Dr. Udo Schlitzberger, Der Dörnberg: Nördlichster Vorposten der keltischen Welt, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2012

siehe auch