Documenta-Lexikon: A

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Das documenta-Lexikon
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Inhaltsverzeichnis

Begriffe

Abendländische Kunst

Sonia Abian Rose (d 12)
Bevor der Name documenta gefunden worden war, lief die Arbeit an dem Ausstellungsprojekt für 1955 unter dem Titel "Abendländische Kunst des 20. Jahrhunderts". Auch der erste offizielle Antragsbrief an den hessischen Ministerpräsidenten (23. Mai 1954) war entsprechend tituliert. Kurz zuvor war die Gesellschaft "Abendländische Kunst des 20. Jahrhunderts e. V." gegründet worden, die 1955 auch als Trägerin der Ausstellung firmierte.

Abstrakte Kunst

Abstrakte Kunst - Miro (d 1)
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzten sich in der Kunst Tendenzen zur Vereinfachung und Stilisierung und zur Loslösung von der Darstellung durch. Paul Cézanne und Vincent van Gogh hatten ebenso dazu beigetragen wie später der Kubismus und der Expressionismus. Entscheidend in der Malerei war, dass das Bild nicht länger als Illusionsraum, sondern als gestaltete Fläche angesehen wurde. Pablo Picasso wies den Weg in die Abstraktion, ohne selbst zum abstrakt arbeitenden Künstler zu werden. Entscheidende Impulse gingen von Wassily Kandinsky, Paul Klee und Joan Miro aus.

Ihren Siegeszug trat die abstrakte Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg an - auch unter dem Eindruck faschistischer und sozialistischer Staatskunst. Werner Haftmann, der zusammen mit Arnold Bode inhaltlich für die ersten drei documenten verantwortlich war, sah in der Abstraktion die Zukunft der Kunst. Dementsprechend wirkte er auf die documenta ein. Allerdings waren unter den ausgestellten Werken stets auch zahlreiche figürliche und erzählende. Mit dem Aufkommen der Pop-Art verloren die Thesen Haftmanns an Verbindlichkeit.

Abstrakter Expressionismus

Der Begriff Abstrakter Expressionismus wurde bereits in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts gebraucht. Prägend wurde er aber erst in den späten 40er- sowie in den 50er- und 60er-Jahren. Gemeint ist eine ungegenständliche (abstrakte) Malerei, die sich von der Formstrenge des Konstruktiven abwendet und sich von gefühlsbetonten, spontanen und unbewussten Impulsen leiten lässt. Der Abstrakte Expressionismus setzt auf reine Farb-Form-Beziehungen und übernimmt Elemente der Expressionisten, die Stimmungen und Gefühle darstellen wollten, und der Surrealisten, die der automatischen Kompositionsweise Raum gaben. Hauptvertreter waren Willem de Kooning, Hans Hofmann, Robert Motherwell, Jackson Pollock und Clifford Still, die erstmals 1959 an der documenta teilnahmen.

siehe: Action Painting und Tachismus

Action Painting

Die als Action Painting bezeichnete Malerei entstand nach 1945 in den USA und kann als eine Sonderform des Abstrakten Expressionismus angesehen werden. Gemeint ist die Malerei, die aus einer Aktion entsteht. Der Künstler sitzt oder steht nicht mehr vor der Leinwand, sondern hat sie auf den Boden gelegt und lässt die Farbe darauf tröpfeln (Dripping) oder schleudert sie darauf. Der ganze Körper wird an der Malaktion beteiligt, und es wird jede gegenständliche Komposition oder strenge Ordnung verweigert. Mit Jackson Pollock, Willem de Kooning und Robert Motherwell waren die Repräsentanten des Action Painting seit 1959 an der documenta beteiligt. Der Franzose George Mathieu und die Deutschen K.O. Götz und K.R.H. Sonderborg werden ebenfalls dieser Schule zugerechnet. Sie waren ebenfalls 1959 in Kassel vertreten.[1]

Aktionskunst

In Opposition zur starren und überhöhten Kunstausstellung entwickelte sich in den 1950er-Jahren die Aktionskunst. Die Künstler knüpften dabei an die kunstkritischen Formen der Dada-Bewegung um 1920 an.

Einserseits ging es um die Überwindung der herkömmlichen Kunst, andererseits kamen starke Impulse von den Künstlern, die Sprache, Musik, Theater und Bildformen miteinander verbinden wollten. Es ging ebenso um Improviationen wie um provokative Erschütterungen des Publikums.

Kunst sollte in die Zeit (in den Verlauf) und in die Wirklichkeit zurückgeholt werden. Oft wurde das Publikum einbezogen. Die Fluxus-Bewegung (Fluxus = Fließen) wurde in den 60er-Jahren zu der Kunstrichtung, in der die Aktionskunst eine zentrale Rolle einnahm. Exponenten der Fluxus-Bewegung waren Joseph Beuys, John Cage, Wolf Vostell, Ben Vautier und Emmett Williams.[2]

Eine Sonderform entwickelte der Wiener Aktionismus mit seinen manchmal mehrere Tage lang dauernden rituellen Aufführungen (Hermann Nitsch, Otto Muehl).

