Domäne Frankenhausen

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Zur ehemaligen Gemeinde Burguffeln - heute ein Ortsteil von Grebenstein - gehörte auch die ehemalige Staatsdomäne Frankenhausen, in der landwirtschaftlich begünstigten Hofgeismarer "Rötsenke" gelegen.

Der etwa 320 ha große Betrieb wurde 1998 von der Universität Kassel gepachtet. Hier befindet sich heute das Lehr-, Versuchs- und Transferzentrum für Ökologische Landwirtschaft und Nachhaltige Regionalentwicklung und es wird nach den Richtlinien des Ökologischen Landbaus gewirtschaftet.

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

Die Domäne Frankenhausen liegt etwa 1,5 km südlich von Burguffeln bei dem mittelalterlichen Dorf "Vranccunhusen". Dieser Ort ist urkundlich bereits im 10. Jahrhundert nachgewiesen und gehörte später zum Erzbistum Mainz. Die Güter in Wilhelmsthal und Frankenhausen wurden im Jahre 1643 von der Familie von Schachten an die Landgräfin Amalie Elisabeth verkauft.

Rundgang auf Domäne Frankenhausen erinnert an Zwangsarbeiter in NS-Zeit

aus: HNA-online vom 12.2.2012

Frankenhausen. Hunger, Kälte, Entrechtung. Schuften auf dem Feld, im Stall, in der Milchkammer. Für minimalsten Lohn oder gar keinen - das Los landwirtschaftlicher Zwangsarbeiter während des Nationalsozialismus’.

Das an ihnen begangene Unrecht aus der Schublade des Vergessens zu holen, hat sich eine studentische Projektgruppe der Universität Kassel zur Aufgabe gemacht. Die Recherchen zu dem nach Kriegsende verdrängten dunklen Geschichtskapitel konzentrierten sich auf ein konkretes Beispiel: die hessische Staatsdomäne Frankenhausen, heute ökologischer Versuchs- und Lehrbetrieb der Uni.

Mit sieben Informationstafeln gewährt ein jetzt eröffneter historischer Rundgang über den alten Gutshof Einblicke in den leidvollen Alltag von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen während der NS-Zeit. Der öffentlich zugängliche Rundkurs des Erinnerns und der kritischen Auseinandersetzung führt vom Milchhaus über den alten Kuhstall, über Amtshaus und Gefolgschaftsraum bis zum neuen Pächterhaus. An den thematischen Stationen informieren die Tafeln mit Aktenauszügen, Fotos und Zitaten über die NS-Rassenideologie, über Repression und Arbeitsbedingungen, das Verhältnis zwischen Einheimischen und Zwangsarbeitern sowie die Jahre nach der Befreiuung.

„Polenkaserne“ und „Russenlager“ hießen primitive Unterkünfte für polnische Zwangsarbeiter und osteuropäische Kriegsgefangene. Diese Gebäude existieren schon lange nicht mehr. Die einzigen unmittelbaren Spuren Zwangsbeschäftigter finden sich auf dem Heuboden über dem alten Kuhstall: In den Wandputz geritzt stehen viele Mitarbeiternamen, auch solche in kyrillischer Schrift und mit Daten aus den Kriegsjahren.

Weit über hundert Männer, Frauen und selbst Kinder leisteten von 1939 bis 1945 Zwangsarbeit auf der Domäne Frankenhausen. 99 Namen, zu einem Großteil mit Geburtsdaten und -orten, konnte die Projektgruppe im Zuge ihrer zweijährigen Nachforschungen ermitteln.

Die Deportierten kamen aus sieben Nationen - die meisten aus Polen und der Sowjetunion - einige wenige aus westlichen Nachbarländern des Deutschen Reichs. Sie arbeiteten im Ackerbau, in Rinder- und Schweineställen, auch in der Produktion der seinerzeit vielgerühmten Frankenhäuser Vorzugsmilch. Die Studentinnen Hannah Fritsch und Jette Haak zum Alltag der weitestgehend rechtlosen Arbeiter: „Ihr Leben war bestimmt von unzureichender Ernährung, unangemessener Kleidung, schlechter Unterkunft, Willkür und Repression.“

In Frankenhausen selbst fand die interdisziplinäre Projektgruppe (Betreuer: Prof. Dr. Werner Troßbach) des Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaften und des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften, Fachgebiet Geschichte (Dr. Jochen Ebert), keinerlei Akten mehr vor. Mühselig und langwierig gestaltete sich die Suche nach Quellen. Überlebende Frankenhäuser Zwangsarbeiter konnten nicht aufgespürt werden. Zwei Jahre lang recherchierten die Mitglieder in Archiven und bei Gedenkstätten, führten Gespräche mit ehemaligen Domänen-Mitarbeitern oder deren in Frankenhausen aufgewachsenen Kindern. Nicht immer stießen ihre Fragen auf offene Ohren.

Artikel: Dorina Binienda-Beer

Literatur

  • Kreis Hofgeismar, Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen III, Marburg/ Lahn 1966, S. 66 ff.

Weblinks