Die Herkulesbahn

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Bis in das Jahr 1966 fuhr noch unsere Herkulesbahn (Volksmund) durch das Druseltal - je nach Jahreszeit als Sommer oder Winterzug.

Von einer Himmelfahrtstour eines Gesangvereins kam ein Bundesbediensteter - und neuer stolzer Gebissträger - mit dieser Herkulesbahn am späten Nachmittag von Wilhelmshöhe nach Kassel gefahren.

In einem Ausflugslokal in Wilhelmshöhe hatten sich die wackeren Sangesbrüder niedergelassen, um den Tag mit Essen, Trinken und Gesang ausklingen zu lassen. Nach einigen Magenbittern - wegen der Verdauung versteht sich - wurde nun die Heimfahrt mit der Herkulesbahn gestartet. Das Gefährt, mit Sangesbrüdern und anderen Passagieren beladen, schaukelte gemütlich talwärts nach Kassel.

Durch diese behagliche Schaukelei angeregt, musste ein Sangesbruder sich in Höhe der Wittichkaserne schweren Herzens übergeben. Um die Herkulesbahn aber nicht zu verunreinigen, beugte sich der wackere Chorsänger kühn über das an dem Ausstieg angebrachte Sicherheitsgitter und gab dem inneren Drang nach. Das Malheur kam stehenden Fußes - nach einigem Würgen und Zack – entwich das neue edle Gebiss mit dem übrigen Mageninhalt.

Die frische Ware verteilte sich irgendwo draußen an den Gleisen. Für den eifrigen Sänger ein Desaster - der Tag war nun gelaufen. Zuhause beichtete er, tapfer und nuschelnd, das ungeheuere Drama der Ehefrau.

Na! Das war eine Aussprache.

Aber was nun?

So ist, am darauf folgenden Tag, die gute Ehefrau an der Herkulesbahn diskret, es sollte ja nicht auffallen, zur Prothesensuche ausgeschwärmt. Das Ergebnis war niederschmetternd, denn das unvergleichliche Stück war trotz gründlicher Suche nicht mehr zu finden. Jetzt musste schnell Ersatz herbei, aber das dauerte, denn der Erwerb einer neuen Anfertigung war nicht so einfach.

Wie sich der Unglücksmensch danach bei seinen Kollegen rausgewurschtelt hat, ist dem Verfasser dieser Schrift nicht bekannt.

H. Kratzenberg