Auf Allan Kaprow geht die Bezeichnung "Happening" (1958) für Aktionen zurück. Unter Happening verstand man in der Folgezeit nicht geplante, oft provokative Aktionen.

Die Aktionskunst wurde in den 1970er-Jahren von der aus den USA kommenden geplanten und inszenierten Performance weitgehend verdrängt.

Ambiente

Der aus dem Italienischen stammende Begriff bezeichnet die spezifische Eigenart eines Raumes, einer Umgebung. Er wird häufig gebraucht, wenn es um die Charakterisierung einer Wohnlandschaft oder Inneneinrichtung geht. Arnold Bode, der für seine Inszenierungskunst bekannt war, reagierte im Vorfeld der 4. documenta fasziniert auf die Tatsache, dass sich vielfach das Bild von der Wand und die Plastik vom Sockel lösten und eine enge Verbindung mit dem Raum eingingen. Er meinte in erster Linie das Aufkommen der Installationen. Es waren Kunstwerke, die zu begehbaren Räumen wurden und die damals Environments genannt wurden. Innerhalb der 4. documenta wurde eine eigene Ambiente-Abteilung geschaffen, für die auch ein gesonderter Arbeitsausschuss gegründet worden war. In seinem Katalog-Vorwort schrieb Bode, dass die Ambiente-Kunstwerke besondere Herausforderungen an die Ausstellungsgestalter stellten. Doch etliche dieser Werke wurden eigens in Auftrag gegeben. Schon 1964 hatte Bode mit der Abteilung "Bild und Skulptur im Raum" etwas von dem Ambiente-Charakter vorweggenommen.

Architektur

In der Orangerie-Ausstellung von 1927, die das 150-jährige Bestehen der Kunstakademie feierte und an der Arnold Bode beteiligt war, gab es auch eine kleine Architektur-Dokumentation, wie der Katalog von damals belegt. Bode war esalso gewohnt, in die Kunstausstellung die Architektur einzubeziehen. Schon im ersten Konzeptpapier für die Ausstellung "Europäische Kunst des 20. Jahrhunderts" (wie ursprünglich die documenta betitelt war) ist von Architektur-Großaufnahmen die Rede. In der Tat gelang es Bode, in die erste documenta Fotos avantgardistischer Architektur von 1905 bis 1955 zu holen.

Immer wieder suchte Bode die Verbindung von Kunst und Architektur. 1959 schrieb er in einem Beitrag für eine Publikation der Stadt ("Kassel - Stadt der documenta"), die nächste Ausstellung solle Malerei und Grafik im Schloss Wilhelmshöhe und Plastik im Oktogon des Herkules präsentieren. Auch die großen Architekten der Welt sollten ebenso wie die Designer ihr Werk zeigen.

1967 konkretisierte Bode seine Vorstellungen für eine documenta urbana. Doch als die 1982 außerhalb der Stadt, an der Dönche, realisiert wurde, fand sie außerhalb der documenta 7 statt. 1987 richtete Manfred Schneckenburger eine Architektur-Abteilung ein, in der Architekten (künstlerisch) ihre Vorstellung vom idealen Museum veranschaulichen sollten. Verschiedentlich, vor allem 1997 und 2002, wurden Architekten eingeladen, innerhalb der documenta ihre Vorstellungen zu visualisieren. Auch in der documenta 12 waren Architekten/Künstler vertreten, die sich im Grenzbereich von Objektkunst und Architektur und von Stadtplanung und sozialem Raum bewegten.

Arnold-Bode-Preis

Der Kasseler Arnold-Bode-Preis wird seit 1980 vergeben, zuerst jährlich, ab 1988 alle zwei Jahre, doch immer in einem documenta-Jahr. Obwohl nicht so gedacht, ist der Arnold-Bode-Preis indirekt ein documenta-Preis. Das äußert sich dadurch, dass die meisten Preisträger documenta-Künstler sind und dass seit 1982 der Preis im documenta-Jahr im Rahmen der Ausstellung vergeben wird. Die Geschichte des Preises ist in dem Band Arnold-Bode-Preis 1980/2000 (Jonas Verlag, Marburg, 2000) dokumentiert.[3]

Der Preis versteht sich in mehrfacher Hinsicht als Künstlerpreis. Er wird an Künstlerinnen und Künstler vergeben und wurde durch Künstler ermöglicht. Außerdem hatte ein Künstler die Idee zu dem Preis geboren: Arnold Bode. Aus Anlass seines 75. Geburtstages hatte Bode (auf Initiative des Kasseler Kunstvereins) von über 100 Künstlern Werke geschenkt bekommen. Diese Geschenke sowie 111 Arbeiten Bodes wurden zum Vermögen der 1978 gegründeten Arnold-Bode-Stiftung der Stadt Kassel vereinigt. Ziel der Stiftung war es unter anderem, den Arnold-Bode-Preis zu vergeben, der zuerst mit 10.000 DM, dann ab 1988 mit 15.000 DM und jetzt mit 10.000 Euro dotiert war bzw. ist. Die an Bode geschenkten Werke stehen der Artothek zur Verfügung und können ausgeliehen werden.

