Dianawerk

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Die ehemalige Maschinenfabrik Dianawerk lag an der Grenze zwischen dem Kasseler Stadtteil Bettenhausen und der sog. "Afrika-Siedlung".

Seniorchef und Alleininhaber der Maschinenfabrik war Hermann Schaumburg.

Diana-Werk (Maschinenfabrik Dianawerk, Hermann Schaumburg)

Quellen

Unterlagen über das Dianawerk sind sehr spärlich. Von Hans Holbein, der von 1957 bis 1959 hier als Ingenieur tätig war, erhielt ich die Druckfahne einer Selbstdarstellung durch die Firmenleitung. Den gleichen Text fand ich dann in der Bettenhäuser Chronik von Kurt Klehm:

Selbstdarstellung

Das DianaWerk aus der Luft

Die Maschinenfabrik Dianawerk - HERMANN SCHAUMBURG

In Bettenhausen kaum genannt, doch in der ganzen Welt bekannt.

Das ist die Maschinenfabrik Dianawerk Hermann Schaumburg in der Forstfeldstraße, hart an der Grenze zwischen Bettenhausen und einem „anderen Erdteil" (Hier ist die sog. "Afrika-Siedlung" gemeint. Anm. Falk Urlen).

Dieses rührige Werk ist ein „gebürtiger" Bettenhäuser Betrieb, denn in den Dezembertagen des Jahres 1928 entstand unter den schwierigsten Umständen eine kleine Werkstatt im Salzmannshof in der Leipziger Straße. Hier wurde die patentierte Erstlingskonstruktion, die Universal Schneidemaschine, in Fachkreisen kurz „Speckschneider" genannt, ausgeführt. Die Maschine ist ein unentbehrlicher Helfer für jeden Metzger, Fleischer, Schlachter, für Fleisch- und Gemüsekonservenfabriken und ähnliche Betriebe geworden.

Aus dem damaligen Gesamtbetrieb hatte sich 1935 die selbständige Vertriebsorganisation Meisenzahl & Co. herausgelöst und der Fabrikationsbetrieb wurde von Herrn Ingenieur Hermann Schaumburg allein weitergeführt.

Schnell eroberte sich die vervollkommnete und ausgereifte Spezialmaschine den Fachmarkt - und sie wuchs aus den „Kinderschuhen", so daß die „Kinderstube" im Salzmannshof bald zu klein wurde. (Übrigens, wenn Sie, lieber Leser, einmal Blutwurst essen und Sie sehen darin die geometrisch genauen Speckwürfel, dann wissen Sie nun, womit diese hergestellt worden sind: mit eben dieser Diana-Universalschneidemaschine!)

Im Laufe des Jahres 1938 zog das Dianawerk in die Fabrikgebäude der Forstfeldstraße um und das Fertigungsprogramm konnte in neuen Räumen erweitert werden. Der Kleinbetrieb wuchs zu einem ansehnlichen mittleren Werk heran - und dann kam der Krieg. Auch das Dianawerk wurde in die Rüstungsproduktion einbezogen und die Spezial-Fleischereimaschinen wurden nur noch in einer Nebenfertigung gebaut.

Obwohl der Betrieb vom Bombenkrieg fast verschont blieb, mußte er trotzdem nach dem Zusammenbruch wieder durch die fleißigen Hände seiner Werker aufgebaut und fertigungsreif gemacht werden. Bis zur Währungsreform dominierte wie in alten Zeiten der bewährte „Speckschneider", doch dann wurden in stetiger Folge Elektro-Fleischwölfe, Elektro-Kutter sowie Zwillinge (das sind kombinierte Kutter-Wölfe) und hydraulische Wurstfüller konstruiert und in die Serienfertigung aufgenommen.

Durch die unermüdliche Tatkraft des Inhabers, Herrn Ingenieur Schaumburg, wies das Werk bald Vollbeschäftigung auf mit nahezu 350 Belegschaftsmitgliedern. Im Oktober 1952 sank die Lackiererei und die angrenzenden Montagebetriebe durch ein Großfeuer in Schutt und Asche. Aus den Trümmern aber wuchs dann eine moderne Werksanlage.

Trotz mannigfacher Krisenerscheinungen ist das heutige Bauprogramm sehr vielseitig und die produzierten leuchtend roten Spezial-Fleischereimaschinen gehen hinaus -- in die ganze Welt --, ihr Ursprung aber ist: “Made in Bettenhausen".

