Documenta-Lexikon: H

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Das documenta-Lexikon
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Inhaltsverzeichnis

Begriffe

Handzeichnung

siehe Zeichnung

Happening

Dabei handelt es sich um eine Art der Aktionskunst, die in den 1960er-Jahren Verbreitet war. In der Regel ist ein Happening eine spontane öffentliche - oft provozierende - Aktion, die Künstler veranstalten.[1]

Helden

Für Rudi Fuchs gab es in der documenta 7 unter den Künstlern eine echte Hierarchie. James Lee Byars, Mario und Marisa Merz, Jannis Kounellis, Arnuld Rainer, Georg Baselitz, A.R. Penck, Anselm Kiefer und Jörg Immendorff waren für ihn die Meister, die im Fridericianum die wichtigsten Plätze erhielten. Fuchs nannte sie seine "Helden".

Neu war das nicht: Jede documenta hat unter den Künstlern ihre Leitfiguren gehabt. Arnold Bode und Werner Haftmann setzten den Meistern der Moderne (Paul Klee, Pablo Picasso, Wilhelm Lehmbruck) jüngere Künstler wie Fritz Winter und Ernst Wilhelm Nay entgegen. Harald Szeemann baute die documenta 5 und spätere Ausstellungen wie "Einleuchten" in Hamburg um Künstler wie Mario Merz und Joseph Beuys auf. Jan Hoet verwandelte den Zwehrenturm in einen "Turm der Heiligen", in dem er ältere Künstler wie Gauguin, Giacometti und Beuys als die Basis präsentierte, auf der er seine Ausstellung aufbaute. Auch hatte er frühzeitig zu erkennen gegeben, dass seine Ausstellung um das Werk von Bruce Nauman herum entwickelt werde.

Himmelsstürmer

Man Walking to the Sky
"Man Walking to the Sky" nannte Jonathan Borofsky die Skulptur, die er 1992 zur documenta IX auf dem Friedrichsplatz in Kassel aufstellen ließ: Ein aus dem Boden diagonal aufsteigendes Stahlrohr, auf dem ein Mann wie ein Robotor kräftigen Schrittes nach oben strebt. Der Volksmund hatte rasch den Namen "Himmelsstürmer" geprägt und die Skulptur als hoffnungsvolles Zeichen vereinnahmt. Borofsky allerdings sah die Figur keineswegs bloß zukunftsfroh, sondern als ein Wesen zwischen Aufstieg und Absturz. Noch während der documenta IX begann eine Aktion zum Ankauf der Skulptur. Doch die über 600.000 Mark hätten nicht nur aus Bürgerspenden aufgebracht werden können. Die Kulturstiftungen machten den Erwerb möglich. Als dauerhaften Standort hätte Borofsky gerne das Bugagelände gesehen, die Stadt entschied sich aber für den Vorplatz des zum Kulturbahnhof umgewandelten Hauptbahnhofs. Borofsky schuf später für Straßburg das weibliche Gegenstück der Figur, und in New York steht eine Skulptur, auf der eine ganze Familie zum Himmel strebt. Vor dem Frankfurter Messeturm steht ein riesiger "Hammering Man". Kleinere Ausgaben dieses Riesen waren 1982 in der Neuen Galerie gezeigt worden.

100 Tage - 100 Gäste

Schon Arnold Bode hatte bei der ersten documenta von 1955 mehr als nur die bildende Kunst im Sinn gehabt. Er wollte eigentlich alle künstlerischen Formen von der Architektur über Film bis hin zum Theater einbeziehen. Doch Organisations- und Kostengründe verhinderten die umfassende Manifestation. Es gab nur einzelne Aufführungen - als Rahmenprogramm.

