Die Braunkohle kam vom Möncheberg

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Arbeiten unter Tage

1964 ging eine 143-jährige Bergbaugeschichte in Ihringshausen zu Ende

Als Werner Henschel, Sohn des Kasseler Stück- und Glockengießers Georg Christian Carl Henschel, am 16. November 1820 ein Gesuch zur Erteilung eines Mut- und Schürfscheines für die Feldmarken Kassel, Wolfsanger und Ihringshausen bei der kurfürstlichen Oberrentkammer einreichte, konnte er wohl kaum ahnen, welche wirtschaftliche Bedeutung dies für die Region einmal haben sollte. Mit der Gründung der Braunkohlenzeche auf dem Möncheberg begann eine mehr als 140-jährige Bergbaugeschichte in Ihringshausen.

Schon 1834 wurde eine zweite Genehmigung zur Erweiterung des Grubenfeldes am Möncheberg erteilt. Zu dieser Zeit wurden jährlich nur etwa 216 Tonnen Kohle unter primitiven und schwierigen Arbeitsbedingungen gefördert. 1845 kann Werner Henschel die Kohleflöze erneut in Richtung Ihringshausen ausdehnen, was zu einer wesentlichen Steigerung des Kohleabbaus führte. Aus alten Unterlagen geht hervor, dass die Schürf- und Mutrechte zu dieser Zeit bei Werner Henschel, seinem Bruder Anton und dessen Sohn Karl Alexander lagen.

1847 verkaufte Werner Henschel seinen Anteil an den Fabrikanten Philipp Schwarzenberg und zog nach Rom. Auch der am Werk beteiligte Zimmermeister Adam Koch verkaufte seinen Anteil an Karl Alexander Henschel. Bereits wenige Jahre später verstarb Schwarzenberg und Karl Alexander erwarb auch das letzte Drittel, sodass er Alleinbesitzer wurde. Schwarzenberg hatte einen neuen Förderschacht, eine neue Förderbahn mit Schienen über und unter Tage sowie einen Pferdegöpel bauen lassen. Mit diesen technischen Neuerungen wurde im außerordentlich strengen Winter 1855 sehr viel Kohle gefördert und erstmalig ein Überschuss von 1000 Talern erwirtschaftet. Im Jahre 1867 liegt die jährliche Förderung bereits bei 6455 Tonnen Braunkohle.

Der schwarze Rohstoff der Möncheberger Zeche wurde größtenteils für die mit der Grube verbundenen Ziegeleien verbraucht. Etwa zur gleichen Zeit war mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Kassel-Bebra begonnen worden, und man setzte große Erwartungen auf die neue Eisenbahn. Hoffnungen, die sich zum Teil auch erfüllten, denn der Absatz der Möncheberger Kohle stieg sprunghaft an.

1899 wurde die Gewerkschaft in eine Aktiengesellschaft überführt und eine Brikettfabrik errichtet. Von 1903 an nahm das Möncheberger Kohlebergwerk einen stetigen wirtschaftlichen Aufschwung. Die größte geförderte Kohlemenge konnte 1921 mit 237404 Tonnen erreicht werden. Doch im Mai 1943 waren die Kohlevorräte weit gehend erschöpft. Zwar befand sich am Rand des Vorkommens noch ein Restfeld von etwa 300000 Tonnen, doch über diesem Gebiet lag die kriegswichtige Heeresmunitionsanstalt Ihringshausen West, die den weiteren Abbau verhinderte. Das Werk wurde stillgelegt.

Erst 1951 lief der Betrieb der Hessischen Braunkohle- und Ziegelwerke GmbH, die als Nachfolgegesellschaft die Restvorkommen ausbeutete, wieder an. 1954 bis 1961 wurden nochmals 335000 Tonnen Kohle gefördert. Am 3. November 1963 wurde die letzte von rund 15 Millionen Tonnen Braunkohle zu Tage gebracht. Allein 6 Millionen Tonnen konnten während des 143 Jahre währenden Bergbaus im Tagebau gewonnen werden. Mit der Sprengung des ehemaligen Betriebsschornsteins, der als Wahrzeichen von Ihringshausen galt, verschwand auch der letzte sichtbare Rest der Möncheberger Industrieanlage für immer.

Im Fuldataler Heimatmuseum sind noch zahlreiche Fotos und Dokumente aus der Geschichte der Braunkohlen- und Ziegelwerke zu sehen.

Literatur

siehe auch