Documenta-Lexikon: D

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Das documenta-Lexikon
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Inhaltsverzeichnis

Begriffe

Defizit

Die documenta 12 hatte mit weit über 19 Millionen Euro den größten Etat in der Kasseler Ausstellungsgeschichte. Trotzdem hält Roger Buergel die Ausstellung für unterfinanziert, da nur zwei Millionen Euro für künstlerische Projekte zur Verfügung gestanden hätten. Alle anderen Mittel für Kunstprojekte kamen von Sponsoren, Galerien sowie internationalen Kunstfonds. Dank der professionellen Geschäftsführung hat es seit der documenta IX kein Defizit mehr gegeben.

Die beiden ersten documenten waren Meisterstücke der Improvisation, so dass die Etats ausgeglichen blieben. 1964 entstand das erste Defizit in Höhe von 577.000 DM, das sich die Gesellschafter Stadt und Land Hessen teilten. Dafür gab es 1968 einen Gewinn in Höhe von 41.000 DM.

Zum Skandal wurde das Defizit in Höhe von 800.000 DM 1972, das nach Einschätzung der Experten voraussehbar war, das hinterher aber allein dem Generalsekretär Harald Szeemann angelastet werden sollte. Er sollte für das Defizit persönlich haften. Wahrscheinlich fühlten sich die Aufsichtsgremien zu dieser rigiden Forderung ermutigt, weil die documenta 5 sehr kontrovers diskutiert worden war und viele zu dem Zeitpunkt die Leistung der Ausstellung noch gar nicht erkannten. Nachdem die deutschen und intenationalen Museums- und Ausstellungsleiter Kassel mit einem Ausstellungsboykott gedroht hatten, wurde der Vorwurf an Szeemann fallen gelassen. Verschiedentlich bemühte sich die Politik, das Szeemann angetane Unrecht dadurch wieder gut zu machen, dass er erneut in die documenta-Leitung berufen wurde. Aber dazu kam es nicht. Ein weiteres hohes Defizit (910.000 DM) entstand 1987 - insbesondere durch die aufwändige Innenarchitektur, die die strengen Formen des klassizistischen Baus unterlief.

siehe: Etat

Design

In dem zweiten Exposé für die Ausstellung "Europäische Kunst im 20. Jahrhundert" (documenta 1955)ist die Rede davon, die Kunstschau mit einer Präsentation aller Künste zu verbinden. So wird vorgeschlagen, in Pavillons Industrieformen (Möbel, Lampen) zu zeigen. Auch 1957 schlugen Arnold Bode und Herbert v. Buttlar in ihrem Konzept für die II. documenta vor, die Ausstellung solle auch Auskunft über "Architektur, Wohnung, angewandte Kunst und Industrieform" Auskunft geben. 1964 war es dann soweit: In der Staatlichen Werkkunstschule wurde die Ausstellung "Industrial Design" und "Grafik" (Plakatkunst) gezeigt. Allerdings wurde diese Sonderschau erst Ende August (zwei Monate nach der Hauptausstellung) eröffnet. In vielen Bilanzen der documenta III taucht die Sonderschau gar nicht auf.

Ansätze zu einer Design-Darstellung waren ebenfalls in der documenta 5 in den Abteilungen Science Fiction, Utopie sowie Spiel und Wirklichkeit aufzuspüren. Die documenta 6 hatte als "Utopisches Design" voll integriert und dafür in der Orangerie eine eigene Abteilung geschaffen. Zehn Jahre später wurden in der documenta 8 die Grenzen zwischen Architektur, Kunst und Design - entsprechend der aktuellen Entwicklung fließend: Design wurde Skulptur, und die Skulptur konnte als Möbelstück oder Gebäude benutzt werden. Die Ausstellungen von 1997, 2002 und 2007 hoben die Grenzen zwischen den Disziplinen auf. Das beste Beispiel dafür war die Installation von Cosima von Bonin, in der Malerei, Handwerk, Skulptur und Design eine unauflösbare Verbindung eingingen.

documenta

Wer wann genau auf die Idee gekommen ist, die parallel zur Bundesgartenschau geplante Ausstellung documenta zu nennen, ist ungewiss. Arnold Bode reklamierte die Namensfindung für sich. Harald Kimpel nennt in seinem Buch "documenta - Mythos und Wirklichkeit" den Kasseler Akademie-Lehrer Ernst Schuh sowie Robert Völker als mögliche Namensgeber. Tatsache ist, dass das Wort documenta als Ausstellungsname erst wenige Monate vor der Eröffnung im Jahr 1955 auftauchte. Bevor der Name gefunden worden war, wurde das Ausstellungsprojekt "Europäische Kunst des 20. Jahrhunderts" genannt. Als Gründungs-und Trägerverein firmierte die "Gesellschaft für Abendländische Kunst des 20. Jahrhunderts". Skizzen von Arnold Bode verweisen darauf, dass er 1954/55 mit dem Gedanken spielte, die Ausstellung "Kunst Europas seit 1900" zu nennen.

