Documenta schreibt sich jetzt dOCUMENTA (13)

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Die documenta-Leitung hat erste Festlegungen für 2012 vorgenommen. Die Auffälligste ist die Schreibweise des Namens: das historische, von Bode gesetzte “d” bleibt klein, ansonsten wird der Name in Versalien geschrieben. Bereits die von Jan Hoet geleitete Ausstellung (1992) war im Zeichen von Versalien gelaufen: DOCUMENTA IX. Nun erfolgt durch das vorangestellte kleine “d” jedoch ein Bruch - an dieser Schreibweise bleibt das Auge irritiert wie an einem Widerhaken hängen. Damit nimmt die Ausstellungsleitung den Impuls von 1992 auf und wendet sich zugleich wieder der ersten documenta mit ihrem schlichten d-Logo zu. Der uns vertraute Name wird also wieder entfremdet.

Der zweite wichtige Punkt ist, dass die von Carolyn Christov-Bakargiev geleitete Ausstellung den Ball von Catherine David aufnimmt. Die Französin hatte 1997 die Reihe “100 Tage - 100 Gäste” etabliert, in der Künstler, Autoren, Philosophen, Kuratoren, Filmemacher und und Wissenschaftler über Fragen der Zeit sprachen. Diese Vortrags- und Diskussionsreihe wird natürlich nicht kopiert. Stattdessen will Carolyn Christov-Bakargiev im Vorfeld der Ausstellung von 2012 die Buchreihe “100 Notizen - 100 Gedanken” begründen. Die kleinen Bücher, die ab Ende des Jahres erscheinen werden, sollen wie seinerzeit die Vortragsreihe Beiträge aus allen Sparten der Kunst, Kultur und Wissenschaft vereinen. Der heutigen Ankündigung zufolge sollen dabei stärker als 1997 andere Felder wie Politik, Wirtschaft, Psychologie und Linguistik eingebunden werden. Wie die Ausstellung selbst soll die Buchreihe das Unfertige, Bruchstückhafte betonen. Es soll durch die kleinen Bücher sichtbar werden, wie Ideen, das Wissen und die Kunst entstehen - wie das Denken funktioniert. Das Prozesshafte wird sichtbar gemacht, es soll Bewegung im Sinne der Gedanken entstehen.

Die Beiträge zu diesen Bänden können durchaus Collage-Charakter haben, wie das die Künstler Reen Ré und Quack du Lac beispielhaft durch eine Bearbeitung einer Lesebuchseite von Sigmund Freud vorgeführt haben.

Im Zentrum der dOCUMENTA (13) soll die künstlerische Praxis stehen. Aber in die Ausstellung sollen die anderen Kultur- und Wissensbereiche einbezogen werden.

Zum vierten Mal wird die documenta mit dem Verlag Hatje Cantz zusammenarbeiten. Dort sollen wie 1992, 1997 und 2002 der Katalog sowie Sonderpublikationen erscheinen. Auch die Reihe der Notizbücher wird mit Hatje Cantz gemeinsam entwickelt. Die Zusammenarbeit mit dem Taschen Verlag im Jahre 2007 hatte die Hoffnung geweckt, man könne die documenta-Publikationen noch breiter streuen. Das Gegenteil war der Fall. Die Bücher landeten sehr schnell auf den Ramsch-Tischen.

Die Publikationen der dOCUMENTA soll die in New York lebende Publizistin Dr. Bettina Funcke betreuen, die von 2000 bis 2007 für die Veröffentlichungen der Dia Art Foundation zuständig war und seit 2007 leitende Redakteurin der Zeitschrift “Parkett” ist.

17. 3. 2010