Die Revolution von 1848 in Kurhessen

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Die Deutsche Revolution von 1848/49 stärkte auch die liberalen Kräfte im Kurfürstentum Hessen. Es war die Zeit, als besonders zwischen Juni und September 1848 die "Grundrechte des deutschen Volkes" in der Nationalversammlung der Frankfurter Paulskirche leidenschaftlich diskutiert wurden.

Das Scheitern der Revolution und das rasche Wiedererstarken der alten Mächte ändern nichts daran, dass ihre Leitideen zu den bedeutendsten demokratischen Traditionen zählen.

Geschichte

Im Jahre 1830 brach in Frankreich die Juli-Revolution aus, die sich durch ganz Europa zog und auch in Kassel ihre Spuren hinterliess. Die äußeren und inneren Umstände dieser Umwälzung führten zur bekannten Überreichung der Petition an den Kurfürsten am 15. September 1830 durch Carl Schomburg, Kassels erstem Bürgermeister, an der Spitze einer Bürgerdelegation. Sie führten dann in der Folgezeit zur demokratischen Kurhessischen Verfassung von 1831.

Das Ständehaus in Kassel
(LWV Hessen-Archivbild)

Aber diese Errungenschaft hatte nicht automatisch ein liberales Hessen zur Folge. Zu stark waren die Kräfte, die diese Bestimmungen als für den Staat gefährlich empfanden. Außerdem machte sich schnell bemerkbar, dass ab 1831 der Sohn des Kurfürsten (Friedrich Wilhelm I.), der die Verfassung ablehnte, Mitregent geworden war.

Es folgten heftige politische Auseinandersetzungen mit den mehrheitlich liberal gesinnten Ständen im Land und manch liberal denkender Zeitgenosse war an den Auseinandersetzungen zwischen dem Streben nach mehr Demokratie einerseits und dem Kampf des Landesherren um den Erhalt seiner absolutistischen Macht andererseits beteiligt.

Auf Druck der Verfassungsbefürworter der Revolution von 1848 hatte der Kurfürst am 11. März vollständige Pressefreiheit versprochen, und schon am 15. März 1848 erschien eine Probenummer der „Neuen Hessischen Zeitung“. Ihr Herausgeber: der Kasseler Anwalt Dr. Friedrich Oetker. In kurzer Zeit wurde die liberale Zeitung zum meistgelesenen Blatt Kassels.

Die Revolution von 1848 endete in Kurhessen damit, dass Bürgerdeputationen aus dem ganzen Land dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. ihre Forderungen überbrachten. Etwa fünfzig Reformgesetze wurden bis zum Herbst 1848 im Kurfürstentum verabschiedet.

Letztlich wurden auch die Errungenschaften der Märzrevolution in Kurhessen, ebenso wie in anderen deutschen Staaten, in den Folgejahren weitgehend rückgängig gemacht. Zwar hatte die Revolution von 1848 noch einmal die liberalen Kräfte gestärkt, doch ab 1850 setzte sich die Restauration durch und bereits im Jahre 1852 wurde die Verfassung außer Kraft gesetzt.

Nach der Revolution von 1848 kam es im Herbst 1850 zur offenen Auflehnung in Kurhessen. Als die Ständeversammlung der Regierung sogar die Steuern verweigerte, löste Friedrich Wilhelm I. die Ständeversammlung am 12. Juni 1850 auf und verhängte den Kriegszustand über sein Land.

Nachdem fast alle Offiziere daraufhin den Dienst quittierten, bat er den Bundestag in Frankfurt (das oberste Organ des Deutschen Bundes) um Hilfe und floh. Denn die kurhessischen Offiziere hatten ihren Eid nicht nur auf den Kurfürsten, sondern auch auf die Verfassung geleistet. Etwa 80 Prozent der Offiziere reichten zwischen dem 9. und 12. Oktober 1850 ihre Entlassungsgesuche ein und machten damit das kurhessische Militär handlungsunfähig.

Österreich entsandte im Auftrag des Deutschen Bundes bayerische Truppen, die sogenannten Strafbayern, in das Kurfürstentum Hessen, danach marschierten auch preußische Truppen ein, was die Rückkehr von Kurfürst Friedrich Wilhelm I. sicherte.

Nach dem Scheitern der Revolution startete der „Bundestag“ eine Strafexpedition gegen die hessischen Rebellen.

Siehe auch

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