Documenta 12
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16. Juni bis 23. September 2007
Bei der Planung der Ausstellung knüpften Roger M. Buergel und seine Frau sowie Kuratoren-Partnerin Ruth Noack einerseits bei der documenta 1955 von Arnold Bode und zum anderen bei Catherine Davids documenta X an.
Dabei bezogen sich Buergel - Noack auf die in beiden Fällen angewandte Strategie, Arbeiten der aktuellen Kunst durch ältere Kunstwerke zu ergänzen, die den Weg zur jeweils zeitgenössischen Kunstproduktion ebneten. Außerdem nahm das Team Buergel-Noack Elemente der Ausstellungsinszenierung von Bode aus dem Jahre 1955 auf: Im Fridericianum hingen transparente Vorhänge vor den Fenstern.
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Documenta 2007
Die documenta 12 griff wie die documenta X auf Werke aus den 60er- und 70er-Jahren zurück, präsentierte aber auch alte Meisterwerke in der Gemäldegalerie von Schloss Wilhelmshöhe. Die Malerei spielte wieder eine größere Rolle als bei den beiden voraufgegangenen Ausstellungen. Ebenfalls erstaunlich breit vertreten war die Zeichnung. Als Hauptpräsentationsort für Videos galt in der ersten Phase der Vorbereitung die Neue Galerie, doch dominierten nun eher intime Arbeiten aller Techniken. Die Auswahl der 113 Künstler und etwa 530 Kunstwerke basierte auf einem globalen Diskussionsprozess, in den über 80 Zeitschriften einbezogen waren.
In Diskussionsforen und Zeitschriftenaufsätzen wurden die drei Leitmotive der documenta 12 diskutiert: Ist die Moderne unsere Antike? Was ist das bloße Leben? Was tun? Die Diskussion über die Leitmotive wurde in den täglichen Lunch Lectures in der documenta-Halle fortgeführt.
Roger M. Buergel und Ruth Noack verstanden ihre Ausstellung als eine politische, setzten aber nicht ganz so stark wie ihre Vorgänger auf das Dokumentarische, sondern zielten auf das sinnliche (schöne) Erlebnis und die Überwältigung. Die Vermittlung sahen sie als einen zentralen Bestandteil der Ausstellung an. Ihr ordneten sich die Ausstellungsstruktur und und die architektonische Gestaltung unter.
Eindrücke
Eröffnung
30 000 kamen zum Auftakt
Die documenta 12 hatte einen gelungenen Start. Nach Schätzung der Ausstellungsleitung kamen am Eröffnungswochenende rund 30 000 Besucher. Darunter waren 3500 Journalisten und weitere 2500 eingeladene Fachbesucher. Allein am Samstag wurden 9524 Karten verkauft. Die Mitarbeiter und Künstler zeigten sich über diesen Auftakt glücklich.
Die Ausstellung war von Bundespräsident Horst Köhler eröffnet worden. Besonderes Interesse zeigte Köhler bei seinem Rundgang durch den Aue-Pavillon an dem Werk des Afrikaners Romuald Hazoumé, der mit seinem 13,70 Meter langen Boot aus Ölkanistern an das Schicksal der Bootflüchtlinge erinnert. Die ausgeschnittenen Kanister wirken wie Gesichter.
Unter den zahlreichen internationalen Gästen waren auch die früheren documenta-Leiter Jan Hoet (1992) und Okwui Enwezor (2002). Mit dem Eröffnungstag hatte sich im Stadtzentrum schlagartig das Stadtbild verändert. Die Verbindungsachse zwischen Museum Fridericianum und Karlsaue war zum internationalen Boulevard geworden.
Die über die Ausstellungsorte verteilten chinesischen Stühle, die Ai Weiwei aufstellen ließ, sind insbesondere in der Rotunde des Museums Fridericianum zum Anziehungspunkt geworden. Dort wurden sie wie Kinosessel für das Video von Hito Steyerl benutzt.
Das documenta-Filmprogramm startete im Gloria-Kino, das allabendlich (20.30 Uhr) ausgesuchte Filme präsentierte, die zwischen 1953 und 2007 entstanden. Zur Premiere gab es „Viaggio in Italia“ von Roberto Rossellini zu sehen.
Das Konzept der weiträumigen Gliederung ging im Aue-Pavillon auf: Selbst wenn sich größere Gruppen begegneten, blieb genügend Raum zur Kunstbetrachtung. Allerdings wurde die architektonische Gestalt des Pavillons in nahezu allen Besprechungen kritisiert. Wie schon im Vorfeld hatte die documenta 12 ein breites Medienecho, wobei sich Zustimmung und Enttäuschung die Waage hielten.
