Dr. Herbert Günther

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Dr. Herbert Günther (* 13. März 1929 in Fuldabrück - Bergshausen11. August 2013 in Wiesbaden) war Jurist und Politiker (SPD) und in den Jahren 1972 bis 1974 Landrat des Landkreises Kassel.

Von 1978 bis zum 11. Juli 1991 gehörte er als Abgeordneter dem hessischen Landtag an und war dort 1987 bis 1991 Vizepräsident.

Herbert Günther war von 1974 bis 1987 hessischer Justizminister und von 1982 bis 1984 sowie von 1991 bis 1994 Innenminister von Hessen.

Biografie

Herbert Günther studierte nach seinem Abitur am Kasseler Wilhelmsgymnasium Rechtswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg und promovierte 1957. Danach war er ab 1959 als Referent im hessischen Sozialministerium tätig. Ab Mai 1963 war er Landrat des Untertaunuskreises und vom 1. August 1972 bis 18. Dezember 1974 der erste Landrat des neu geschaffenen Landkreises Kassel, wo er zu den Initatoren der Deutschen Märchenstraße gehörte.

Erinnerungsbuch und Ärger über aktuelle Politik

  • Herbert Günther/Wilfried Schäfer, „Herbert Günther – Ereignisse, Begegnungen, Episoden“, 212 Seiten, Verlag Books on Demand, ISBN 978-3-8370-2311-4, 14,90 Euro.

Viel Echo für Silberlocke

  • HNA Bericht am 11.08.2010 von Ingrid Jünemann:

Fuldabrück. Über die Forderung des Berliner FDP-Wirtschaftsministers, Fachkräftemangel mit ausländischen Ingenieuren zu begegnen, regt sich Dr. Herbert Günther gehörig auf. Deutschland müsse die eigenen jungen Leute besser ausbilden, auch die aus bildungsfernen Familien, kontert der Sozialdemokrat. Und schon ist der frühere Landrat und Minister bei der eigenen Vita und dem Buch, in dem er sie erzählt. Bei der Geschichte von der Witwe mit fünf Kindern, seiner Mutter Luise, „die Ärmste im Dorf“, die sich nach dem Krieg mühsam durchschlagen musste und Sohn Herbert dennoch ein Jura-Studium ermöglichte.

Seine Autobiografie, die ein Stück regionale Historie spiegelt, hatte Günther vor gut einem Jahr vorgelegt. Als Zeitzeuge wollte er neben Privatem wichtige Ereignisse und Begegnungen festhalten. Nun zieht der 81-Jährige eine erste Bilanz, ist hocherfreut über die Resonanz, aber auch interessiert daran, seine Erfahrungen noch breiter zu streuen.

1500 Exemplare des Buchs sind verkauft. Das sei viel für ein solches Werk, „zu meiner großen Überraschung“, sagt Günther, „ein Bestseller im Regionalen“.

Es steht manche Episode auf den 212 Seiten, in der sich Menschen seiner Generation wiederfinden. Günther erzählt, bei Lesungen oder in Gesprächen werde oft nach Nazi-Zeit, Hitlerjugend, Gefangenschaft, Hungerjahren und Wiederaufbau gefragt. Da warne er dann vor Manipulation und mahne zum Aufpassen bei extremen Entwicklungen.

Aber der Bergshäuser Junge, wie er gern bezeichnet wird, wollte darüber hinaus zeigen, „dass es in der Politik nicht ohne Humor abgeht“. Hier spielt er zum Beispiel auf die Geschichte von dem Bürgermeister irgendwo im Melsunger Land an, der aus pragmatischen Gründen gleich zwei Parteibücher hatte.

Hang zu Festzelten

Häuptling Silberlocke, so benannt wegen seines leuchtenden Haarschopfes, nimmt sich auch selbst auf die Schippe. „An einem Festzelt kam ich nur schwer vorbei“, das gibt er zu. Reden hat er auch gehalten, wenn das gar nicht auf dem Programm stand.

Dann wieder der Schwenk zum aktuellen Geschehen. Da ärgert ihn, dass das im Landkreis Kassel gemeinsam mit der CDU beschlossene System Gesamtschule vier Jahrzehnte später ausgehöhlt wurde. Grabenkriege zulasten von Kindern aus Arbeiterfamilien würden geführt, „eine Blamage für die Politik“, sagt Günther.

Um die Sozialversicherung ist ihm ebenfalls bange. „Die muss ständig neu erkämpft werden“, so sein Auftrag an die Nachgeborenen.

Doch obwohl es solche Rückschläge gibt, die Erfolge überwiegen für Dr. Herbert Günther: „Meine Politik ist nicht ohne Echo geblieben“, sagt er selbstbewusst.

Von Ingrid Jünemann

Weblinks