Documenta-Lexikon: S

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Das documenta-Lexikon
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Inhaltsverzeichnis

Begriffe

Schirmherr

Schlachthof

7000 Eichen

Zur documenta 7 initiierte Joseph Beuys das Kunstwerk 7000 Eichen. 7000 Bäume, die von 7000 Basaltsäulen begleitet werden: Die Pflanzung der Bäume mit je einem begleitenden Stein an 7000 Punkten in Kassel wurde 1982 von Joseph Beuys begonnen. 1987, zur documenta 8, wurde das Projekt abgeschlossen. Mit der „sozialen Plastik“ wurde die meistdiskutierte und folgenreichste Intervention realisiert, die innerhalb von documenta-Außeninstallationen im Kasseler Stadtgebiet vorgenommen wurde. Kein anderes Kunstwerk greift wohl so nachhaltig in das topographische Gefüge der Stadt ein, keines verpflichtet aber auch so permanent zu aktiver Pflege und zum Bewußtsein über den Wert dieses Geschenks an die Kasseler Bürger. [1]

Skulptur

Mit dem aus dem Lateinischen kommenden Begriff Skulptur (sculpere = schnitzeln, meißeln) charakterisiert man ursprünglich dreidimensionale künstlerische Arbeiten, die aus einem ungeformten Material (Stein, Marmor, Holz) herausgearbeitet worden sind. Im Gegensatz dazu verstand man unter Plastik (aus dem Griechischen und Französischem: geformte Kunst) eine dreidimensionale Arbeit, die aus Ton, Wachs, Porzellan oder Gips geformt und aufgebaut worden ist. Mit Plastik wird aber auch ein einzelnes bildhauerisches Werk bezeichnet.

Diese strengen Unterscheidungen sind im 20. Jahrhundert aber zum Teil aufgegeben worden. Der Begriff Skulptur hat vielfach den Begriff Plastik verdrängt. Außerdem haben sich bei der Gestaltung dreidimensionaler Objekte auch andere Techniken durchgesetzt. Wie willkürlich die Bezeichnungen angewandt werden, beweist die documenta: In den Ausstellungen von 1955, 1959 und 1964 wurde nur von Skulptur gesprochen, auch wenn einzelne Arbeiten als Plastiken bezeichnet wurden. Die Ausstellungen von 1968 und 1972 verzichteten auf die Klassifizierungen (Malerei, Plastik, Skulptur, Objektkunst), weil die Grenzen aufgehoben wurden. Die documenta 6 bemühte zum letzten Mal mediale Unterscheidungen, um Abteilungen zu bilden. Dabei kehrte Manfred Schneckenburger zu dem klassischen Begriff Plastik zurück.

Skulptur Projekte Münster

Sozialistischer Realismus

Die ideologischen Wurzeln des sozialistischen Realismus liegen im Marxismus-Leninismus und dessen Vorstellung von einer Klassengesellschaft. So entstand in der Sowjetunion die Kunst des sozialistischen Realismus zunächst aus einem revolutionär geprägten Bewusstsein, ehe sie zur propagandistischen Staatskunst umfunktioniert wurde.

Der sozialistische Realismus ist in der Malerei, in der Bildhauerei und in der Architektur als auch in den angewandten Künsten fassbar und in seiner Bildsprache den drei grundlegenden Prämissen Qualität, Wahrheit und Parteilichkeit verpflichtet. Ab 1917 gehörte im Angesicht des Ersten Weltkrieges und der Oktoberrevolution insbesondere der gesellschaftliche und sozialistische Aufbruch zum bevorzugten Themenspektrum der Künste.

Unter Stalin erklärte das Zentralkomitee der KPdSU 1932 den sozialistischen Realismus zur gültigen und verbindlichen Ästhetik der Sowjetunion, die bis zum Zusammenbruch des Landes Bestand haben sollte. Von nun an war der sozialistische Realismus die einzige akzeptierte Kunstform, die sich in wirklichkeitsnahen, populistischen und leicht verständlichen Propagandagemälden niederschlug. Die Prinzipien des sozialistischen Realismus wirkten auch auf die Ausformung von Staatskunst unter anderem in der DDR und in China.