Die von Roger M. Buergel und Ruth Noack organisierte Kunstschau präsentierte 530 Werke von 113 Künstlern aus aller Welt. Buergel verteidigte sich in einer Stellungnahme gegen die Kritik, eine beliebige Ausstellung zu zeigen. Er habe versucht, den Kern der Zeit zu treffen.
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Eröffnung der DOCUMENTA12 vom Bundespräsidenten Horst Köhler am 16.Juni 2007 |
Mohn aus einem Feld an der Fulda und die Kunst von Ai Weiwei
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Schön, Sie zu treffen ! Treffen mit drei von 1001 Chinesen die der Künstler 艾未未 Ai Weiwei nach Kassel zur documenta 2007 eingeladen hat dabei auch (dritter von links) Dan Chen , Künstler und Designer aus Peking, er hat z.B. das Zeichen für die chinesische Telefongesellschaft entworfen |
艾未未 Ai Weiwei Template,2007 Holztüren und Fenster aus zerstörten Häusern der Ming- und Qing-Dynastie. Kunstwerk auf der DOCUMENTA12 in Kassel |
Template von Ai Weiwei - verändert durch Unwetter sein Aussehen
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Template Kunstwerk von 艾未未 Ai Weiwei aus China verändert nach Sturm und Regen am 20. Juni 2007 sein Aussehen. Quelle: Foto von Günther Pöpperl.. WEB von艾未未 Ai Weiwei
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艾未未 Ai Weiwei am 20.Juni 2007 documenta12 in Kassel nach dem Sturm und Sturz sein Kunstwerk Template. |
Die documenta 12 ist Geschichte
Sie hat bis zuletzt wütende und vernichtende Kritiken bekommen, fast noch schärfere als die documenta X, die Catherine David vor zehn Jahren organisierte. Sie erntete aber auch Anerkennung – wie in der jüngsten Ausgabe der „Zeit“. War sie nun ein Flop oder ein verwegenes Meisterstück? Mit etwas Abstand wird man sagen müssen: Sie war doch wieder ein Meilenstein, ein Merkpunkt in der über 50-jährigen Geschichte der documenta.
Dabei erwies sich das genau als ihre Stärke, was ihr angekreidet wurde, nämlich dass sich Ruth Noack und Roger Buergel nicht um den Kanon der zeitgenössischen Kunst kümmerten und einen neuen, subjektiven Blickwinkel für die Kunstbetrachtung fanden. Sie vertieften den Ansatz, den Catherine David mit ihrer „Retroperspektive“ gewählt hatte. Damit war gemeint, beim Vorausschauen zugleich zurückzublicken. Während David vereinzelte Werke aus den 60er-Jahren vorgestellt hatte, trugen Noack und Buergel dutzendweise Arbeiten zusammen, die 30, 40 oder noch mehr Jahre alt sind, und die bis heute über große Strahlkraft verfügen.
Bald wird sich zeigen, dass man in der künstlerischen Moderne nicht mehr an Tanaka Atsuko (Elektrisches Kleid), Bela Kolarova (Bilder aus Haaren und Druckknöpfen) oder Maria Bartuszova (Gipsplastiken) vorbeigehen kann.
Okwui Enwezor hatte vor fünf Jahren seine documenta auf der Basis der Davidschen Ausstellung entwickelt und dabei die globale Perspektive verstärkt. Ruth Noack und Roger Buergel gingen einen Schritt weiter: Der traditionell mitteleuropäisch-amerikanische Blinkwinkel wurde nach Osten und Südosten verschoben. Noch stärker als die Osteuropäer waren die Asiaten mit ihren Arbeiten prägend.
Die Ausstellungen der Jahre 1997, 2002 und 2007 ergeben zusammen einen Dreiklang. Nicht nur, weil sie sich vom Markt abwandten, sondern weil sie die Kunst nicht um ihrer selbst willen zeigten, sondern um den Zustand der Welt zu spiegeln.
Roger Buergel hat sich wiederholt auf Arnold Bode und dessen erste documenta bezogen. In der Tat schließt seine gewagte Inszenierung mit Farben und Vorhängen genau an Bodes Erfindungen an. Auch die Absicht, die Position der jüngeren Künstler durch die Einbeziehung älterer zu ergänzen und abzusichern, hat Buergel von Bode übernommen. Die documenta 12 ist keine Wendemarke wie die documenta 5 von Harald Szeemann. Sie gehört aber zu den wichtigen Ausstellungen, die neue Zugänge eröffnet haben.
aus: HNA vom 24.9.2007
siehe auch
- Führung durch die documenta 12 (2007)
- Documenta11
- Documenta12
- Documenta-Halle
- Documenta urbana
- Einstieg in die documenta-Vorbereitung
documenta 1 bis 12 Leiter - Künstler - Exponate - Besucherzahlen