Ans Lateinische angelehnte Begriffe (Constructa, Korrecta, Abstracta)waren Anfang der 50er-Jahre Mode. Der Name documenta sollte den Dokumentationsanspruch der Ausstellung bekräftigen. Im März 1955 hieß es in einer Programmankündigung: "Es handelt sich nicht um Experiment und Entdeckung, sondern um Dokumentation eines Geleisteten." Dabei gab es frühzeitig Streit um den Begriff, weil documenta nach lateinischer Logik ein Plural von documentum ist, mehrere Ausstellungen aber documenten genannt wurden und werden. Heute ist documenta ein international geschätzter Markenname.

Der Ausstellungsname wird im Prinzip klein geschrieben. An die Regel halten sich aber nicht alle. Das Team von Jan Hoet unterlief die Regel, indem es den Ausstellungsnamen 1992 in Versalien schrieb: DOCUMENTA IX. Zehn Jahre später, als Ecke Bonck das (Non-)Logo gestaltete, wurde offiziell Documenta11 geschrieben. Auch die Ordungsnummern der einzelnen Ausstellungen werden unterschiedlich geschrieben, wobei natürlich hinter der ersten documenta keine eins steht. Hier eine Übersicht über die Schreibweisen des Ausstellungsnamens:

1955 - documenta

1959 - II. documenta

1964 - documenta III

1968 - 4. documenta

1972 - documenta 5

1977 - documenta 6

1982 - documenta 7

1987 - documenta 8

1992 - DOCUMENTA IX

1997 - documenta X

2002 - Documenta11

2007 - documenta 12 (wobei die 12 offiziell in Abzählstrichen geschrieben wurde)



documenta Archiv

Auf eine Initiative von Arnold Bode im Jahre 1961 geht die Gründung des documenta Archivs zurück. Das documenta Archiv sollte demnach die Unterlagen und Akten zur Konzeption und Organisation der Ausstellung sammeln sowie Bücher und Kataloge zur Kunst des 20. Jahrhunderts. Heute ist das documenta Archiv eine der wichtigsten Spezialbibliotheken zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, die Kataloge und Monographien ebenso umfasst wie Zeitschriften. Darüber hinaus birgt das Archiv 250.000 Zeitungsausschnitte, 150.000 Einladungskarten, und mehr als 2000 Aktenmappen in 533 Archivkartons - insbesondere zur Organisation der Ausstellung. Hinzu gekommen ist ein ständig wachsendes Medienarchiv mit mehr als 3000 Videotiteln, 450 DVDs, 25.000 Dias, 1000 Ektachromen, 10.000 s/w-Fotos, 2.000 Künstlerporträts. Außerdem verwaltet das documenta Archiv die Nachlässe von Arnold Bode und Harry Kramer. Das documenta Archiv hat Bücher zur Geschichte der documenta herausgegeben. Unter dem Titel "Wiedervorlage" arbeitete das Archiv die Wirkungsgeschichte der documenta 5 auf. Wesentlich war das Archiv auch an der Konzeption der Ausstellung "50 Jahre documenta" beteiligt. Das documenta Archiv hat seine Räume im Kulturhaus Dock 4 Untere Karlsstraße 4, direkt hinter dem Fridericianum. Das von der Stadt Kassel unterhaltene Archiv wird von Karin Stengel geleitet. [1]


documenta forum

Mit der 4. documenta endete auch die Zeit, in der Arnold Bode der geborene Ausstellungsleiter der documenta war. Er wurde zwar noch zur documenta 5 und 6 in einzelne Gremien einbezogen, versuchte auch, vor der documenta 6 auf die Planung Einfluss zu nehmen, doch in Wahrheit spielte er keine Rolle mehr.

So kam es, dass er 1972 zusammen mit seinen Kasseler Freunden das documenta forum als Verein (eingetragen am 4. 7. 1972) gründete, das die Idee der documenta erhalten und stärken und vor den Einflüssen der Politik schützen sollte. Wahrscheinlich hoffte Bode auch, über das forum an der Planung der documenta teilhaben zu können. Bode war der erste Vorsitzende. Im Todesjahr Bodes übernahm Hansjörg Melchior den Vorsitz. Ihm folgten Harald Kimpel (1998), Hans Brinckmann (2005)und Dirk Schwarze (2007).

