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Das documenta-Lexikon
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100. Geburtstag von Arnold Bode, Sonderpostwertzeichen Deutschland, Erstausgabe 9.11.2000

Die documenta ist die weltweit bedeutendste Ausstellung für zeitgenössische Kunst. Sie findet seit 1955 ursprünglich alle vier, inzwischen alle fünf Jahre für die Dauer von 100 Tagen in Kassel statt.

Die documenta 14 findet vom 10. Juni bis 17. September 2017 statt. Zuvor fand die documenta 13 vom 9. 6. 2012 bis 16. 9. 2012 in Kassel statt.

Der Name der Ausstellung wird in der Regel klein geschrieben und mitunter auch als d abgekürzt (beispielsweise d5). Die documenta wird auch, gemäß einer Formulierung von Arnold Bode aus dem Jahr 1964, "Museum der 100 Tage" genannt.


Inhaltsverzeichnis

Aus der Geschichte der documenta

Arnold Bode

Arnold Bode (1900-1977) gilt als der Vater der documenta. Der Maler, Ausstellungsgestalter und Kunstprofessor hatte bereits in den 1920er-Jahren wegweisende Ausstellungen in der Orangerie in Kassel mitorganisiert.

1955 nutzten er und seine Freunde die Bundesgartenschau, um im Museum Fridericianum die erste documenta zu organisieren, die die Kunst der Moderne seit 1900 vorstellte. Bode blieb bis 1968 maßgeblicher Organisator der documenten.

Harald Szeemann

Harald Szeemann war als Generalsekretär der documenta 5 der erste Ausstellungsmacher, der von außen kam. Seine documenta 5 rief heftigste Kritik hervor, wird heute aber als der Höhe- und Wendepunkt in der Geschichte der Kasseler Ausstellung gewürdigt.

Ihm gelang es mit seinem Team, die verschiedenen Bildwelten (bis hin zur Werbung und Kunst der Geisteskranken) zu konfrontieren. Er verhalf der neuen Künstlergeneration um Richard Tuttle, Joseph Beuys und Mario Merz zum Durchbruch.

Manfred Schneckenburger

Manfred Schneckenburger musste zweimal den Verantwortlichen aus der Verlegenheit helfen. Ihm wurde die Leitung der Ausstellungen von 1977 und 1987 übertragen, nachdem andere im Streit aufgegeben hatten.

Die documenta 6 (1977) setzte Maßstäbe, indem sie der Fotografie als Kunst und dem Video gleichberechtigte Plätze sicherte. Unvergesslich sind auch die Skulpturen im Park geblieben.

Rudi Fuchs

Rudi Fuchs war als Leiter der documenta 7 nach dem Schweizer Harald Szeemann der zweite Ausländer an der documenta-Spitze. Der Holländer propagierte 1982 den Rückzug ins Museum.

Dabei stand für ihn die Malerei im Mittelpunkt. Trotzdem eroberte die Ausstellung die Stadt: Claes Oldenburg stellte am Fuldaufer seine Skulptur Spitzhacke auf, und der Künstler Joseph Beuys leitete seine weltweit einzigartige Aktion 7000 Eichen ein.

Jan Hoet

Jan Hoet inszenierte 1992 die ausgreifendste documenta. Dem Belgier ging es darum, die Vielfalt der Ausdrucksformen zu spiegeln. Er gilt als derjenige, der die Ausstellung als großes Erlebnis bislang zum letzten Mal organisierte.

Hoet bezog erstmals Künstler ein, die nicht dem westeuropäisch-amerikanischen Kulturraum angehören. Als Erinnerung ist die Skulptur Man walking to the Sky in Kassel geblieben.

Catherine David

Catherine David war 1997 die erste Frau an der Spitze der documenta. Nach der als Jahrmarkt kritisierten Ausstellung von Hoet vollzog die Französin eine Kehrtwendung. Ihrem Konzept lag eine kulturkritische Fragestellung zugrunde.

