Documenta-Lexikon: B

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Das documenta-Lexikon
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Inhaltsverzeichnis

Begriffe

Besucherschule

siehe: Bazon Brock

Besucherzahlen

Zu den naturgegebenen inneren Widersprüchen der documenta und anderer Ausstellungen gehört der Umgang mit der Besucherzahl. Als 1955 zur ersten documenta 130.000 Besucher kamen, galt das Ergebnis als großer Erfolg. Danach gewöhnte man sich daran, dass von Mal zu Mal die Besucherzahl wuchs - erst (bis [1972]) erst allmählich, dann sprunghaft. So ist seit 1977 immer wieder vom Besucherrekord die Rede. Dabei ist es ein Ritual geworden, dass jedes Mal die künstlerische Leitung und die Geschäftsführung die Erwartungen dämpfen und vorweg erklären, der Zuspruch der Besucher sei für den Erfolg der Ausstellung nicht ausschlaggebend. Das stimmt nicht ganz, weil bei der Etat-Kalkulation schon der Karten- und Katalogverkauf mit einkalkuliert wird. Zwar wird vorsichtig mit etwas weniger Besuchern gerechnet als beim vorigen Mal. Doch geht man von einem hohen Sockel aus. Das heißt: Natürlich hat man 2007 nicht mit 651.000 Besuchern wie 2002 und schon garnicht mit 754.000 Besuchern gerechnet. Wären aber nur 300.000 gekommen (was auch beachtlich gewesen wäre), hätte die Etat-Kalkulation nicht gestimmt.

Das stete Ansteigen der Besucherzahl hat, das ist leicht nachzuvollziehen, nichts mit der wachsenden Qualität der documenta zu tun. Es ist vielmehr die wachsende Popularität der documenta, die ausschlaggegebend ist. Je länger die Institution besteht und je mehr kommen, desto mehr fühlen sich verpflichtet, ebenfalls die documenta zu besuchen. Außerdem haben die Globalisierung der Ausstellung (Künstlerauswahl und künstlerische Leitung) das weltweite Interesse gestärkt. Zudem sind die Marketing- und Pressestrategien intensiviert und langfristiger angelegt worden. Bei der documenta 12 kam hinzu, dass das Zeitschriftenprojekt die documenta weltweit zum Gesprächsthema machte. Und schließlich ist vor Ort die Aufmerksamkeit gewachsen. Irritiert waren viele Kritiker, als sie die die documenta X als verfehlt und theorielastig abkanzelten und trotzdem mehr Besucher als fünf Jahre zuvor kamen.

Hier die Übersicht:[1]

d 1 - 130.000 Besucher

d 2 - 134.000

d 3 - 200.000

d 4 - 207.000

d 5 - 220.000

d 6 - 355.000

d 7 - 387.000

d 8 - 487.000

dIX - 616.000

d X - 629.000

d11 - 651.000

d12 - 754.000

Biennale

Biennalen sind im Zwei-Jahres-Rhythmus (aus dem Lateinischen: Biennium = Zeitraum von zwei Jahren) veranstaltete Austellungen und Festivals Die älteste und bekannteste Biennale ist die 1895 in Venedig gegründete internationale Kunstausstellung La Biennale, zu der auch eine Architektur- und Film-Biennale gekommen sind. Daneben gibt es Triennalen (alle drei Jahre) oder Quadriennalen (alle vier Jahre). Arnold Bode dachte bei der Planung der ersten documenta bereits an die Begründung einer Quadriennale.

Er hatte seit 1946 den Gedanken an eine internationale Kunstausstellung verfolgt. Dabei konnte er an die Erfahrungen mit den Orangerie-Ausstellungen in den 20er-Jahren in Kassel anknüpfen. Als dann die Planungen für die documenta 1955 konkret wurden, hatten er und Werner Haftmann die Biennale von Venedig im Sinn. Die Ausstellung in Venedig litt aber immer wieder unter Qualitätsmängeln, weil den Kern der Ausstellung die Pavillons der Nationen bildeten, über deren Gestaltung die Länder selbst entscheiden konnten. Deshalb wollten Bode und Haftmann keine Nationen-Ausstellung. Gleichwohl enthält der Katalog der documenta 1955 einen nach Nationen geordneten Überblick über die teilnehmenden Künstler.

Direkt oder indirekt wurde die documenta immer wieder in Konkurrenz zur Biennale in Venedig gesehen, vor allem dann, wenn beide Ausstellungen parallel veranstaltet wurden. In der Biennale von Venedig ist die Zentralausstellung außerhalb der Nationenschau immer wichtiger geworden. Seit den 80er-Jahren ist die documenta ein deutlich größerer Publikumsmagnet. Mittlerweile ist die Biennale-Idee von zahlreichen Städten und Ländern aufgegriffen worden. Rund um die Welt gibt es ein fast unüberschaubares Angebot internationaler Kunstausstellungen, die im Zwei-Jahres-Rhythmus organisiert werden. Im Jahre 2000 organisierte René Block in der Kunsthalle Fridericianum eine Ausstellung, in der verschiedene Biennalen mit ausgewählten Künstlern zu Gast waren, und einen Biennale-Kongress. Die Idee, in Kassel ein Verbindungsbüro für die Kunstbiennalen zu gründen, wurde aber nicht aufgegriffen.