Wichtige Vertreter des sozialistischen Realismus sind Tatjana Jablonskaja, Isaak Brodski, Alexander Deineka, Viktor Popkow, Wassilij Jefanow und Alexander Gerassimow.[2]

Spitzhacke

Spitzhacke

Stationen der Moderne

Surrealismus

Der Surrealismus entstand in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts. Einer der Vorreiter und Theoretiker des Surrealismus war der französische Künstler Andre Breton. 1919 gründete er mit anderen Künstlern einen Zweig innerhalb des Dada. Dada war ein fast parallel zum Surrealismus verlaufender Stil der modernen Kunst. Breton und seine Mitstreite beschäftigten sich in ihren Werken mit dem Übernatürlichen. 1924 verfasste Breton das Manifest des Surrealismus, und der Surrealismus war als eigenständiger Kunststil geboren. Der Surrealismus gewann dann in Folge sehr schnell an Bekanntheit. Das erste Mal taucht der Begriff Surrealismus bereits 1917 in den Schriften des französischen Autoren Guillaume Apollinaire auf.[3]

Personen

Werner Schmalenbach

Der Kunsthistoriker Werner Schmalenbach, 1920 in Göttingen geboren, war von 1955 bis 1962 Direktor der Kestner-Gesellschaft Hannover und wurde prominent als Gründungsdirektor der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Beim Aufbau der Sammlung setzte er auf absolute Meisterwerke. So kaufte er Gemälde nur selten aus dem Atelier, sondern wartete häufig, bis ein Werk als gesichert galt, was dazu führte, dass er hohe Preise zahlen musste.

Schmalenbach gehörte 1959 bei der documenta zum Ausschuss für Malerei und Skulptur sowie zur Hängekommission. Auch 1964 wirkte er in Kassel im documenta-Rat und im Ausschuss für Malerei und Skulptur mit. Im Vorfeld der documenta 4 verließ er aber zusammen mit Fritz Winter unter Protest die documenta-Gremien, weil er die ausschließliche Hinwendung zur aktuellen Kunst nicht mittragen wollte. Von da an gehörte er zu den beständigsten documenta-Kritikern.

Wieland Schmied

Manfred Schneckenburger

Manfred Schneckenburger
Der Kunsthistoriker Manfred Schneckenburger (* 1938) war 1972 an der Gestaltung einer Ausstellung zu den Olympischen Spielen beteiligt. 1973 wurde er Direktor der Kunsthalle Köln, wo er ein Jahr später mit der Ausstellung „Projekt 74“ zur Situation der zeitgenössischen Kunst von sich Reden machte. Zur selben Zeit gaben Karl Ruhrberg sowie Wieland Schmied ihren Auftrag zur Vorbereitung der documenta 6 (1976) zurück. [4]

Um das Projekt zu retten, wurde Schneckenburger zum Leiter berufen, der zusammen mit Lothar Romain das Konzept einer Mediendocumenta entwarf. Die Ausstellung wurde auf 1977 verschoben. Auch bei seiner zweiten Berufung nach Kassel profitierte Schneckenburger von einem Streit. Nachdem sich 1984 de Wilde und Szeemann entzweit hatten, griff die Auswahlkommission auf Schneckenburger als Feuerwehrmann zurück. Bei seiner zweiten documenta versuchte Schneckenburger, Kunst, Architektur und Design zusammenzubringen und die politisch-kritische Kraft der Kunst herauszustellen. Schneckenburger, ein Experte für die Skulptur, war zuletzt als Professor an der Kunstakademie in Münster.

Roman Soukup

Soukup war Geschäftsführer der documenta X.

Mit der Entscheidung, sich von Geschäftsführer Soukup zu trennen, hat der Aufsichtsratsvorsitzende der documenta einen Schlußstrich unter die neuerlichen Auseinandersetzungen gezogen.

