Töpferei (Fritzlar)

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Der Mann war ein Meister seines Faches. Er war in der Welt herum gekommen und fertigte direkt vor den Toren der Stadt Fritzlar kunstvolle Kacheln, vor 500 Jahren. Jetzt wurden Teile seiner Töpferei auf der Großbaustelle in der Fritzlarer Innenstadt gefunden.

Und es gibt immer mehr Hinweise, dass noch einmal zwei- bis dreihundert Jahre zuvor dort eine Burg stand, die bis zu 150 mal 150 Meter groß gewesen sein könnte. So steht es jedenfalls in alten Plänen, erläuterte der Fritzlarer Museumschef Dr. Johann-Henrich Schotten.

An der Stelle entsteht ein neues Einkaufszentrum, in dem unter anderem Geschäfte für Lebensmittel, Mode und ein Café einziehen sollen. Der Bau wird vom Archäologen Dr. Jürgen Kneipp aus Züschen begleitet, der dort seit Mitte Januar mit seinem Team im Einsatz ist.

Dr. Kneipp stieß dabei auf den Eingang zu einem Brennofen für die Kacheln. Das Ofenrohr war mit Erde aufgefüllt worden. Darin und in der Umgebung entdeckten die Archäologen viele Kacheln und Models, Rohformen für Kacheln.

Die Kacheln seien von ungewöhnlich hoher Qualität, urteilt der Archäologe. Zu den schönsten Funden gehört eine Gussform, auf der Petrus zu erkennen ist, mit fein gearbeiteten Zügen und Details.

Doch der Meister fertigte auch Blumenmuster, Engelsfiguren und anderes an, ergeben die Funde. „Er war ein Kind seiner Zeit“, sagt Dr. Kneipp, „und er hat viel gesehen.“ So sei er möglicherweise in Südeuropa, etwa in Italien oder Frankreich unterwegs gewesen und habe dort gelernt.

Seit den neuen Funden ist der Künstler auch nicht mehr anonym, denn im 16. Jahrhundert begann man, eigene Werke zu signieren. Dr. Kneipp fand eine solche Inschrift auf einer Kachel. Zusammen mit einem älteren Fund aus der Spitalsgasse in Fritzlar lässt sich der Name zusammen setzen: Hans Berman.

Der Standort der Töpferei, die vermutlich mehre Öfen hatte, lag vor den Toren der Stadt; wegen der Brandgefahr. Denn damals hatten die meisten Häuser noch Strohdächer. Für Berman hatte der Ort einen Vorteil: Er belieferte die Oberschicht Fritzlars und war an der Handelsstraße Richtung Wolfhagen und Paderborn präsent.

Viel weniger ist über die Burg bekannt, die an der selben Stelle im Mittelalter gestanden haben könnte. Es gebe einige Hinweise auf das alte Gemäuer, sagt Dr. Kneipp. Der Erzbischof könnte dort eine Burg gehabt haben, oder die von Hunds. Bewiesen ist das aber nicht.

Schnell und flexibel müssten sie arbeiten, um Funde zu machen und zu sichern, sagt er. Um die Sicherung des Töpferofens machen sich auch Fritzlarer Gedanken. Man wolle Geld auftreiben und mit dem Investor reden, um den Ofen sichtbar zu erhalten, sagte Gerhard Methner vom Verein Pro Fritzlar.

Aus Sicht des Archäologen klappt die Zusammenarbeit mit den Bauherren gut, sagt Dr. Kneipp. Dieser muss übrigens auch die archäologischen Arbeiten auf der Baustelle des neuen Einkaufszentrums bezahlen.


Quelle

  • HNA (2008), Autor: Olaf Dellit

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