Documenta-Lexikon: N

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Das documenta-Lexikon
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Inhaltsverzeichnis

Begriffe

Nationen

Die Biennale von Venedig war und ist im Kern eine Nationen-Ausstellung. Die teilnehmenden Länder präsentieren in eigenen Räumen (vorwiegend in den Giardini) einen oder mehrere Künstler ihrer Wahl. Erst im Laufe der Zeit ist die von nationalen Zuordnungen frei Zentralausstellung in Venedig wichtiger als die Länderbeiträge geworden. Im Gegensatz zu Venedig wollte die documenta von Anfang an Künstler und ihre Werke präsentieren, nicht aber Vertreter von Nationen. Trotzdem ist im Katalog der ersten documenta eine Rubrik "Beteiligte Länder" zu finden, in der die Künstlernamen nach Nationen geordnet sind. Es sind der Anzahl nach: Deutschland, Frankreich, Italien, England, Schweiz, USA und Holland.

Im Katalog der II. documenta fehlt die Aufstellung nach Nationen. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Die US-amerikanischen Künstler sind gesondert aufgeführt, weil deren Auswahl Porter McCray vom Museum of Modern Art besorgte und nicht der Ausschuss für Malerei und Skulptur. 1959 waren Künstler aus 23 Ländern beteiligt. 1992 und 2007 kamen die Künstler aus 43 Ländern. Die stärkste Globalisierung war 2002 erreicht: Da waren Künstler aus 60 Ländern vertreten.

Neue Galerie

Das Galeriegebäude an der Schönen Aussicht wurde 1871-1874 für die Gemäldesammlung erbaut. Das im Zweiten Weltkrieg beschädigte Gebäude wurde in den 1960er-Jahren wieder hergerichtet. Während der documenta III waren dort die Handzeichnungen zu sehen. Auch 1968 und 1972 blieb die Galerie neben dem Museum Fridericianum zentraler documenta-Standort. Seit 1976 dient das Gebäude als Museum für die Kunst seit 1750. Die Ausstellungen von 1977 und 1982 konnten nur Teile des Museums in Anspruch nehmen. Die Präsentation wirkte vergleichsweise halbherzig. Seitdem innerhalb der Neuen Galerie der Bestand an Werken ausfrüheren documenten wächst (Ankäufe seit 1982) und die Installation "The Pack" (Das Rudel) von Joseph Beuys dort beheimatet ist, entsteht regelmäßig ein Widerstreit, ob die Neue Galerie zur documenta (ganz oder teilweise) geräumt werden soll oder ob die Sammlung der Gegenwart ihren Platz behalten soll.

1992 lud Jan Hoet solche Künstler in die Neue Galerie ein, die mit ihren Werken den Sammlungsbestand kommentierten. So war einerseits die Sammlung weiterhin präsent, andererseits war die Neue Galerie ein herausfordernder Ort der documenta. 2007 stand die Neue Galerie wieder in Gänze zur Verfügung, weil sie wegen einer anstehenden Sanierung sowieso ausgeräumt werden musste. Roger Buergel und Ruth Noack verwandelten das Gebäude, indem sie den Eingang von der Kopfseite zur Aue-Front verlegten und auf diese Weise die Eingangshalle für großzügige Installationen gewannen. Schwerpunkte in der Neuen Galerie waren mehrere große Video-Installationen (James Coleman), Zeichnungen, Fotografien und Malerei. Vor allem im ersten Obergeschoss überwältigten die Räume dadurch, dassdie Wände in Rot-Pink-Tönen gestrichen waren.

Die neuen Wilden (Junge Wilde, Heftige Malerei)

Ende der 1970er-Jahre meldete sich im Rheinland, in Hamburg, Berlin und Österreich eine neue Künstlergeneration zu Wort, die sich der Minimal Art und Abstraktion widersetzte und die mit Stilmitteln des Expressionismus und Fauvismus eine heftige und spontane Malerei pflegte - in kräftigen Farben und mit einer große holzschnittartigen Erzähllust. Auf einmal war die totgesagte figürliche Malerei wieder da. Weil vieles in der Malerei an die Bilder der Fauvisten (Wilden) erinnerte, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Paris gearbeitet hatten, sprach man von den Neuen Wilden.[1]

Die Wortprägung ging auf eine Ausstellung in der Neuen Galerie - Sammlung Ludwig in Aachen im Jahre 1980 zurück: Les nouveaux Fauves - Die neuen Wilden. Die Ausstellung wies auch auf die Künstler hin, die schon seit mehr als zehn Jahren den Boden dafür bereitet hatten: Georg Baselitz, Jörg Immendorff, K.H. Hödicke, A.R. Penck. Die Aachener Ausstellung hatte den Geist der Zeit richtig erkannt. Sie litt aber darunter, dass sie zugleich eine neue amerikanische dekorative Kunst (Pattern Painting) etablieren wollte.

Die Welle der Neuen oder Jungen Wilden beziehungsweise Heftigen Malerei oder Neo-Expressionisten löste ungewohnt scharfe Kontroversen aus.[2] Von vielen wurde sie als modisch und kurzlebig abgetan. Der Kritiker der Frankfurter Rundschau nannte die Künstler die "hochgemuten Nichtskönner". In der Tat flaute die Welle nach ein paar Jahren ab. Doch die Malerei insgesamt hatte einen nachhaltigen Schub bekommen, und viele Künstler wie Bernd Zimmer, Elvira Bach, Rainer Fetting und Helmut Middendorf blieben über Jahrzehnte prägend. Vor allem aber wurden die Vorbilder und Anstifter wie Hödicke, Baselitz, Immendorff, Penck, Per Kirkeby und Dieter Krieg in neuer Weise wahrgenommen.

Die documenta 7 von Rudi Fuchs wurde zu einer Manifestation der neuen Malerei, zu der international auch die Italiener wie Nicola de Maria und Mimmo Paladino gehörten. Diese documenta von 1982 war die letzte große Malerei-Ausstellung Kassel.

Personen

Ruth Noack

Ruth Noack war die Kuratorin der documenta XII.

Künstler






















































siehe auch


Weblinks und Quellen

  1. Hefige Malerei auf kunstwissen.de
  2. Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann auf beyars.com
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