Displaced Persons

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Mit einer Wanderausstellung "Ein Leben aufs Neu" - Das Robinson Album erinnert das Fritz-Bauer-Institut an Jüdische »Displaced Persons« auf deutschen Boden 1945–1948. Es handelte sich vor allem um Zwangsarbeiter und Verschleppte der nationalsozialistischen Herrschaft, die meist aus osteuropäischen Staaten aber auch ganz Europa stammten und sich bei Kriegsende in Deutschland aufhielten.

Die Ausstellung war in der Zeit vom 12. Mai bis 12. August 2012 auch im Stadtmuseum Hofgeismar zu sehen.

Auch in der Manteuffel-Kaserne in Hofgeismar und in vielen Privathäusern waren vor etwa 70 Jahren Tausende von Flüchtlingen einquartiert.

Informationen in der HNA

Hofgeismarer Lager für Displaced Persons

Artikel aus HNA-online vom 2.12.2011:

Hofgeismar. Es ist ein beinahe vergessenes, verdrängtes Kapitel der Hofgeismarer Stadtgeschichte: In der Manteuffelkaserne und in vielen Privathäusern vor allem am Echelnberg waren vor fast 70 Jahren Tausende von Flüchtlingen einquartiert. Und über 900 Kinder wurden in dieser Zeit dort geboren, deren Spuren sich bis auf wenige verloren haben.

Das soll sich ändern. Die Hofgeismarer Autorin Julia Drinnenberg bereitet gerade eine Wanderausstellung vor, die unter dem Titel „Ein Leben aufs Neu“ im nächsten Jahr an dieses Kapitel Stadtgeschichte erinnern soll. Dafür sucht sie nun gemeinsam mit dem Stadtmuseum persönliche Erinnerungen, Fotos, Objekte, Lebenserinnerungen und Berichte über Kontakte mit den jüdischen Einwohnern des Lagers.

Kontakt war verboten

Denn offiziell war den Hofgeismarern der Kontakt zwar verboten, doch es gab viele Berührungspunkte: Beim florierenden Schwarzmarkt, Hofgeimarer Bürger arbeiteten für die Militärverwaltung, Betriebe belieferten das Lager und eine Hofgeismarerin kümmerte sich täglich um das Kleinkind einer jüdischen Familie im Lager.

Bis zu 2000 Personen, so schätzt Julia Drinnenberg, lebten in ständig wechselnder Zuammensetzung in dem Lager. Heute sind sie in alle Welt verstreut, die meisten wanderten nach Kanada, in die USA und nach Israel aus, einige wenige blieben in Europa, wo sie soviel Leid erlebten.

Einige kommen zurück

Für die Ausstellung in Hofgeismar aber wollen einige zurückkommen, möglicherweise wird die Hofgeismarer Kinderfrau sogar einige der von ihr damals betreuten Kinder wiedersehen. Bei ihren Vorarbeiten hat Julia Drinnenberg beispielsweise vom Schicksal eines Jungen erfahren, der als 17-Jähriger in das Hofgeismarer Lager kam, nachdem er vorher fünf Jahre lang den Krieg durchlitt.

Seine Lebensgeschichte verarbeitet sie gerade in einem neuen Buch. „Wir hoffen auf Unterstützung der Bürger aus Hofgeismar und Umgebung um in der Ausstellung zu zeigen, wie es den Menschen erging, die Hab und Gut verloren hatten und ausgerechnet im Land der Verfolger und Mörder Zuflucht und Schutz fanden“, sagt Julia Drinnenberg. (tty)

Stichwort Displaced Persons

Displaced Person (DP; englisch für eine „Person, die nicht an diesem Ort beheimatet ist“) war laut Online-Lexikon Wikipedia im Zweiten Weltkrieg die Bezeichnung für eine Zivilperson, die sich kriegsbedingt außerhalb ihres Heimatstaates aufhält und ohne Hilfe nicht zurückkehren oder in einem anderen Land neu ansiedeln kann.

1944 legten die Alliierten für ihre Truppen fest, wie DPs unterzubringen, zu versorgen und zu verwalten waren.

Es handelte sich dabei vor allem um Zwangsarbeiter und Verschleppte der nationalsozialistischen Herrschaft, die meist aus osteuropäischen Staaten aber auch ganz Europa stammten und sich bei Kriegsende in Deutschland aufhielten.