Neben die klassische Bildende Kunst stellte sie gleichberechtigt Fotografie und Film, aber auch Literatur vor. Ein Höhepunkt ihres viel kritisierten Konzepts war die Vortrags- und Diskussionsreihe 100 Tage - 100 Gäste.

Okwui Enwezor

Okwui Enwezor, Gast der Vortragsreihe von David, knüpfte an ihren politisch-kritischen und kulturtheoretischen Ansatz an und lud erstmals Künstler aus der nicht-westlichen Welt konsequent ein. Ihm gelang die Umsetzungen seiner Ideen auf anschauliche Weise.

Seiner Documenta11 (2002) kam zugute, dass er in der ehemaligen Binding-Brauerei ideale Räume in Ergänzung zum Fridericianum und Kulturbahnhof fand.

Weitere Regiowiki-Artikel zur documenta-Geschichte

Dirk Schwarze führt durch die documenta-Geschichte

Einleitung in unsere Serie "Führung durch die documenta" (Hinweis: Diese exklusiven Autorenbeiträge sind nicht editierbar.)

1955: documenta - 1959: II. documenta - 1964: documenta III - 1968: 4. documenta - 1972: documenta 5 (mit Bildergalerie) - 1977: documenta 6 (mit Bildergalerie) - 1982: documenta 7 - 1987: documenta 8 - 1992: Documenta IX - 1997: documenta X - 2002: Documenta11 (mit Bildergalerie) - 2007: documenta 12 (mit Bildergalerien) - 2012: documenta 13 - Arnold Bode-Preis

Documenta-Lexikon mit der kompletten Künstlerliste 1955-2007

Unser documenta-Führer Dirk Schwarze



documenta 1 bis 13: Leiter - Künstler - Exponate - Besucherzahl

documenta Jahr Leiter Anzahl Künstler Anzahl Exponate Besucherzahl Link
documenta 1 1955 Arnold Bode 148 670 130 000 Führung durch die documenta 1955
documenta 2 1959 Arnold Bode, Werner Haftmann 392 1770 134 000 Führung durch die II. documenta (1959)
documenta 3 1964 Arnold Bode, Werner Haftmann 280 1450 200 000 Führung durch die documenta III (1964)
documenta 4 1968 Arnold Bode, Jan Leering 150 1000 220 000 Führung durch die 4. documenta (1968)
documenta 5 1972 Harald Szeemann 218 820 228 621 Führung durch die documenta 5 (1972)
documenta 6 1977 Manfred Schneckenburger 622 2700 343 410 Führung durch die documenta 6 (1977)
documenta 7 1982 Rudi Fuchs 182 1000 378 691 Führung durch die documenta 7 (1982)
documenta 8 1987 Manfred Schneckenburger 150 600 474 417 Führung durch die documenta 8 (1987)
documenta 9 1992 Jan Hoet 189 1000 603 456 Führung durch die Documenta IX (1992)
documenta 10 1997 Catherine David 120 700 628 776 Führung durch die documenta X (1997)
documenta 11 2002 Okwui Enwezor 118 450 650 924 Führung durch die Documenta11 (2002)
documenta 12 2007 Roger M. Buergel 113 530 754 301 Führung durch die documenta 12 (2007)
documenta 13 2012 Carolyn Christov-Bakargiev 313  ? 860 000 Führung durch die documenta 13 (2012)


documenta-Arbeiten im Kasseler Außenraum

aus der gleichnamigen Broschüre zur Ausstellung "50 Jahre documenta"

documenta-Arbeiten im Kasseler Außenraum:

(eine Auswahl)

Seit 1977 sind einige Außenskulpturen der documenta für den dauerhaften Verbleib angekauft worden oder als Geschenke in der Stadt verblieben. Es sind dies:


1) Jonathan Borofsky: Man walking to the sky, 1992


(Himmelsstürmer) lackierter Stahl, Fiberglas, Aluminium, Höhe ca. 25 m, documenta 9 (1992), Vorplatz Kulturbahnhof (ursprünglich Friedrichsplatz)


