Dom zu Fritzlar

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Ansicht - Fritzlar mit Dom
Stiftskirche St. Peter

Die als Dom zu Fritzlar bekannte ehemalige Kloster- und Stiftskirche St. Peter liegt in der Kleinstadt Fritzlar im Schwalm-Eder-Kreis (früher: Kreis Fritzlar-Homberg) in Nordhessen, etwa 25 km südlich von Kassel gelegen. Sie gilt als eine der bedeutendsten romanischen Kirchen von Hessen. Die Kirchen- und Klostergründung um 722 durch Bonifatius wurde zum Ausgangspunkt der Stadtentwicklung von Fritzlar. Der heutige bis zur Turmspitze rund 55 m hohe Dombau ist der Mittelpunkt der Stadt und prägt das Stadtbild.

Bauwerk

Kirchengründung und Vorgängerbauten

Um das Jahr 722 ließ Bonifatius bei Geismar (heute ein Stadtteil von Fritzlar) die der altgermanischen Gottheit Thor (Donar) geweihte Donareiche fällen, was als ein wichtiger Schritt bei der Christianisierung der Region gilt. Um ca. 723/724 wurde aus dem Holz der gefällten Donareiche ein St. Peter geweihtes Bethaus erbaut, das sich wahrscheinlich schon an der Stelle des heutigen Domes befand. Um 732 wird der Bau einer Kirche und eines Klosters in Fritzlar unter dem ersten Abt Wigbert berichtet. Diese Kirchen- und Klostergründung ist der Ausgangspunkt der Stadtentwicklung von Fritzlar. Von diesen Bauten ist nichts erhalten. Zwei spätere Vorgängerbauten an der Stelle der heutigen Kirche wurden bei Ausgrabungen entdeckt.

Hochromanischer Kirchenbau

Die Westfassade mit den Türmen gehört zu den ältesten erhaltenen Teilen des Domes, die Westvorhalle wurde nach 1253 davorgebaut - im Vordergrund das Bonifatius-Denkmal

Nach der Zerstörung von Fritzlar im Jahr 1079 wurde um 1085/1090 der Neubau der dreischiffigen romanischen mit einer Flachdecke versehenen Basilika begonnen, von der auch heute noch etliche Teile erhalten sind und deren Grundriss den heutigen Bau bestimmt: Die vollständig erhaltene Krypta unter dem Chor mit späteren Anbauten und Teile des Querhaus- und Nordseitenschiffswand. Vollständig erhalten ist die komplette Westfassade mit dem beiden Westtürmen und dem Quergeschoss dazwischen. Nur die beiden Turmhelme wurden im 19. Jahrhundert erneuert. Dieser hochromanische Bau war wahrscheinlich bis 1118 fertiggestellt.

Spätromanische Erweiterung

Die Kirche befand sich schon im Jahr 1171 in so einem schlechten Zustand, dass Erzbischof Christian I von Mainz ihre Wiederherstellung anordnete, die zu einem weitgehenden Neubau wurde. An den Chor und die Hauptkrypta wurde eine vieleckige Apsis mit Zwerggalerie angebaut, die Querhäuser wurden auf den alten Grundmauern weitgehend neu gebaut. Das Langhaus wurde bis auf die Außenwände neu erbaut und die ganze Kirche wurde nun eingewölbt. Über dem Langchor ist sogar der hölzerne romanische Dachstuhl aus dem Jahr 1194 erhalten. Spätestens 1232 war der spätromanische Kirchenbau vollendet, dessen Formen eine enge Verwandtschaft mit der romanischen Architektur aus Worms zeigen.

Im Jahre 1232 eroberte Konrad von Thüringen die damals mainzische Stadt Fritzlar. Die Stadt wurde dabei zerstört und die Stiftskirche geplündert und verwüstet, jedoch nur beschädigt und nicht zerstört.

