Die Twai Bräuer

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In Kossmanssdorf, einem kleinen, schon lange nicht mehr vorhandenen, Dorf im Westerhöfer Wald lebten vor Jahrhunderten nur Bauern und Holzknechte. Es gab dort keine Handwerker und somit auch keinen Schmied. Eines Tages machten sich nun zwei Knaben, zwei Brüder im Alter von 10 und 12 Jahren, auf den Weg von Kossmansdorf nach Westerhof, um beim dortigen Amtsschmied die Pflugscharen von ihres Vaters Hof schärfen zu lassen. Sie waren noch nicht lange gegangen, da gerieten sie in einen fürchterlichen Streit, der in eine fürchterliche Schlägerei ausartete. Sie schlugen immer heftiger mit den Plugscharen aufeinander ein. Der Kampf war derart heftig, das beide Knaben an ihren schweren Verletzungen starben und tot auf dem Kampfplatz liegen blieben. Zur Erinnerung an ihre beiden Jungen pflantzten die Eltern an diesem Platz, an dem diese Tat geschehen war und die beiden toten Knaben gefunden wurden, zwei Eichen, welche zu zwei riesigen Bäumen heran wuchsen. Beide Bäume wurden uralt, wobei eine der Eichen immer ein klein wenig grösser war, als die andere, wie auch bei den Knaben der eine etwas grösser war.

Viele Jahre später -von Kossmannsdorf gab es nur noch die Erinnerung- waren zwei Brüder von der Marke vor das Amtsgericht Westerhof geladen. Sie lebten seit Jahren im Streit und hassten sich so sehr, das nur noch der für Marke zuständige Westerhöfer Amtsrichter über eine Klage entscheiden konnte. Sie hatten sich, um sich aus dem Wege zu gehen, zu unterschiedlichen Zeiten auf den Weg nach Westerhof gemacht. Das Schicksal wollte es, dass sie gerade in der Nähe der „Twai Bräuer“ aufeinander trafen. Sofort wollten sie aufeinder losgehen, hatten schon ihre Stöcke zum Zuschlagen erhoben, als sie ein starkes Rauschen in den Kronen der beiden Eichen hörten. Sie schauten nach oben; das Blut gefror ihnen in den Adern und die Knüppel entfielen ihren Händen. Sie sahen, dass die beiden Eichen mit ihren Zweigen derart heftig aufeinander loshieben, dass der Saft wie hellrotes Blut an den Stämmen herunterlief. Da sagte der eine Bruder zum anderen: „Brauer, kumm gif meck daine Hand un lat ösch verdragen un na Hause gahn. Dat is an Fingerteiken auses laiben Gottes!“. Sie vertrugen sich und lebten von nun an in gutem Frieden miteinander. Der Amtsrichter wartete an diesem Tag vergebens auf seine Delinquenten.

Die Eichen stehen heute nicht mehr. Aber unsere Grossmutter, die uns diese und noch viele andere Sagen aus unserer Gegend erzählt hat, hat sie in ihrer Jugend noch selbst gesehen. Die Stelle aber, an der die Eichen einst standen, heisst noch heute „die Twai Bräuer“. Sie liegt direkt an der Forststrasse vom Waldparkplatz Rehhagen zum Jagdhaus auf der linken Seite etwa da, wo der steile Anstieg in ein etwas flacheres Stück übergeht. Von hier aus hatte man früher, als „Kleinbahns Minna“ noch fuhr, einen herrlichen Blick auf die „Grosse Brücke“, dem grossen Viadukt der Kreisbahn im Westerhöfer Wald.