Die alliierten Armeen rechneten 1944 mit 11,3 Millionen DPs. (tty)


Kontaktdaten und auch einen Fragebogen auf Englisch gibt es im Stadtmuseum Hofgeismar unter 05671/4791 und auf der Internetseite www.museum-hofgeismar.de

Lager für Zwangsarbeiter gab es in Hofgeismar auch in der Nähe des heutigen Amtsgerichts (hier stand eine Baracke, in der Zwangsarbeiter untergebracht waren), weiterhin im sogenannten "Polenlager" in der Ladestraße nahe des Bahnhofs sowie in der Gastwirtschaft "Grüner Baum".

Rückkehr der Camp-Babys

Ausstellung über Displaced Persons Camps – Gäste aus den USA, Kanada und Israel

Artikel aus HNA-online vom 13.5.2012:

Hofgeismar. Das Schicksal der Menschen jüdischen Glaubens, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges überlebt hatten und heimatlos geworden, in sogenannten Displaced Persons Camps untergebracht waren, steht im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung im Stadtmuseum Hofgeismar. Eine Foto-Dokumentation des Fritz-Bauer-Instituts Frankfurt über DP-Camps wurde von den Hofgeismarer Ausstellungsmachern um bisher unbekanntes Bild- und Dokumentenmaterial erweitert.

Wie in vielen anderen Städten waren auch in Hofgeismar von 1946 bis 1949 Menschen – überwiegend jüdischen Glaubens und meist aus Osteuropa – in Camps (Manteuffelkaserne und Echelnberg) oder in beschlagnahmten Privathäusern untergebracht.

An der Eröffnung der Ausstellung „Ein Leben aufs neu“ nahmen unter anderem Gäste jüdischen Glaubens aus Israel, den USA und Kanada teil, die damals in Hofgeismar geboren wurden. Sie unterstützten die Arbeit von Julia Drinnenberg, stellvertretende Abteilungsleiterin des Hofgeismarer Museums, mit Berichten, Dokumenten und Fotos.

Die Fotos aus Frankfurt machten es dem Ausstellungsbesucher schwer, weil weitgehend Kommentare fehlen, so Museumsleiter Helmut Burmeister. Aber wenn man sich eingefunden habe, ließe sich das Leben aus dem Zeilsheimer Camp nachvollziehen. Der Hofgeismarer Arbeitsansatz ist ein anderer: Ehemalige Camp-Bewohner oder die Nachkommen füllten Fragebögen bezüglich der Organisation und dem Aufbau des Lagers aus. Und sie berichteten wie sie selbst oder Familienangehörige den Holocaust überleben konnten.

„Ich bin so einsam wie ein Stein“ – den erschütternden Zeilen des Sheps Sheik, der aus dem Hofgeismarer Camp um einen Invalidenausweis bat, stehen in der Ausstellung Dokumente und Fotos gegenüber, die von der Bereitschaft sprechen, sich „ein Leben aufs neu“ aufzubauen.

Während des langen Wartens auf ihre Ausreise gestalteten sich die Menschen ihr Leben im Lager so nah wie möglich an dem, was sie aus der Zeit vor brutaler Verfolgung und Vernichtung kannten. Fotos und Berichte geben Einblick in das Arbeitsleben, Bildungseinrichtungen, kulturelle Veranstaltungen wie die Aufführung eines Theaterstücks bis hin zum Freundschaftsspiel der Camp- Fußballer gegen den Hofgeismarer Sportverein. Im Makkabi Sportclub boxten die Männer, und zuhause nähten die Frauen Erwachsenenkleidung zu Kinderkleidung um. Für die Bereitschaft ein Leben aufs neu zu beginnen, spräche auch die hohe Zahl der Hochzeiten und Geburten, erklärte Drinnenberg.

Vizelandrätin Susanne Selbert nannte die Ausstellung ausgesprochen bewegend. Sie sei vor allem eine Geschichte von Menschen, so Selbert.

von Ingrid Vossen

Literatur

  • Chaim/Imek Segal, Chaim heißt Leben - Ein jüdisches Schicksal in Boryslaw und ein Neuanfang in Hofgeismar (Redaktion: Julia Drinnenberg), Hofgeismar/Toronto 2012

siehe auch

Weblinks