Westvorhalle im Übergangsstil

Nach 1253 wurde vor der Westfassade die Elisabethkapelle im spätromanisch-frühgotischen Übergangsstil errichtet, die heute als Paradies bezeichnete Westvorhalle, die spätestens 1267 vollendet war.


Westvorhalle und Hauptportal des Domes
Eingang der spätromanisch-frühgotischen Westvorhalle des Domes
Im Dom zu Fritzlar: Einfassung im Boden zum Eingang


Gotik und Nachmittelalter

Seitenaltar im südlichen gotischen Südseitenschiff

Etwa ab den 1290er Jahren wurde das romanische Südseitenschiff durch zwei gotische Seitenschiffe ersetzt und die drei Flügel des Kreuzgangs sowie die Stiftsgebäude in gotischen Formen erbaut, in denen sich heute die das Dom-Museum und die Dombibliothek befinden. Spätestens 1323 war der Kreuzgang vollendet. Um 1354 wurde die am Nordquerhaus angebaute Marienkapelle gestiftet, die bis um 1365/1366 vollendet war und die heute als Bonifatiuskapelle bezeichnet wird.

In der Renaissance- und Barockzeit folgten etliche kleinere Baumaßnahmen und der Dom bekam eine reiche Barock-Innenausstattung, die jedoch bei einer Restaurierung von 1913-1919 größerenteils entfernt wurde. Zur reichen Innenausstattung aus den vergangenen Jahrhunderten gehört der barocke Hochaltar.

Im Jahre 2004 wurde dem Dom die Ehre zuteil, den Titel einer Päpstlichen Basilika führen zu dürfen, verliehen durch Papst Johannes Paul II. auf Bitte des Diözesanbischofs von Fulda, Msgr. Heinz Josef Algermissen. Bedeutenden Kirchen außerhalb der Stadt Rom verleiht der Papst den Titel einer Basilika Minor, wenn solche Kirchen bestimmte Anforderungen erfüllen, die zuvor eingehend geprüft werden. Nach langer Sanierungsphase ist der Dom zu Fritzlar seit dem 9. Dezember 2012 wieder für Besucher geöffnet.


Innenraum und Ausstattung

Innenansicht
Dom - Innenansicht

Der Innenraum der Kirche durch die spätromanische Architektur geprägt sowie durch die beiden gotischen Seitenschiffe und den nachträglichen Einbau von großen gotischen Maßwerkfenstern. Die Ausstattung im Innern wird dabei durch Elemente aus der Spätgotik und aus dem Barock bestimmt.

Die Krypta birgt den Gnadenstuhl und das Hochgrab des heiligen Wigberts. Er war der erste Nachfolger des heiligen Bonifatius.

Die Orgel - zwischenzeitlich als Denkmalobjekt klassifiziert - wurde 1929 von dem Bonner Orgelbauer Johannes Klais erbaut und 1995 durch die Fa. Klais umfassend restauriert. Das Orgelwerk umfaßt 43 Register, verteilt auf 3 Manuale und Pedal.

Dom-Museum

Dom-Museum in den gotischen Stiftsgebäuden des Kreuzgangs

Eine beeindruckende sakrale Sammlung enthält das Dom-Museum mit Bibliothek und Domschatz, darunter das "Kaiser-Heinrich-Kreuz", ein Altarkreuz aus dem frühen 11. Jahrhundert und eines der bedeutendsten hessischen Kunstwerke, und einige der ältesten Monstranzen des deutschsprachigen Raumes.


Wussten Sie schon, dass ...