(2) Thomas Schütte: Die Fremden, 1992

Die Fremden, Keramik glasiert, documenta 9 (1992), Portal ehemaliges Rotes Palais (heute Kaufhaus Sinn Leffers), Friedrichsplatz


(3) Walter de Maria: Der vertikale Erdkilometer, 1977

Der vertikale Erdkilometer, Messing, Länge 1 km, Durchmesser 5 cm, Einfassung: Sandstein 200 x 200 cm, documenta 6 (1977), Friedrichsplatz


(4) Joseph Beuys: 7000 Eichen - Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung, 1982-1987

7000 Eichen: 3826 Eichen, 1086 Eschen, 651 Linden, 549 Platanen, 391 Ahorne, 216 Rot-Apfeldorne, 163 Robinien, 91 Kastanien, 7 Ulmen, 6 Mehlbeeren, 6 Japanische Schnurbäume, 7 Hainbuchen, 2 Walnussbäume, 1 Ginko, 1 Lederhülsenbaum, 1 Tulpenbaum und je eine Basaltstele documenta 7 (1982) - documenta 8 (1987), Stadtgebiet Kassel


(5) Horst H. Baumann: Laser-Environment, 1977

Laser-Environment: (seit 2000: Laser Scape 2000), Laserstrahlen, Reflektoren, documenta 6 (1977) - Zwehrenturm, Herkules, Orangerie, Vesta/Karlswiese, Karlsaue


(6) Max Neuhaus: Three to one, 1992

Klanginstallation, documenta 9 (1992), Treppenhaus des AOK-Gebäudes, Schöne Aussicht


(7) Ulrich Rückriem: Ein Granitblock in drei Teile gespalten, der mittlere Teil in vier Teile geschnitten.

Granitblock: Alle Teile zur ursprünglichen Blockform zusammengefügt, der untere Teil als Fundament in die Erde eingelassen, 1982; Südafrikanischer Granit, 330 x 198 x100 cm, documenta 7 (1982) Neue Galerie, Schöne Aussicht, Freigelände


(8) Per Kirkeby: Raumskulptur, 1992

Raumskulptur: Ziegelmauerwerk, 875 x 1074 x 399 cm, documenta 9 (1992), An der Karlsaue, östlich der documenta-Halle


(9) Haus-Rucker-Co: Rahmenbau, 1977

Rahmenbau: Stahl, Stahlgitter, 14 x 16,5 x 31 m, documenta 6 (1977), Gustav-Mahler-Treppe, Auehang


(10) Claes Oldenburg: Spitzhacke, 1982

Spitzhacke, Stahl, Höhe 12 m, documenta 7 (1982), Fuldaufer, Nähe Drahtbrücke


(11) Anatol: Das Traumschiff Tante Olga, 1977

Traumschiff, documenta 6 (1977), Polyester, Höhe ca. 3 m, Heinrich-Schütz-Schule, Freiherr-vom-Stein-Straße, Freigelände


(12)Jimmie Durham: "This Stone is from the Mountain / This Stone is from the Red Palace"

"This Stone is from the Mountain / This Stone is from the Red Palace", documenta 9 (1992), Sandstein, 2 Teile, Karlsaue, Gustav-Mahler Treppe


(13) Erich Hauser: Stahlskulptur, 1977

Stahlskulptur, documenta 6 (1977), Friedrichsplatz, Anfang der Gustav-Mahler Treppe


documenta Archiv

Documentaarchiv.jpg

Nach einer Idee von Arnold Bode entstand 1961 in Kassel das documenta-Archiv, bestehend aus einer Spezialbibliothek zur Gegenwartskunst und den vollständigen Akten und Materialien aus dem Umfeld der documenta-Organisation.

Das Archiv beherbergt eine Videothek mit Ausstellungs- und Aktionsdokumentationen, Künstlerporträts zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts sowie Kunstvideos aus den letzten 30 Jahren.


siehe auch


Weblinks



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