Die Vertreter der Stadt Kassel und des Landes Hessen, die im Aufsichtsrat der Kasseler documenta sitzen, waren guten Willens. Sie versuchten, wie zu hören ist, bis zum Wochenende, Roman Soukup zum Einlenken zu bewegen. Schließlich wußten sie, daß es zum jetzigen Zeitpunkt, genau zwei Jahre vor der nächsten (und dazu zehnten) documenta, nicht einfach und billig ist, den Geschäftsführer zu wechseln. Außerdem war ihnen auch klar, daß sie erst in der Aufsichtsratssitzung am vorigen Donnerstag mit Freude die gute Bilanz des Kunsthallenbetriebs im Museum Fridericianum zur Kenntnis genommen hatten. Roman Soukup ist ein Macher, dem es gelingt, Ausstellungen zu popularisieren, Feste zu inszenieren und der Kunst auch neue Besucher zuzuführen.

Doch exakt dieses Talent war die Ursache dafür, daß er bei der Vorplanung der documenta offensichtlich seine Rolle überschätzte und den Konflikt mit documenta-Leiterin Catherine David heraufbeschwor. So wie das laute und turbulente Begrüßungsfest im Herbst vorigen Jahres für die französische Ausstellungsmacherin schon nicht zu deren Art und ihrem Anspruch, eine stille Ausstellung zu planen, paßte, genau so wenig schien ihr zu gefallen, wie er die für September geplante Pressekonferenz (wiederum mit einem Fest) vorbereitete oder an die Sponsorenanwerbung heranging.

Groß-Ausstellungen wie die documenta sind auf Sponsoring angewiesen, doch gerade die letzten beiden documenten zeigten auch, wie schnell die Grenzen des Erlaubten bei der Sponsoren-Präsenz überschritten sind. Soukup verstehe oft gar nicht, was die documenta-Leiterin wirklich wolle, lautet der Vorwurf aus der Umgebung von Catherine David. Der Vorwurf muß den Geschäftsführer doppelt treffen, weil er sich im Denken und Kunst-Empfinden der Ausstellungsmacherin verwandt fühlte.

Roman Soukup verstand sich als Partner und nicht als Anwalt der documenta-Leiterin. Das verleitete ihn offenbar dazu, ihr Ratschläge zu erteilen und zunehmend auch eigenständig zu handeln. Konflikte zwischen der Geschäftsführung und künstlerischen Leitung einer Großausstellung sind nichts Ungewöhnliches, da oft genug der Geschäftsführer aus Kostengründen künstlerische Höhenflüge bremsen muß. Wenn es aber dazu kommt, daß der Geschäftsführer, wie wohl geschehen, um seine Position zu verteidigen, in den Chor jener einfällt, die Zweifel an dem richtigen Weg der künstlerischen Leiterin äußern, dann ist nichts mehr zu retten.

Insofern war die Entscheidung des Kasseler Oberbürgermeisters Georg Lewandowski richtig, als Aufsichtsratsvorsitzender der documenta Roman Soukup zu beurlauben. Alles spricht dafür, daß der Aufsichtsrat insgesamt der Vertragsauflösung zustimmen wird. Die Planung der documenta erfordert die Aktivierung aller Kräfte und kann sich an ihrer Spitze keine weiteren Reibungsverluste erlauben. Immerhin war dies der dritte öffentlich ausgetragene Konflikt, in den Soukup verwickelt war.

Noch ist ungewiß, wie die Nachfolge von Soukup geregelt wird. Eile ist auch kaum geboten, weil mit dem Prokuristen Frank Petri ein eingefuchster Vertreter zur Verfügung steht. Auf keinen Fall darf es aber dazu kommen, daß aufgrund der schlechten Erfahrungen die documenta-Leiterin nun eine zweite Management-Ebene einrichtet.

Zu lernen haben wohl alle Verantwortlichen aus dem Konflikt - vor allem diejenigen, die Roman Soukup (trotz einiger skeptischer Stimmen) zuversichtlich nach Kassel holten und ihm in der Anfangszeit zuviel Spielraum ließen. [5]

siehe:

Hein Stünke

Der Galerist Hein Stünke gehörte mit Rudolf Zwirner zu den Schöpfern des Kunstmarktes in Köln (1967), der zuerst im Gürzenich und dann in der Kunsthalle stattfand. Stünke und Zwirner hatten gemeinsam an der Organisation der II. documenta mitgewirkt.