  • ... die Städte Fritzlar und Homberg im 16. Jahrhundert mit den in ihren Mauern ansässigen Uhrmachern angeblich auf Kriegsfuß standen? Im Jahr 1517 wurde auf einen der Fritzlarer Stiftskirchtürme eine Schlaguhr von dem Homberger Uhrmacher Hans Klenschmidt, genannt Scheffer angefertigt. 1582 erhielt das Homberger Rathaus eine Uhr, sie wurde von dem Fritzlarer Uhrmacher Moritz Thiele kunstvoll hergestellt.
    August Bollerhey, Wehren
  • ... im Jahre 1864 der Baukommissar Friedrich Hoffmann und der Hofbaumeister Heinrich von Dehn-Rotfelser die erste baugeschichtliche Beschreibung des Fritzlarer Doms unter dem Titel "Die Stiftskirche St. Petri zu Fritzlar" herausgegeben haben? Seitens des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde wurde dieser Beitrag im vorgenannten Jahr als Sonderdruck veröffentlicht. Die Publikation enthält neben zahlreichen Bezeichnungen auch wunderschöne Lithographien der verschiedenen Ansichten des Domes.
    Klaus Leise, Geschichtsverein Fritzlar

Glocken des Doms

Geläut

In den Türmen hängt ein achtstimmiges, zum größten Teil historisches Bronzeglockengeläut in den Schlagtönen ais°-cis'-d'-fis'-gis'-ais'-eis"-fis".

Nr. Schlagton Gussjahr Gießer Name Gewicht Durchmesser Turm
1 ais° 1972 Petit & Edelbrock Martin 3416 kg 1,715 m Südturm
2 cis' 1466 Meister Goswin Große Osanna 3400 kg 1,709 m Nordturm
3 d' 1412 Henrich Heistirboum Große Maria 2150 kg 1,475 m Nordturm
4 fis' 1972 Petit & Edelbrock Wigbert 1084 kg 1,140 m Südturm
5 gis' 1456 Meister Goswin Kleine Osanna 980 kg 1,125 m Südturm
6 ais' 1685 Johannes Schirnbein Bonifatius 480 kg 0,910 m Südturm
7 eis" 1456 Meister Goswin Kleine Maria 270 kg 0,707 m Nordturm
8 fis" 1369 Meister Johannes Tertia 190 kg 0,627 m Nordturm

Martinsglocke

Die Martinsglocke ist die größte Glocke des Doms in Fritzlar. Sie wiegt ca. 3500 kg und hat einen Durchmesser von 1715 mm und ist dem heiligen Martin geweiht.

Literatur

Bonifatiusdenkmal vor dem Dom
  • Heinrich v. Dehn-Rotfelser, Friedrich Hoffmann: Die Stiftskirche St. Petri zu Fritzlar. Nach Aufnahmen von Friedrich Hoffmann. Cassel 1864–1865
  • Karl Alhard von Drach (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel. Band 2: Kreis Fritzlar. Marburg 1909
  • Rainer Humbach, Dom zu Fritzlar, Petersberg 2005
  • Berthold Hinz, Dom St. Peter zu Fritzlar

Pastoralverbund und Kirchengemeinde

Pastoralverbund

Die Pfarrgemeinde "St. Peter" (Dom zu Fritzlar) gehöre ursprünglich zum Pastoralverbund "St. Wigbert und Brigida" - Fritzlar.

Im Sommer 2011 schlossen sich die Kirchengemeinden Mariae Himmelfahrt Melsungen, St. Peter Fritzlar, St. Bonifatius Ungedanken, Herz Jesu Gudensberg, Christkönig Borken und Christus-Epheta Homberg sowie die Pfarrkuratien St. Wigbert Wabern und Mariae Namen Gensungen sowie die Seelsorgestelle St. Elisabeth Spangenberg zum neuen Pastoralverbund St. Brigida Schwalm-Eder-Fulda zusammen.

Der neue Pastoralverbund bildet zusammen mit dem bestehenden Pastoralverbund "Maria Hilf-Schwalmstadt" das Dekanat Fritzlar. [1]

Kirchengemeinde

Katholische Kirchengemeinde Dom zu Fritzlar
Dompfarramt St. Peter
Dr.-Jestädt-Platz 11
34560 Fritzlar
Tel.: 05622/ 99 99 - 0

siehe auch

Der Mond zwischen den Türmen des Fritzlarer Doms.
(Foto: HNA-Redakteur Reinhard Berger)

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Informationen auf www.poi.bistum-fulda.de

Weblinks