Documenta-Lexikon: W

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Das documenta-Lexikon
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Inhaltsverzeichnis

Begriffe

Werbung

Die doumenta 5 (1972) präsentierte nicht nur Kunst, sondern öffnete sich auch den Grenzbereichen - wie Bildnerei der Geisteskranken, politische Propaganda, religöser Kitsch und Werbung. Als ein Beispiel ausgefallener und wirkungsvoller Werbung wurden die Afri-Cola-Plakate von Charles Wilp (1932-2005) gezeigt, der Kunst und Wirkungspsychologie studiert hatte und mit Man Ray fotografisch zusammengearbeitet hatte. Die von Wilp für Afri-Cola 1968 entwickelte Werbekampagne setzte nicht auf Überzeugung oder Überredung, sondern auf Verführung und Verlockung.[1]

Die in der Neuen Galerie gezeigten Großformate von Wilp standen in Korrespondenz zu den Plakaten in der Abteilung Politische Propaganda. In späteren Ausstellungen bedienten sich Künstler wie Barbara Kruger (1982 und 1987)sowie Hans Haacke (1997) des Mediums Werbeplakat, um auch außerhalb der Ausstellungsräume wirksam zu werden.

Werke (Anzahl)

Die documenta mit den meisten Werken war räumlich die kleinste: 1959 wurden in der II. documenta 1770 Werke gezeigt - und zwar im Fridericianum, vor der Orangerie-Ruine und im Palais Bellevue. Die Zahl war deshalb so hoch, weil die Bilder und Kleinplastiken im Fridericianum so gedrängt präsentiert wurden und weil im Palais Bellevue Druckgrafik zu sehen war.

Auf immerhin 1414 Werke kam die documenta III, vor allem dank ihrer Sonderabteilung Handzeichnung in der Neuen Galerie. Fast ebenso viele Objekte waren 1977 zu sehen - weil die Geschichte der Fotokunst und die neuere Entwicklung der Zeichnung dokumentiert wurden. Die documenta IX mit ihren zahlreichen Standorten (Fridericianum, documenta-Halle, Ottoneum, Temporäre Bauten, Neue Galerie und Orte in der Stadt) versammelte 1000 Werke. Die documenta 12 war räumlich die größte, präsentierte aber nur 516 Werke. Der Grund für die Umkehrung: Es wurde viele raumfüllende Installationen gezeigt; außerdem war der Bewegungsraum für die Besuchergruppen üppig bemessen.

Hier die Übersicht:

d 1 - 670 Werke

d 2 - 1770

d 3 - 1414

d 4 - 1000

d 5 - 1100

d 6 - 1400

d 7 - 1000

d 8 - 520

d 9 - 1000

d X - 569

d11 - 450

d12 - 516

White Cube

Der White Cube (weiße Würfel) ist das Zauberwort der zeitgenössischen Kunst. Hergeleitet ist der Begriff aus der Architektur der Moderne, die für die Kunstpräsentation den rechtwinkligen, weißen Raum zur Verfügung stellt. Nichts anderes soll das Werk beeinflussen. Die Konzeptkunst hat in den 1960er-Jahren den weißen Würfel als Projektionsfläche für die Kunst selbst als Form verstanden und damit das Prinzip auch wieder aufgehoben.[2]

Aus der isolierten Reinheit der Kunstpräsentation hat sich die Kritik am "White Cube" entwickelt: Das Werk werde in sakaler Form verherrlicht und von der gesellschaftlichen Wirklichkeit abgetrennt.

Roger Buergel und Ruth Noack wollten in der doumenta 12 den "White Cube" weitgehend verlassen. Einerseits bekannten sie sich in der Neuen Galerie und im Museum Fridericianum ausdrücklich zur klassischen Museumsarchitektur, andererseits ließen sie die Wände in blauen, gelben, roten und pinkfarbenen Tönen streichen. Nur in Ausnahmefällen erhielten Künstler (wie Simon Wachsmuth oder Zoe Leonhard) einen abgeschlossenen weißen Raum.

Wiedervorlage d5

Im Jahr 2001 zeigte der Kasseler Kunstverein im Fridericianum eine Ausstellung, in der unter dem Titel "Wiedervorlage d5" die documenta von Harry Szeemann im Jahre 1972 dokumentiert und in ihrer Wirkung untersucht wurde. Damit wurde einerseits die herausragende Leistung der Ausstellung gewürdigt. Außerdem wurde vorgeführt, dass das documenta Archiv über genügend Materialien verfügt, um als Institution auch initiativ und kreativ zu werden. Der zur Ausstellung erschienene Katalog (Hatje Cantz Verlag) ist mittlerweile selbst Teil der documenta-Geschichte.