Das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) hat eine Biennalen-Datenbank erstellt, in der auch die documenta zu finden ist:

Biennalen Datenbank

Hier die Links zu einigen Biennalen:

La Biennale di Venezia

Biennale de Paris

Berlinbiennale

Skulptur-Biennale Münsterland 2005

Biennale of Sydney

Prague Biennale

Vienna Biennale (Viennabiennale) Bucharest Biennale

Istanbul Biennale

Biennale de Lyon

Werkleitz Biennale

Singapur Biennale

Boxen und Kunst

Streng genommen haben Kunst und Boxen nichts miteinander zu tun. Gleichwohl gibt es Affinitäten von Künstlern und Kuratoren zum Boxen. Der Leiter der documenta IX, der Belgier Jan Hoet, zählt dazu. Er hat selbst früher Boxkämpfe bestritten. Und er sah im Jazz, Baseball und Boxen Disziplinen, die entfernt etwas ausdrücken, auf das auch die zeitgenössische Kunst zielt. So holte er zu seiner documenta ein Jazzkonzert, ein Baseballspiel und einen Boxkampf nach Kassel. Zu dieser documenta hatte außerdem der Aktionskünstler Flatz im Fridericianum einen Raum geschaffen, in dem dicht an dicht Boxsäcke von der Decke hingen. Manche Besucher fühlten sich durch die Schlagsäcke animiert und setzten durch kräftige Schläge das ganze Feld in Bewegung, andere mühten sich, möglichst ohne Körperberührung zwischen den Säcken hindurchzugehen.

Schon einmal hatte es einen documenta-Boxkampf gegeben: In dem Raum von Ben Vautier im Fridericianum bestritt Joseph Beuys am 8. 10. 1972 zum Ausstellungsschluss einen Boxkampf gegen den Kunststudenten Abraham David Christian, der zu dem Kampf herausgefordert hatte. Beuys gewann den Boxkampf in drei Runden mit einem Punktsieg "für direkte Demokratie durch Volksabstimmung". Zuvor hatte Beuys in seinem gleichnamigen Büro 100 Tage lang mit den Besuchern über direkte Demokratie diskutiert.

Bundesgartenschau

1955 war die Bundesgartenschau in Kassel die Basis für die Planung der ersten documenta. Prof. Hermann Mattern, Kollege von Arnold Bode an der Kasseler Werkakademie, war mit der Planung der Bundesgartenschau beauftragt. Er hatte bereits 1939, in der Nazi-Zeit, die Reichsgartenschau verantwortet. Mattern wollte nach dem Vorbild der Bundesgartenschau 1951 in Hannover in die Blumenschau eine Kunstausstellung integrieren. In Hannover hatte Alfred Hentzen "Plastik im Garten und am Bau" gezeigt.

Für Kassel dachte Mattern an eine Kunstschau im Zelt auf dem Friedrichsplatz oder im Gartengelände über dem Küchengraben, das möglicherweise Frei Otto gestaltet hätte. Doch Arnold Bode, der die Idee begeistert aufgriff, entdeckte für sein Vorhaben das Museum Fridericianum als idealen Ort. Seit 1946 hatte Bode verschiedentlich Anläufe unternommen, eine große internationale Ausstellung in Kassel zu präsentieren.

Auch die zweite Bundesgartenschau, die 1981 in Kassel stattfand, hatte indirekt mit der documenta zu tun. Dem Turnus zufolge hätte die documenta 7 im Jahr 1981, parallel zur Gartenschau, gezeigt werden sollen. Doch der damalige Oberbürgermeister und Aufsichtsrats-Vorsitzende Hans Eichel setzte sich für eine Verschiebung der documenta auf 1982 ein, weil die Ausstellung mittlerweile zum Selbstläufer geworden sei und Kassel somit in zwei Jahren hintereinander mit Attraktionen aufwarten könne. Das ursprünglich als kulturelles Rahmenprogramm gedachte Kunstereignis hatte sich also endgültig emanzipiert. Nachdem die documenta 6 aus organisatorischen Gründen um ein Jahr verschoben worden war, waren es nun touristische Aspekte, die zu einer erneuten Verschiebung führten. Damit war ungeplant aus dem Vier- ein Fünf-Jahres-Rhythmus geworden. Dieser wurde von 1982 an für die weitere Zukunft festgeschrieben.

Personen

Künstler

siehe auch

Weblinks und Quellen

  1. Besucherzahlen auf basis-wien.at
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