Arte Povera

Der aus dem Italienischen kommende Begriff heißt, wörtlich übersetzt, arme Kunst. Geprägt hat ihn 1967 der italienische Kritiker und Kurator Germano Celant für in dieser Zeit entstandene Werke, die aus alltäglichen Materialien (Glas, Gips, Beton, Holz, Filz und Blei) gefertigt worden.

Zu den Hauptvertretern in Italien gehörten Mario Merz, Giovanni Anselmo, Luciano Fabro, Michelangelo Pistoletto, Giuseppe Penone, Jannis Kounellis und Gilberto Zorio. Ihre Kunst enstand aus dem Bruch mit der dominanten klassischen Bildsprache und aus der Hinwendung zu einer neuen Poesie.

Zeitgleich entwickelte in Deutschland Joseph Beuys sein Werk unter Verwendung ganz ähnlicher armer Materialien. Es war vor allem Beuys, der bisweilen auf die Formung und Verarbeitung der Materialien verzichtete und sie für sich selbst sprechen ließ: Fett nährt, Filz wärmt, Kupfer leitet, Blei isoliert. Der Stoff selbst wird zur Botschaft.

Beuys war bereits 1964 und 1968 an der documenta beteiligt. Ihren ersten großen Auftritt hatten die Arte Povera-Künstler 1972 unter der Regie von Harald Szeemann.

Audio-Guide

Erstmals 1959 wurden innerhalb der documenta Führungen angeboten. Arnold Bode schulte fünf bis sechs Studenten (darunter der angehende Künstler Hans Haacke)für diese Aufgabe. Eine andere Form der Kunstvermittlung bot Prof. Bazon Brock 1968, 1972 und 1977 an: Er veranstaltete Besucherschulen - eine Mischung aus Dia-Vortrag und Performance. 1982 wurde aus der Besucherschule ein Kurzführer, der fortan (bis 2002) zum Standardangebot gehörte.

2007 versuchten Ruth Noack und Roger Buergel, Katalog und Kurzführer zu einem Band zu vereinen. Gleichzeitig wurde zur documenta 12 in Zusammenarbeit mit der Sparkassen-Finanzgruppe erstmals ein Audio-Guide angeboten. Die iPods in einem leuchtenden Rotton wurden umgehängt. Der Clou: Roger Buergel hatte die entscheidenden Texte selbst gesprochen. Seine Führung leitete nicht von Werk zu Werk, sondern vermittelte eine Einstimmung. In dem Führungstext offenbarte er einen Teil seines Denkens.


Aufsichtsrat

Der documenta-Aufsichtsrat, in dem die Gesellschafter der documenta GmbH, die Stadt Kassel (seit 1959) und das Land Hessen (seit 1961) zu gleichen Teilen vertreten sind, trifft alle organisatorischen Grundsatzentscheidungen für die documenta (Termin, Finanzrahmen, künstlerische Leitung und Geschäftsführung), ohne inhaltlichen (künstlerischen) Einfluss zu nehmen. Den Vorsitz hat in der Regel der Kasseler Oberbürgermeister.

In der Anfangszeit (bis 1968) war Arnold Bode geborener Ausstellungsleiter. Erst danach stellte sich die Frage, wer die Ausstellungsleitung auswählt und beruft. 1972 und 1977 gab es keine geordneten Verfahren, erst danach setzte sich die Idee durch, jeweils eine Findungskommission einzusetzen.

Dieser Weg erwies sich vor der documenta 8 aber als falsch, weil man eine 30-köpfige Findungskommission berief, in der viele Kuratoren saßen, die sich selbst als Kandidaten empfanden. Die Entscheidung für Edi de Wilde führte denn auch in die Sackgasse. Seit der documenta IX gibt es geordnete Verfahren mit überschaubaren, international besetzten Findungskommissionen. Der documenta-Aufsichtsrat wacht auch über den Betrieb der Kunsthalle und beruft mit Hilfe von Kommissionen deren Leiter.

Personen

Künstler

siehe auch

Weblinks und Quellen

  1. Action Painting im Großen Kunstlexikon von P.W. Hartmann
  2. Definition für Aktionskunst auf kettererkunst.de
  3. Arnold-Bode-Preis der documenta-Stadt Kassel
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