Wilhelmshöhe

Schon immer hatte es die documenta in den Bergpark gelockt. So gab es einmal den Plan, die Skulpturen im Ballhaus und rund um das Gebäude zu platzieren. Auch in einem Konzeptpapier von 1957 für eine zweite documenta meinte Herbert V. Buttlar, das Fridericianum reiche nicht aus; deshalb solle Schloss Wilhelmshöhe ausgebaut und mit der documenta wiedereröffnet werden. Arnold Bode konkretisierte und verstärkte den Gedanken 1959 noch vor Beginn der II. documenta. Er wollte mit der documenta III in das Schloss Wilhelmshöhe umziehen. Doch der Ausbau der Schlossruine verzögerte sich. Der Mittelbau des Schlosses wurde erst im Laufe der 1960er-Jahre wieder aufgebaut (innerhalb der historischen Mauern ein Stahlbetonbau errichtet). Seit 1974 beherbergt der Mittelbau die Antikenabteilung und die Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Museen (heute: Museumslandschaft Hessen Kassel). Die Tatsache, dass in den 1970er-Jahren versetzbare Stellwände im Schloss installiert worden waren, geht auf den Wunsch Wunsch Bodes zurück, die documenta in Wilhelmshöhe zu zeigen. Erst bei der 2000 abgeschlossenen Sanierung erhielt das Schloss eine feste Galeriestruktur. Nun gab die documenta im Sommer 2007 erstmals ein Gastsspiel in Wilhelmshöhe. In der Gemäldegalerie wurden ältere Kunstwerke (Gemälde, Miniaturen und Zeichnungen) sowie aktuelle Arbeiten gezeigt. Hauptausstellungsfläche war der Raum für Wechselausstellungen im 2. Stock. Außerdem wurden Bilder und Objekte zwischen den Gemälden des 16. und 17. Jahrhunderts gezeigt. Daraus ergeben sich reizvolle inhaltliche und formale Beziehungen.

Das spektakuläre Projekt des Thailänders Sakarin Krue-On, Reisterrassen unterhalb des Schlosses anzulegen, blieb unvollendet. Die Reisterrassen wurden zwar gebaut, doch war es weder möglich, die Pflanzen in Wasserbecken wachsen zu lassen noch als Trockenreis zu züchten. Der Sommer war zu kalt. Das Werk blieb ein viel belächeltes Torso. Viel Beifall fand hingegen Allan Sekulas Arbeit: Er hatte entlang der Kaskaden auf Plakatwänden Großfotos zu seiner Arbeit "Schiffbruch und Arbeiter" aufstellen lassen.

Personen

Lori Waxman

Lori Waxman ist mit ihrem Projekt "60 Wrd/Min Art Critic" - 60 Worte pro Minute Kunstkritik bei der documenta 13. In ihrer Hütte an der Schönen Aussicht schreibt sie während der Weltkunstausstellung Rezensionen für jedermann. Künstlerische Arbeiten kann jeder einreichen - etablierte Künstler. Studenten, Hobbymaler. 30 Minuten hat sie pro Werk Zeit. Was Waxman formuliert, ist auf einem Monitor sichtbar. Die Kunstkritikerin Lori Waxman geboren 1976 in Montreal/Kanada, lebt in Chicago/USA. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und promoviert. Sie arbeitet u.a. für die "Chicago Tribune", "Parkett" und "Art Forum". Waxman lehrt an der School of the Art Institute Chicago und hat Essays, Katalogbeiträge und Bücher über Künstler wie Jenny Holzer, Joel Sternfeld und Emily Jacir veröffentlicht. Sie ist mit d13-Künstler Michael Rakowitz verheiratet. Er hat Bücher, die bei einem Luftangriff auf Kassel verbrannten, in Afghanistan in Stein schlagen lassen, um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Die beiden haben eine Tochter.[3]

Evelyn Weiss

Die Kunsthistorikerin Evelyn Weiss war Kuratorin am Wallraf-Richartz-Museum in Köln und danach stellvertretende Direktorin des Museums Ludwig in Köln, das aus dem Wallraf-Richartz-Museum hervorgegangen ist. In der documenta 6 war sie zusammen mit Klaus Honnef verantwortlich für die Abteilungen Malerei und Fotografie. In der Schlussphase der Vorbereitungen spitzten sich die Auseinandersetzungen mit documenta-Leiter Manfred Schneckenburger zu. Angeblich hatten sie für ihre Abteilungen nicht die Flächen bekommen, die ihnen zugesagt worden waren. Außerdem gerieten sie wegen der Malerei-Auswahl und der Beteiligung der DDR-Künstler in die Kritik. Als dann unmittelbar vor Eröffnung Künstler und Galeristen in die Hängung der Bilder eingriffen, kündigten Honnef und Weiss ihre Mitarbeit auf. Allerdings nahmen sie kurze Zeit später die Zusammenarbeit mit Schneckenburger wieder auf. Evelyn Weiss starb 2007.

Edi de Wilde

1983 hatte der documenta-Aufsichtsrat eine 30-köpfige Findungskommission zusammengestellt, in deren erster von zwei Sitzungen sich ein Dutzend Mitglieder selbst als Kandidaten für die documenta-Leitung empfand. In die engere Wahl kamen Germano Celant, Wulf Herzogenrath, Kasper König, Edi de Wilde und Armin Zweite. Nachdem Armin Zweite abgewinkt hatte, wurde der 64-jährige Holländer Edi de Wilde beauftragt, der damals das Stedelijk Museum in Amsterdam leitete. Das Museum, seine Sammlung und seine Ausstellungen galten als qualitätvoll, aber gesetzt und eher konservativ. Es deutete sich auch an, dass de Wilde, eine Generation älter als seine Mitbewerber, für ein stärker rückschauendes Programm gestanden hätte. Deshalb wurde er verpflichtet, seine Mitbewerber mit ins Team zu nehmen. Er entschied sich schließlich im Februar 1984 für eine Tandem-Lösung mit Harald Szeemann. Nur zehn Monate später gab das Duo auf. Daraufhin wurde zum zweiten Mal Manfred Schneckenburger als Nothelfer aus dem Hut gezaubert und nach 1977 nun auch für 1987 zum documenta-Leiter berufen.

Künstler




















































































siehe auch

Weblinks und Quellen

  1. Afri Cola wird 80
  2. Die Geschichte des White Cube
  3. Aus mydocumenta.de vom 17. Juli 2012: Lori Waxmans Kunstkritik: DOE Projects
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