Catherine David war die erste, der es gelang, die Ausstellung auf mehreren Ebenen stattfinden zu lassen: "das Buch zur documenta X" war nicht bloß Katalog, sondern enthielt in Form von Essays die Überlegungen, die zu der Ausstellung führten und aus ihr in die gesellschaftliche Wirklichkeit führten. Die im Bali gezeigten Filme waren offizieller Teil des Ausstellungsprogramms. Und um den Zusammenhang zwischen der documenta X und den kulturellen Äußerungen in aller Welt herzustellen, etablierte sie in der documenta-Halle die Gesprächsreihe "100 Tage - 100 Gäste". Die Zuhörer, soweit sie in den meist überfüllten Veranstaltungen Platz fanden, saßen auf Eisenstühlen von Franz West, die mit afrikanisch gemusterten Stoffen bezogen waren. Jeden Abend war ein anderer Künstler, Kurator, Autor oder Wissenschaftler zu Gast, um einen Problembereich vorzustellen. Zu den Gästen gehörte auch Okwui Enwezor, der fünf Jahre später selbst die documenta leitete. Die Veranstaltungen gewannen Kultstatus. China war damals noch nicht durch Kunst vertreten, konnte sich aber mit Lyrik vorstellen. Zehn Jahre später waren die "Lunch lectures" in der documenta Halle eine Art Fortsetzung in anderer Form.

Personen

Werner Haftmann

Haftmann und Bode
Die erste documenta hätte kaum diese internationale Beachtung gefunden, hätte nicht an der Seite Arnold Bodes der Kunsthistoriker Werner Haftmann als theoretischer Kopf fungiert. Mit seinen Katalogaufsätzen und Reden schuf er die Basis, auf der die Kasseler Ausstellung Gestalt gewann. Haftmann hatte unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges begonnen, Aufsätze und Bücher über Künstler wie Emil Nolde oder Paul Klee zu schreiben, die von den Nazis als "entartet" geächtet worden waren. Just im Jahr der ersten documenta erschien von ihm die zweibändige Ausgabe "Malerei im 20. Jahrhundert", die lange Zeit als Standardwerk galt. Haftmann war nicht nur der klare Analytiker der modernen Malerei, sondern auch ein Propagandist der abstrakten Kunst. Die II. documenta (1959) nutzte Haftmann, um seine Thesen zu untermauern.

Bei der dritten documenta (1964) überraschte Haftmann mit der Begriffserklärung, dass Kunst das sei, "was bedeutende Künstler machen". Damit sagte er sich von allen Schul- und Stilbegriffen los, um die Freiheit zu haben, mit Bode zusammen Meisterkabinette (von Lovis Corinth bis Francis Bacon) einzurichten. Vielleicht wäre diese documenta, die neuere Strömungen vernachlässigt, untergegangen, hätte Haftmann nicht die Skulpturen- und Bilderschau durch die Abteilung Handzeichnungen ergänzt, die bis heute als der beste Überblick über die Entwicklung dieses Mediums seit 1880 gilt.

Als sich dann abzeichnete, dass die 4. documenta sich der aktuellen, nicht-abstrakten Kunst (Pop-art) öffnen würde, verließ Haftmann mit anderen das documenta-Team. 1967 wurde er dann in Anerkennung seiner Fähigkeiten zum ersten Direktor der Neuen Nationalgalerie in Berlin berufen, der er in seiner Amtszeit bis 1974 ein klares Profil geben konnte. 1999 starb er im Alter von 87 Jahren.

Wulf Herzogenrath

Dr. Wulf Herzogenrath, erst Direktor des Kölnischen Kunstvereins, dann Direktor der Kunsthalle Bremen, ist der deutsche Experte für Video-Kunst. Er verfasste mehrere Bücher über die Entwicklung der Video-Kunst, die Video-Skulptur und Nam June Paik. Zur documenta 6 und zur documenta 8 leitete er die Video-Abteilung.