Stünke war Mitglied im Ausschuss für Malerei, Skulptur und Druckgrafik; außerdem wirkte er in der Hängekommission mit. Auch 1964 und 1968 saß Stünke in den documenta-Gremien: Zur documenta III arbeitete er sowohl im Ausschuss für Malerei und Skulptur als auch im Ausschuss für Handzeichnungen sowie im documenta-Rat mit. Vier Jahre später gehörte er wieder dem documenta-Rat sowie den Ausschüssen für Plastik, Grafik/Objekte und Organisation an. Gerade an seiner Person entzündete sich die documenta-Kritik, die die documenta in zunehmender Marktabhängigkeit sah. Schließlich war ein Jahr vor der 4. documenta der erste von Stünke und Zwirner begründete Kunstmarkt durchgezogen worden. Zum Eklat kam es im Vorfeld der documenta 6: Hein Stünke zog sich zurück, und Karl Ruhrberg und Wieland Schmied kündigten ihre Arbeit an einem documenta-Konzept auf.

Südflügel im Kulturbahnhof

Catherine David griff gerne zu, als ihr die früheren Räume der Bahnpost im zum Kulturbahnhof umgebauten Hauptbahnhof für die documenta X angeboten wurden. Die zwei Etagen des Südflügels wurden zu einem überzeugenden Ausstellungsraum. Auch fügte sich gut, dass im Bahnhofskino Bali das Filmprogramm der documenta präsentiert wurde. Diese räumliche Erweiterung war für Catherine David der Anlass, für 1997 einen documenta-Parcours vom Kulturbahnhof über die Treppenstraße bis zur Orangerie anzulegen. Auch 2002 blieb der Bahnhof documenta-Spielort.

Harald Szeemann

Harald Szeemann
Der Schweizer Harald Szeemann (1933-2005) hat die Rolle des Ausstellungsleiters zum eigenständigen Beruf gemacht. Nach seinem Studium der Geschichte und Archäologie leitete er ab 1961 die Kunsthalle Bern, an der er mit international mit experimentellen Projekten auf sich aufmerksam machte. Er hatte ein untrügliches Gespür für neue Entwicklungen in der Kunst, wie 1968 seine Ausstellung „When Attitudes become Form“ zeigte.

Szeemann wurde Generalsekretär der documenta. Zum ersten Mal war die Ausstellung thematisch angelegt: „Befragung der Realität – Bildwelten heute“. Der Versuch, die Ausstellung in ein gewaltiges didaktisches Korsett zu zwingen, scheiterte allerdings. Erst später wurde die Ausstellung zur Legende. 1972 hatte Szeemann sich der Kritik zu erwehren, außerdem sollte er für das Defizit persönlich haftbar gemacht werden. Wiederholt gab es Bemühungen, Szeemann ein zweites Mal für Kassel zu gewinnen. Konkret wurden sie, als 1983/84 der Holländer Edi de Wilde und Szeemann gemeinsam als documenta-Leiter für 1987 beauftragt wurden. Aber das Team gab auf. Szeemann, der mit Ausstellungen wie „Der Hang zum Gesamtkunstwerk“ oder „Junggesellenmaschinen“ von sich reden machte, wurde schließlich 1999 und 2001 mit der Ausrichtung der Biennale in Venedig beauftragt.

Künstler

































































































































































































































siehe auch

Weblinks und Quellen

  1. Die Geschichte des Kunstwerks auf 7000eichen.de
  2. Aus kettererkunst.de: Sozialistischer Realismus
  3. Definition zu Surrealismus auf kunst-zeiten.de
  4. Wikipedia-Eintrag zu Schneckenburger
  5. Aus Schwarze Kunst vom 27. November 2009: Die Rolle offenbar überschätzt - übernommen aus der HNA übernommen 5. Juli 1995 von Dirk Schwarze
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