Anmerkungen eines Werksangehörigen

Hans Holbein beschreibt in einer Aktennotiz seine ersten Eindrücke:

“Das DIANA-Werk war eine kleine Maschinenfabrik in der Fleischereimaschinen hergestellt wurden. Fleischwölfe, Cutter, Wurstfüllmaschinen, und der patentgeschützte Speckschneider, eine Erfindung von Herrn Schaumburg Senior, waren die Hauptprodukte. Aber auch hochpräziese Bohrwerke wurden hier entwickelt und gebaut. Die Fertigung wurde jedoch aus Konkurrenzgründen wieder eingestellt. Die Fabrik hatte ca. 70 Arbeitern und Angestellten sowie ca. 30 Lehrlinge.

Eine große mechanische Werkstatt mit zahlreichen Drehbänken, Fräs-, Schleif- und Bohrmaschinen, mehreren Bohrwerken und einer etwa 3 Meter Karusselldrehbank war die Arbeitsstelle von etwa 20 Arbeitern unter der Aufsicht von Meister Wassermann. In der rechten Seite der Montagehalle wurden Cutter vom Vorarbeiter Keppler und seinen Mannen zusammen gebaut. In der linken Hälfte wurden Fleischwölfe von Herrn Fink montiert. In einer anderen Halle wurden von Meister Löwer und seiner Truppe Speckschneider hergestellt. Im Erdgeschoß war Herr Steinigk und Herr Schwab dabei, Spezialmotore für alle Maschinen herzustellen. Weiter wurde die Lackiererei, das Materiallager, das Halbzeuglager mit der Sägerei und die Halle drei besichtigt...

Werksangehörige Ende der 50er Jahre

In einem Nebengebäude waren die technischen Zeichner Herr Heinrich Riebeling und Herr Wolfgang Niedental an großen Zeichenmaschinen dabei, technische Unterlagen zu erstellen. Alles in allem hatte ich einen zufriedenstellenden Eindruck, wenn auch das angebotene Anfangsgehalt von 500.- DM / Monat für einen mittellosen Ingenieur mit Familie nicht sehr verlockend war. Doch eine in Aussicht gestellte Erhöhung nach der Probezeit, eine preiswerte Werkswohnung sowie ein kleiner Garten, gaben schließlich den Ausschlag.”

Ende der 50-er Jahre wurde der Konkurrenzdruck so groß, dass das Unternehmen aufgeben mußte. Die Produktion war zu klein, um wettbewerbsfähig zu sein, ein anderes Problem war wohl, dass noch alle Einzelteile selbst erstellt wurden; die benötigten Motoren wurden im Werk gewickelt."

Das Arbeitsklima, so Hans Holbein, war für damalige Zeiten vorbildlich.

Zusatzinformationen

Die Meinung, dass hier früher Luftgewehre produziert wurden, ist ein Irrtum; meines Wissens nach hatte das Kasseler Diana-Werk nichts mit dem Luftgewehrproduzenten in Rastatt zu tun.

Ein Zeitzeuge erklärte mir, dass er 1941 als Schüler in den Ferien hier Granathülsen gedreht hat, die dann durch eine Prüfungsabteilung der Wehrmacht, die auf dem Gelände untergebracht war, auf Dichtigkeit geprüft wurden und anschließend verpackt und auf Güterwagen verladen wurden.

Die Maschinenfabrik Diana war u.a. auch als Zuliefererbetrieb für den bei der Fa. Henschel & Sohn Kassel gefertigten Panzerkampfwagen Tiger II (Sd.Kfz 182 - auch "Königstiger" genannt), der von 1943 bis 1945 in Kassel gefertigt wurde (insgesamt ca. 480 Panzer) , aufgeführt. Es wurden für diesen Panzertyp Laufräder für das Staffelaufwerk gefertigt und geliefert. Ein Hinweis dazu findet man in dem Buch "Der Panzerkampfwagen Tiger und seine Abarten" von Walter J. Spielberger / Hilary L. Doyle. Inwieweit weitere Teile für die Rüstungsindustrie in der Zeit gefertigt wurden, ist nicht bekannt. --Sku 23:51, 5. Jan. 2011 (CET)

In der Windhukstrape 38 gab es ein Zwangsarbeiterlager, es war für "Ostarbeiter" und für "Westarbeiter" eingerichtet und mit einem Stacheldrahtzaun umgeben. Von Misshandlungen im Lager berichtet eine Polizeimeldung aus der Nachkriegszeit.

--Falk D. Urlen 15:11, 20. Mär 2007 (CET)