Jan Hoet

Jan Hoet(* 1939), wie er 1992 im Wachsfigurenkabinett von Guillaume Bijl zu sehen war
Der Belgier Jan Hoet begeistert sich für die Kunst und kann die Begeisterung an seine Zuhörer und Ausstellungsbesucher weitergeben. Nach seinem Studium der Kunstgeschichte lehrte Hoet an verschiedenen Einrichtungen. Ab 1975 baute er schrittweise das Museum van Hedendaagse Kunst in Gent aus, das unter seiner Leitung expandierte und schließlich einen Neubau erhielt. International bekannt wurde Hoet durch sein Ausstellungsprojekt „Chambres d’Amis“, bei dem Künstler ihre Arbeiten in Genter Privatwohnungen zeigten. Diese intime Schau galt als die Absage an die in Verruf geratenen Großausstellungen.

Trotzdem wurde seine documenta IX 1992 die räumlich expansivste. Neben dem Museum Fridericianum nutzte er die neu erbaute documenta-Halle, das Ottoneum, temporäre Bauten in der Karlsaue und Teile der Neuen Galerie. Besonders spannend war die Inszenierung in der Neuen Galerie, wo documenta-Künstler mit ihren Werken die Sammlung kommentierten. Außerdem waren Spielorte ein Saal in der Orangerie, ein Geschäft am Friedrichsplatz und als Gelenk der Ausstellung das Treppenhaus des AOK-Gebäudes mit einer Klang-Installation von Max Neuhaus.

Die Ausstellung setzte auf sinnliche Erfahrung in allen Bereichen. Sie wurde von vielen als Unterhaltungsspektakel kritisiert, erwies sich aber als eine große Manifestation der vitalen Kunst an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. So umfassend ist vorher und nachher die zeitgenössischer Kunst nicht gespiegelt worden. Nach seiner Pensionierung in Gent engagiert sich Hoet seit 2002 in Herford, wo er den Aufbau eines kleinen exklusiven Kunstmuseums betreut.


Klaus Honnef

Prof. Klaus Honnef ist der deutsche Theoretiker und Förderer der Fotografie als Kunst. Über viele Jahre lehrte er an der Kunsthochschule Kassel. Im Rheinischen Landesmuseum Bonn war er für die zeitgenössische Kunst und insbesondere für die Ausstellungen verantwortlich.

Bereits 1972 gehörte Honnef zum documenta-Team und war mitverantwortlich für die Abteilung "Idee und Idee/Licht" (Konzeptkunst), in der auch erstmals in einer documenta Fotografien gezeigt wurden. Fünf Jahre später saßen Klaus Honnef und Evelyn Weiss im documenta-Komitee und organisierten die Abteilungen Malerei und Fotografie. Beide Abteilungen waren für die gegebenen Verhältnisse zu groß dimensioniert, so dass es zu Konflikten mit dem documenta-Leiter Manfred Schneckenburger kam. Verschärft wurde die Situation dadurch, dass man Künstler eingeladen hatte und nicht Werke. So passierte es, dass in einem Fall Bilder kamen, wo man Objekte erwartet hatte (und umgekehrt). Außerdem gab es Streit um die Hängung der Malerei. Gerhard Richter zog seine Gemälde zurück, weil er sie durch die Werke von Frank Stella erdrückt sah, andere Bilder wurden ohne Wissen der Kuratoren (unter Mitwirkung der Galeristen) umgehängt, außerdem hatten Georg Baselitz und Markus Lüpertz aus Protest gegen die Beteiligung von DDR-Künstlern ihre Werke abgezogen. Unmittelbar zur Eröffnung eskalierte der Konflikt, und Honnef sowie Weiss kündgien (vorübergehend) ihre Mitarbeit auf. Mit ihrer umfassenden Ausstellung zur Fotografie-Geschichte leisteten sie Pionierarbeit, die Malerei-Abteilung hingegen erntete heftige Kritik.

Künstler































































































































siehe auch

Weblinks und Quellen

  1. Zusammenhang zwischen Dada, Happening und Fluxus auf www.sterneck.net
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