Das documenta forum erregte 2006/2007 durch eine einmalige Aktion Aufsehen: Es startete eine Initiative, um die Laser-Installation von Horst H. Baumann im Zwehrenturm mit neuer Technik für die nächsten zehn Jahre zu sichern. Zur Finanzierung wurde die Aktion "Mein LaserMeter" entwickelt: Für zehn Euro konnte man einen der 7325 Meter des Laserstrahls vom Zwehrenturm zum Herkules kaufen. Dadurch wurden rund 80.000 Euro eingenommen. Die Stadt (90.000 Euro), SMA (25.000 Euro) und die Städtischen Werke (10.000 Euro) unterstützten darauf hin die Aktion und machten den Neustart am 16. November 2007 möglich.


documenta foundation

Der Verein documenta-Foundation – gegründet 1964 – hatte zum Ziel, von documenta-Teilnehmern gestiftete Kunstwerke als Druckgrafiken oder Auflagenobjekte zu vervielfältigen, um zusätzliche Mittel für die Kasseler Ausstellungsreihe zur Gegenwartskunst zu gewinnen. Anlässlich der documenta 3 (1964) und documenta 4 (1968) wurden 90 Arbeiten international bekannter Künstler der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts in Editionen aufgelegt. Ihr Erlös ermöglichte bis in die 1970er-Jahre wichtige Teilbereiche der documenta-Ausstellungen.[1]

documenta GmbH

Die erste documenta wurde von einem Verein getragen, der sich Gesellschaft "Abendländische Kunst im 20. Jahrhundert" nannte. Für die zweite documenta wurde die documenta GmbH gegründet, in der die Stadt Kassel Mehrheitsgesellschafterin war. 1961 trat das Land Hessen in die GmbH ein, die seit dem je zur Hälfte von der Stadt und dem Land getragen wird. Als Organe hat die documenta GmbH die Gesellschafterversammlung und den Aufsichtsrat.

Der Aufsichtsrat beruft den Geschäftsführer und die künstlerische Leitung und seit 1988 auch den Leiter der Kunsthalle Fridericianum. In der Regel werden die künstlerischen Leiter auf Vorschlag der Findungskommission berufen. in den 90er-Jahren wurde die documenta GmbH in "documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH" umbenannt, da als ständige Aufgaben die Bespielung des Friderianums als Kunsthalle und die Vermietung der documenta-Halle hinzugekommen sind.


documenta-Halle

documenta-Halle 2007
Nach der Umwandlung der Orangerie in ein Museum versprach das Land den Bau einer documenta-Halle. Den Wettbewerb entschied Prof. Jochem Jourdan für sich. Er baute ein 150 Meter langes, gegliedertes Gebäude, das der Krümmung der Hangkante zur Karlsaue folgt. Das Haus bietet drei große Kabinette, eine Seitenlichthalle und eine gewaltige Haupthalle. Während Jan Hoet 1992 über die eben vollendete Halle jubelte, waren die documenta-Leiter Catherine David und Okwui Enwezor von dem Ausstellungsgebäude nicht begeistert. Sie nutzten sie eher als Ort für Kommunikationsprojekte, die allerdings zum überwiegenden Teil zur Ausstellung gehörten. Auch Roger Buergel konnte der documenta-Halle lange Zeit nichts abgewissen. Ihm fiel, wie er anfangs sagte, zu der Halle nichts ein. Nachdem das Theater aber seine Spielstätte in der documenta-Halle geräumt hatte, war Roder Buergel von dem großen Saal bgeistert. Durch die Kombination der verschiedenen Beiträge (Schwerpunkt: Cosima von Bonin) verwandelte er die Halle in ein Raumbild.


documenta-Rat

Zur Vorbereitung der ersten beiden Ausstellungen hatten Arnold Bode und seine Mitstreiter einen Ehrenausschuss ins Leben gerufen, in dem die politischen Instanzen und vornehmlich die Botschafter der an der documenta beteiligten Länder saßen. Zur documenta III wurde ein documenta-Rat gebildet, in dem sowohl Vertreter aus Wirtschaft und Politik mitwirkten als auch die Mitglieder des Arbeitsausschusses für Malerei und Skulptur. Den Vorsitz hatte Arnold Bode, der zugleich Ausstellungsleiter und Verantwortlicher für die Ausstellungsarchitektur war. Zur 4. documenta wurde der documenta-Rat neu zusammengesetzt. Wiederum trafen sich in ihm Politiker und Mitglieder der Arbeitsausschüsse. Bode hatte die Ausstellungsleitung und war Mitglied aller Arbeitsausschüsse. Ganz im Sinne des Zeitgeistes arbeitete 1967/68 der documenta-Rat quasi-demokratisch und stimmte über die Aufnahme oder Ablehnung von Künstlern ab. Danach war die Zeit des documenta-Rates vorbei, auch wenn Bode im Vorfeld der documenta 6 wieder ein vergleichbares Gremium zu installieren versuchte.

documenta urbana

Die documenta urbana ist eine Wohnsiedlung, die Anfang der 1980er-Jahre im Kasseler Südwesten entstanden ist. Damit ist insbesondere die Dönche gemeint.


Personen

Künstler

































































































siehe auch

Weblinks und Quellen

  1. Seite des Jonas Verlags
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